Die Zukunft der EU. Fünf Szenarien im Fokus


Hausarbeit, 2011

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wege aus der Krise
Zurück zur D-Mark
Vor-und Nachteile
Austritt der Südländer
Vor-und Nachteile
Forderungsverzicht - Haircut
Vor-und Nachteile
Transferunion
Vor-und Nachteile
Trennung der Währungen
Vor-und Nachteile

Schlussbemerkung

Quellen

Einleitung

Die europäische Union ist angeschlagen. Angesichts der unbestreitbaren Überschuldung vieler Euro-Länder sinkt unter anderem der Glaube in die Gemeinschaftswährung. Um die betroffenen Länder zu schützen und vor einem möglichen Bankrott zu bewahren wurde von der EU und dem IWF ein Rettungsschirm gespannt. Die Staatengemeinschaft steht angesichts dieser Krise vor einer enormen Bewährungsprobe. Für die Zukunft gilt das Ziel einer einheitlich und stabil auftretenden Union. Die Schwellen- und Entwicklungsländer haben die Bühne der Weltwirtschaft und deren implizierten Globalisierungsfortschritt selbstbewusst betreten und für sich entdeckt. Die europäischen Länder zählen allerdings weiterhin zu den wirtschaftlich stärksten Nationen: Über 500 Millionen Frauen, Männer und Kinder sind hervorragend ausgebildet und erzeugen mit nur sieben Prozent Anteil an der Weltbevölkerung insgesamt 22 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Außerdem gilt die Europäische Union als größte Handelsmacht noch vor den USA oder China. Um diese Gegebenheiten aufrechtzuerhalten und den Anschluss an die Wachstumsexplodierenden Länder, die sich eindeutig auf der Überholspur befinden, nicht zu verlieren, ist es nötig geeignete Maßnahmen zu treffen und Verantwortung zu zeigen. Hierbei ist das globale Ungleichgewicht in Bezug auf Defizite und Überschüsse zu gravierend und die Zukunft wird zeigen inwiefern ein gemeinschaftlich auftretendes Europa in der Lage ist diese Hürde zu meistern.1 Im Folgenden möchte ich näher erläutern, welche Maßnahmen, speziell für die EU und Deutschland, möglich sind und welche Vor- und Nachteile sie implizieren. Diesbezüglich werde ich verschiedene Szenarien aufführen, die unterschiedliche Auswirkungen und Erfolgschancen besitzen um den Euro-Raum eventuell wieder in Fahrt zu bringen.

Wege aus der Krise

Zurück zur D-Mark

Die Wiedereinführung der D-Mark und das Ausscheiden Deutschland aus dem Europäischen Währungsraum galt lange Zeit als ein undenkbares Szenario. Allerdings kam es im Rahmen der letzten Entwicklungen und Vorkommnisse innerhalb des Euro-Raums immer wieder zu Diskussionen bezüglich dieser Thematik. Dies wird durch die folgende Grafik verdeutlicht. Sie zeigt, wie sich Deutschland im Laufe der Jahre mit immer größeren Schritten von den europäischen Partnern entfernt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Großteil der Bevölkerung befürwortet laut infratest dimap2 die D-Mark als Währung. Dies ist kaum verwunderlich, da die deutschen Bürger als Steuerzahler, im Zusammenhang mit dem Wandel der Währungs- zur Schulden- bzw. Transferunion, vorrangig für die Zahlungen an schuldengebeutelte EU-Länder zuständig sind. Der Druck auf die Bundesregierung dem entgegen zu wirken nimmt stetig von Seiten der Bevölkerung zu. Wie immens wichtig das Vertrauen der Bürger in die eigene Währung ist, zeigen Untersuchungen des Ökonomen Volker Nitsch bezüglich des Zusammenbruchs von Währungsunionen. Diese scheitern oftmals daran, dass der als Basis funktionierende politische Wille zur Gemeinschaftswährung merklich schwand. So Abwegig dieses Szenario auch klingen mag, bisher kam es in der Vergangenheit bereits über 60-mal vor, dass ein Land die jeweilige Währungsunion verlassen hatte.3 Laut dem Währungsexperten Barry Eichengreen wäre es trotz möglicher politischer Verwerfungen in Europa, die durch einen Austritts Deutschland ausgelöst werden könnten für die Bundesrepublik möglich diese Umstellung, ohne eine Finanzkrise auszulösen, zu verwirklichen.4 Der Bundesbank wäre es möglich die Geschäftsbanken nach einem Austritt mit ausreichender Liquidität zu versorgen. Dies wird durch die Tatsache impliziert, dass sie bisher in der Währungsunion auch für die Offenmarktgeschäft auf dem Bankenmarkt verantwortlich zeichnet. Neben dem vorhandenen „Know-How“ und den organisatorischen Voraussetzungen hat die Bundesbank zudem Zugang zu den nationalen Währungsreserven (ca. 150 Milliarden Euro) und könnte bei entsprechender Vorbereitung die Wiedereinführung (inklusive Drucken und Prägen von Scheinen und Münzen) garantieren.

