Die Halbstarken, eine Jugendkultur der 50er Jahre


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
28 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Die Bundesrepublik in den fünfziger Jahren

3. Die Jugend in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre
3.1. Überblick
3.2. Halbstarke
3.2.1. Verhaltens- und Erscheinungsweisen in den fünfziger Jahren
3.2.2. Krawalle und Randale
3.2.3. Die Krawallteilnehmer
3.2.4. Rock’n’Roll

4. Reaktion in der Öffentlichkeit

5. Teenager

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Halbstarken einer Jugendkultur der 50er Jahre

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

In der Arbeit mit dem Thema „Die Halbstarken, eine Jugendkultur der 50er Jahre“ soll die Entwicklung einer Jugendkultur, am Beispiel der Halbstarken in den Anfangsjahren der Bundesrepublik dargestellt werden.

Die einleitende Betrachtung wird sich vor allem mit einem Überblick der innen- und außenpolitischen Lage Deutschlands von seiner Gründung, 1949, bis zum Beginn der sechziger Jahre befassen. Dabei wird die Westbindung der Republik und die Befriedigung der elementarsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu betrachten sein.

Anschließend soll eine allgemeine Betrachtung zur Lage der Jugendlichen gegeben werden. Hier wird vor allem die „Jugendnot“, die Situation in Schule und Beruf sowie das Freizeitverhalten der jungen Heranwachsenden von Bedeutung sein.

Der Schwerpunkt der Arbeit wird auf der Jugendkultur der Halbstarken liegen, die vor allem zum Ende des Jahrzehnts durch ihr Auftreten, die fünfziger Jahre prägten. Nachdem dieser Begriff im 19. Jahrhundert zuerst im Justizvollzugswesen auftauchte, unterlag er in den darauf folgenden Jahrzehnten einem Bedeutungswandel, der sich von ehemals verwahrlosten kriminellen Jugendlichen zu aufsässigen Heranwachsenden der Arbeiterklasse wandelte. Diese Jugendlichen zeigten sich, durch den american way of life und der durch das Wirtschaftswunder gewonnen finanziellen Unabhängigkeit, als Gegenspieler zu den alt eingesessenen Moralvorstellungen ihrer Elterngeneration. Mit Lederjacken, lässigen unmilitärischen Frisuren und Rock’n’Roll prägten sie das öffentliche Bild.

Die Randale und Krawalle waren es aber, die die Halbstarken immer wieder in die Presse brachten. Die Presse war es aber auch gleichzeitig selber, die mancherorts Krawalle, durch ihre Berichterstattung, erst auslöste. Lehrlinge und Jungarbeiter stellten den größten Teil der Krawallteilnehmer, die aber kaum eine Teilnehmerzahl von über 500 erreichten.

Der Lebensrhythmus wurde vom Rock’n’Roll bestimmt, der aus den Vereinigten Staaten von Amerika über die britischen und amerikanischen Radiosender an die deutschen Jugendlichen getragen wurde und für Diskussionen in der Bevölkerung sorgte.

Das anschließende Kapitel befasst sich mit der Reaktion der Öffentlichkeit auf die Halbstarken, die damit verbundenen Krawalle und die durch Film und Musik stattfindende Amerikanisierung der Jugend. Vor allem die Politik und Polizei forderten Maßnahmen gegen die Krawalle der Halbstarken. Die Lösungsansätze reichten von Vorschlägen, die die Halbstarken zu Kriminellen erklärten, über Wehrpflichtdienste zu Aufklärungsgesprächen.

Um das Thema abzurunden, wird die neu aufkommende Teenagerkultur als letztes zu untersuchen sein. Das Problem der Halbstarken löste sich dabei Ende der fünfziger Anfang der sechziger Jahre fast von selbst. Durch den Verlust der größten Rock’n’Roll Stars und das Heranreifen der meisten Halbstarken verlor diese Jugendkultur seinen Anreiz und ging zum größten Teil in der Teenagerkultur auf.

Eine abschließende Betrachtung wird die zusammengetragenen Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen und somit diese Arbeit zum Abschluss bringen.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Für die ersten zwei Kapitel diente als Basis das Werk von Axel Schildt[1], welches einen guten Überblick über die Situation der Bundesrepublik Deutschland in den fünfziger Jahren bietet. Für die gesamte Arbeit kristallisierte sich vor allem die Forschung von Sebastian Kurme[2] als wichtiges Standbein heraus. In diesem sehr aktuellen Werk wird die Jugendkultur der Halbstarken ausführlich dargelegt. Zugleich spiegelt dieses Buch den Forschungsstand sehr gut wieder und zeichnet sich durch seinen bibliographischen Anhang aus, welcher die einschlägige Forschungsliteratur enthält. Zwei weitere wichtige Bestandteile sind die Abhandlungen von Thomas Grotum[3] und Werner Lindner[4]. Diese beiden beschäftigen sich intensiv mit dem Phänomen der Halbstarken und dem Jugendprotest seit den fünfziger Jahren.

