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Die Hölderlinrezeption in den Medien

Exemplarische Beispiele aus Theater, Film und Social Media

Title: Die Hölderlinrezeption in den Medien

Term Paper , 2020 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lilli Bernitzki-Ash (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die Seminararbeit untersucht die Rezeption Friedrich Hölderlins anhand von drei exemplarischen Medientypen und zeigt, wie sich die Wahrnehmung und Interpretation seines Werks im Wandel unterschiedlicher historischer und gesellschaftlicher Kontexte verändert hat. Im Mittelpunkt stehen die Hölderlin-Rezeption im Theater der 1930er-Jahre während des Nationalsozialismus, die filmische Umsetzung im DEFA-Spielfilm "Hälfte des Lebens" (1985) sowie aktuelle Formen der Rezeption in sozialen Medien anlässlich des 250. Geburtstags des Dichters.

Auf Grundlage medienwissenschaftlicher Ansätze werden die jeweiligen medialen Besonderheiten sowie die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen analysiert. Ergänzend fließen Beobachtungen aus einer Reise zu wichtigen Hölderlin-Orten entlang des Neckars ein, bei der insbesondere moderne Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte sowie digitale Begleitangebote untersucht wurden.

Die Arbeit verdeutlicht, dass Friedrich Hölderlins Werk über verschiedene Epochen hinweg immer wieder neu interpretiert, medial inszeniert und für unterschiedliche gesellschaftliche Diskurse nutzbar gemacht wird. Sie verbindet Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft zu einer vergleichenden Analyse des Rezeptionswandels.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I EINLEITUNG

1. Fragestellung

II HAUPTTEIL

2. Zur Methode der Medienanalyse

3.1 Zur Rezeption des Theaters im Nationalsozialismus

3.1.1 „Der Tod des Empedokles“ im NS-Theater

3.2 Zur Rezeption des Films in der DDR

3.2.1 „Hälfte des Lebens“, 1985

3.3 Zur Rezeption der sozialen Medien der Gegenwart

3.3.1 Digitale Hölderlinrezeption 2020

III SCHLUSS

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Dichters Friedrich Hölderlin exemplarisch anhand dreier unterschiedlicher Medientypen in ihrem jeweiligen historischen Kontext. Im Mittelpunkt steht die Forschungsfrage, inwiefern sich die Person Friedrich Hölderlin und sein literarisches Werk über verschiedene Epochen und politische Systeme hinweg immer wieder neu aneignen, deuten und medial instrumentalisieren lassen. Dabei wird die Entwicklung von der ideologischen Vereinnahmung auf den Theaterbühnen des Nationalsozialismus über die biografisch-romantische Filminterpretation in der DDR bis hin zur partizipativen und multimedialen Vermittlung in den sozialen Netzwerken der Gegenwart nachgezeichnet.

  • Medientheoretische Grundlagen und Analyse von Zeichendichte, Codes und Rezeptionsparametern nach Bonfadelli und Meyen
  • Politisierte Theaterrezeption im Nationalsozialismus am Beispiel von Inszenierungen des Dramas „Der Tod des Empedokles“
  • Audiovisuelle Vermittlung und Rezeptionslenkung im DDR-Kino anhand des DEFA-Spielfilms „Hälfte des Lebens“ (1985)
  • Wirkungsgeschichte und Mythenbildung zwischen Geniekult, politischer Vereinnahmung und Wahnsinn
  • Digitale Literaturvermittlung im Jubiläumsjahr 2020 durch Hashtag-Kampagnen (#Hoelderlin2020), Gamification, Apps und virtuelle Ausstellungen

Auszug aus dem Buch

2. Zur Methode der Medienanalyse

Zur Untersuchung der drei exemplarischen Medientypen werde ich mich erprobter Methoden der Medienforschung bedienen, die ich hier zunächst erläutern werde. Die von mir ausgewählten Typen, Theater, Film und Social Media, werde ich im Folgenden kurz definieren und ihren Wert, beziehungsweise ihren jeweiligen Gehalt als Medium markieren.

