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Kreative Gruppenprozesse in der Popularmusik

Eine Bestandsaufnahme

Title: Kreative Gruppenprozesse in der Popularmusik

Bachelor Thesis , 2010 , 52 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Michael Cyris (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

0. Einleitung

Viel zu selten wird die eigentlich so spannende Frage nach den sozialen und psychologischen
Vorgängen bei der Entstehung von musikalischen Werken bei Komponisten, aber auch bei
musikalischen Gruppen des Rock –und Popbereichs gestellt. So kann man sich fragen, wie
die Beatles eine derartige Fülle an „Hits“ und klassische Komponisten, wie Beethoven oder
Mozart solch zauberhafte Melodien schreiben konnten. Was gilt es bei der Ergründung dieser
Thematik zu beachten und wo setzt man am besten an um solch kreative Gruppenprozesse
erklärbar und verstehbar zu machen?
Das Ziel dieser Arbeit soll es deshalb sein die Stimmung aus einem Proberaum, in dem
gerade an einem neuen Song geschrieben wird, in Worten wiederzugeben und nach Gründen
für das gute Funktionieren dieses kollektiven „Komponierens“ zu suchen. Dabei gilt es eine
Reihe von Einflussfaktoren zu berücksichtigen und Definitionen altbekannter Begriffe, wie
Komposition, Improvisation, Rock, Pop, Jazz und Klassik zu hinterfragen und eventuell mit
neuem Inhalt anzufüllen. Den theoretischen Rahmen der Untersuchung über die kreative
Arbeit in musikalischen Gruppen bilden das Erlernen des Instruments, die damit verbundene
Entwicklung, die Identitätsbildung, das Selbstkonzept, die Geschlechterspezifität und die
musikalische Sozialisation. Die Ausarbeitung wird sich dabei größtenteils auf die
Literaturlage im deutschsprachigen Raum konzentrieren, welche aber auch englischsprachige
Literatur zusammenfasst und die wichtigsten Aspekte für die Erforschung kreativer
Gruppenprozesse innerhalb der Popularmusik festhält. Gerade hier erscheinen immer wieder
Mythen um den Geniekult von Autodidakten, wie Jimi Hendrix oder dem bereits erwähnten
Paul McCartney. Diese Arbeit soll deshalb derartige Kultphänomene erklärbar machen und
durch teilweise ganz banale Fakten zur Entmystifizierung des Geniekults im Metier der
populären Musik beitragen. Punktuell tangiert wird dabei auch die Arbeitsweise im
klassischen Bereich. Dort sind es zumeist einzelne Komponisten, die ein umfangreiches
musikalisches Werk schaffen und eigentlich abgeschottet von Gruppenaktivitäten arbeiten.
Es ist überdies danach zu fragen, ob es nicht eventuelle Präzedenzfälle für gemeinsames
Schaffen schon bei klassischen Komponisten gab und ob die Einheit von Interpret und
Komponist, wie es in der Popularmusik gängige Praxis ist, bereits hier nachweisbar ist. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Einführung in musikpsychologische -und soziologische Grundlagen kreativer Gruppenprozesse

