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Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik Georg Heyms, Ernst Stadlers und Armin T. Wegners

Title: Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik Georg Heyms, Ernst Stadlers und Armin T. Wegners

Examination Thesis , 2009 , 87 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Staudt (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die Großstadtdichtung ist die vielleicht umfangreichste und bedeutendste Gruppe expressionistischer Lyrik, insbesondere der frühexpressionistischen. Ein völlig neuer Themenbereich wird aber nicht erschlossen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts integriert der französische Schriftsteller Charles Baudelaire den Themenbereich „Großstadt“ in die Lyrik. Auch deutsche Naturalisten, zum Beispiel Julius Hart oder Arno Holz, und Symbolisten, beispielsweise Hugo von Hofmannsthal oder Rainer Maria Rilke, thematisieren die großen Städte bereits zuvor.
Aber vor der expressionistischen Lyrik hat die Großstadt keine solch differenzierte und intensive Darstellung erfahren, die sich nun auch auf Form, Sprache und Motivik auswirkt. Faszination und Abneigung gegenüber der Stadt müssen sich nicht ausschließen:

„Eine Ambivalenz des Erlebens zeichnet sich ab, bei der rasche Übergänge vom Rausch zum Entsetzen ohne weiteres möglich sind und keinen Bruch darstellen. So besteht auch zwischen der positiven Darstellung des Weltstädtischen bei Blass und der Dämonisierung bei Heym keineswegs ein prinzipieller Unterschied des Erlebens. Es handelt sich lediglich um zwei verschiedene Aspekte des gleichen Grunderlebnisses.“

Die meisten Lyriker spezialisieren sich allerdings in ihren Werken auf die negativen Seiten des Stadtlebens in Zeiten der Technologisierung, des wissenschaftlichen Fortschritts, des Siegeszuges der Natur- gegenüber den Geisteswissenschaften und des Bedeutungsgewinns der Wirtschaft. Heym beispielsweise hasst deshalb aber die Großstadt noch nicht. Vielmehr ist das Verhältnis zu und das Befinden in der Großstadt oftmals ambivalent und undurchschaubar.
Es ist in diesem Rahmen nicht möglich, jegliche Lyrik des Frühexpressionismus, die sich mit der Großstadt auseinandersetzt, tiefgehend zu analysieren. Um eine erste Übersicht zu erhalten, habe ich wichtige Anthologien zur Großstadtlyrik und zur Lyrik des Expressionismus quantitativ untersucht, um zu erfahren, wie häufig welcher Dichter mit wie vielen Gedichten vertreten ist [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Zitierweise

1 Einleitung

2 Großstadt und Gesellschaft zur Jahrhundertwende

3 (Früh-)Expressionistische Großstadtlyrik und ihre Entstehung

3.1 Die Großstadt in der Literatur vor 1910

3.2 Die Entstehung des Expressionismus

3.3 Die (früh-)expressionistische Großstadtlyrik

4 Die Großstadt bei Georg Heym

4.1 Georg Heym in Berlin und die Keimzelle expressionistischer Lyrik

4.2 Heyms Frühdichtung und das Aufkommen des Themenbereichs „Großstadt“

4.3 Die Großstadt bei Heym zu seiner Reifezeit nach 1910

4.3.1 Von der Annäherung an die Stadt bis zu deren Totalität

4.3.2 Das Gedicht Der Gott der Stadt

4.3.2.1 Formanalyse und Allgemeines zur Form in der Heym’schen Lyrik

4.3.2.2 Inhalt und Gliederung unter Einbezug der Textgenese

4.3.3 Der Ich-Zerfall der Menschen in der Großstadt

4.3.4 Der beeinträchtigte Mensch in Heyms Großstadt

4.3.5 Zur zeitlichen Dimension in der Großstadt

4.3.6 Die Gleichgültigkeit von Leben und Tod

4.3.7 Das Mythische in Heyms Großstadtdichtung

4.3.7.1 Der allegorische Gehalt des Mythischen

4.3.8 Die unvollständige Apokalypse in der Großstadt Heyms

4.4 Fazit

5 Die Großstadt bei Ernst Stadler

5.1 Biografisches zum Verständnis Stadlers Beziehung zur Großstadt, zum Expressionismus und zur Zeit

5.2 Weltflucht und vereinzelte Stadtbilder in Stadlers Frühdichtung

5.3 Stadlers Weg zum Expressionismus

5.4 Die Großstadterfahrung als Bestandteil der Hinwendung zum Leben im Gedichtband Der Aufbruch

5.4.1 Die Stadt als Ort des Erlebens und der vitalen Erfüllung (Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht, Bahnhöfe, Abendschluß)

