Pippi Langstrumpf im Deutschunterricht

Anregungen für die Behandlung des Kinderbuches im Deutschunterricht der Grundschule


Hausarbeit, 2011
38 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Vorbemerkungen

1 Zum Einsatz von Kinderbüchern
1.1 Zur Bedeutung des Lesens
1.2 Die Funktion des Lehrers
1.3 Auswahlkriterien für den Unterricht
1.4 Didaktische und methodische Möglichkeiten

2 Vorschlag zur Erarbeitung im Unterricht
2.1 Die Autorin Astrid Lindgren
2.2 Inhaltsangabe Pippi Langstrumpf
2.3 Begründung der Wahl für den Unterricht
2.4 Didaktische und methodische Möglichkeiten zur Bearbeitung

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

A Anhang
A.1 AB Text Astrid Lindgren
A.2 AB Astrid Lindgren
A.3 AB Astrid Lindgren - Erwartungsbild
A.4 AB Pippi zieht in die Villa Kunterbunt
A.5 AB Pippi stellt sich vor
A.6 AB Pippi als Sachensucher
A.7 AB Pippi als Sachensucher - Erwartungsbild
A.8 AB Pippi und die Zeit
A.9 AB Pippi und die Zeit - Erwartungsbild . .
A.10 AB Pippi redet viel
A.11 AB Pippi trifft Goldmarie
A.12 AB Pippi im Zirkus
A.13 AB Pippi lädt zum Geburtstag ein
A.14 AB Pippi lädt zum Geburtstag ein - Erwartungsbild
A.15 AB Pippi im Film
A.16 AB Pippi im Film - Erwartungsbild
A.17 AB Pippi gibt Rätsel auf
A.18 AB Pippi gibt Rätsel auf - Erwartungsbild
A.19 AB Pippi-Langstrumpf-Lied

0 Vorbemerkungen

”WerdiePippi-Langstrupf-Klassikernichtkennt,hateinStückKindheitverpasst.Wer die Pippi-Langstrumpf-Bücher noch nicht gelesen hat: Bitte nachholen! Egal wie alt!“

Sandra Uckermann[1]

Wem sind schon die Abenteuer des rothaarigen Mädchens unbekannt, das zwar nicht rechnen kann, aber dafür Pferde hebt und ganze Torten verschlingt. Mit ihrem Affen Herrn Nilsson und dem Pferd Kleiner Onkel lebt sie sorgenfrei in der Villa Kunterbunt und lässt sich von niemandem etwas gefallen, erst recht nicht von Erwachsenen. Die Abenteuer von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf begeistern auch heute noch Leser aller Altersklassen.

Was von Astrid Lindgren als Abwechslung für ihre Tochter gedacht war, die aufgrund einer Lungenentzündung das Bett hüten musste, hat sich zu einem der bekanntesten Kinderbücher entwickelt und wurde bis he ute in mehr als 50 Sprachen übersetzt.[2] Die darin enthaltende Idee einer autoritätsunabhängigen Entfaltung von Kindern bietet zusammen mit dem Einsatz offener Unterrichtsformen gerade heutzutage ein breites Anwendungsfeld im Unterricht.

Das Buch als Grundlage für den Einsatz im Unterricht zu nehmen besitzt ebenso eine persönliche Färbung. War ich doch selbst bereits als Kind von den Abenteuern Pippis gefesselt, lasse ich mich auch heute von ihrem grenzenlosen Ideenreichtum inspirieren. ÄhnlichwieLindgrensTochterwarmeine jüngere Schwester vor kurzem, zwar aufgrund eines Beinbruchs, ans Bett gebunden und konnte dennoch durch ”Pippi Langstrumpf“ spannende Abenteuer erleben.

In dieser Arbeit wird einleitend der pädagogische Wert und die Bedeutung des Le- sens von Büchern beleuchtet. Weiterführend werden Kriterien zur Auswahl von Kin- derbüchern für den Deutschunterricht erläutert sowie im zweiten Teil nach einer In- haltsangabe praktische Vorschläge und Anregungen zur Umsetzung im Unterricht ge- geben.

