1 Einleitung – Die Macht als Untersuchungsgegenstand
„Das menschliche Verhalten ist nie völlig voraussehbar und programmierbar. Jede zwischenmenschliche Kooperation und damit jede Struktur kollektiven Handelns ist also politisch, d.h. letztlich nur durch Machtbeziehungen stabilisiert und – bewußt oder unbewußt- ,organisiert‘.“ (Crozier/Friedberg 1979: Klappentext).
Die Untersuchung des Gegenstandes „Macht“ beschäftigt die Soziologie und andere wissenschaftliche Disziplinen bereits seit langem. Die Frage danach, was Macht ist, wie sie sich äußert und inwieweit sie grundlegender Bestandteil menschlicher Interaktionen ist, beschäftigt Soziologen von der klassischen soziologischen Lehre (vgl. u.a. Weber 2005), bis hin zur modernen Organisationssoziologie.
Der Begriff der Macht und Machtausübung begleitet jeden Akteur im Alltag und erfährt daher auch eine stets aktuelle Relevanz: Die Gewaltenteilung eines Staates, der Vorgesetzte in der Firma, die Erziehung der Kinder, Fusionen großer Unternehmen oder einfach die Diskussion mit dem Ordnungsamt, in der es um einen soeben ausgestellten Strafzettel geht – wir befinden uns im „Spielraum“ (vgl. Crozier/Friedberg 1979: 41f.) der Macht.
In dieser Hausarbeit soll zunächst der Begriff der Organisation untersucht und abgegrenzt werden, ebenso wie der Begriff der Macht. Zur genauen Bestimmung von Machtprozessen und Macht im Kontext von Handlungssystemen dient vor allem das Buch Macht und Organisation von Michel Crozier und Erhard Friedberg, welches bis heute als prägender Denkansatz für die Managementtheorie und Organisationslehre gilt. Zum Aufbau eines Theoriekonstrukts wird ebenso Niklas Luhmanns Theorie funktionaler Systeme berücksichtigt, die als grundlegend für die Betrachtung von Organisationen in der Gesellschaft und der Gesellschaft selbst angesehen werden kann. Aufbauend auf der theoretischen Einleitung zur Macht werden problematische Machtstrukturen anhand zweier praktischer Beispiele aus der Politik und der Wirtschaft dargestellt...
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG – DIE MACHT ALS UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND
2. ANNÄHERUNG UND ABGRENZUNG DER BEGRIFFLICHKEITEN
2.1 DER BEGRIFF DER ORGANISATION
2.2 DER BEGRIFF DER MACHT
3. DIE MACHT IN ORGANISATIONEN
4. MACHTSPIELRÄUME IN DER PRAXIS
4.1 GERHARD SCHRÖDER – OFFENSIVSPIELER MIT HANG ZUM EIGENTOR
4.2 VOM VORREITER ZUM IMAGESCHADEN: DIE GESCHEITERTE FUSION DER DEUTSCHEN UND DRESDNER BANK
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Macht im Kontext von Organisationen unter Rückgriff auf soziologische Theorien und beleuchtet dabei, wie Machtbeziehungen durch organisatorische Rahmenbedingungen strukturiert und in der Praxis durch Akteure gestaltet werden.
- Grundlagen der Organisationssoziologie
- Differenzierung zwischen Macht und Herrschaft
- Machtquellen und -typen in Organisationen
- Politisierte Handlungssysteme
- Praxisbeispiele: Politische Macht (Gerhard Schröder) und wirtschaftliche Macht (Bankenfusion)
Auszug aus dem Buch
Die Macht in Organisationen
Nachdem nun einleitend die Begriffe Macht und Organisation zum besseren Verständnis skizziert wurden, widmet sich das folgende Kapitel zum Abschluss des Theoriekonstrukts der Macht im Kontext der Organisation. Entscheidend sind vor allem die Fragen danach, inwiefern sich Machtprozesse in Organisationen abspielen und welche Typen von Macht sich speziell in Organisationen ergeben.
Wie bereits festgestellt, ergibt sich Macht immer in Beziehungen. Da Organisationen von den Interaktionen seiner Akteure geprägt sind, erfolgt die logische Schlussfolgerung, dass Organisation und Macht untrennbar miteinander verbunden sind. Dies geschieht nicht nur rein formal durch eine hierarchische Struktur, die gegenseitige, aber unausgewogene Macht stetig reproduziert, sondern auch durch das Streben der Akteure gegeneinander, z.B. um bessere Positionen oder Ressourcen zu erlangen.