Kurme, Grotum und Lindner beziehen sich bei ihren Abhandlungen vor allem auf die Forschungsergebnisse Curt Bondys[5], welcher als zeitgenössischer Beobachter die damalige Situation direkt untersuchen und bewerten konnte.

Mit der Thematik der Teenagerkultur befasst sich Kaspar Maase.[6] Vor allem der Aspekt der Amerikanisierung der deutschen Jugendlichen wird dabei sehr genau betrachtet.

2. Die Bundesrepublik in den fünfziger Jahren

Die Gründung der Bundesrepublik, 1949 im westlichen Teil Deutschlands, war der Beginn eines parlamentarisch-demokratischen Systems, welches dank eines wachsendem Wohlstand und rasanten sozialen Verbesserungen schnell an Akzeptanz in der Gesellschaft gewann. Vor allem durch den Bundeskanzler Konrad Adenauer sollte diese Zeit geprägt werden.[7] Die Souveränität der Bundesrepublik, 1955, sollte vor allem ein Erfolg Adenauers Politik der unbedingten Westbindung sein. Sein Ziel war es politische Mitsprache, militärische Sicherheit sowie internationale Gleichberechtigung zu erlangen. Nur durch eine Westbindung konnte dieses Ziel erreicht werden, was jedoch gleichzeitig die Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten für die nahe Zukunft unmöglich machte.[8]

Vor allem der Kalte Krieg und die Angst, mit dem Koreakrieg in eine heiße Phase überzugehen, beschleunigte die Einbeziehung der Bundesrepublik in den Westen und fand mit der Aufnahme in die NATO 1955 ihren vorläufigen Höhepunkt. Zur gleichen Zeit wurde im politischen und gesellschaftlichen Bereich der Antikommunismus propagiert, was nicht gleichzeitig eine Amerikanisierung bedeutete.[9]

Mit der Einbeziehung der Bundesrepublik in die Weltwirtschaft, aufgrund des Marshall-Plans der USA, und dem „Wirtschaftswunder“ kam es zu einem stetigen Anstieg des Wohlstands. So konnte die Arbeitslosigkeit zwischen 1950 und 1961 von 11 Prozent auf 1,3 Prozent, die Arbeitszeit auf 44 Stunden die Woche gesenkt werden. Die 5-Tage-Woche wurde eingeführt und die Haushaltseinkommen von 1950 bis 1960 verdoppelten sich. Trotzdem blieben genügend Problemfelder, die erst in den sechziger Jahren gelöst werden konnten. So wurden zwar seit 1953 jährlich 500.000 neue Wohnhäuser gebaut, jedoch blieb die Wohnungssituation auch in den Sechszigern noch unzureichend. Auch die Konsumgesellschaft bildete sich erst am Ende des Jahrzehnts heraus. Vorher wurde das Kaufverhalten der Bürger durch Not und Mangel, welchen es abzustellen galt, bestimmt. Somit stand die Befriedigung der Grundbedürfnisse in den fünfziger Jahren im Vordergrund.[10]

Die gesellschaftlichen Strukturen wurden von der Vorkriegszeit weitestgehend übernommen. Mit tradierten Normen und Werten und kulturellen Orientierungen und Mentalitäten, vor allem im Kaiserreich wurzelnd, prägten die Älteren das Alltagsleben und das Lebensgefühl in der Bundesrepublik. So war es nicht verwunderlich, dass autoritäre Normen, Wert- und Verhaltensmuster sowie konservative, katholische Moralvorstellungen die Ehe, Familien und das öffentliche Leben beherrschten. Anpassung, Ehrerbietung, Gehorsam, Disziplin und Pflichterfüllung waren bestimmende Konventionen und Tugenden in der Schule und Ausbildung.[11]

3. Die Jugend in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre

3.1. Überblick

Die Jugendlichen der fünfziger Jahre lassen sich in zwei unterschiedliche Generationen einteilen. Die erste Generation beinhaltet diejenigen, die zum Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre im Jugendalter waren. Diese Generation wurde, in den ersten zehn Jahren nach dem Krieg, vor allem durch die unmittelbaren Kriegsfolgen geprägt.