Vor allem das Theater, auf welches ich im nächsten Kapitel zu sprechen komme, wird nicht unbedingt als ein atypisches Medium verstanden. Nach Heinz Bonfadelli arbeiten Medien ganz grundlegend mit Codes, welche wiederum in mehreren Dimensionen ausgebildet werden können. Bedient sich ein Medium überwiegend eines Codes, wie beispielsweise Schrift (und Bild) innerhalb der Printmedien, haben wir es mit einem eindimensionalen Medientyp zu tun. Mischen sich die Zeichen der Codes, so spricht man von mehrdimensionalen Medientypen. Der Film kann dabei als alles vereinender, mehrdimensionaler Typus angesehen werden, da sich bei seiner Umsetzung Zeichen der Rede, der Melodie, eine Handlung, eine grafische Form und gegebenenfalls Textelemente miteinander vereinen. Der Rezeptionsprozess vollzieht sich innerhalb dessen unterschiedlich stark, je nach Ausbildung der einzelnen Codes wie Sprache, Musik, Körperbewegung, Bild und Schrift. Dabei werden diese durch ihre Zeichendichte wie Laute und Lautstärke innerhalb des sprachlichen Codes oder Gesten, Mimik oder Positionen innerhalb der Körperbewegung bestimmt (vgl. Bonfadelli 2002: 18ff.). Folgt man dieser Mediendefinition, kann das Theater durchaus auch als ein eigenes Medium verstanden werden. Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen kommt in seinem Buch über Mediennutzung zu der Erkenntnis, dass die Medientypen unterschiedlichen Bedürfnissen ihrer Rezipienten nachkommen. Neben Informationen, Gesprächsstoff und Prestige liefern Medien vor allem einen Unterhaltungswert (vgl. Meyen 2004: 155f.). Die Nutzungseigenschaften tragen wesentlich zur Rezeption bei. Um es am Beispiel des Theaters zu verdeutlichen, kann man hier den gemeinschaftlichen Besuch einer Theatereinrichtung in den sozialen Kontext stellen. Das präsente Publikum rezipiert gemeinsam in der Gruppe und das in Abhängigkeit zu Ort und Zeit. Ebenso ist hier das Verhalten sozial reglementiert, es herrschen gewisse Konventionen wie beispielsweise eine Kleiderordnung oder die Schweigsamkeit während der Vorstellung, auch das lautschmatzende Verspeisen intensiv riechender Mahlzeiten würde gegen die etablierten Verhaltensmuster im Theater- oder Kinosaal sprechen. Meyen untersucht auf eben diese Weise verschiedenste Medientypen. Im Fokus stehen dabei die folgenden Parameter: Wahrnehmung, Verhalten, Zeit, Raum, soziale Situation, zeitliche Distanz. (Meyen 2004: 159). In der vorliegenden Arbeit werde auch ich mich dieser Grundannahmen bedienen und die exemplarischen Stationen der Hölderlinrezeption dahingehend betrachten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Fragestellung: Das Kapitel führt in das Forschungsvorhaben ein und formuliert das Ziel, den medialen und rezeptionsgeschichtlichen Wandel Hölderlins anhand von Theater, Film und sozialen Medien im jeweiligen zeitpolitischen Kontext herauszuarbeiten.

2. Zur Methode der Medienanalyse: Auf Basis der Ansätze von Heinz Bonfadelli und Michael Meyen werden die medientheoretischen Grundlagen dargelegt, insbesondere Dimensionen, Zeichendichten sowie Parameter wie Raum, Zeit und soziale Situation.

3.1 Zur Rezeption des Theaters im Nationalsozialismus: Dieser Abschnitt beleuchtet die Gleichschaltung und Instrumentalisierung der Theaterlandschaft durch die nationalsozialistische Kulturpolitik unter Joseph Goebbels und der Reichstheaterkammer.

3.1.1 „Der Tod des Empedokles“ im NS-Theater: Das Unterkapitel analysiert, wie Hölderlins Dramenfragment und insbesondere der Opfertod des Protagonisten im Kontext von Dichterjubiläen völkisch umgedeutet und propagandistisch verwertet wurden.

3.2 Zur Rezeption des Films in der DDR: Das Kapitel skizziert die kulturpolitischen Rahmenbedingungen der staatlichen DEFA und deren Spannungsfeld zwischen aufklärerischem Bildungsauftrag, Zensur und Unterhaltung.

3.2.1 „Hälfte des Lebens“, 1985: Untersucht wird Herrmann Zschoches DEFA-Spielfilm hinsichtlich seiner visuellen Symbolik, musikalischen Kontraste und der Fokussierung auf Hölderlins Liebesbeziehung zu Susette Gontard.

