Ursachen, Darstellung und Perspektiven des Geschlechterkonfliktes im Spannungsfeld patriarchalischer und feministischer Strukturen


Seminararbeit, 1988

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Kurzer Abriss über die historische Entwicklung der Geschlechterrollen und ihrer Machtstrukturen

III. Die Theorie vom ' Geschlechterneid ' als psycho-analytischer Erklärungsansatz des Geschlechterkonfliktes
1. Der Gebärneid der Männer
2. Der Penisneid der Frauen

IV. Die Darstellung des Geschlechterkonfliktes in der Gegenwart

V. Schlussbemerkung - Die Perspektiven des Geschlechterkonfliktes

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die Frau hat zwar lange Haare, aber einen kurzen Verstand“ (zit. nach Müller, 1984, S.17). Diese Geschlechtercharakterisierung eines Jakuten findet seine Entsprechung in dem Frauenbild vieler Völker. Frauen, so erfahren die Ethnologen rund um den Globus, sind „Satanskühe“, „Dämonennetze“, „sie gleichen Narren und Kindern“ (vgl. ebd.).

Nun mögen solche Diskriptionen des weiblichen Geschlechts vielleicht den mangelhaft ausgebildeten Intellekt von Naturvölkern reflektieren; gleichwohl begegnen uns auch in okzidentalen Kulturkreisen solche und ähnliche Statements.

Das zweite Kapitel dieser Arbeit wird zeigen, dass solche maskulinen Charakterisierungen des femininen Geschlechts quasi von Beginn der Menschheitsgeschichte bis in unser Jahrhundert hinein als Ausdruck und Legitimierung von männlichen Herrschafts - und Suprematieansprüchen fungieren.

In diesem Zusammenhang verblüfft sicherlich das Phänomen, wie lange sich die Frauen in ihre weitgehend von Männern determinierte, inferiore Rolle gefügt haben.

Allerdings liegt es auf der Hand, dass innerhalb der Emanzipationsbewegungen des Abendlandes in den letzten 200 Jahren auch Bestrebungen offenkundig geworden sind, den Frauen eine gerechte(re) Stellung und gleichberechtigte(re) Möglichkeiten in der Gesellschaft zu gewähren 1. So zwangsläufig wie überfällig dieser sukzessive Prozess einerseits auch war, so evident ist es andererseits, dass die Emanzipationsbestrebungen der Frauen mit einer zunehmenden Polarisierung der Geschlechter einherging – und geht.

Dazu Alice Schwarzer 1977 (S. 211):

„Jeder Versuch einer Befreiung der Frauen wird sich darum kollektiv und auch individuell direkt gegen männliche Privilegien richten müssen, das heißt, auch gegen den eigenen Mann."

So macht gerade heute das Wort vom Geschlechterkampf die Runde. Pauschalierte und stigmatisierte Typologien von Mann und Frau hüben wie drüben stehen auf der Tagesordnung. Der geläufige Ausspruch Das war wieder typisch Mann (Frau) beschreibt diesen Tatbestand anschaulich.

1. Hier soll keineswegs vernachlässigt werden, dass sich die Frauen einen Großteil der Reformen selbst und hart erkämpfen mussten.

Interessanterweise fällt jedoch eine differenzierte Definition von männlichem und weiblichem Geschlecht über die biologisch - anatomischen Geschlechtsmerkmale hinaus gar nicht leicht. So wird nach Sigmund Freud in den einzelnen Geschlechtern eine gewisse Zweigeschlechtlichkeit deutlich, „als ob das Individuum nicht Mann oder Weib wäre, sondern jedesmal beides, nur von dem einen soviel mehr als von dem anderen " (zit. nach Gottschalch, 1984, S.19) 2. Folgt man Freud weiter, so verdrängt das in einer Person vorherrschende Geschlecht die Anteile des anderen Geschlechts ins Unbewusste (vgl. ebd., S.14). Aus der individuellen Verarbeitung dieses Sachverhalts ergeben sich für Wilfried Gottschalch konfliktträchtige Srukturen in Bezug auf die Geschlechterbeziehungen, die im dritten Kapitel dieser Arbeit skizziert werden sollen. Im Zentrum dieser Arbeit wird in dem nachfolgenden Kapitel der Frage nachgegangen, wie sich der gegenwärtige Konflikt der Geschlechter vor dem Hintergrund nach wie vor bestehender Männerdominanz darstellt 3.

Auf dieser Grundlage gilt es im Schlusskapitel die gesellschaftlichen Perspektiven dieses Konflikts aufzuzeigen.

Doch zunächst soll dieser Arbeit, wie bereits oben erwähnt, eine sehr grobe 4 querschnittartige historische Herleitung über die Entwicklung der Geschlechterrollen und ihrer Machtstrukturen vorangestellt werden. In diesem Kapitel soll in aller Kürze versucht werden, die historisch tradierten Geschlechterrollenzuweisungen und ihre wohlweislich auch für die Gegenwart signifikanten Auswirkungen zu verdeutlichen.