Der sich eingeprägte Begriff der „Jugendnot“[12] steht für die katastrophale Lage der Jugendlichen. 1,25 Millionen Kinder und Jugendliche mussten ohne ihren Vater aufwachsen, den sie im Krieg verloren hatten. 250.000 von ihnen waren sogar Vollwaisen. Nach Schätzungen gab es 80.000 – 100.000 Kinder die als vagabundierend eltern- und heimatlos eingestuft wurden. Zu diesen kamen noch 1,55 Millionen Kinder und Jugendlich die auf der Flucht aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten waren.[13]

Die große Notlage machte es notwendig, dass die Jugendlichen nach einer kurzen achtjährigen Volksschulbildung in das Arbeitsleben eintraten um so zur Existenzsicherung beizutragen.[14]

Zu Beginn des Jahrzehnts herrschte unter den Jugendlichen eine hohe Arbeitslosigkeit. So waren 1950 eine viertel Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos.[15] Die zweite Generation der Jugendlichen, die um 1940 geboren wurden, konnte mit dem Wendepunkt 1955, den Auswirkungen des Wirtschaftswunders auf die Jugendlichen, in einen ganz anderen Arbeitsmarkt einsteigen.[16] Die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen hatte sich bis 1955 auf ca. 50.000 bis 60.000 verringert, wobei es sich bei diesen Arbeitslosen vorwiegend um Frauen handelte. So arbeiteten 69% der 15- bis 17jährigen, 85% der 18- bis 20jährigen und 86% der 21- bis 24jährigen. Aufgrund der meist schweren körperlichen Arbeit plädierte der Soziologe Hans Kluth aus jugendschützerischen Motiven Mitte der 1950er für den Berufseintritt mit erst 16 Jahren.[17]

Bei den männlichen Jugendlichen stand das Geldverdienen und Vorwärtskommen an erster Stelle und wurde von ihren Eltern gefördert. Die Mädchen sollten eher auf die Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet werden, so dass eine berufliche Ausbildung zweitrangig war. Damit stellten die Mädchen, welche von den Berufsschulen Anfangs noch zurückgestellt wurden, den größten Teil der jugendlichen Arbeitslosen. 1958/59 hatte sich die Lage der Mädchen soweit verbessert, dass 55.000 Berufsbildungsstellen für weibliche Jugendliche nicht besetzt werden konnten. Trotzdem blieb das Angebot der Lehrstellen für Frauen eng begrenzt. 1957 arbeiteten drei Viertel aller Mädchen in vier Berufsfeldern.

Diese beinhalteten meist Stellen als Verkäuferinnen, im textilverarbeitenden Gewerbe, im Gesundheitsdienst und in Körperpflegeberufen.[18]

[...]


[1] Schildt, Axel: Moderne Zeiten, Freizeit, Massenmedien und „Zeitgeist“ in der Bundesrepublik der 50er Jahre, Hamburg 1955.

[2] Kurme, Sebastian: Halbstarke, Jugendprotest in den 1950er Jahren in Deutschland und den USA, Frankfurt/New York 2006.

[3] Grotum, Thomas: Die Halbstarken, Zur Geschichte einer Jugendkultur der 50er Jahre, Frankfurt/New York 1994.

[4] Lindner, Werner: Jugendprotest seit den Fünfziger Jahren, Dissens und kultureller Eigensinn, Opladen 1996.

[5] Bondy, Curt: Jugendliche stören die Ordnung, Bericht und Stellungnahme zu den Halbstarkenkrawallen, München 1957.

[6] Maase, Kaspar: Bravo Amerika, Erkundungen zur Jugendkultur der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren, Hamburg 1992.

[7] Bis 1955 mit dem „Deutschlandvertrag“ der Bundesrepublik die volle Souveränität gewährt wurde, wurde die Politik, aufgrund des „Besatzungsstatuts“ von 1949, von den Westalliierten kontrolliert. Dabei oblagen ihnen weitgehende Vorbehaltsrechte, Einspruch- und Kontrollbefugnisse sowie Mitsprachemöglichkeiten, durch die die Eigenständigkeit der Bundesregierung beträchtlich eingeschränkt wurde. Görtemaker, Manfred: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, S. 101f.

[8] Kurme, Sebastian: Halbstarke, S. 52f.

[9] Ebenda, S. 55.

[10] Kurme, Sebastian: Halbstarke, S. 59f.

[11] Ebenda, S. 66.

[12] Schildt, Axel: Moderne Zeiten, S. 153f.

[13] Kurme, Sebastian: Halbstarke, S. 94.

[14] Grotum, Thomas: Die Halbstarken, S. 54.

[15] Schildt, Axel: Moderne Zeiten, S. 155.

[16] Kurme, Sebastian: Halbstarke, S. 95.

[17] Schildt, Axel: Moderne Zeiten, S. 155.

[18] Schildt, Axel: Moderne Zeiten, S. 156.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Halbstarken, eine Jugendkultur der 50er Jahre
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Kultur und Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er Jahren
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V175141
ISBN (eBook)
9783640960422
ISBN (Buch)
9783640960897
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendnot, Amerikanisierung, american way of life, Straßenkindheit, Rock'n'Roll, Jazz, Halbstarken-Krawalle, Veranstaltungskrawalle, Randale, Wirtschaftswunder, Folge-Krawalle, Teenager, teen-age culture
Arbeit zitieren
MAGISTER ARTIUM Karsten Mertens (Autor), 2007, Die Halbstarken, eine Jugendkultur der 50er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175141

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