Machtprozesse sind also in Organisationen fest verankert, womit sich die Frage stellt, welche Erscheinungsformen die Macht unter Beeinflussung eines organisierten Rahmens annimmt. „Auf dieser Ebene kommen die strukturellen Merkmale einer Organisation zum Tragen. Sie bestimmen und strukturieren den Wirkungskreis von Machtbeziehungen zwischen den Mitgliedern der Organisation und definieren so die Bedingungen, unter denen diese miteinander verhandeln können. Sie bilden die Zwänge, die allen Teilnehmern auferlegt sind.“ (Crozier/Friedberg 1979: 46f). Es ergibt sich dadurch in gewisser Weise ein Paradoxon, da die verschiedenen Akteure ihre Ziele nur durch die Ausübung von Machtbeziehungen erreichen können, aber zugleich, wie bereits festgestellt, ergibt sich die Möglichkeit Macht auszuüben nur dann, wenn kollektive Ziele verfolgt werden, deren Zwänge starken Einfluss auf die Verhandlungen ausüben (vgl. ebd.: 47).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG – DIE MACHT ALS UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND: Dieses Kapitel führt in die soziologische Relevanz von Macht als stabilisierendes Element kollektiven Handelns ein und stellt die theoretische Basis der Arbeit vor.
2. ANNÄHERUNG UND ABGRENZUNG DER BEGRIFFLICHKEITEN: Hier werden die Begriffe Organisation und Macht theoretisch definiert, wobei insbesondere auf Luhmann sowie die Abgrenzung von Herrschaft nach Weber eingegangen wird.
3. DIE MACHT IN ORGANISATIONEN: Das Kapitel analysiert, wie Organisationen Machtbeziehungen strukturieren und welche Machttypen durch organisatorische Rahmenbedingungen entstehen.
4. MACHTSPIELRÄUME IN DER PRAXIS: Dieser Teil illustriert die theoretischen Erkenntnisse anhand der Beispiele Gerhard Schröder und der gescheiterten Fusion von Deutscher und Dresdner Bank.
5. FAZIT: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass Macht sowohl ordnungsbildend wirkt als auch ein zentrales Element mikropolitischer Prozesse ist.
Schlüsselwörter
Organisation, Macht, Organisationssoziologie, Herrschaft, Machtbeziehungen, Handlungssysteme, Mikropolitik, Machtspielräume, Ressourcen, Kommunikation, Gatekeeper, Spieltheorie, Organisationsrahmen, Entscheidungswege, Machttypen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Macht als zentrales, strukturbildendes Element innerhalb von Organisationen und analysiert deren theoretische Fundierung sowie praktische Ausprägungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziologische Definition von Macht und Organisation, die Entstehung von Macht in Abhängigkeitsbeziehungen und die Anwendung dieser Konzepte auf politische und wirtschaftliche Fallbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Machtmechanismen in organisierten sozialen Systemen zu verstehen und zu zeigen, wie Akteure durch geschickte Nutzung von Spielräumen ihre Position beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Ansätze, insbesondere von Crozier, Friedberg und Luhmann, ergänzt durch eine qualitative Betrachtung praktischer Beispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe sowie eine anschließende praxisorientierte Analyse, die Konfliktfelder in Organisationen aufzeigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Macht, Organisation, Mikropolitik, Machtspielräume und Handlungssysteme.
Wie beeinflusst die Organisation als Rahmen die Machtausübung?
Die Organisation setzt den Akteuren Zwänge auf, definiert Ressourcen als „Trümpfe“ und strukturiert durch Regeln und Informationsflüsse die Bedingungen, unter denen Macht ausgeübt werden kann.
Warum scheiterte die Fusion der Deutschen und Dresdner Bank aus machttheoretischer Sicht?
Das Scheitern wird als Zerbrechen der Machtbeziehung interpretiert, da bei wegfallendem gemeinsamen Ziel die „Trümpfe“ der Beteiligten ihre Relevanz verloren und die Unausgewogenheit der Interessen nicht mehr überbrückbar war.
- Arbeit zitieren
- Timo Evers (Autor:in), 2011, Die Macht im Kontext der Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174988