1.1. Musikalische Begabung und Selbstkonzept

1.2. Musikalische Sozialisation

1.3. Musikalisches Lernen und Motivation

1.4. Präferenzbildung und Musikindustrie

1.5. Musikalische Identität und Motivation

1.6. Geschlechterspezifität

2. Kreative Praxis in musikalischen Gruppen

2.1. Kompositorische Arbeitsprozesse von Rock -und Popbands

2.1.1. Die Erkenntnisse von Jan Hemming

2.1.2. Die Studien von Anja Rosenbrock

2.1.2.1. Der Kompositionsbegriff in der Popularmusik

2.1.2.2. Entstehung eines Songs in einer Amateurband

2.1.2.3. Ideengenerierung und Kreativität

2.1.3. „Die Soziologie des Rock“

2.1.4. Arbeitsphasen nach Thomas Witzel

2.1.4.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppenarbeit

2.2. Theoretischer Exkurs I: Koordination und Synchronität als kognitive Prozesse nach Peter Keller

2.3. Exkurs II: Entmystifizierung des kreativen Genies in Klassik und Pop

2.4. Die Rolle der Improvisation am Beispiel des Jazz

3. Zusammenfassung/ Diskussion/ Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die sozialen und psychologischen Mechanismen, die der Entstehung populärer Musik in Gruppen wie Rock- und Popbands zugrunde liegen, um den romantisierten Mythos des „kreativen Genies“ zu dekonstruieren und durch eine Bestandsaufnahme konkreter Arbeitsprozesse zu ersetzen.

  • Analyse der musikpsychologischen und soziologischen Grundlagen (Sozialisation, Begabung, Identität).
  • Untersuchung kompositorischer Arbeitsprozesse in Bands anhand aktueller Studien.
  • Erforschung von Koordination, Synchronität und Improvisation als gruppendynamische Faktoren.
  • Entmystifizierung des Geniekults durch den Vergleich von klassischer und populärer Musik.
  • Darstellung der Bedeutung von Gruppenklima, Kommunikation und Rollenverteilung für den kreativen Erfolg.

Auszug aus dem Buch

2.1.4.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppenarbeit

Die beiden Grundpole der Diskussion um die verschiedenen Arbeitsanteile bilden zum einen der Anteil der Gruppe und zum Anderen die Eigenleistung des Einzelnen bei der Entstehung eines Songs. Als wichtige Grundaussage über die Arbeitsweise in Bands unterschiedlichster Stilrichtungen bleibt jedoch die Beteiligung jedes Bandmitglieds an der musikalischen Arbeit, sei es der des Arrangierens, des Komponierens oder Einstudierens festzuhalten. Grundsätzlich kann bei der Ideenfindung von einem intuitiven und beim Prozess des Arrangierens von einer analytisch-rationalen Tätigkeit gesprochen werden.

Im Wesentlichen können die verschiedenen Anteile der Gruppe im musikalischen Arbeitsprozess folgendermaßen hinterfragt und analysiert werden:

Handelt es sich bei dem vorliegenden Material um Eigenkompositionen oder um Coverstücke? Bei einer Band mit eigenen Songs erhöht sich der Anteil der Gruppenarbeit, da auch die musikalische Grundidee- und Struktur zusammen festgelegt wird. Bei der Erarbeitung von Coverstücken entfällt der gemeinsame Prozess der Ideenfindung und die kreative Gruppenleistung beschränkt sich im Allgemeinen auf die Erarbeitung und das Einstudieren des vorgefertigten Stücks. In Abhängigkeit des Musikstils ergeben sich ebenfalls unterschiedliche musikalische Anteile der Gruppe. Während innerhalb der Rock- oder Indie-Band der Anteil des Improvisierens (bspw. durch Soli) kaum eine Rolle spielt, bedeutet das improvisierte Solo für den Jazzmusiker den individuellen, momentanen musikalischen Ausdruck, vor allem im Konzert. Zudem scheint ein Zusammenhang zwischen einfach strukturierter Musik und intuitiven Zugängen, sowie komplex strukturierter Musik und eher rationalen Zugängen zu bestehen. Die Ideenfindung kann in beiden Fällen intuitiv geschehen, jedoch wird bei längeren und komplexen Musikstücken mit Tempowechseln und mehrstimmigen Instrumentalpassagen wohl auch ein rationales Verständnis nötig um die Beibehaltung der Gesamtstruktur zu wahren.

Hinsichtlich des Einflusses der technischen Fähigkeiten auf die kreative Arbeit kann konstatiert werden, dass spielerische Mängel einen langwierigen Kompositionsprozess mit sich wiederholender Elaboration und Experimentieren mit dem musikalischen Material mit sich bringen. So kann sich der Arbeitsprozess an einem einzigen Stück über mehrere Monate erstrecken.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach den sozialen und psychologischen Bedingungen der kreativen Gruppenarbeit in Bands und setzt das Ziel der Entmystifizierung des Geniekults.

