Die Ursprünge des Zionismus

Nur eine unter vielen nationalen Strömungen?


Hausarbeit, 2011
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1. Einleitung

„Nur wenige nationale Bewegungen haben den historischen Gang eines Volkes so radikal verändert wie der Zionismus die jüdische Geschichte während des letzten Jahrhunderts.“[1]

Dieses Zitat verdeutlicht die enorme Bedeutung dieser nationalen Bewegung, deren Entstehen maßgeblich durch die politische, soziale und ökonomische Situation in Osteuropa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefördert wurde. Einst ausgelacht, verspottet und sogar regelrecht bekämpft, war der Zionismus zu Beginn nur eine von vielen nationalen Strömungen. Dennoch wurde er dessen ungeachtet während des zunehmenden politischen Antisemitismus als eine Bewegung des jüdischen Volkes „zum Symbol der Hoffnung auf ein Weiterleben.“[2]

Trotzdem ist die zionistische Bewegung seit jeher umstritten und wurde unter anderem als „Durchsetzung jüdischer Macht“[3] dargestellt. Außerdem lehnte auch die Mehrheit der in Deutschland ansässigen Juden die Grundideen des Zionismus zunächst ab, da diese nationaljüdische Idee eine bürgerliche Emanzipation innerhalb der deutschen Bevölkerung verhinderte. Der Großteil der deutschen Juden wollte zu dieser Zeit, abgesehen von der anderen Konfession, Teil der deutschen Gesellschaft sein und nicht als aufstrebend nationaldenkender Jude auffallen.

Doch was waren die Ursprünge für seine Entstehung und wie unterschied sich der Zionismus von anderen nationalen Strömungen?

In der folgenden Hausarbeit werde ich auf die frühe Entwicklungsgeschichte und die Ursprünge des Zionismus als soziale Bewegung eingehen und in diesem Zusammenhang sein Handeln dem anderer Organisationen beziehungsweise Bewegungen dieser Zeit gegenüberstellen. Dabei werde ich stellvertretend den Antizionismus näher erläutern, da beide annähernd gleichzeitig entstanden, sich dieser in seiner Ideologie jedoch grundlegend von der des Zionismus unterscheidet.

2. Begriffserklärung und Definition des Zionismus

Der hebräische Begriff „Zionismus“ als solcher wird von Zion, einem Hügel Jerusalems, abgeleitet und stellt eine national-jüdische Bewegung auf internationaler Grundlage dar, die die Lösung der sogenannten Judenfrage durch die Gründung beziehungsweise Wiedererrichtung eines jüdischen Staats in Palästina anstrebte und die Rückkehr aller Juden in diesen Staat propagierte.[4]

Die Bewegung entstand im 19. Jahrhundert als Reaktion auf den wachsenden, vor allem russischen und osteuropäischen Antisemitismus und beinhaltete drei Grundsätze: Er besagt, dass die Juden ein Volk und nicht nur eine Religionsgemeinschaft sind und die Judenfrage somit eine nationale Frage darstellt, dass der Antisemitismus eine ständige und lebensbedrohende Gefahr für die Juden ist und außerdem, dass Palästina, das „Land Israel“ die einzig wahre Heimat des jüdischen Volkes war und ist.[5]

Mit der Gründung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1894 und dem Engagement des Präsidenten Theodor Herzl wurde die Bewegung allmählich international zur „politischen Kraft“[6] im Kampf gegen den Antisemitismus.

3. Die Ursprünge und Gründe für die Entstehung des Zionismus

Wie bereits bei der Begriffsbestimmung erläutert wurde, war der Zionismus eine Strömung, die auf die Gründung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina abzielte.

Jedoch entstand diese Idee einer Rückkehr nicht erst im 19. Jahrhundert im Rahmen des europäischen Nationalismus, sondern sie ist bereits viele Jahrhunderte alt. Denn sowohl die Klage und Trauer über das Exil als auch der Wunsch nach einer Rückkehr nach Jerusalem bestehen schon seit der Zerstörung der zwei Tempel in den Jahren 586 v. Chr. und 70 n. Chr., die gemeinhin als symbolische Wendepunkte in der jüdischen Geschichte gelten.[7] Seit jeher beteten viele Juden stets für eine Rückkehr in ihre Heimat und verarbeiteten dieses Begehren in Prosa und Lyrik. So wird zum Beispiel im „Achtzehngebet“[8] für einen raschen Wiederaufbau Jerusalems gebetet. Allerdings waren die Gebete und die Idee der Nationwerdung in dieser Zeit weniger politisch geprägt, sondern fanden eher im Bewusstsein der Juden statt.

