Bis heute ist es für die Frauen auf dem Arbeitsmarkt schwieriger als für die Männer, einen unbefristeten Arbeitsplatz zu finden. Bis heute erhalten die Frauen geringere Löhne als die Männer.
Mit „die Frauen“ und „die Männer“ wird eine Universalisierung der Geschlechter angedeutet, die sich aus der Entwicklung der Dichotomie der Geschlechter und der Festsetzung der Geschlechtscharaktere für Männer und Frauen ergibt.
Dies macht es schwer, jedes Individuum als dieses anzusehen, denn jedes Individuum wird als erste Handlung des Gegenübers und seiner Umwelt in Bezug zu seinem Geschlecht kategorisiert und eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Historischer Überblick der Entwicklung der Geschlechtscharaktere
Familie
Die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht und geschlechtsspezifische Sozialisation
Bildung und Ausbildung
Auswirkungen der Geschlechtscharaktere auf die Erwerbsarbeitswelt von Frauen
Männliche und weibliche Berufe? Männliche und weibliche Bezahlung?
Schluss
Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entstehung und gesellschaftliche Manifestierung von Geschlechtscharakteren seit dem 18. Jahrhundert und analysiert deren anhaltende Auswirkungen auf die Lebenswelten von Frauen, insbesondere im Kontext der Erwerbsarbeit und der sozialen Konstruktion von Geschlechterrollen.
- Historische Entwicklung der Geschlechtscharaktere und Polarisierung der Geschlechter
- Die bürgerliche Familie als Konstrukt und dessen Wandel
- Geschlechtsspezifische Sozialisation und soziale Kontrolle
- Herausforderungen für Frauen auf dem modernen Arbeitsmarkt
- Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Wandel und strukturellen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
Historischer Überblick der Entwicklung der Geschlechtscharaktere
Karin Hausen legt in ihrem Aufsatz „Die Polarisierung der ‚Geschlechtscharaktere’ Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben“ die Gründe für die historische Entwicklung einer zweigeschlechtlichen Gesellschaft dar.
Ende des 18. Jahrhunderts werden Charakterschemata „erfunden“, so schreibt sie zu Beginn ihres Aufsatzes, welche als eine merkwürdige Mischung aus „traditioneller und moderner, physiologischer, psychischer und sozialer Eigenschaften das Wesen des männlichen und weiblichen Geschlechts ausmachen.“ Gründe für die Entwicklung dieser Melange aus Biologismen und zugeschriebenen Charakteristika, die sich scheinbar auf biologische Eigenheiten der Geschlechter beziehen – so wurde zumindest damals argumentiert – lassen sich bei näherer Betrachtung der Umbrüche und Wandlungen der damaligen Zeit und der damaligen Gesellschaft finden.
Die Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts kann als die Triebfelder angesehen werden, welche die Entwicklung und die Dissoziation, Polarisierung und Dichotomisierung der Geschlechter begünstigte, vorantrieb und schließlich manifestierte. Die Polarisierung stellte die Legitimationsgrundlage des bürgerlichen Gesellschafts- und Familienmodells dar, denn das vom Bürgertum proklamierte Familienmodell war zuvor in dieser Art nicht vorhanden.
Vor der Industrialisierung befanden sich sowohl Arbeitsstätte als auch der Wohnraum unter einem Dach. Es gab also keine Trennung von Familie und Arbeit beziehungsweise privatem und öffentlichem Leben. Das Haus stellte den örtlichen Lebensmittelpunkt dar, an dem sowohl gemeinsam gelebt als auch gearbeitet wurde. Eine Trennung von Leben und Arbeit, wie wir sie heute kennen, war zu diesem Zeitpunkt also nicht vorhanden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft und führt die These ein, dass dies auf eine historisch gewachsene Zweiteilung der Geschlechter zurückzuführen ist.
Historischer Überblick der Entwicklung der Geschlechtscharaktere: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung der Geschlechtscharaktere im 18. Jahrhundert als Folge der Industrialisierung und der Herausbildung des bürgerlichen Familienmodells.