1 Zum Einsatz von Kinderbüchern

1.1 Zur Bedeutung des Lesens

Galt noch im Mittelalter die Fähigkeit des Lesens als Zeichen hoher Bildung, so ist es in unserer westlichen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit und wird als Möglichkeit gesehen, seine Freizeit anspruchsvoll zu gestalten. Es ist nichts Besonderes daran, im Vorbeigehen kurze Werbeslogans auf Plakaten zu erfassen ( ”Geizistgeil“, ”Ichliebe es“), oder die Schlagzeilen der Tageszeitungen zu überfliegen. Doch das Lesen eines Buches erfordert mehr als das.[3]

Bereits in sehr frühen Entwicklungsstadien verfügt das menschliche Gehirn über die Fähigkeit, innere Bilder zu erzeugen. Automatisch entstehen in der Vorstellung von Kindern gestaltete Abbildungen der Realität, die beispielsweise aus einfachen Steinen eine geheimnisvolle Burg werden lassen, oder aus zwei Spielpuppen ein Prinzenpaar. Wenn Kinder einem Vorleser lauschen, dann füllt ihre Fantasie den inneren Raum. In einem höheren Alter kann dieser durch selbständiges Lesen weiter kreativ ausgestaltet werden.[4]

Selbstlesen fördert zudem die Vorstellungskraft, indem es trainiert, komplexe Sachver- halte und Abläufe gedanklich umzusetzen. Es verbessert das symbolische Denken und unterstützt die Sprachentwicklung sowie das Sprachgefühl, da die Kinder mit einer literarischen, nicht einer typischen Alltagssprache konfrontiert werden. Die Konzen- trationsfähigkeit wird geschärft, da über längere Abschnitte Sachverhalte verinnerlicht und dem Text entsprechend verändert werden müssen, wie beispielsweise Stimme, Pfo- te und Verstecke bei Grimms ”Der Wolf und diesieben Geislein“.Lesen sensibilisiert aber auch für Gefühle, wie Freude, Wut, Entsetzen, Traurigkeit, Anteilnahme und motiviert zu eigenen Ideen und Handeln.

Obwohl Lesen demnach eine so wichtige Rolle für die Entwicklung jedes Kindes dar- stellt, nehmen ein Sechstel aller 6- bis 13-Jährigen nie ein Buch zur Hand. Der Jun- genanteil ist dabei mit 21 % doppelt so hoch wie der von Mädchen (11 %).[5] Hingegen greifen etwa die Hälfte aller Kinder dennoch gerne zu Literatur, trotz dem vorhande- nem breiten Angebot weiterer medialer Unterhaltung (Fernsehen, Internet).[6]

Eine Hinführung und Erziehung zum selbstständigen Lesen von Büchern ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben von Schule und Elternhaus. Lesen soll Kindern nicht als bloße Technik zur Informationsbeschaffung dienen, sondern vielmehr das logische Denken, die Kreativität und Interpretationsfähigkeit fördern.

1.2 Die Funktion des Lehrers

Der Lehrer steht vor der Aufgabe Schüler mit unterschiedlichen Interessen, Erfahrun- gen und sozialer Herkunft im Klassenverband für das Lesen zu motivieren. Dabei sollen aus mitunter gezwungenen sporadischen Lesern selbstständige lebenslange Leser wer- den.

Die vom Lehrer angewandte Technik entscheidet dabei maßgeblich ob ein Interesse am Lesen geweckt werden kann, oder ein Gefühl von Frust und Zwang entsteht. Eine gleichzeitig übergeordnete Aufgabe ist die Erziehung der Kinder zum verantwortungs- bewussten Umgang mit den moderneren Medien, wie beispielsweise Fernsehen oder Internet.

Bei der Behandlung einer Ganzschrift im Unterricht kommt auf den Lehrer eine besondere Rolle zu. Als Experte muss er die Schüler in der Buchauswahl beraten und individuell Empfehlungen geben, damit jedes Kind für sich ein Erfolgserlebnis empfindet, das zu weiterem Lesen anspornt. Über bewusstes Lob kann er die Kinder zum Lesen ermutigen und ihre Leistungen nach dem Durchlesen anerkennen.

