Kinder- und jugendliterarische Akkommodation am Beispiel von "Alex Rider" und "James Bond"


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kinder- und Jugendgemäßheit

3. Akkommodation
a. Paratextuelle Akkommodation
b. Sprachliche Akkommodation
c. Formale Akkommodation
d. Stoffliche Akkommodation
e. Thematische Akkommodation

4. Schluss / Resümee

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

War es zeitweise relativ einfach, Literatur in die Kategorien Erwachsenen- und Kinder- und Jugendliteratur einzuordnen, so verwischt sich diese Grenze seit einigen Jahren immer mehr. Der Trend geht dazu über, Bücher zu veröffentlichen, die sowohl Heranwachsende wie auch Ältere ansprechen und von beiden Zielgruppen gleichermaßen gelesen werden. Die bekanntesten Beispiele hierfür dürften „Harry Potter“ und die „Bis(s)“-Reihe („Twilight“) sein.

Die Verwischung der Grenze führt dazu, dass sich Erwachsene und Kinder vermehrt mit denselben Stoffen beschäftigen. Der Unterschied besteht in der Aufarbeitung dieser für die Zielgruppe. Doch wie gelingt dies einem Autor / einer Autorin? Wie schafft er es, Stoffe und Inhalte aus der Erwachsenenwelt so zu verpacken, dass sie Kinder und Jugendliche ansprechen und diese sie verstehen können? Und ist dies sinnvoll? Diesen Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit gerne nachgehen. Dazu vergleiche ich die „Alex Rider“-Reihe mit den klassischen James Bond-Büchern um Ähnlichkeiten und Anpassungen des Erwachsenenthrillers an Kinder und Jugendliche aufzuzeigen. Dafür zeige ich im ersten Kapitel auf, was unter dem Begriff „Kinder- und Jugendgemäßheit“ verstanden wird.

2. Kinder- und Jugendgemäßheit

Unter dem Begriff „Kinder- und Jugendgemäßheit“ wird in der Literaturwissenschaft die Eignung eines Textes für seinen kindlichen oder jugendlichen Leser verstanden. Dabei geht es jedoch nicht nur um den reinen Text an sich, sondern auch um die Decodierungsfähigkeit des Lesers bei Textmerkmalen und –elementen. Dabei steht eine Frage im Vordergrund: „Entsprechen sie dessen sprachlicher, dessen kognitiver und dessen literarischer Kompetenz?“ (Ewers 2008:201) Mit anderen Worten: Kann der Leser den Text überhaupt lesen und die Botschaft erkennen und rezipieren? Dieser Aspekt der Kinder- und Jugendgemäßheit wird von Norbert Groeben als “Textverständlichkeit “ benannt und sagt aus, dass eine „zumindest partielle Gleichheit von Verarbeitungsmöglichkeiten (auf der Leserseite) und Verarbeitungsanforderungen (von der Textseite her)“ besteht. (ebd.)

Der zweite, aber nicht weniger wichtige Aspekt ist die „ Textattraktivität “. Sie sagt aus, ob ein Text den Interessen und den Neigungen oder Bedürfnissen eines Lesers entspricht. Zu den Interessen gehören bestimmte Bereiche der Realität, Wissensgebiete oder auch unterschiedliche Probleme. Die Bedürfnisse eines Lesers hängen mit bestimmten Identifikationsmustern zusammen. Braucht der Leser im Moment gerade Sicherheit, Anerkennung, Abenteuer oder Komik, Nervenkitzel bis hin zum Horror?

Um zu bestimmen, ob ein Text kinder- und jugendgemäß ist muss also die Textverständlichkeit und die Textattraktivität gemessen werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Am ehesten würde es sich anbieten, die Rezeption durch Kinder und Jugendliche zu beobachten und anschließend durch Gespräche über den Text herauszufinden, was die Leser verstanden haben. Diesen Weg der Messung ist in der Kinder- und Jugendliteratur kein neuer, so ist Joachim Heinrich Campe bei der Herausgabe des „Hamburgschen Kinderalmanachs“ nach eigenem Bekunden folgendermaßen verfahren: „Mein erster Grundsatz war, nur solche Stücke aufzunehmen, welche für Kinder eben so verständlich, als unterhaltend und lehrreich zugleich wären. […] Ich las es nemlich erst jungen Kindern vor; und wenn ein Einziges unter ihnen bey dieser Vorlesung gähnte, oder sich mit etwas Anderem zu beschäftigen anfing: so war dem vorgelesenen Aufsaze dadurch allein schon sein Verwerfungsurtheil gesprochen.“ (zitiert nach Ewers 2008:201f.)