5.4.2 Die sozialpathologische Darstellung des Stadtlebens (Heimkehr, Judenviertel in London, Kinder vor einem Londoner Armenspeisehaus)

5.5 Fazit

6 Die Großstadt bei Armin T. Wegner

6.1 Wegners Leben in Großstädten, sein Kontakt mit dem Frühexpressionismus und seine soziale Gesinnung

6.2 Die Großstadt in Wegners Frühdichtung

6.3 Das Bild der Großstadt in Armin T. Wegners Das Antlitz der Städte

6.4 Fazit

7 Schlussfolgerung

8 Bibliografie

8.1 Quellen

8.2 Sammlungen und Anthologien (mit teilweise zitierten Einleitungen, Vor- oder Nachworten)

8.3 Fachlexika

8.4 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Darstellung der Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik von Georg Heym, Ernst Stadler und Armin T. Wegner. Ziel ist es, die unterschiedlichen poetischen Strategien aufzuzeigen, mit denen diese Dichter die moderne Metropole und die damit verbundene existenzielle Erfahrungswelt verarbeiteten, wobei insbesondere der Einfluss von Biografie und ästhetischem Selbstverständnis auf die Stadtwahrnehmung untersucht wird.

  • Vergleichende Untersuchung frühexpressionistischer Großstadtlyrik
  • Analyse von Georg Heym als visionärem Dichter der Großstadt
  • Erforschung von Ernst Stadlers vitalistischer Stadterfahrung
  • Untersuchung von Armin T. Wegners Auseinandersetzung mit der modernen Metropole
  • Interpretation literarischer Motive wie Apokalypse, Mythisierung und Ich-Dissoziation

Auszug aus dem Buch

4.3.2.1 Formanalyse und Allgemeines zur Form in der Heym’schen Lyrik

Das Gedicht besteht aus fünf Strophen zu je vier Versen. Das Metrum bildet ein fünfhebiger Jambus. Das Reimschema ist durchgängig der Kreuzreim. Damit liegt (bis auf die Anzahl der Strophen) die gleiche Form wie bei Die Dämonen der Städte vor. Diese starre, traditionelle Form ist typisch für Heym. Nur etwa 6% seiner 411 Gedichte und Entwürfe aus den Jahren 1910 bis 1912 sind reimlos. Dies veranlasste viele, ihn als plump und unoriginell abzutun. Ernst Stadler beispielsweise spricht vom „monotone[n] Klassizismus des Heym’schen Versbaus“. Anders sehen das hingegen Gunter Martens und Heinz Rölleke. Letzterer sieht in der einfachen Versform die „[b]edrückende Monotonie und dämonische Langeweile“ versinnbildlicht. Sicherlich stimmt aber auch, dass in Anbetracht der unvermittelt geschilderten Visionen, die Form für Heym generell nicht sonderlich relevant ist. Es lässt sich jedoch ein Widerspruch zwischen unruhigem, zornigem Inhalt und althergebrachter Form erkennen. Diese wird vom Inhalt ausgehöhlt und parodiert. Rölleke ergänzt, dass die strikte Form erst eine objektive Darstellung des Chaos ermöglicht. Gunter Martens verweist auf die weniger gelungenen Gedichte Heyms aus der Zeit zwischen Mitte September und Anfang Oktober 1911, in denen er weder Reim- noch Vers-, noch Strophenschemata verwendet und zieht daraus den Schluss, dass der spontan assoziierte Inhalt der Heym’schen Gedichte die starre Form brauche, um nicht auszuufern.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Zitierweise: Erläuterung der verwendeten Belegsystematik und der Abkürzungen für die Gedichtbände der untersuchten Autoren.

1 Einleitung: Einführung in die literarische Großstadtthematik und Begründung der Auswahl der drei Lyriker für die vorliegende Untersuchung.

