Die afrikanische Seite des atlantischen Sklavenhandels im 18. Jahrhundert


Forschungsarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Ursprung der Sklaverei

2. Geschichtlicher Abriss

3. Sklaverei in Afrika vor der Zeit des europäischen Sklavenhandels und dessen Beginn

4. Genereller Ablauf der Versklavung
4.1 Gefangennahme
4.2 Űberfahrt und Folgen
4.3 Verkauf

5. Sklavenarbeit
5.1 Unterschiedliche Nutzung der Sklaven
5.2 Aspekt der Rentabilität

6. Eine besondere afrikanische Lebensgeschichte: Olaudah Equiano

7. Der Versuch der Rechtfertigung des Sklavenhandels und die Folgen für die Sklavenbeschaffungsgebiete in Afrika

8. Abbildungverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Ursprung der Sklaverei

Um die afrikanische Seite des atlantischen Sklavenhandels näher zu verstehen, muss man bedenken, dass die Versklavung der Afrikaner nicht unbedingt rassistische Gründe hatte, sondern dass Rassismus eine Folge der Sklaverei ist. Diese Meinung vertritt der west-indische Historiker Eric Williams: „ Slavery was not born of racism: rather, racism was the consequence of slavery […] The origin of Negro slavery was economic, not racial; it had to do not with the color of the laborer, but the cheapness of the labor”[1]. Aufgrund der vielen Vorurteile gegenüber Schwarzen während und nach der Sklaverei, hat die Mehrheit der Menschen vermutet, dass die Versklavung der Afrikaner auf Rassismus basierte. Allerdings war dies nicht der Fall, denn die Sklaverei verursachte vielmehr den Rassismus und war eher von wirtschaftlichen als von rassistischen Motiven geprägt. Es ist notwendig, einen geschichtlichen Abriss zu geben und die bereits vorhandene Art von Sklaverei in Afrika, bevor die Europäer an der Westküste erschienen, etwas näher zu betrachten, um den Einfluss der Europäer auf die Sklavenexportgebiete besser beurteilen zu können. Der Ablauf der Versklavung und die unterschiedlichen Arten von Sklavenarbeit verdeutlichen die afrikanische Seite des atlantischen Sklavenhandels im 18. Jahrhundert und zeigen, wie unmenschlich die Behandlung und die Arbeitsbedingungen der afrikanischen Sklaven waren. Anhand der besonderen Lebensgeschichte von Olaudah Equiano wird dann deutlich, dass einige Sklaven in der Lage waren, ihrem endgültigen Schicksal zu entfliehen und es dadurch schafften, sich an der langwierigen Abschaffung der Sklaverei zu beteiligen.

2. Geschichtlicher Abriss

Es waren die Portugiesen, die erstmals im 15. Jahrhundert an der Westküste Afrikas eintrafen, um dort Sklaven für ihre Zuckerplantagen auf den Kanarischen Inseln und als Diener für den europäischen Adel zu kaufen. Afrika wurde nun fortan als Lieferant für menschliche Arbeitskräfte genutzt. Die deportierten Sklaven fanden ihre Verwendung hauptsächlich auf den Zucker-, Baumwoll– und Tabakplantagen europäischer Pflanzer in Nord-und Südamerika und der Karibik. Seinen Höhepunkt erlebte der transatlantische

Sklavenhandel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und fand erst im Laufe des 19. Jahrhunderts mit der britischen Industrialisierung und einer gleichzeitigen Protest- bewegung innerhalb Europas sein Ende. Somit änderte sich dann die Rolle Afrikas vom Arbeitskräftelieferant hin zu einem Rohstoffproduzent mit groβem Absatzmarkt[2].