2. Mit Recht weist Gottschalch darauf hin, dass in verschiedenen Kulturkreisen sehr wohl widersprüchliche Ansichten bestehen, was unter typisch männlich bzw. typisch weiblich verstanden wird (vgl. Gottschalch, 1984, S.95). Für Becker – Schmidt/ Knapp ist Geschlecht eine „Struturkategorie“, die Frauen und Männern selbst innerhalb gleicher Schichten einen unterschiedlichen sozialen Status zuweist (vgl. Becker -Schmidt/ Knapp, 1987, S.42f).

3. Der geographische Rahmen der Arbeit bezieht sich weitgehend auf die Bundesrepublik.

4. Es versteht sich ganz allgemein, dass diese Arbeit von der Anlage und vom Umfang her nur einen groben Überblick über die Thematik vermitteln kann.

II. Kurzer Abriss über die historische Entwicklung der Geschlechterrollen und ihrer Machtstrukturen

Schon die Schöpfungsmythen und hier insbesondere die Anthropogenien, dienen der Legitimierung des männlichen Superioritätsanspruchs. Wird doch die Frau erst nach den Tieren aus einer überschüssigen Rippe Adams gezeugt.

Für Klaus E. Müller bekommt die Patriarchatsherrlichkeit somit den Mythos einer natürlichen Schöpfungsordnung (vgl. Müller, 1984, S.12).

Unter Patriarchat soll hier eine Herrschafts- und Einflussordnung verstanden werden, in der die Werte, Normen und Verhaltensmuster weitgehend von der Herrschaft der erwachsenen Männer bestimmt, überliefert und durchgesetzt werden (vgl. Gottschalch, 1984, S.17).

Auch die griechische Mythologie ist von einer patriarchalischen Ordnung geprägt. So schuf Zeus aus Zorn über den Feuerraub des Prometheus das Urweib Pandora - staffiert mit den Attributen dumm, faul, bösartig, wenngleich schön. Bezeichnenderweise führte Pandora in ihrer 'Büchse' alle Übel der künftigen Menschheit mit sich.

Ganz generell lassen sich in nahezu allen Religionen ganz eindeutige Belege für einen männlichen Suprematieanspruch nachweisen (vgl. Müller, 1984, S.19).

Es verwundert nicht, wenn die griechischen Dichter und Denker des Altertums keineswegs von der Doktrin der männlichen Vorherrschaft in den Geschlechterbeziehungen abrücken. So gilt beispielsweise für Demokrit, dass es die „ärgste Schmach für einen Mann ist, sich von einem Weibe beherrschen zu lassen“ (vgl. ebd.).

Selbstredend befindet auch der Römer Lukrez im ersten Jahrhundert vor Christus, dass „der Männer ganzes Geschlecht weit überlegen in Fertigkeiten aller Art und um vieles geschickter" sei als „der Frauen Geschlecht" (vgl. Müller, 1984, S.19). Immerhin, so der Apostel Paulus, „können Frauen durch Kinderzeugen selig werden" (vgl. ebd., S. 20).

An dieser Sicht der Dinge änderte sich auch später nicht viel. Thomas von Aquin charakterisierte das weibliche Geschlecht ca. 1300 Jahre später als "feige", „schamlos" und "lügenhaft" und auch Luther postulierte die Überlegenheit des Mannes. Schließlich existiere die Frau um des Mannes Willen und müsse ihm stets Gehorsam bezeugen und ihn allzeit fürchten und ehren (vgl. ebd.).

Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass hier über so große Zeiträume hinweg nur tendenzielle Strömungen skizziert werden können. Zu Recht macht Roger Garaudy darauf aufmerksam, dass die Stellung der Frau in der Subsistenzwirtschaft nicht viel niedriger gewesen ist als die des Mannes.

Besonders vom 10. bis 13. Jahrhundert finden sich viele Zeugnisse für signifikante weibliche Partizipation am gesellschaftlichen Leben. In dieser Zeit, resümiert Garaudy, „bleibt die Diskriminierung zwischen Frau und Mann in Grenzen " (vgl. Geraudy, 1985, S.12 f).

Seit dem 14. Jahrhundert jedoch beginnt der soziale Status der Frau zu sinken. 1593 verbietet das Dekret des Pariser Parlaments den Frauen jegliche Machtausübung im Staate. Richelieu schließlich bekennt gar, dass „nichts den Staaten mehr schaden kann als jenes Geschlecht" (vgl. ebd., S.14).

Mit dem Zeitalter der Aufklärung wurde zwar der Grundsatz erhoben, kompromisslos rein rationale Kriterien walten zu lassen, aber, so Müller treffend, „ergoss sich das Licht der Aufklärung auch diesmal nicht überall hin" (1984, S.21).

[...]

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Details

Titel
Ursachen, Darstellung und Perspektiven des Geschlechterkonfliktes im Spannungsfeld patriarchalischer und feministischer Strukturen
Autor
Jahr
1988
Seiten
17
Katalognummer
V175053
ISBN (eBook)
9783640959075
ISBN (Buch)
9783640958542
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechterrollenkonflikt, Emanzipation, Geschlechterkampf
Arbeit zitieren
Dr. Volker Brand (Autor), 1988, Ursachen, Darstellung und Perspektiven des Geschlechterkonfliktes im Spannungsfeld patriarchalischer und feministischer Strukturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175053

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