Kann die direkte Rezeptionsbeobachtung nicht geschehen, so kann sich nur ein Autor, Herausgeber, Kritiker, etc. ein Bild von Kinder und Jugendlichen und deren Interessen und Bedürfnissen vorstellen.

3. Akkommodation am Beispiel von Alex Rider und

James Bond

Unter dem Begriff „Akkommodation“ wird die Anpassung eines Textes oder Literaturangebots an den kindlichen oder jugendlichen Leser verstanden. Es reicht jedoch nicht, nur den reinen Text anzupassen. Die Anpassung muss sich in der Gesamtstruktur wiederfinden: Dazu zählt die Auswahl des Stoffes, seine innere Gestaltung und die damit verbundene sprachlich-stilistische Fassung, aber auch Drucktype, Bebilderung, etc. (vgl. Ewers 2008:206)

Der Begriff ist jedoch noch relativ neu. Im 18. Jahrhundert wurde die Kinder- und Jugendgemäßheit mit Herablassung gleichgesetzt. Erich Kästner kritisierte diese Anschauung und bemerkte, dass viele seiner Kollegen, wenn sie Kinderbücher schreiben, dies „in der Kniebeuge“ tun würden. 1966 ersetzte Brüggemann den Begriff „Herablassung“ durch „Adaption“. Da dieser Terminus jedoch schon in der Literaturwissenschaft existierte und somit doppeldeutig ist, spricht man heute von Akkomodation.

Auf die unterschiedlichen Ebenen, auf denen Akkomodation stattfinden kann, werde ich nun genauer eingehen und aufzeigen, wie dies vom Originaltext für Erwachsene zu einer Romanreihe für Kinder dem Autor gelungen ist.

3.1 Paratextuelle Ebene

Unter “paratextueller Akkommodation“ ist die Abweichung der allgemeinliterarischen Konventionen im Bereich des Paratextes zu verstehen. Dazu zählen u.a. die Titelgebung und die Einbandgestaltung. (vgl. Ewers 2008:209ff.)

Als erstes möchte ich mich mit der Titelgebung beschäftigen. Der Agententhriller für Jugendliche erschien erstmals 2003 unter dem Titel „Das Geheimniss von Port West“. Nachdem die beiden Nachfolger ebenfalls sehr erfolgreich waren, entschied sich der Ravensburger Verlag dazu, den englischen Originaltitel beizubehalten. Somit ist der erste Band heute nur noch unter dem Titel “Stormbreaker“ zu kaufen. Fest mit dem Titel ist die Angabe über den Band verknüpft. Hier: “Stormbreaker – Alex Riders erster Fall“.

Beim Agententhriller für Erwachsene ist dies ähnlich, allerdings in einer anderen Gewichtung. Im Gegensatz zu den in englischer Sprache erschienen Bücher, steht bei den deutschen Romanen an erster Stelle immer “James Bond“. Der eigentliche Buchtitel “Goldfinger“ ist wesentlich kleiner und ordnet sich der Reihe unter. Die meisten James Bond Romane haben einen deutschen Titel, was sicherlich mit dem Erscheinungsjahr zusammenhängt.

Die Akkommodation ist hier nicht wirklich zu erkennen. Es liegt zwar die Vermutung nahe, dass die Alex Rider Romane durch den englischen Titel bei der Zielgruppe als „cool“ betrachtet werden, jedoch ist nicht deutlich, dass dies nur geschehen ist, um den Agentenstoff mehr auf Jugendliche zuzuschneiden.

Als nächstes sind nun die Kapitelüberschriften zu betrachten. Während diese bei James Bond nicht existieren, sind sie bei Alex Rider mit Bedacht gewählt und geben einen guten, wenn auch sehr kurzen, Einblick in das Kapitel und bieten so eine gute Orientierungshilfe. Hier zwei Beispiele: S. 142: “Tal des Todes“ In diesem Kapitel soll Alex in einem von Killern ermordet werden. S. 153: “Die Dozmary-Mine“ Dieses Kapitel spielt in einer alten Mine, deren Gänge Alex erforscht um einen Eingang in die Fabrik seines Widersachers zu finden.

[...]

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Details

Titel
Kinder- und jugendliterarische Akkommodation am Beispiel von "Alex Rider" und "James Bond"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V174966
ISBN (eBook)
9783640957378
ISBN (Buch)
9783640957637
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder-, akkommodation, beispiel, alex, rider, james, bond
Arbeit zitieren
Daniel Hey (Autor), 2011, Kinder- und jugendliterarische Akkommodation am Beispiel von "Alex Rider" und "James Bond", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174966

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