1. Einführung in musikpsychologische -und soziologische Grundlagen kreativer Gruppenprozesse: Dieses Kapitel erörtert die notwendigen Voraussetzungen für das gemeinsame Musizieren, wie etwa musikalische Begabung, Sozialisation, Identitätsbildung und den Einfluss der Musikindustrie.

2. Kreative Praxis in musikalischen Gruppen: Der Hauptteil analysiert konkrete kompositorische Arbeitsweisen in Bands, beleuchtet theoretische Konzepte der Koordination und Improvisation und setzt sich kritisch mit der Abwertung populärer Musik gegenüber der klassischen Musik auseinander.

3. Zusammenfassung/ Diskussion/ Ausblick: Dieses Kapitel evaluiert die Erkenntnisse der Arbeit, betont die Relevanz des Themas für die Musikwissenschaft und identifiziert Desiderate für die zukünftige Forschung.

Schlüsselwörter

Kreative Gruppenprozesse, Popularmusik, Musikpsychologie, Musiksoziologie, Bandforschung, Komposition, Improvisation, Musikalische Sozialisation, Musikalische Identität, Expertiseforschung, Geniekult, Gruppenidentität, Bandarbeit, Musikpädagogik, Synchronität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den sozialen und psychologischen Prozessen der kreativen Arbeit in Bands der populären Musik und untersucht, wie Gruppen gemeinsam Musik erschaffen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den zentralen Themen gehören die musikalische Sozialisation, die Bedeutung von Begabung und Selbstkonzept, die Arbeitsweisen bei der Komposition und das Phänomen des Geniekults.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, den "kreativen Prozess" in Musikgruppen transparent zu machen und den romantisch verklärten Blick auf das "kreative Genie" durch eine Bestandsaufnahme handwerklicher und gruppendynamischer Fakten zu entkräften.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Bestandsaufnahme, die auf der Analyse bestehender musikwissenschaftlicher, musikpsychologischer und soziologischer Fachliteratur sowie ausgewählter empirischer Studien basiert.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert die kompositorischen Arbeitsprozesse von Bands, diskutiert theoretische Ansätze zur Koordination und Synchronität und beleuchtet die Rolle der Improvisation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gruppenprozesse, Popularmusik, Kreativität, Musiksoziologie und Identitätsbildung charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Gruppenarbeit in einer Punkband von einer Jazzband?

Während in der untersuchten Punkband das kollektive Experimentieren und die gemeinsame Songentwicklung im Vordergrund stehen, integriert der Jazzmusiker individuelle Improvisationen als zentralen Ausdrucksmoment in einen oft konsensbasierten, aber technisch anspruchsvolleren Rahmen.

Warum spielt das "Geniekult"-Thema eine so wichtige Rolle in der Arbeit?

Der Autor argumentiert, dass der Geniekult in der klassischen Musik oft als Abgrenzung zur Popularmusik genutzt wird, um deren komplexen, gemeinschaftlichen Entstehungsprozess als "minderwertig" oder "handwerklich" abzuwerten, was durch die Analyse der tatsächlichen Bandarbeit widerlegt wird.

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Details

Title
Kreative Gruppenprozesse in der Popularmusik
Subtitle
Eine Bestandsaufnahme
College
University of Leipzig  (Institut für Musikwissenschaft)
Course
Bachelorarbeit
Grade
1,3
Author
Michael Cyris (Author)
Publication Year
2010
Pages
52
Catalog Number
V175001
ISBN (eBook)
9783640958801
ISBN (Book)
9783640958566
Language
German
Tags
Bands Komposition Rosenbrock Popularmusik Kreativität Musik Synergien Genie Sozialisation Rock Pop Gruppe Iprovisation Jazz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Cyris (Author), 2010, Kreative Gruppenprozesse in der Popularmusik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175001
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