3.3 Zur Rezeption der sozialen Medien der Gegenwart: Der Abschnitt betrachtet interaktive Online-Plattformen als mehrdimensionale Medienkanäle und erörtert die Funktion von Hashtags zur Bündelung von Inhalten und zur Meta-Kommentierung.

3.3.1 Digitale Hölderlinrezeption 2020: Anhand des 250. Geburtsjubiläums wird die Vielfalt moderner Rezeptionsformen vorgestellt, darunter das Rockmusical „Hölder“, das Videospiel „Super Hölderlin“ im Hölderlinturm Tübingen und Smartphone-Literaturpfade.

4. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, bilanziert die zunehmende Verdichtung medialer Codes über die Epochen hinweg und betont die fortdauernde Wandelbarkeit des Hölderlin-Bildes.

Schlüsselwörter

Friedrich Hölderlin, Hölderlinrezeption, Medienanalyse, Medientheorie, NS-Theater, Der Tod des Empedokles, DEFA, Hälfte des Lebens, Herrmann Zschoche, Soziale Medien, Hashtag, Hölderlinturm Tübingen, Rezeptionsgeschichte, Kulturpolitik, Gamification

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rezeptionsgeschichte des Dichters Friedrich Hölderlin und vergleicht, wie sein Werk und seine Biografie in drei Epochen und über drei unterschiedliche Medienformate hinweg dargestellt und rezipiert wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den Kernbereichen zählen die Medienwissenschaft, die germanistische Rezeptionsforschung, die Theaterpolitik im Nationalsozialismus, die Filmgeschichte der DDR sowie digitale Formen der Literaturvermittlung in der Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage der Untersuchung?

Primäres Ziel ist es herauszuarbeiten, wie sich die Figur Hölderlin und seine Texte je nach zeitpolitischem Kontext und Medientypus für divergierende Interessen, Ideologien und Rezeptionsbedürfnisse nutzen ließen.

Welche wissenschaftliche Methodik wird herangezogen?

Die Untersuchung stützt sich auf medienanalytische und kommunikationswissenschaftliche Ansätze, insbesondere auf Heinz Bonfadellis Konzept der medialen Codes und Zeichendichten sowie Michael Meyens Parameter zur Mediennutzung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Grundlegung sowie drei Fallstudien: die NS-Bühneninszenierungen von „Der Tod des Empedokles“, den DEFA-Spielfilm „Hälfte des Lebens“ (1985) und die interaktive Rezeption im Jubiläumsjahr 2020 via Social Media.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?

Wesentliche Begriffe sind Hölderlinrezeption, Medienanalyse, Theater im Nationalsozialismus, DEFA-Film, Soziale Medien, Codes, Zeichendichte und Kulturpolitik.

Wie wurde Hölderlins Drama „Der Tod des Empedokles“ im Nationalsozialismus gedeutet?

NS-Literaturwissenschaftler und Dramaturgen interpretierten das Werk als völkische Tragödie, in welcher der Freitod des Empedokles zu einem heroischen Selbstopfer im Dienst von Volk und Vaterland umgedeutet wurde.

Welche gestalterischen Mittel kennzeichnen den DEFA-Film „Hälfte des Lebens“?

Der Film von Herrmann Zschoche nutzt ausgeprägte Bild- und Klangkontraste, wie sommerliche Naturaufnahmen in Dur-Tönen gegenüber winterlichen Erstarrungsmetaphern in Moll, um Hölderlins seelischen Bruch visuell zu spiegeln.

Welche innovativen Formen digitaler Rezeption hebt die Arbeit für das Jahr 2020 hervor?

Hervorgehoben werden partizipative Formate wie die Kampagne #Hoelderlin2020, das 16-Bit-Retro-Computerspiel „Super Hölderlin“ im Tübinger Hölderlinturm sowie App-gestützte audiobegleitende Literaturpfade.

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Details

Title
Die Hölderlinrezeption in den Medien
Subtitle
Exemplarische Beispiele aus Theater, Film und Social Media
College
University of Leipzig  (Germanistik)
Course
Hölderlin und Hölderlinrezeption
Grade
1,0
Author
Lilli Bernitzki-Ash (Author)
Publication Year
2020
Pages
18
Catalog Number
V1749374
ISBN (PDF)
9783389202067
ISBN (Book)
9783389202074
Language
German
Tags
Hölderlin Hölderlinrezeption Medienanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lilli Bernitzki-Ash (Author), 2020, Die Hölderlinrezeption in den Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1749374
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