2 Großstadt und Gesellschaft zur Jahrhundertwende: Darstellung des soziologischen Hintergrunds der Hochindustrialisierung und deren Einfluss auf die zeitgenössische Wahrnehmung der Moderne.

3 (Früh-)Expressionistische Großstadtlyrik und ihre Entstehung: Einordnung der Großstadt als literarischer Erfahrungsraum vom Naturalismus bis zur expressionistischen Literaturrevolution.

4 Die Großstadt bei Georg Heym: Detaillierte Analyse von Heyms Lyrik, inklusive der Bedeutung mythischer Gestalten und seiner Darstellung der Entfremdung in der Großstadt.

5 Die Großstadt bei Ernst Stadler: Untersuchung von Stadlers Weg zum Expressionismus und seiner vitalistischen, am Leben orientierten Stadtwahrnehmung.

6 Die Großstadt bei Armin T. Wegner: Analyse von Wegners frühen Auseinandersetzungen mit der Großstadt und der sozialen Intention in seinem Werk Das Antlitz der Städte.

7 Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse und Vergleich der unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen von Heym, Stadler und Wegner an das Thema Großstadt.

8 Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Frühexpressionismus, Großstadtlyrik, Georg Heym, Ernst Stadler, Armin T. Wegner, Moderne, Entindividualisierung, Apokalypse, Mythisierung, Großstadt, Literaturwissenschaft, Lyrik, Industrialisierung, Lebensphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung der Großstadt bei drei bedeutenden frühexpressionistischen Lyrikern: Georg Heym, Ernst Stadler und Armin T. Wegner.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Zu den Kernthemen zählen der Einfluss der Urbanisierung auf das lyrische Ich, die Abkehr von traditionalen Lebensformen, die Darstellung von Entfremdung sowie die Suche nach neuen Ausdrucksformen für ein geändertes Lebensgefühl.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Heym, Stadler und Wegner auf unterschiedliche Weise – visionär-monumental, vitalistisch oder sozialkritisch – auf die moderne Metropole reagierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Werkanalyse, die biographische Aspekte sowie zeitgenössische kultur- und sozialgeschichtliche Hintergründe einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die jeweils einen der Autoren und deren spezifische Bildsprache, Motivik (z.B. Totenmotiv, Meer-Metaphorik) und künstlerische Entwicklung detailliert analysieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Expressionismus, Großstadtlyrik, Entfremdung, Moderne, Apokalypse und Vitalismus beschreiben.

Inwiefern unterscheidet sich Heyms Darstellung von der Stadtdarstellung bei Stadler?

Während Heym die Stadt häufig mythisch dämonisiert und das Ich entfremdet, integriert Stadler die Stadt als einen Aspekt der vitalistischen Hinwendung zum Leben, bei der das lyrische Ich aktiver mit seiner Umgebung interagiert.

Warum wird Armin T. Wegner als bedeutender, aber vernachlässigter Autor eingestuft?

Wegner wird oft in der Literaturgeschichte übersehen, obwohl er bereits früh systematisch zur Großstadtthematik schrieb und eine ausgeprägte sozialkritische Perspektive in seine Dichtung integrierte.

Spielt der Erste Weltkrieg in der Lyrik der Autoren bereits eine Rolle?

Die Texte setzen sich vor allem mit der Vorkriegsmoderne auseinander; die häufig vorkommenden apokalyptischen Visionen werden hier als Ausdruck existenzieller Krisen gedeutet und nicht zwingend als direkte Vorwegnahme des Ersten Weltkriegs.

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Details

Title
Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik Georg Heyms, Ernst Stadlers und Armin T. Wegners
College
University of Heidelberg
Grade
1,0
Author
Christoph Staudt (Author)
Publication Year
2009
Pages
87
Catalog Number
V175192
ISBN (eBook)
9783668123472
ISBN (Book)
9783668123489
Language
German
Tags
Lyrik Expressionismus Georg Heym Ernst Stadler Armin T. Wegner Großstadt Großstadtlyrik Frühexpressionismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Staudt (Author), 2009, Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik Georg Heyms, Ernst Stadlers und Armin T. Wegners, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175192
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