1.3 Auswahlkriterien für den Unterricht

Rittelmeyer stellte Qualitätskriterien zur Auswahl von Kinderliteratur auf, die nicht als Kinderbuchnormen verstanden, sondern als ein strukturiertes Angebot zur Bereicherung des eigenen Urteilsvermögens angesehen werden sollten.[7]

Kinderliteratur muss in der Themenwahl und der formalen Gestaltung den zentralen Interessen von Kindern entsprechen, diese thematisieren und in kindgemäßer Form Lösungswege für ihre Lebensprobleme bieten. Wichtig ist, dass Kinderliteratur Ver- trauen in eigene Fähigkeiten, sowie Interesse, Gefühle und Anteilnahme durch einen positiven und konstruktiven Gehalt weckt. Ethnische Orientierungen, allgemeine Wahr- heiten und Humanitätsfiguren sollten genauso enthalten, wie der Text zeitgemäß sein und die verwendete Sprache den behandelten Inhalten gerecht werden muss. Es ist auf einen sachgemäßen, taktvollen und treffenden Ausdruck zu achten, der durch seine stilistisch anspruchsvolle und differenzierte, dabei aber trotzdem klare, einfache und bildhafte Sprache den Inhalt dem Kind näher bringt. Eine weitere Anforderung an Kinderliteratur ist ihr Bezug auf die kindliche Lebenswelt, wobei sich Themen auf kindtypische Sichtweisen beziehen. Nicht zuletzt muss Kinderliteratur die Phantasie und Anschauungskraft der Kinder anregen und fördern, indem innere Bilder erzeugt werden.[8]

Der Lehrer muss sich den Zielen der Behandlung einer Ganzschrift bewusst sein. Bei der Auswahl von Kinderbüchern für den Unterricht müssen drei Aspekte, die ergänzend koexistieren, beachtet werden:

1. Der literarische Aspekt umfasst die Fragen, was und wie dargestellt wird. Betrachtet werden Thematik, das Verhältnis von Wirklichkeit und Phantasie, Gesellschafts- und Menschenbild, Interaktionsmodelle (bspw. Harmonie, Koope- ration, Konfliktbewältigung) sowie literarische Gattung, Aufbau, Komposition und Sprache.
2. Der leser-psychologische Aspekt beinhaltet Fragen zum Individualtypus (Ge- schlecht, Reifestand, Interessen) und Sozialtypus (Familie, soziokulturelles Mi- lieu) sowie Bedingungen des Lesers. Zudem schließt es Mitteilungs- und Beein- flussungsformen des Autors (bspw. gefühlsbezogene, erlebnishafte, argumentie- rende, belehrende Sprache oder Provokation) und kommunikationsfördernde oder -hemmende Momente ein (angemessene oder kindfremde Sprachmittel, Inhalte, Denk- und Phantasieprozesse sowie klärende, ergänzende und korrigierende In- formationen).
3. Der pädagogisch-funktionale Aspekt behandelt die Fragestellung nach der Erwartung der Leserhaltung (unterhaltend, informierend, erlebnisorientiert, ra- tional, zustimmend, kritisch), den Interessen und Absichten des Autors (offene oder verdeckte, direkte oder indirekte, bewusste oder unbewusste) sowie die Fra- gestellung, welche Figuren zur Nachahmung und Identifikation oder zur Kritik und Ablehnung anregen.[9]

Zusammenfassend ergeben sich für den Lehrer aus diesen Aspekten folgende Konse- quenzen: Der Lehrer muss bei der Buchauswahl Fähigkeiten, Entwicklungsstand und Interessenlage berücksichtigen, wenn er stellvertretend ”für die Kinder“ein Buch für den Unterricht auswählt. Besonders wichtig ist es dabei, die jungen Leser auf den Entscheidungsebenen mit einzubeziehen und nicht vom Buch, sondern vom Schüler auszugehen.[10] Zudem ist mit der Buchauswahl eine Verpflichtung der Behandlung und Thematisierung des Inhalts im Unterricht verbunden, die mit einer persönlichen Stellungnahme des Lehrers einhergeht. Der Lehrer muss ein Buch auswählen und es hinsichtlich des Inhalts und Aufbaus, ansprechender Gestaltung oder Sprache bewerten, wobei sich sein Empfinden dabei von dem der Schüler unterscheidet.[11]

Um dem Lehrer die Buchauswahl für den Unterricht zu erleichtern, formulierte Rittelmeyer folgende Leitfragen für die Beurteilung eines Kinderbuches:[12]

- Reizt der Buchinhalt die Schüler zum Lesen?
- Kann ein Bezug zur Lebenswelt der Schüler hergestellt werden?
- Wirkt die äußere Aufmachung des Buches fantasieanregend und motivierend?
- Sind Sprache, Schwierigkeitsgrad und Inhalt der Altersgruppe angemessen?
- Werden leseschwache Schüler angesprochen und zum Lesen motiviert?

