Eine der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des vergangenen Jahrhunderts war zweifelsohne die Entdeckung der DNA-Doppelhelix durch Watson und Crick, welche 1962 dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Mit dem Wissen um die Existenz der Gene und deren Bedeutung eröffnete sich der Wissenschaft ein riesiges Forschungsfeld, welches heute mehr denn je im Blickpunkt der öffentlichen Diskussion steht. Denn nach vielen Jahren der Grundlagenforschung ist nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Zeit angebrochen, in der die Ergebnisse dieser Forschung in konkrete Anwendungsmöglichkeiten umgesetzt werden können.
So fahndet die Polizei beispielsweise schon heute mit Hilfe des so genannten genetischen Fingerabdrucks nach Verbrechern, manche genetisch bedingte Erbkrankheiten lassen sich bereits im embryonalen Stadium diagnostizieren, erste Versuche der Gentherapie am Menschen wurden unternommen und auch das 1997 geborene und vor kurzem verstorbene Schaf „Dolly“ hat bewiesen, dass selbst das Klonen von höheren biologischen Lebewesen nicht mehr unmöglich ist.
Besonders heftig umstritten ist derzeit, ob und in wie weit die Methode der PID künftig zugelassen werden soll. Hier stehen sich Befürworter und Gegner nahezu unversöhnlich gegenüber. Während die Befürworter in der PID nicht mehr als eine vorgezogene Pränataldiagnostik sehen und keine weitreichenden Konsequenzen erwarten, warnen die Gegner vor einem ethischen Dammbruch, der in eine neue Eugenik münden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufgabenstellung
3. Die Präimplantationsdiagnostik
3.1 Voraussetzungen und Möglichkeiten der PID
3.2 Untersuchung des Erbmaterials
3.3 Risiken aus medizinischer Sicht
4. Die PID im gesellschaftlichen Kontext
4.1 Ethische Fragen
4.2 Rechtliche Dimension
4.3 Soziale Aspekte
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1 Verwendete Literatur
6.2 Quellenangaben
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik (PID) interdisziplinär zu beleuchten, indem sie medizinische, ethische, rechtliche und soziale Aspekte kritisch analysiert und einander gegenüberstellt.
- Funktionsweise und medizinische Voraussetzungen der PID
- Ethische Debatte um den moralischen Status des Embryos
- Rechtliche Rahmenbedingungen und offene Fragen im deutschen Recht
- Soziale Konsequenzen und gesellschaftliche Implikationen des Verfahrens
Auszug aus dem Buch
Die Präimplantationsdiagnostik
Mit Hilfe der PID können Reproduktionsmediziner nach einer IVF genetische Untersuchungen an einem Embryo vornehmen, um so gewisse „krankhafte Veränderungen des Erbmaterials“ noch vor dem Transfer in den Uterus zu diagnostizieren und um damit unerwünschte Schwangerschaften auszuschließen. Im Gegensatz zur PND, die bereits seit den 60er Jahren bekannt ist, handelt es sich bei der PID um ein recht junges und äußerst kompliziertes Verfahren, welches erstmals 1990 eingesetzt wurde und bis heute nur an einigen wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt wird.
Die Entwicklung der PID war überhaupt nur durch die Erkenntnisse der Reproduktionsmedizin möglich, da in einem ersten Schritt immer eine IVF notwendig ist, um extrakorporale Embryonen zu erhalten, die dann untersucht werden können. Normalerweise wird bei der künstlichen Befruchtung, der sich eine PID anschließen soll, das ICSI Verfahren eingesetzt, „da hierbei die Gefahr einer Beimengung von genetischem Material nicht an der Befruchtung beteiligter anderer Spermien geringer ist.“
Die wichtigste Voraussetzung für eine PID ist jedoch das Wissen um eine genetische Vorbelastung der Eltern, da bislang nur gezielte Untersuchungen auf spezielle Krankheiten vorgenommen werden können. In der Stellungnahme des Nationalen Ethikrats heißt es dementsprechend: Sowohl die PND als auch die PID können sinnvollerweise nur im Hinblick auf die Konstellation eines bestimmten krankheitsrelevanten Gens, das bereits bei den Eltern diagnostiziert wurde, durchgeführt werden. […] Voraussetzung für die PND und PID ist daher, dass die nachzuweisenden genetischen Veränderungen (Mutationen) vorher durch Untersuchung an Familienangehörigen identifiziert worden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Genetik sowie die daraus resultierenden ethischen und gesellschaftlichen Kontroversen um gentechnische Anwendungen.
2. Aufgabenstellung: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, einen interdisziplinären Überblick über das PID-Verfahren und dessen Konfliktpotenziale zu geben.
3. Die Präimplantationsdiagnostik: Hier werden die medizinischen Grundlagen, das diagnostische Vorgehen sowie die technischen und gesundheitlichen Risiken des Verfahrens detailliert beschrieben.
4. Die PID im gesellschaftlichen Kontext: Dieses Kapitel analysiert die ethischen Argumentationslinien, die rechtliche Situation in Deutschland und die sozialen Auswirkungen der PID auf die Gesellschaft.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und prognostiziert, dass in Deutschland trotz verhärteter Fronten langfristig eine stark eingeschränkte Zulassung der PID wahrscheinlich ist.
Schlüsselwörter
Präimplantationsdiagnostik, PID, Embryonenschutz, Reproduktionsmedizin, Ethik, moralischer Status, In-vitro-Fertilisation, IVF, SKIP-Argumentation, Progredienzmodell, Genetik, Fortpflanzungsmedizingesetz, Bioethik, Embryobiopsie, Menschenwürde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik (PID) aus einer interdisziplinären Perspektive und beleuchtet dabei die medizinischen, ethischen, rechtlichen sowie sozialen Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise der PID, der ethischen Bewertung des Embryonenschutzes, der aktuellen Rechtslage in Deutschland und den gesellschaftlichen Folgen der Selektion von Embryonen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über den aktuellen Wissensstand zur PID zu geben und die verschiedenen Standpunkte in der Debatte um eine mögliche Zulassung des Verfahrens in Deutschland darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf Stellungnahmen von Ethikräten, juristischen Artikeln und wissenschaftlichen Publikationen zur Reproduktionsmedizin basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Erläuterung der PID, eine Analyse des moralischen Status des Embryos anhand ethischer Modelle und eine juristische Diskussion der Vereinbarkeit mit dem Embryonenschutzgesetz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Präimplantationsdiagnostik, Bioethik, Embryonenschutz, Menschenwürde und Reproduktionsmedizin.
Wie unterscheidet sich die PID von der PND?
Im Gegensatz zur Pränataldiagnostik (PND), die während der Schwangerschaft durchgeführt wird, findet die PID vor der Implantation des Embryos in die Gebärmutter im Rahmen einer künstlichen Befruchtung statt.
Was ist der Kern des "Progredienzmodells"?
Dieses Modell besagt, dass die Schutzwürdigkeit eines Embryos mit fortschreitender Entwicklung zunimmt, wobei auch dem frühen Embryo bereits ein grundlegender Respekt entgegengebracht werden muss.
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- Sascha Fiek (Author), 2003, Präimplantationsdiagnostik (PID). Medizin, Ethik, Recht und soziale Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17531