War es zeitweise relativ einfach, Literatur in die Kategorien Erwachsenen- und Kinder- und Jugendliteratur einzuordnen, so verwischt sich diese Grenze seit einigen Jahren immer mehr. Der Trend geht dazu über, Bücher zu veröffentlichen, die sowohl Heranwachsende wie auch Ältere ansprechen und von beiden Zielgruppen gleichermaßen gelesen werden. Die bekanntesten Beispiele hierfür dürften „Harry Potter“ und die „Bis(s)“-Reihe („Twilight“) sein.
Die Verwischung der Grenze führt dazu, dass sich Erwachsene und Kinder vermehrt mit denselben Stoffen beschäftigen. Der Unterschied besteht in der Aufarbeitung dieser für die Zielgruppe. Doch wie gelingt dies einem Autor / einer Autorin? Wie schafft er es, Stoffe und Inhalte aus der Erwachsenenwelt so zu verpacken, dass sie Kinder und Jugendliche ansprechen und diese sie verstehen können? Und ist dies sinnvoll? Diesen Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit gerne nachgehen. Dazu vergleiche ich die „Alex Rider“-Reihe mit den klassischen James Bond-Büchern um Ähnlichkeiten und Anpassungen des Erwachsenenthrillers an Kinder und Jugendliche aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinder- und Jugendgemäßheit
3. Akkommodation
a. Paratextuelle Akkommodation
b. Sprachliche Akkommodation
c. Formale Akkommodation
d. Stoffliche Akkommodation
e. Thematische Akkommodation
4. Schluss / Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anpassung von Literatur für Erwachsene an die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen den Agententhrillern der "Alex Rider"-Reihe und den klassischen "James Bond"-Büchern liegt. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Autoren Stoffe aus der Erwachsenenwelt so verarbeiten, dass sie für ein jüngeres Publikum zugänglich und attraktiv werden.
- Analyse des Begriffs der Kinder- und Jugendgemäßheit
- Untersuchung verschiedener Ebenen der Akkommodation (paratextuell, sprachlich, formal, stofflich, thematisch)
- Vergleich von Handlungsstrukturen und Figurenkonstellationen
- Bewertung der Eignung von Jugend-Agententhrillern
Auszug aus dem Buch
3.2 Sprachliche Ebene
Unter sprachlicher Akkommodation versteht man die Anpassung der sprachlichen Ausdrucksweise auf die sprachlichen Kompetenzen der jugendlichen Leser. Diese Anpassungen betreffen vier Felder: die Morphologie, die Syntax, die Redeformen und schließlich die Semantik.
Betrachtet man den Jugendthriller unter dem Gesichtspunkt der Semantik, so fällt auf, dass auf die Verwendung des Passivs komplett verzichtet wurde. Jedoch ist ein auffallend häufiger Gebracht auch bei James Bond nicht zu beobachten. Bei “Stormbreaker“ wird relativ viel mit Adjektiven gearbeitet, um Personen, Gegenstände und Umgebungen näher zu beschreiben.
„Ein Mann war eingetreten. Er trug einen schwarzen Frack und war sehr groß und sehr mager – das genaue Gegenteil seines kleinen, dicken Herrn. Seine Gesichtshaut war so hell wie Alabaster, und sein Haar war weißblond, sodass Alex im ersten Augenblick dachte, er hätte einen Albino vor sich. Breit grinsend blickte der Mann auf Alex, doch als er näher kam, hielt Alex den Atem an: Der Butler grinste keineswegs, sondern zwei grauenvolle Narben zogen sich von den beiden Mundwinkeln über die Wangen bis fast zu den Ohren. […] Die Narben waren grauenvoll lila…“ ( Horowitz 2003:105)
Da die Satzlänge entscheidend ist, für welche Zielgruppe ein Buch ausgelegt ist, habe ich von beiden Romanen zwanzig Sätze nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, die Wörter gezählt und einen Durchschnitt errechnet. Bei dem Thriller für Jugendliche komme ich so zu einer durchschnittlichen Satzlänge von 13,6 Wörtern, bei Ian Flemmings Roman “Goldfinger“ zu einer Satzlänge von 16,8 Wörtern. Dieses Ergebnis überraschte mich zuerst etwas, da im Vergleich die Sätze in dem Thriller für Erwachsene nur 3 Wörter länger sind. Dies ließe sich jedoch mit dem Genre der Trivialliteratur erklären, zu dem James Bond zweifellos gehört. Die Sätze bei “Stormbreaker“ sind in meinen Augen jedoch keinesfalls zu lang, um von Jugendlichen verstanden zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Vermischung von Erwachsenen- und Kinderliteratur ein und formuliert die Forschungsfrage zur Anpassung des Agentenstoffes am Beispiel von Alex Rider und James Bond.
2. Kinder- und Jugendgemäßheit: Das Kapitel definiert die Eignung eines Textes für junge Leser anhand der Kriterien Textverständlichkeit und Textattraktivität.
3. Akkommodation: Hier werden die verschiedenen methodischen Ebenen erläutert, durch die ein Text an ein jüngeres Publikum angepasst wird, unterteilt in paratextuelle, sprachliche, formale, stoffliche und thematische Anpassung.
4. Schluss / Resümee: Das Kapitel zieht ein Fazit über den Erfolg der Alex Rider-Reihe und reflektiert, inwiefern die vorgenommenen Anpassungen an die Zielgruppe der Jugendlichen gelungen sind.
Schlüsselwörter
Akkommodation, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Alex Rider, James Bond, Agententhriller, Textverständlichkeit, Textattraktivität, Literaturwissenschaft, Anpassung, Stoffwahl, Jugendgemäßheit, Leseförderung, Unterhaltungsliteratur, Romananalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Literatur für Erwachsene gezielt für Kinder und Jugendliche adaptiert wird, um diese als neue Zielgruppe zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Kinder- und Jugendgemäßheit sowie die verschiedenen Strategien der Akkommodation, also der bewussten Anpassung von Texten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, an einem konkreten Vergleich zwischen Alex Rider und James Bond aufzuzeigen, wie Anpassungen in Struktur, Sprache und Inhalt erfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine komparative Literaturanalyse durch, ergänzt durch quantitative Stichproben zur Satzlängenmessung und qualitative Beobachtungen der paratextuellen Elemente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Akkommodations-Ebenen wie die paratextuelle, sprachliche, formale, stoffliche und thematische Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Akkommodation, Kinder- und Jugendgemäßheit, Zielgruppenanpassung und Agententhriller.
Welche Rolle spielt die Typografie bei der Akkommodation?
Der Autor stellt fest, dass eine größere Schriftgröße und ein weiterer Zeilenabstand in Jugendbüchern den Zugang für junge Leser wesentlich erleichtern.
Warum ist das Ergebnis bei der Satzlängenanalyse überraschend?
Der Unterschied in der durchschnittlichen Satzlänge zwischen den Erwachsenen- und Jugendromanen fiel mit nur drei Wörtern geringer aus als erwartet.
Welche Bedeutung hat das "Happy End" in beiden untersuchten Romanreihen?
Beide Reihen nutzen das Happy End als identisches Strukturmerkmal, wobei die Bösewichte ihre Macht verlieren, was dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit entspricht.
- Arbeit zitieren
- Daniel Hey (Autor:in), 2011, Kinder- und jugendliterarische Akkommodation am Beispiel von "Alex Rider" und "James Bond", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174966