Die Eignung des Buches ”Pippi Langstrumpf“ für den Unterricht wird anhand dieser Fragen im Abschnitt 2.3 überprüft.

1.4 Didaktische und methodische Möglichkeiten

Es gibt drei Verfahren, die im Unterricht zur Behandlung von Büchern eingesetzt wer- den: das analytische, das synthetische und eine Mischung aus beiden, das integrative Verfahren.

Im Mittelpunkt des analytischen Verfahrens steht die häusliche Lektüre, dessen Grundidee es ist, dass nur ”das Buch in seiner Gesamtheit den rechten Eindruck auf den Leser vermitteln kann“[13]. Eine Hinführung zum Buch findet mit einer Betrachtung des Titelbildes und Titels oder das Aufgreifen eines Problems des Buches aus dem Le- ben der Kinder statt. Das Erlesen des Buches folgt nach Anlesen des Lehrers oder durch die Klasse als Hausaufgabe und wird durch ein vom Lehrer überprüftes Lesen kontrolliert. Zentraler Punkt der Behandlung des Buches ist das freie Unterrichtsge- spräch, bei dem sich die Schüler über Gelesenes äußern und das durch Lehrerimpulse zu relevanten Stellen des Buches gelenkt wird. Nach dem Lesen und der Besprechung des Buches wird es als ”Ganzes“ weiterverwendet,in dem beispielsweise Szenenbilder gemalt oder Stegreifspiele gestaltet werden.

Dem analytischen wird das synthetische Verfahren gegenübergestellt, das die Ge- samtlektüre des Buches von zu Hause in die Schule verlagert. Dabei soll ein Kinder- buch als mehrwöchige Projektarbeit innerhalb des integrierenden Deutschunterrichts geplant und durchgeführt werden. Das Verfahren setzt sich aus verschiedenen Teilak- ten zusammen: Antizipation, bei der die Schüler ausgehend von Titel oder Klappentext ihre Erwartungen an das Buch äußern; Hinführung, bei der Informationen zu relevan- ten Problemen des Buches gesammelt werden; Leit- und Zielfragen, aus denen Un- terrichtseinheiten entstehen, die Teil der Gesamtbetrachtung sind; Vorlesen; Tafelbild, das eine notwendige Gedächtnisstütze darstellt; Lektüreheft, das ermöglicht, den Weg vom Kennenlernen des Buches zur Gesamtlektüre nachzuvollziehen; Rollenspiel, um Problemstellung und potentielle Lösung zu vergegenwärtigen und Redestrategien, um Konflikte in einer kommunikativen Situation zu regeln oder lösen.

Neben diesen beiden Verfahren gibt es ein drittes, das Elemente beider Verfahren enthält: das integrative Verfahren. Das Erlesen des Buches findet sowohl zu Hause als auch in der Schule zur Übung des stillen Erlesens und lauten Vorlesens statt. Die Antizipation sowie das freie Unterrichtsgespräch sind ebenso Teil dieses Verfahrens wie der Projekt- und Integrationsaspekt. Der Einstiegsphase, die Anlesen, Erwartungen ans Buch oder Assoziationen über den Titel enthält, folgt die Rezeptions- und Verarbeitungsphase, in der die Schüler Textaufgaben, Nachlesen wichtiger Textstellen oder Gesprächsschwerpunkte betrachten.

Bei der methodischen Vorgehensweise im Unterricht sollten verschiedene Handlungs- formen verwendet werden. Es empfiehlt sich, diese mit den Schülern zu besprechen, damit sie Arbeitsschwerpunkte anhand ihrer Interessen auswählen können. Haas hat eine Liste leserorientierter Möglichkeiten, mit einem Buch umzugehen, erstellt.[14] Er gab Anregungen zum mündlichen, schriftlichen sowie kreativen Umgang mit dem Buch: es können Meinungen oder Fragen zum Text geäußert, Inhaltsangaben und Klappentex- te verfasst sowie Briefe an den Autor geschrieben werden. Kinder, die gern bildlich arbeiten, können Umschlagbilder oder ein Plakat zum Buch gestalten. Weitere Ideen sind musikalische und schauspielerische Inszenierungen des Buches oder eine Vertonung durch ein Hörspiel.

Für die praktische Umsetzung im Unterricht sollten die Schüler die Literatur mit allen Sinnen in einem handlungs- und produktionsorientierten Unterricht erleben.

2 Vorschlag zur Erarbeitung im Unterricht

2.1 Die Autorin Astrid Lindgren

Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 im schwedischen Vimmerby geboren. 1941 lag ihre Tochter an einer Lungenentzündung erkrankt im Bett und wünschte sich eine Geschichte über ein Mädchen namens der Pippi Langstrumpf. Den Namen hatte sich das Kind spontan überlegt und Lindgren erdachte ein närrisches Mädchen, das zu diesem Namen passte. Am zehnten Geburtstag ihrer Tochter schenkte ihr Lindgren 1944 das Manuskript zu Pippi Langstrumpf.

Sie schrieb die Geschichte in einigen Wochen strikter Ruhe aufgrund eines verstauch- ten Fußes nieder.[15] Obwohl ihr Manuskript von einem Verlag abgelehnt wurde, gewann sie mit einer überarbeiteten Fassung der Pippi Langstrumpf ein Preisausschreiben für ”KinderbücherfürdasAltervon 6-10 Jahren“.[16] DerGeschichtevonPippiLangstrumpf folgten viele weitere weltberühmte Kinderbücher wie beispielsweise Bullerbü“ (1947-66), ”Wir Kinder aus ”Michel aus Lönneberga“(1963-86)und ”Ronja Räubertochter“ (1981). Während die Kinder Pippi fröhlich aufnahmen und begeistert von ihr lasen, fürchteten die Erwachsenen sie als schlechtes Vorbild. Sie befürchten, dass ihre Kinder im Verhalten, wegen ”erzieherischer Bedenklichkeit“ oder ”Gegen alles Moralisieren- de“[17] nachteilig beeinflusst würden. Lindgren erhielt später neben einer Vielzahl von Auszeichnungen die Hans-Christian-Andersen-Medaille, den bedeutendsten Preis für Kinderliteratur,.

Bis 1997 wurden die Geschichten von Pippi Langstrumpf in mehr als 50 Sprachen übersetzt.[18] Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

2.2 Inhaltsangabe Pippi Langstrumpf

Pippilotta Viktualia Rolgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi Langstrumpf, ist neun Jahre alt und wohnt mit ihrem Pferd rem Affen ”kleinerOnkel“undih- ”Herrn Nilsson“in einer kleinen Stadt in der Villa Kunterbunt.Sie ist ein außergewöhnliches Kind, da sie nicht nur allein in ihrem Haus wohnt und damit tun und lassen kann, was sie will, sondern sie ist auch außerordentlich stark und hat vor Nichts und Niemandem Angst. Mit ihren beiden Freunden Thomas und Annika erlebt sie viele verschiedene lustige und spannende Abenteuer, beispielsweise einen Tag in der Schule, einen Zirkusbesuch oder ihre Geburtstagsfeier.

Sie schafft es in ihrer unbeschwerten und kindlich-naiven Art immer wieder, den Erwachsenen zu trotzen.

2.3 Begründung der Wahl für den Unterricht

”Pippi Langstrumpf“ ist für Jungen und Mädchen gleichermaßen ansprechend. Ih- re Freunde Thomas und Annika bieten den Schülern eine Fläche zur Identifikation und zugleich geht eine Faszination von dem ungewöhnlichen Mädchen mit den roten Zöpfen und zahlreichen Sommersprossen aus, die Jungen und Mädchen gleichermaßen anspricht. Die Behandlung des ersten von drei Büchern kann ein Interesse zum selbständigen Lesen der folgenden Teile außerhalb des Unterrichts geben.

Im Abschnitt 1.3 wurden Leitfragen formuliert, anhand derer die Eignung von Langstrumpf“ für den Unterricht bewertet werden kann.

Reizt der Buchinhalt die Schüler zum Lesen? ”Pippi Die ungewöhnlichen Erlebnisse und Fähigkeiten der gleichalten Pippi Langstrumpf reizen die Kinder zum Lesen an. Dass sie vor Nichts und Niemandem Angst hat, scheint genauso erstaunlich, wie die Tatsache, dass sie mit ihrer Kraft den stärksten Mann der Welt im Zirkus beim Ringkampf besiegt. Die Selbständigkeit Pippis trifft auf den Wunsch der Kinder nach Selbstentfaltung und Unabhängigkeit .

Kann ein Bezug zur Lebenswelt der Schüler hergestellt werden?

Die Hauptfiguren des Buches haben ein vergleichbares Alter der Schüler. Es sind Möglichkeiten gegeben, die Welt sowohl aus den Augen Pippis zu sehen, als auch über Thomas und Annika eine beobachtende Rolle einzunehmen.

In der heutigen Zeit entstammt ein Großteil der Kinder aus Familien mit Scheidungshintergrund, wird von nur einem Elternteil erzogen, oder sieht seine Eltern aufgrund deren langer Arbeitszeiten nur wenig. Gerade in diesen Fällen kann das Buch Mut zur Selbständigkeit und Vertrauen in die eigene Kraft geben. Über ein wachsendes Selbstbewußtsein formulieren die Kinder offener ihre Sehnsüchte und zeigen den Erwachsenen, dass diese nicht unfehlbar sind.

Wirkt die äußere Aufmachung des Buches fantasieanregend und motivierend?

Das Buch wirkt kompakt und hat eine überschaubare Seitenzahl. Das Deckblatt stellt Pippi dar und erklärt dem Betrachter somit unmissverständlich, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Eine kurze Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung weckt Interesse an dem kleinen rothaarigen Mädchen, ein Klappentext ist nicht vorhanden.

Sind Sprache und Schwierigkeitsgrad der Altersgruppe und dem Inhalt angemessen? Die kindgerechte Sprache im Buch wird den Schülern Spaß beim Lesen bescheren. Im Text enthaltene schwedische Begriffe sollten mit den Kindern im Vorfeld oder beim Lesen besprochen werden, wobei diese aber das Mitverfolgen der Handlung nicht beeinflussen. Der Schwierigkeitsgrad entspricht der Altersgruppe, das Buch sollte vom Inhalt her von jedem Schüler gelesen und verstanden werden können.

Werden leseschwache Schüler angesprochen und zum Lesen motiviert?

Durch die überschaubare Größe und den Umfang des Buches werden leseschwache Schüler zum Lesen motiviert. Die Abenteuer finden in ihnen bekannten Umgebungen, wie beispielsweise in einem Haus, einer Schule oder im Zirkus statt, was eine Erfassung des Textes vereinfacht.

Abschließend lässt sich feststellen, dass das Buch ”Pippi Langstrumpf“für die Behand- lung im Unterricht geeignet ist.

2.4 Didaktische und methodische Möglichkeiten zur Bearbeitung

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bearbeitung von ”Pippi Langstrumpf“ im Unterricht. Folgende Vorschläge sollen dazu Anregungen geben. In den Ausführungen wird angenommen, dass ein Klassensatz ”Pippi Langstrumpf“- Bücherzur Verfügung steht. Es wurde bewusst darauf verzichtet, zu jedem Kapitel Arbeitsmaterialien zu er- stellen, da das Buch somit bis in alle Einzelheiten besprochen würde und Kinder an ”Pippi Langstrumpf“ die Freude verlieren könnten. Dennoch benutzen viele Aufgaben den Text, teils in originaler, teils in abgewandelter Form, als Grundlage.

Der Einstieg in die Thematik kann sich folgendermaßen gestalten:

In einer 15- bis 20-minütigen Geschichte wird die Autorin Astrid Lindgren vorgestellt.