Familie: Hier wird der Wandel der Familie von der produktiven Gemeinschaft hin zum bürgerlichen Kleinfamilien-Ideal und dessen heutige Pluralisierung thematisiert.
Die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht und geschlechtsspezifische Sozialisation: Das Kapitel erläutert, wie durch Sozialisationsprozesse gesellschaftliche Normen und Geschlechterrollen internalisiert und als „natürlich“ wahrgenommen werden.
Bildung und Ausbildung: Es wird die verbesserte Ausgangslage von Frauen im Bildungssystem beschrieben, der jedoch ein schwieriger Einstieg in den Arbeitsmarkt gegenübersteht.
Auswirkungen der Geschlechtscharaktere auf die Erwerbsarbeitswelt von Frauen: Hier werden die strukturellen Auswirkungen der veralteten Geschlechterbilder auf die heutige Erwerbstätigkeit von Frauen untersucht.
Männliche und weibliche Berufe? Männliche und weibliche Bezahlung?: Dieses Kapitel beleuchtet die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes sowie Lohnunterschiede und Teilzeitquoten.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die vor 200 Jahren konstruierten Geschlechtscharaktere bis heute nachwirken und die Dekonstruktion dieser Wirklichkeit eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe bleibt.
Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Geschlechtscharaktere, Geschlechterrollen, Industrialisierung, Erwerbsarbeit, Sozialisation, Familie, Bürgerliches Familienmodell, Geschlechterdifferenz, Individualisierung, Arbeitsmarkt, Lohnunterschiede, Gesellschaftliche Konstruktion, Biologismus, Soziale Kontrolle, Frauenbiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und gesellschaftliche Wirkmächtigkeit von Geschlechtscharakteren, die im 18. Jahrhundert etabliert wurden und bis heute soziale Rollen und die Arbeitswelt prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Polarisierung der Geschlechter, der Wandel des Familienbegriffs, Mechanismen der Sozialisation und die Benachteiligung von Frauen im modernen Erwerbsleben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Konstruktionen von Geschlecht funktionieren und warum diese trotz gewandelter Lebensrealitäten immer noch tief in Strukturen wie der Arbeitswelt verankert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf wissenssoziologischen Ansätzen, insbesondere dem Konzept der „gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit“ nach Berger und Luckmann.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Geschlechtscharaktere, die Rolle der Familie, Prozesse der geschlechtsspezifischen Sozialisation sowie die aktuelle Situation von Frauen in Ausbildung und Beruf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechtscharaktere, gesellschaftliche Konstruktion, Erwerbsarbeit, Sozialisation und Geschlechterdifferenz geprägt.
Wie unterscheidet sich die heutige Familiensituation von früheren Modellen?
Während die Familie früher primär eine Produktionsgemeinschaft zur Existenzsicherung war, entwickelte sie sich zum bürgerlichen Ideal und unterliegt heute einer starken Pluralisierung.
Warum wird Hausarbeit oft als „unwichtiger“ angesehen?
Da Hausarbeit im Gegensatz zur erwerbsorientierten Arbeit unbezahlt geleistet wird, wird sie häufig nicht als ökonomisch wertvoll eingestuft und unterliegt keiner klaren Trennung von Arbeitszeit und Freizeit.
Welche Rolle spielt die Bildung für Frauen?
Frauen erreichen heute hohe Bildungsabschlüsse, stehen jedoch beim Übergang in den Arbeitsmarkt vor strukturellen Barrieren, die oft noch auf veralteten Vorstellungen über „weibliche“ und „männliche“ Kompetenzen basieren.
Inwiefern beeinflussen Geschlechtscharaktere die heutige Bezahlung?
Durch die Vorstellung, dass Frauen nur „zuverdienen“ würden, wird die Erwerbsarbeit von Frauen häufiger in schlechter bezahlte Sektoren oder Teilzeitmodelle gedrängt.
- Arbeit zitieren
- Carola Beck (Autor:in), 2008, Die Entwicklung und Manifestierung der Geschlechtscharaktere und deren Auswirkungen auf die Lebenswelten der Frauen im speziellen auf die Erwerbsarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175300