Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Political Science

Das Reich Gottes als Polis. Analogien zwischen aristotelischer politischer Theorie und der Apokalyptik des Buches Daniel

Title: Das Reich Gottes als Polis. Analogien zwischen aristotelischer politischer Theorie und der Apokalyptik des Buches Daniel

Term Paper , 2023 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexander Berghaus (Author)

Political Science
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Buch Daniel beschreibt das Reich Gottes als einen idealen und den irdischen Kontext transzendierenden Zustand. In dieser Arbeit wird entsprechend auf Basis politisch-eschatologischer Theorie geprüft, inwiefern die Verheißung des Buches Daniel mit dem aristotelischen Idealzustand einer Gemeinschaft als Polis analog sein kann.

Die Trennung von Religion und Politik ist einer der zentralen Markenkerne vieler moderner westlicher Demokratien. Das Gebot der Laizität, mindestens aber der Säkularität wird oftmals, ähnlich einer Monstranz, vor den politischen Gemeinwesen hinweggetragen, wenn religiöse Einflüsse auf staatliche Organe einzuwirken versuchen. Gleichwohl bestreitet in diesem Kontext wohl kaum noch jemand die große Bedeutung der Religionsfreiheit, sowohl in ihrer positiven, als auch in ihrer negativen Ausprägung. Die Trennung des Politischen und des Religiösen nimmt ihren Ausgangspunkt allerdings mitnichten erst in der Moderne, im Zuge der weitreichenden Demokratisierung in der Folge der Französischen Revolution, sondern lässt sich ideengeschichtlich deutlich weiter zurückverfolgen. Die aristotelische Theorie des Politischen wurde bewusst ebenfalls ohne jedweden Gottesbezug verfasst und weist keinerlei Auseinandersetzung mit dem Göttlichen oder der Theodizee auf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vereinbarkeit aristotelischer politischer Theorie mit der Apokalyptik Daniels

2. Der Mensch als „zoon politikon“ in der Daniel-Erzählung des Alten Testaments

2.1 Aristotelische Grundlegung des Menschen als zoon politikon

2.2 Anhaltspunkte für den Menschen als politischem Lebewesen im Buch Daniel

3. Fremdherrschaft als Verfallsgeschichte – die Vier-Reiche-Lehre im Angesicht der aristotelischen Typologie der Regierungsformen

3.1 Die Grundsätze aristotelischer Herrschaftstypologie

3.2 Apokalyptik Daniels im Lichte einer Verfallsgeschichte von Herrschaft

4. Notwendigkeit apokalyptischer Ansagung: Voraussetzungen göttlicher Polis

4.1 Apokalyptische Ansagung als Vorbereitung eines himmlischen Gemeinwesens?

4.2 Universalisierung Jahwes als Sinnbild der Freiwilligkeit

5. Das Reich Gottes als Polis und Erfüllung menschlicher Natur?

6. Das Buch Daniel als Ausdruck des Menschen als politischem Wesen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen und ideengeschichtlichen Schnittstellen zwischen der säkularen antiken Staatsphilosophie des Aristoteles und der biblischen Apokalyptik des alttestamentarischen Buches Daniel. Im Mittelpunkt der Forschungsfrage steht die Erörterung, inwiefern sich die aristotelische Anthropologie des Menschen als von Natur aus politischem Wesen (zoon politikon) im Verhalten der Akteure des Danielbuches widerspiegelt und in welchem Maße das erwartete endzeitliche Reich Gottes als Vollendung einer gemeinwohlorientierten Polis im Sinne der aristotelischen Herrschaftslehre verstanden werden kann.

  • Analyse der Vereinbarkeit von klassischer griechischer Politiktheorie und biblischer Eschatologie
  • Rekonstruktion des Menschenbildes als zoon politikon anhand der Erzählungen und Handlungen im Buch Daniel
  • Interpretation der biblischen Vier-Reiche-Lehre als Verfallsgeschichte im Lichte der aristotelischen Typologie von Herrschaftsformen
  • Bedeutung von Fremdherrschaft, religiöser Unterdrückung unter Antiochus IV. Epiphanes und hellenistischem Synkretismus
  • Die Bürgerschaftsqualität der Gläubigen und das Reich Gottes als gerechtes, gemeinwohlorientiertes jenseitiges Gemeinwesen

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Grundsätze aristotelischer Herrschaftstypologie

