Der/die/das Nächste, bitte?!

Die nächste Generation im sozialen Wandel


Essay, 2010

7 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Der/die/das Nächste, bitte! – Die nächste Generation im sozialen Wandel

Veni, vidi, vici. Ich kam, sah, siegte? Heutzutage kann es zwar gar nicht schnell genug gehen, trotzdem scheint ein „Sieg“, ein Sinn, ein Ziel, ein Zweck, in immer weitere Fernen zu rücken. Denn die Konkurrenz ist groß, und frei nach Darwin gilt: Lediglich der unserer gegenwärtigen Konsum- und Informationsgesellschaft am besten Angepasste überlebt. Wer abwartet und Tee trinkt, den Button zur Absendung des Gebots bei ebay um 0,056 Sekunden verfehlt, die mündliche Prüfung um eine überzogene Minute verhaut, oder im Eignungstest dem Nebenbuhler zeitlich unterliegt, der wird ziemlich schnell von der gewaltigen Welle der Globalisierung überrollt – zu Gunsten eines „Nächsten“.

„Wir danken Ihnen für die dreißigjährige Zusammenarbeit und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute. Nun stelle ich Ihnen Ihren um einiges jüngeren und kompetenteren Nachfolger vor.“

Vor diesem Hintergrund steigt der Leistungsdruck besonders bei der „nächsten Generation“ - und das nicht nur auf dem Arbeitsmarkt. Als Zukunfts- und Hoffnungsträger wird von jungen Menschen oftmals das Äußerste abverlangt: Das Bildungssystem steckt den Nachwuchs schon mit bemerkenswerter Antizipation in die Schubladen „Erfolg“, „Potential“ und „Sieh zu was du mit einem Hauptschulabschluss anfängst“, wobei es das neue G9-System, mit dem wohl eine erneute Pisa-Blamage vermieden werden soll, auch nicht einfacher macht. Wenn Schulabgänger dann doch gut genug für ein Studium sind, werden sie sich unweigerlich aus der zuweilen exorbitanten Masse der Mitstudierenden herausheben müssen, wenn sie nicht bereits durch ein strenges Bewerbungs- oder Aufnahmeverfahren aussortiert wurden. Der Generationenvertrag, welcher die Vertragsbedingungen offenbar bereits gesprengt hat, kann zwar nicht gekündigt werden, trotzdem soll unter dieser Bürde für Nachwuchs gesorgt, und somit der negativen sozialdemografischen Entwicklung entgegen gewirkt werden. Parallel zu sinkenden Löhnen und steigenden Steuerabgaben soll der Bundeshaushalt stabilisiert, die Staatsverschuldung vermindert und Arbeitslose wie Hartz IV - Empfänger über dem Existenzminimum gehalten werden. Tja, die sozialen Anforderungen sind eben hoch, und wer sie nicht erfüllen kann, bleibt unbeachtet auf der Strecke; ertränkt sich in Alkohol, in ohrenbetäubendem Partylärm, läuft Amok oder begeht Suizid. Wenn ich jetzt so über meine Zukunft nachdenke, höre ich im Geiste ironischerweise noch die tiefe Männerstimme aus Angela Merkels Promotionswerbespot sagen: „DU...BIST...DEUTSCHLAND“.

Was unsere moderne Gesellschaft beansprucht, ist weniger ein humanes Wesen, als ein allwissendes Arbeitstier, eine offensichtliche Fehlinterpretation von Nietzsches „Übermenschen“. Es scheint beinahe, als zwinge uns der besonders durch die internationalisierten Märkte und dem damit einhergehenden verstärkten Wettbewerb vorangetriebene soziale Wandel zum Einsatz von Ellenbogen, anstatt streichelnder Hände. Zu einem Individualismus, einem Egoismus, einem Materialismus, welcher für das soziale Umfeld nichts mehr übrig hat. Das unaufhaltsame Voranschreiten von Technisierung, Medialisierung und Modernisierung bringt zwar immer neue Perspektiven, Profite, Erfindungen und Methoden hervor, führt uns aber auch mehr und mehr in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der es heißt „get rich or die trying“. Ließ sich Moral normalerweise an der Legitimität einer Sache festmachen, so beschränkt diese sich in modernen Zeiten rein auf die Aspekte der Legalität, ganz nach dem machiavellistischen Motto „der Zweck heiligt die Mittel“. Im ständigen Konkurrenzkampf der Gesellschaft denkt der homo oeconomicus nur an den eigenen Vorteil und setzt sich oft rücksichts- und skrupellos durch. Denn Moral oder gar Mitleid sind ein Risiko.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Der/die/das Nächste, bitte?!
Untertitel
Die nächste Generation im sozialen Wandel
Hochschule
Eschbach-Gymnasium, Stuttgart-Freiberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V175044
ISBN (eBook)
9783640959020
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
der/die/das, nächste, generation, wandel, sozialer wandel
Arbeit zitieren
Nadine Ghanawi (Autor), 2010, Der/die/das Nächste, bitte?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175044

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