Warum ist die Soziologie eine Grundwissenschaft?


Essay, 2010
5 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Warum ist die Soziologie eine Grundwissenschaft?

Wenn man an der Universität Gießen auf Lehramt studieren will, beinhaltet das Studium neben den zwei selbst gewählten Fächern ebenso einen Bereich, welcher „Grundwissenschaften“ genannt wird. Zu diesem Fachbereich gehört laut Studienführer die Erziehungswissenschaft, die Politikwissenschaft, die Psychologie und zu guter Letzt die Soziologie. Hier stellte sich mir nun die Frage, warum man die Soziologie zu den Grundwissenschaften zählt.

Um herauszufinden, warum man als Lehramtsstudent Soziologie belegen muss, kläre ich im Folgenden zuerst, was Soziologie überhaupt ist. Danach gehe ich auf die fünf wichtigsten Schlüsselbegriffe ein, welche die Soziologie vor allem auch als Grundwissenschaft prägen. Dabei werde ich versuchen, einen Bezug zur Schule herzustellen. Zum Schluss werde ich mich mit dem Begriff der „Grundwissenschaft“ auseinandersetzen.

Laut Joas (2007) ist die Soziologie eine Gesellschaftswissenschaft, welche die vielen verschiedenen sozialen Beziehungen (zum Beispiel Freundschaften zwischen Schülerinnen und Schülern) und soziales Handeln zwischen Menschen untersucht. Soziologie kann man also auch als „Menschenwissenschaft“ bezeichnen. Eine Gesellschaft stellt ein Netz von sozialen Beziehungen dar, welches sich permanent durch sozialen Wandel verändern kann. Durch folgende fünf wichtige Begriffe wird diese Wissenschaft bestimmt: „Sozialstruktur“, „soziales Handeln“, „Kultur“, „Macht“ und „funktionale Integration“.

Die „Sozialstruktur“ benennt „ein Muster von Beziehungen, Positionen und Mengen von Individuen“ (Joas 2007). Hier sind Beziehungen gemeint, welche entstehen, wenn Menschen interagieren. Im Unterricht gibt es „Lehrer-Schüler-Interaktion“ (L-S-I) und „Schüler-Schüler-Interaktion“ (S-S-I). L-S-I findet zum Beispiel bei der Unterrichtsform des Plenums statt, in welchem Lehrer und Schüler miteinander ins Gespräch kommen und S-S-I kann in Form einer Gruppenarbeit erfolgen. Positionen, die man in einem sozialen Netzwerk einnimmt, werden von einem sozialen Status zugewiesen und beschrieben. Diese Positionen sind mit Rollen verbunden. Jeder Besucher einer Schule hat eine bestimmte Position/sozialen Status inne. Kinder und Jugendliche sind die Schüler und Erwachsene sind die Lehrer (die Bezeichnungen „Lehrer“ und „Schüler“ gelten für beide Geschlechter) oder sie sind andere Autoritäten, die an einer Schule vertreten sind (beispielsweise Sozialarbeiter und Hausmeister). Im Gegensatz zu einer Position wird eine Rolle gespielt. Sie beschreibt, wie man in einer Position „denken und handeln“ (Weymann 2007) soll. Schüler nehmen demnach die Rolle der Lernenden und Lehrer die der Lehrenden ein. Joas meint mit dem Muster von Mengen Individuenmengen verschiedener Kategorien. In einer Schule haben wir die Individuenmenge der Lehrerschaft, einer einzelnen Schulklasse oder die Individuenmenge von Schülern, die an ein und dieselbe Schule gehen. Die Sozialstruktur einer Organisation ist im Normalfall relativ stabil, kann sich aber durch strukturelle Faktoren und Einflüsse verändern. Einerseits bestimmt sie die Möglichkeiten, welche uns zur Verfügung stehen, aber andererseits beeinflussen diese wiederum die Sozialstruktur (vgl. Joas 2007). Die schulische Sozialstruktur ist mehr oder weniger stabil, weil sich nicht all zu oft etwas an ihr verändert. Strukturelle Faktoren und Einflüsse könnten hier der Einsatz neuer Lehrer sein oder eine Renovierung der gesamten Schule/einzelner Klassenräume. Den Schülern werden die Möglichkeiten gegeben im Unterricht zu lernen, sich für die Schule selbst zu engagieren und noch vieles mehr. Die Individuenmenge der Schülerschaft (wie viele Schüler eine Schule besuchen) beeinflusst ebenfalls die Sozialstruktur. Das bedeutet: Je geringer die Geburtenzahl, desto weniger Schüler gibt es und desto eher können Lehrer auf Grund von Personalüberfluss entlassen werden. Die Eigenschaft der „Sozialstruktur“ ist also an Schulen vertreten und spiegelt somit einen Teil der Soziologie wieder. Sie bildet das erste Argument dafür, dass die Soziologie zu den Grundwissenschaften eines Lehramtsstudiums zu zählen hat.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Warum ist die Soziologie eine Grundwissenschaft?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Das Individuum und die Gesellschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V175369
ISBN (eBook)
9783640963034
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundwissenschaft, Soziologie, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Antonia Zentgraf (Autor), 2010, Warum ist die Soziologie eine Grundwissenschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175369

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