Eine kurze Darstellung der aristotelischen Herrschaftstypologie ist aufgrund der in der Folge angestellten Überlegungen zur Verfallsgeschichte von Herrschaft im Buche Daniel und der Untersuchung des Polischarakters des erwarteten ewigen Gottesreiches unabdingbar. Im Wesentlichen bestimmt sich die Herrschaftstypologie entlang zweier Achsen. Einerseits bestimmend ist die reine Zahl der Herrschenden (vgl. Schmidt 2019: 16). Diese wird in die Einerherrschaft, die Herrschaft der Wenigen und die Herrschaft der Vielen aufgeteilt (vgl. Schmidt 2019: 16). Die zweite Achse, anhand der die Herrschaftsformen typologisiert und differenziert werden kann, besteht in der Frage, zu wessen Wohl geherrscht wird (vgl. Schmidt 2019: 16). Hier ergeben sich zwei Kategorien: die Herrschaft zugunsten des Gemeinwohls und die Herrschaft aus Motiven des Eigennutzens (vgl. Schmidt 2019: 16). Aus diesen zwei Achsen ergeben sich schlussendlich Gegensatzpaare die jeweils im Sinne des Gemeinwohles als gute und verfehlte Regierungsformen zu charakterisieren sind. Für die Alleinherrschaft besteht der Gegensatz in Monarchie und Tyrannis, für die Herrschaft der Wenigen in der Aristokratie und der Oligarchie und schlussendlich für die Herrschaft der Vielen, in den Formen von Politie und Demokratie. Im Vorgriff auf die folgende Analyse der Herrschaftsformen im Buch Daniel, muss insbesondere den Herrschaftsformen der Einerherrschaft besondere Bedeutung beigemessen werden.

Um eine genaue Analyse der bestehenden Herrschaftsformen innerhalb des Buches Daniel vornehmen zu können, muss eine genauere Ausdifferenzierung des qualitativen Faktors, der Gemeinwohlorientierung von Herrschaft, erfolgen. Dies wirft die zentrale Frage nach den Faktoren auf, anhand derer sich Gemeinwohlorientierung bestimmt. Der Staatsmann und Herrscher ist grundsätzlich Träger erkennenden Wissens und entsprechend eines von der reinen Handlung entblößten Wissens (vgl. Fleischer 1976: 148). Innerhalb dieser Wissenskategorie ist er Träger des anordnenden Wissens, was sich wiederum auf die Erhaltung und Ernährung des Lebendigen bezieht (vgl. Fleischer 1976: 149). Diese Grundvoraussetzung allein reicht allerdings nicht aus, um eine Gemeinwohlorientierung zu begründen, da wohl jeder Herrscher ein implizites Interesse an der Erhaltung alles Lebendigen innerhalb seines Reiches hegt. Dennoch kann der gemeine Nutzen von Herrschaft exakter bestimmt werden. Er liegt darin, die Vorzüge von Freiheit, Vermögen und Tugend zu erkennen und in der Folge für die Bürger zugänglich zu machen (vgl. Schmidt 2019: 16). In dieser Form der Herrschaft liegt der Kern der Bestätigung der menschlichen politischen Natur. Daraus folgt als abschließende Bemerkung, dass es ausschließlich die guten, d.h. am Gemeinwohl orientierten Regierungsformen sind, die dem Menschen als politischem Wesen tatsächlich Rechnung tragen (vgl. Mätzig 2008: 33). Diese Feststellung ist für den weiteren Verlauf der Untersuchung elementar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vereinbarkeit aristotelischer politischer Theorie mit der Apokalyptik Daniels: Das Kapitel begründet die Zusammenführung der säkularen aristotelischen Theorie mit der biblischen Apokalyptik und verweist auf die historisch-hellenistischen Entstehungsbedingungen des Buches Daniel zur Zeit der Seleukiden.

2. Der Mensch als „zoon politikon“ in der Daniel-Erzählung des Alten Testaments: Hier wird dargelegt, dass wesentliche Grundzüge des aristotelischen Menschenbildes – wie Sprache, Sozialität und Streben nach einer gerechten Gemeinschaft – auch den Handlungen Daniels und seiner Gefährten zugrunde liegen.

3. Fremdherrschaft als Verfallsgeschichte – die Vier-Reiche-Lehre im Angesicht der aristotelischen Typologie der Regierungsformen: Der Abschnitt analysiert die Abfolge der heidnischen Reiche im Buch Daniel als kontinuierliche Degeneration hin zur Tyrannei, wodurch die Notwendigkeit einer göttlichen Neuordnung politisch erfahrbar wird.