3. Sklaverei in Afrika vor der Zeit des europäischen Sklavenhandels und dessen Beginn

Die Sklaverei in Schwarzafrika wurde nicht, wie es haüfig angenommen wird, von den Europäern eingeführt, sondern existierte schon sehr lange vor dieser Zeit. Aufgrund der fehlenden schriftlichen Aufzeichnungen zu dieser Zeitperiode sind keine Archive vorhanden und es ist daher schwierig, etwas Konkretes über die damaligen Modalitäten der Sklaverei und ihren geschichtlichen Ablauf vor dem 19. Jahrhundert auszusagen[3]. Jedoch bezeugen Reiseberichte von arabischen Händlern, dass die Sklaverei zu der alltäglichen gesellschaftlichen Realität der damaligen groβen Feudalreiche Afrikas gehörte. Obwohl sie keine entscheidende Rolle für die afrikanische Wirtschaft gespielt haben kann, und vor allem auf die Beschaffung des Lebensnotwendigen ausgerichtet war, betrachtete man sie dennoch nicht als moralisch verwerflich, sondern eher als etwas Alltägliches. Die Hauptursache waren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen zwei Staaten oder Stämmen, nach deren Beendigung die gemachten Gefangenen von den Siegern auf deren Territorien gebracht wurden und dort dann entweder gezwungen wurden, im Haushalt oder auf den Feldern zu arbeiten, oder gelegentlich auch an Händler verkauft wurden. Diese Sklavenhändler waren ursprünglich Araber, die sich seit dem 7. Jahrhundert südlich der Sahara angesiedelt hatten. Dies änderte sich aber, als die Portugiesen im 15. Jahrhundert an der Westküste erschienen und die Nachfrage nach Sklaven nun auch von den Europäern ausging. Denn dies veranlasste die afrikanischen Könige und Kleinkönige schließlich, ihrerseits einen Teil der Sklaven zu verkaufen, die

sie sich durch Űberfälle auf ihre Nachbarstämme verschafft hatten, um mit dem Gewinn kostbare Stoffe, seltene Nahrungsmittel und später auch Feuerwaffen von den Europäern zu kaufen. Allerdings muss hier festgehalten werden, dass die afrikanischen Sklaven- händler sich nicht bewusst waren, was sie ihren “Landsleuten” mit dem Verkauf in die europäische Versklavung antaten, denn in Afrika selbst war die Behandlung der Sklaven nicht mit der europäischen zu vergleichen: kein Sklave wurde grundlos misshandelt, er war Besitzer seines eigenen Hauses und hatte das Recht, seine Kinder aufzuziehen. Hauptsächlich wurde mit der afrikanischen Oberschicht zusammengearbeitet (dies ist durch gelegentliche Besuche derer an den verschiedenen europäischen Höfen belegt). Dass diese Kollaboration nicht mit totaler Unterwerfung gleichzusetzen war, ist an einem Zwischenfall im 17. Jahrhundert ersichtlich. Ein afrikanischer Herscher, der eine Gesandtschaft an den Pariser Hof geschickt hatte, um dort seine wirtschaftlichen Beziehungen aufzubessern, stellte zwar den französischen Kaufleuten eine Faktorei auf seinem Land zur Verfügung, gestattete es ihnen aber nicht, ein eigenes Gebäude zu errichten. Er antwortete auf ein entsprechendes Gesuch der Franzosen: “ Ihr wollt ein Haus bauen, in dem ihr anfangs zwei kleine Kanonen auftellen werdet; das folgende Jahr werdet ihr vier aufstellen, und in kurzer Zeit wird eure Faktorei in ein Fort verwandelt sein, welches euch zu Herren über meine Herrschafften machen und euch in den Stand setzen wird, mir Gesetze vorzuschreiben“[4]. Dies zeigt, dass die Angst der Afrikaner, von den Europäern völlig unterdrückt zu werden, von dem Beginn des Sklavenhandels an vorhanden war und sicherlich bis in das 19. Jahrhundert anhielt. Die wichtigsten afrikanischen Gebiete, aus denen Sklaven im Zeitraum von der Mitte des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts deportiert wurden, waren das heutige Senegal, Sierra Leone, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Cameroun, West Zentral Afrika, bis hin zu Teilen Angolas.

Die unterschiedlichsten Nationen haben sich im Laufe der Jahrhunderte am Sklavenhandel beteiligt: Portugal, Spanien, Holland, Dänemark, Frankreich und England.

[...]


[1] Northrup, David: The Atlantik Slave Trade. Lexington, Massachusetts. 1994. S.1.

[2] vgl. Abbildung 1 im Abbildungverzeichnis.

[3] Eckert, Andreas: The Impact of the Atlantic Slave Trade on Africa - Historiographical Controversies. In: Pietschmann, Horst (Hrsg.): Atlantik History. History of the Atlantik System 1580-1830. Hamburg. 2002. S.340.

[4] Loth, Heinrich: Sklaverei. Die Geschichte des Sklavenhandels zwischen Afrika und Amerika. Wuppertal. 1981. S.57.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die afrikanische Seite des atlantischen Sklavenhandels im 18. Jahrhundert
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Die atlantischen Staaten im 18. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V175159
ISBN (eBook)
9783640960477
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seite, sklavenhandels, jahrhundert
Arbeit zitieren
Nick Henricks (Autor), 2007, Die afrikanische Seite des atlantischen Sklavenhandels im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175159

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