Vor- und Nachteile

Zukünftige Zinsentscheidungen könnten von der Bundesbank ohne Rücksicht auf andere EULänder getroffen werden. Es besteht also wieder die Möglichkeit die Zentralbankpolitik exakter auf die jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisse und Gegebenheiten abzustimmen und effektiver eine Preisstabilität durchzusetzen. Weiterhin würden die bisherigen Transferzahlungen in die südlichen EU-Länder wegfallen und die Gelder der Steuerzahler könnten im Inland investiert werden. Alles in allem würden sich die Umstände, die positiv auf ein Wirtschaftswachstum wirken, grundlegend verbessern.

Ohne Zweifel würde es bei einem Ausstieg Deutschlands zu einer drastischen Aufwertung der neuen D-Mark kommen. Dies lässt sich durch die sehr wahrscheinlichen Kapitalzuflüsse erklären. In Folge dessen würden sich ebenso die Exporte verteuern. Allerdings wird nicht davon ausgegangen, dass Deutschland in Zukunft dadurch nicht mehr durch den Export profitieren kann, weil der Wechselkurs nicht die immanente Größe im Rahmen des Außenverkehrs ist. Würde es zum Beispiel zu einer realen effektiven Aufwertung der Währung um ein Prozent kommen, so würde dies nur einen Rückgang der Ausfuhren um 0,5% implizieren.5 Dies liegt unter anderem daran, dass speziell deutsche Unternehmen in ihrem jeweiligen Produktbereich Weltmarktführer sind und deren Kunden nicht ohne weiteres auf ein hochwertiges Produkt bzw. erstklassigen Service verzichten würden.

Andererseits werden die Einfuhren durch eine starke Währung vergünstigt. Aufgrund der Tatsache, dass 42 Prozent der Exporte aus importierten Vorleistungen bestehen ist es für die exportierenden Unternehmen möglich diese geringeren Einkaufskosten über niedrigere Preise an die Kunden weiterzugeben und somit einer Verteuerung entgegenzuwirken.6 Besitzer von Auslandsvermögen dürften allerdings weniger zufrieden mit diesem Szenario sein. Aufgrund der enormen Exportüberschüssen wurden in den letzten Jahren hohe Summen im Ausland investiert. Falls es nun zu der wahrscheinlichen Aufwertung der D-Mark gegenüber den Fremdwährungen (Euro, Dollar etc.) kommt, verringert sich der Gegenwert des im Ausland befindlichen Geldes. Außerdem würde ein Austritt aus der Union zu Kosten für den Währungsumtausch und für die Absicherung gegen Wechselkursrisiken führen. Diese Kosten betragen ca. 0,5 - 1,0 Prozent (12 - 24 Milliarden Euro) des BIPs. Allerdings könnte man damit einhergehend die beträchtlichen Kosten, die durch die Transferunion entstehen, vermeiden. Das Szenario einer Transferunion werde ich später näher erläutern. Ein letzter positiver Fakt ist, dass die Bedeutung von möglichen Wechselkursschwankungen innerhalb der Euro-Zone im Laufe der Jahre abgenommen hat. Dies liegt an dem geringeren Anteil deutscher Ausfuhren in die EU-Ländern. (1995: 46,5 %; 2010: 38 %).7

Augenscheinlich ist, dass es wohl von der technischen Seite keine Probleme geben würde die D-Mark wieder einzuführen. Die Einführung würde sogar von einigen positiven ökonomischen Vorteilen begleitet werden. Allerdings zählen die wahrscheinlichen massiven Vermögensverluste als gravierender Nachteil. Weiterhin würde sich Deutschland erheblich politisch isolieren. Weil die letzten beiden Fakten schwerer ins Gewicht fallen wird die Bundesregierung wohl eher diesem Szenario den Rücken zukehren.

Austritt der Südländer

Das vorangegangene Szenario hat sich in der Tat ausschließlich mit Deutschland und einem möglichen Ausweg für die Bundesrepublik beschäftigt. Nun möchte ich die Möglichkeit eines Rauswurfs der verschuldeten Euro-Länder aus der Europäischen Union näher betrachten. Das verschuldete Griechenland gilt seit dem Geständnis ihrer gefälschten Bilanzen immer noch als Spitze des Eisbergs.

[...]


1 Rompuy, Herman Van, Europa mischt mehr mit, 2010

2 http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2010/dezember/ - Aussagen zum Euro, 2010

3 http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/explosionsgefahr-beim-euro/3658788.html

4 http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~E7146D61888CB4A5186800BA54734 F1CB~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

5 Strauß, H., Eingleichungsmodelle zur Prognose des dt. Außenhandels, 2000, S. 2

6 http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/aussenwirtschaft,did=361144.html?view=renderPrint

7 Fischer, Malte, Bye-bye-Euro, Wirtschaftswoche 13.12.2010, S. 23-24

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Details

Titel
Die Zukunft der EU. Fünf Szenarien im Fokus
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V175080
ISBN (eBook)
9783640959419
ISBN (Buch)
9783668107090
Dateigröße
911 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EU, Zukunft, Szenarien, DMark, Südländer, Forderungsverzicht, Haircut, Transferunion, Währungstrennung, Krise, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Constantin Jäkel (Autor), 2011, Die Zukunft der EU. Fünf Szenarien im Fokus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175080

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