4. Notwendigkeit apokalyptischer Ansagung: Voraussetzungen göttlicher Polis: Dieses Kapitel erörtert, wie die Krise der Diaspora und die Universalisierung des göttlichen Gerichts den Entschluss zur freiwilligen Bindung an ein gerechtes, überirdisches Gemeinwesen motivieren.

5. Das Reich Gottes als Polis und Erfüllung menschlicher Natur?: Es wird geprüft, ob das ewige Gottesreich die Kriterien einer aristotelischen Polis erfüllt, wobei insbesondere die Tugenden des passiven Widerstands und Modelle geteilter Herrschaft der Gläubigen betrachtet werden.

6. Das Buch Daniel als Ausdruck des Menschen als politischem Wesen: Das Schlusskapitel synthetisiert die Ergebnisse und zeigt auf, dass der Wunsch nach Erlösung im Buch Daniel einen substanziellen politischen Kern besitzt, der auf die vollkommene Entfaltung menschlicher Natur abzielt.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Politische Theorie, Buch Daniel, Altes Testament, Apokalyptik, Zoon Politikon, Polis, Vier-Reiche-Lehre, Regierungsformen, Gemeinwohl, Tyrannis, Seleukidenreich, Diaspora, Eudaimonia, Reich Gottes

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Untersuchung widmet sich einem interdisziplinären Vergleich zwischen der antiken politischen Philosophie des Aristoteles und der apokalyptischen Literatur des Alten Testaments am Beispiel des Buches Daniel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themenfelder sind die politische Anthropologie, die Klassifikation antiker Herrschaftsformen, die Geschichts- und Krisendeutung der biblischen Apokalyptik sowie das theologische Konzept des Reiches Gottes im Vergleich zum Polisbegriff.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt danach, inwieweit das alttestamentarische Menschenbild im Buch Daniel dem aristotelischen Typus des „zoon politikon“ entspricht und ob das verheißene Reich Gottes als vollendete Form einer aristotelischen Polis interpretiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete, hermeneutische Text- und Kontextanalyse, bei der politikwissenschaftliche Kategorien auf biblische Texte und deren historisch-hellenistischen Hintergrund angewandt werden.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Im Hauptteil werden das politische Handeln Daniels im Exil, die Vier-Reiche-Lehre als Degenerationsgeschichte hin zur Tyrannis sowie die Voraussetzungen für ein gerechtes, jenseitiges Gemeinwesen systematisch analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Prägende Begriffe sind Aristoteles, Zoon Politikon, Buch Daniel, Polis, Vier-Reiche-Lehre, Herrschaftstypologie, Apokalyptik, Antiochus IV. Epiphanes und Gemeinwohl.

Wie wird die Vier-Reiche-Lehre des Danielbuches politiktheoretisch gedeutet?

Sie wird anhand der aristotelischen Kriterien für Regierungsformen als Verfallsgeschichte interpretiert, in der heidnische Alleinherrschaften zunehmend ihre Orientierung am Gemeinwohl einbüßen und in offene Tyrannei und Verfolgung umschlagen.

Warum kann das passive Verhalten Daniels als bürgerliche Tugend verstanden werden?

Die bewusste Passivität und Glaubenstreue Daniels gegenüber heidnischen Machthabern wird als freie, selbstbestimmte Entscheidung gewertet, die den Gehorsam gegenüber dem irdischen Unrechtsregime verweigert und die Treue zum göttlichen Bund als wahres Gemeinwesen bezeugt.

Welche Rolle spielt der historische Kontext des Seleukidenreiches für die Argumentation?

Die Entstehung des Danielbuches unter der Schreckensherrschaft von Antiochus IV. Epiphanes markiert den Höhepunkt der religiösen Bedrängnis, der den Verlust jeglicher innerweltlicher Hoffnung verdeutlicht und den Wunsch nach einem gerechten göttlichen Gegenentwurf bestärkt.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Das Reich Gottes als Polis. Analogien zwischen aristotelischer politischer Theorie und der Apokalyptik des Buches Daniel
College
University of the Federal Armed Forces München  (Institut für Politikwissenschaften)
Course
Politische Eschatologie
Grade
1,0
Author
Alexander Berghaus (Author)
Publication Year
2023
Pages
24
Catalog Number
V1749222
ISBN (PDF)
9783389202081
ISBN (Book)
9783389202098
Language
German
Tags
Politische Theorie Eschatologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Berghaus (Author), 2023, Das Reich Gottes als Polis. Analogien zwischen aristotelischer politischer Theorie und der Apokalyptik des Buches Daniel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1749222
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint
  • Withdraw Contract