Die vorliegende Arbeit geht der Fragestellung nach: Inwiefern haben Wahlsysteme einen Einfluss auf die Parteisysteme und lassen sich aufgrund eines Wahlsystems vorhersagen über die Beschaffenheit eines Parteiensystems treffen. In einem ersten Schritt werden unterschiedliche Ansichten, zu dieser Fragestellung, aufgezeigt. Die hier angeführten Autoren sind: Hermens, Duverger, Niedermayer und Nohlen.
In einem weiteren Schritt werden die eingesetzten Messinstrumente eingeführt. Diese Arbeit fußt auf den empirisch-qualitativen Indikatoren für Parteiensystem, wie sie Niedermayer 1992 zusammenfasste. Die anschließende Diskussion interpretiert und kommentiert die gefundenen Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Abstract
2 Definition des Begriffes Partei
3 Wahlsysteme beider Länder
3.1 Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland
3.2 Das Wahlsystem der V. französischen Republik
3.3 Stimmberechtigte Wähler
4 Indikatoren zur Beschreibung von Parteiensystemen
4.1 Der Indikator Format
4.2 Der Indikator Fragmentierung
4.3 Der Indikator effektive Parteienzahl
4.4 Der Indikator Volatilität
4.5 Der Indikator Exklusion
5 Ergebnisse
5.1 Der Indikator Format im Vergleich
5.2 Der Indikator Fragmentierung im Vergleich
5.3 Der Indikator effektive Parteienzahl im Vergleich
5.4 Der Indikator Volatilität im Vergleich
5.5 Der Indikator Exklusion im Vergleich
6 Diskussion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Wahlsysteme auf die Ausgestaltung von Parteiensystemen. Dabei wird analysiert, ob eine kausale Vorhersagbarkeit zwischen der Wahlmethode und der Beschaffenheit des jeweiligen Parteiensystems besteht.
- Vergleich der Wahlsysteme Deutschlands und Frankreichs
- Analyse der Relevanz klassischer Wahlsystem-Theorien
- Einsatz quantitativ-empirischer Messindikatoren
- Untersuchung der Parteisystem-Entwicklung im Zeitraum 1987 bis 2002
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Indikator Fragmentierung
Der Indikator Fragmentierung dient als Messinstrument zur Typologisierung eines bestehenden Parteiensystems. Parteiensysteme werden von verschiedenen Autoren unterschiedlich typologisiert. Blondel (Blondel 1968) beispielsweise unterscheidet Parteiensysteme nach Zweiparteiensysteme, Zweieinhalbparteiensysteme und Mehrparteiensystem mit bzw. ohne die Dominanz einer Partei. Ein weiteres Beispiel ist die Typologisierung von Sartoris. In ihr sind vier Typen von Parteiensystemen zu finden: Zweiparteiensysteme, gemäßigter Pluralismus, polarisierter Pluralismus und Parteisysteme mit einer dominanten Partei. Diese beiden Beispiele verdeutlichen die aufkommenden Schwierigkeiten bei der Vergleichbarkeit von Analysen , wenn diese von zwei oder mehren Autoren verfasst wurden. Der Indikator Fragmentierung ist in der Lage ein Parteiensystem vergleichbar zu beschreiben.
In der Literatur wurde dies erkannt und es gibt eine Anzahl an Fragmentierungsindikatoren, z.B. der fragmantation Index von Flanagan (1974) oder der number of parties index von Molinar (1991). Der dieser Arbeit zugrunde liegende Indikator ist der von Rae 1967 eingeführte fractionalization index, da er eine sehr weite Verbreitung gefunden hat. Für Rae stellt sich die Fraktionierung eines Parteiensystems als „the probability that any two randomly selected voters will have choosen different parties in any given election.“ (Rae 1967). Die Bildung des Indikators beruht darauf, dass die quadrierten Anteile aller Parteien an der Gesamtzahl der gültigen Stimmen aufsummiert und anschließend von 1 subtrahiert werden. Somit hat der Index eine Bandbreite von 0 bis 1. Ein Ergebnis von 0 bedeutet, dass es sich um ein Einparteiensystem handelt, während ein Ergebnis von 0.5 ein reines Zweiparteiensystem darstellt. Ein Ergebnis am oberen Ende der Skala bedeutet, dass sich jeder Wähler für eine andere Partei entschieden hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abstract: Eine kurze Einführung in die Fragestellung zur Beeinflussung von Parteisystemen durch Wahlsysteme und die Nennung der verwendeten methodischen Ansätze.
2 Definition des Begriffes Partei: Erörterung verschiedener wissenschaftlicher Definitionen von Parteien unter besonderer Berücksichtigung ihrer kompetitiven Natur.
3 Wahlsysteme beider Länder: Detaillierte Betrachtung der Wahlsysteme in Deutschland und Frankreich sowie der theoretischen Debatte um deren Einfluss.
4 Indikatoren zur Beschreibung von Parteiensystemen: Einführung der sechs empirischen Messinstrumente, um Parteisysteme quantitativ vergleichbar zu machen.
5 Ergebnisse: Präsentation der erhobenen Daten zu Format, Fragmentierung, effektiver Parteienzahl, Volatilität und Exklusion für den Zeitraum 1987–2002.
6 Diskussion: Kritische Einordnung der Ergebnisse, welche die Annahme eines monokausalen Zusammenhangs zwischen Wahl- und Parteisystem widerlegen.
Schlüsselwörter
Wahlsysteme, Parteiensysteme, Verhältniswahl, Mehrheitswahl, Parteienfragmentierung, Volatilität, Wahlanalyse, politische Indikatoren, Deutschland, Frankreich, Parteienwettbewerb, Wahlgesetz, Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Wahlsystemen und der Struktur von Parteiensystemen am Beispiel Deutschlands und Frankreichs.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretischen Konzepte von Wahlsystemen, die Definition von politischen Parteien sowie die quantitative Analyse von Parteiensystem-Entwicklungen über einen Zeitraum von 15 Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob Wahlsysteme tatsächlich eine steuernde Wirkung auf Parteisysteme ausüben und ob sich die Beschaffenheit eines Parteiensystems aus dem Wahlsystem heraus präzise vorhersagen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Vergleich von sechs qualitativ-empirischen Indikatoren nach Niedermayer, um die Parteisysteme objektiv vergleichbar zu machen und von subjektiven Einschätzungen abzugrenzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der Wahlsysteme beider Länder, der Einführung der Messinstrumente sowie der tabellarischen Präsentation und Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wahlsysteme, Parteiensysteme, Fragmentierung, Volatilität sowie der direkte Vergleich der deutschen personalisierten Verhältniswahl und des französischen Mehrheitswahlrechts.
Warum schneidet das französische Parteisystem in der Analyse so anders ab als das deutsche?
Die Analyse zeigt, dass das französische Mehrheitswahlrecht eine deutlich höhere Dynamik und Fragmentierung des Parteiensystems begünstigt als das deutsche System, was sich etwa in der Volatilität widerspiegelt.
Was ist das zentrale Fazit zur Rolle von Wahlsystemen?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein monokausaler Zusammenhang zwischen Wahlsystem und Parteisystem nicht empirisch bestätigt werden kann und herrschende Theorien zur Vorhersagbarkeit nur eingeschränkt haltbar sind.
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- Mario Huber (Author), 2003, Auswirkung und Prognosefähigkeit von Wahlsystemen auf Parteiensysteme am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland und der V. französischen Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17527