Dabei berichtet der Lehrer den Schülern von der Autorin, als stünde er in persönlichen Kontakt mit ihr. Über Anekdoten aus ihrem Leben wird die Geschichte aufgelockert. Anschließend erhalten die Kinder zwei Arbeitsblätter[19], die speziell zu Astrid Lindgren gestaltet wurden und können damit selbständig mehr über die Autorin in Erfahrung bringen. Dies entspricht den Forderungen des Sächsischen Lehrplans Deutsch Klasse 4 im Lernbereich ”Lesen/Mit Medien umgehen“[20]. Die Kinder sollen demnach In- formationen über das Leben und Schaffen eines Autors finden. Über eine zusätzliche Internetrecherche können weitere Fakten über Lindgrens Leben in Erfahrung gebracht werden. Daran anschließend erfahren die Kinder, dass ”Pippi Langstrumpf“behandelt wird.Das erste Kapitel wird im Unterricht gemeinsam bzw. still gelesen und dazu die nächsten beiden Arbeitsblätter[21], die sich in die Lernbereiche ”Für sich und andere schreibenünd ”Lesen/Mit Medien umgehen“, ”Sprechen&Zuhören“ einordnen lassen, vonden Kindern bearbeitet. Insgesamt wird das Buch mit dem integrativen Verfahren behan- delt. Der Austausch über das Gelesene ist dabei sehr wichtig. Aus diesem grund wurden Arbeitsblätter erstellt, die Aufgaben aus allen fünf Lernbereichen enthalten. Das Buch sollte von den Kindern teils im Unterricht und teils durch Leseaufträge zu Hause gelesen werden. Ein Kapitel umfasst durchschnittlich 20 Seiten und kann zügig von den Kindern aufgrund der Seiten- und Schriftgröße bewältigt werden. Das Arbeitsblatt ”Pippi als Sachensucher“[22] eignet sich als Übung zum Lernbereich ”Richti gschreiben“.Grundlage dafür ist das zweite Kapitel des Buches.

Auf Grundlage von Kapitel vier wird ein Arbeitsblatt für den Lernbereich ”Sprache untersuchen“ angeboten.[23] Dabei sollen die Schüler anhand des Buches herausfinden, welche Zeitform verwendet wird und Verben ins Präteritum in einen vorgegebenen Text, der an einen Textabschnitt aus dem Buch angelehnt ist, einsetzen. Zum sechsten Kapitel wurde ein Arbeitsblatt[24] erstellt, das sich in die Lernbereiche ”Richtig schreiben“ und ”Für sich und andere schreiben“ einordnen lässt.Die Schüler lernen anhand des Buches den eingeschobenen und nachgestellten Redebegleitsatz ken-

[...]


[1] http://www.gebonn.de/projekte/buecher/rez/lindgren/pippi de.htm

[2] Vgl. Engel: Pippi Langstrumpf - Boden unter die Füße bekommen, S. 10

[3] Vgl. Brad: The 26 Major Advantages to Reading More Books

[4] Vgl. Eckmann-Schmechta: Mit Kindern lesen. . . , S. 1

[5] Vgl. KIM-Studie 2008, S. 23

[6] Vgl. ebd. S. 24

[7] Vgl. Rittelmeyer: Was sollen Kinder lesen, S. 56

[8] Vgl. ebd. S. 58

[9] Vgl. Sahr: Kinderbücher im Unterricht der Grundschule, S. 16 ff.

[10] Vgl. ebd. S. 21

[11] Vgl. Sahr: Leseförderung durch Kinderliteratur, S. 6

[12] Vgl. Rittelmeyer: Was sollen Kinder lesen, S. 20

[13] Sahr, Born: Kinderbücher im Unterricht der Grundschule, S. 23

[14] Vgl. ebd. S. 28f.

[15] Vgl. Edström: Astrid Lindgren. Im Land der Märchen und Abendteuer, S. 99

[16] Vgl. Lison: Erfolgreiche Rezeption und Innovation in ausgewählten Werken Astrid Lindgrens, S. 49f.

[17] Vgl. Surmatz: Pippi L angstrump als Paradigma, S. 192

[18] Vgl. http://www.astrid-lindgren.de/typo3/index.php?id=3869

[19] siehe Anhang A1 und A2

[20] Vgl. Lehrplan Grundschule Deutsch, Klasse 4, S. 30 [21] siehe A3 und A4

[22] siehe Anhang A5

[23] siehe Anhang A6

[24] siehe Anhang A7

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Pippi Langstrumpf im Deutschunterricht
Untertitel
Anregungen für die Behandlung des Kinderbuches im Deutschunterricht der Grundschule
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
38
Katalognummer
V175246
ISBN (eBook)
9783640963782
ISBN (Buch)
9783640963966
Dateigröße
964 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bewertungskommentar: Dies ist eine ausgezeichnete Arbeit mit einer problemhaften Auseinandersetzung, tiefem Eindringen und gut gekennzeichneten Belegen.
Schlagworte
pippi, langstrumpf, deutschunterricht, anregungen, behandlung, kinderbuches, grundschule
Arbeit zitieren
Katja Sachs (Autor), 2011, Pippi Langstrumpf im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175246

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