In Mittel- und Westeuropa kam es seit der Französischen Revolution zu einer beginnenden Emanzipation, die die jüdische Existenz auf rein konfessioneller Basis neu definierte. Im Emanzipationsvertrag von 1789 wurde festgehalten, dass Juden „sehr wohl französische, […] deutsche oder italienische Bürger werden“[9] könnten, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie jegliche nationale jüdische Merkmale ablegen würden. Sie sollten sich nur noch anhand ihrer Religion von den christlichen Bürgern unterscheiden. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass die jüdische Bevölkerung bald zu einer mittelständischen Bevölkerungsgruppe aufsteigen konnte und Juden auch im Beruf des Arztes oder Rechtsanwaltes vorzufinden waren. Außerdem versuchte sich die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von ihren Traditionen freizumachen und „durch Säkularisation, Assimilation, Reform-Synagogen, Mischehen und Konversion mit ihren Gastgeber-Gesellschaften zu verschmelzen.“[10]

Allerdings entstand parallel zu den Emanzipationsbestrebungen in Deutschland bereits der erste Trend, der sich diesen Bestrebungen widersetzte, der aber indes agierte, ohne Aufsehen zu erregen. Diese Gegenbewegung zielte auf die Notwendigkeit der Restauration der kulturellen und historischen Heimat der Juden ab und betonte außerdem das nationale Wesen des jüdischen Volkes. Die Anhänger dieses Trends sahen die Assimilation, die mit der wachsenden Emanzipation einherging, als nicht realisierbar.[11]

Im Gegensatz zu Westeuropa stand die Situation der Juden in Osteuropa, die einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung ausmachten. Denn die Rückständigkeit verhinderte den Emanzipationsprozess und „verwandelte das Dasein der Juden in eine Hölle.“[12] Das vorrevolutionäre Russland war geprägt durch eine „wirtschaftliche Rückständigkeit, die Primitivität in der Kultur und die Brutalität in den gesellschaftlichen Verhältnissen und in den politischen Zuständen.“[13] Dieser vorherrschende Zustand war ein „Grundfaktor für das Erscheinen des Zionismus.“[14] Da die staatlichen Voraussetzungen für die wachsende Emanzipation im Vergleich zu Westeuropa fehlten, fand das jüdische Leben bis weit in das 20. Jahrhundert in kollektiven Strukturen statt, die sich durch ihre eigene Sprache (Jiddisch), Kleidung, Kultur und Erziehung von ihrer Umwelt unterschieden.[15] Diese nahezu autonomen Gemeinschaften wurden von den westlichen Juden als die „besseren Juden“[16] betrachtet, weil sie eine engere Verbindung zu ihrer Kultur und Tradition hatten und dadurch einen gewissen Vorbildcharakter einnahmen. Trotzdem wurden auch sie von den entstehenden politischen, geistigen und sozialen Bewegungen beeinflusst.

[...]


[1] Brenner, Michael, Geschichte des Zionismus , München 2005, S. 7.

[2] Ebd.

[3] Rubinstein, Amnon, Geschichte des Zionismus. Von Theodor Herzl bis heute, München 2001, S. 11.

[4] Vgl. BpB, Zionismus, in: http://www.bpb.de/publikationen/AQ36B7,0,Zionismus.html (letzter Zugriff: 07.03.2011).

[5] Vgl. haGalil.com, Staat Israel und Zionismus, in: http://www.hagalil.com/israel/geschichte/daten.htm 1998 (letzter Zugriff 07.03.2011).

[6] Schubert, Klaus/ Klein, Martina, Zionismus, in: Das Politiklexion, Bonn 2006.

[7] Vgl. Brenner 2005, S. 7f.

[8] Ebd., S. 8.

[9] Brenner 2005, S. 11.

[10] Rubinstein 2001, S. 36.

[11] Vgl. Eloni, Yehuda, Zionismus in Deutschland. Von den Anfängen bis 1914, Gerlingen 1987, S. 17.

[12] Taut, Jakob, Judenfrage und Zionismus, Frankfurt am Main 1986, S. 9.

[13] Ebd., S. 13.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Brenner 2005, S. 12.

[16] Reinharz, Jehuda, Jüdische Identität in Zentraleuropa vor dem Zweiten Weltkrieg, in: Beck, Wolfgang (Hrsg.), Die Juden in der europäischen Geschichte, München 1992, S. 112.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Ursprünge des Zionismus
Untertitel
Nur eine unter vielen nationalen Strömungen?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Hauptseminar Jüdische Geschichte in Ostmitteleuropa
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V175253
ISBN (eBook)
9783640961467
ISBN (Buch)
9783640961610
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zionismus, Judentum, Antizionismus
Arbeit zitieren
Nadja Kemter (Autor), 2011, Die Ursprünge des Zionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175253

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Ursprünge des Zionismus


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden