Erziehung und Kommunikation - Die Transaktionsanalyse im systemtheoretischen Kontext


Seminararbeit, 2003
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erziehung und Kommunikation
2.1. Erziehung
2.2. Kommunikation

3. Die Transaktionsanalyse
3.1. Die Ich-Zustände
3.2. Die Lebensanschauungen
3.3. Das Prinzip des Streichelns

4. Die Systemtheorie
4.1. Der Kommunikationsbegriff
4.2. Der Erziehungsbegriff

5. Zusammenfassung/Analyse

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Menschen verbringen eine geraume Zeit ihres alltäglichen Lebens damit, miteinander zu reden, und es hat denn Anschein, als sei das eine mit geringen Schwierigkeiten verbundene Beschäftigung. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, wie komplex Kommunikation ist und wie störanfällig sie sein kann. Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich sind natürlich keineswegs ausschließlich auf kommunikative Hindernisse zurückzuführen, sondern auf Interessengegensätze, unterschiedliche Bedürfnisse und Zielvorstellungen, aber auch auf differenzierte Machtverhältnisse der Kommunikanten.

Eine allgemein bekannte Aussage von Imanuel Kant lautet: "Der Mensch wird erst durch Erziehung zum Menschen.“ Somit bildet Kommunikation also einen wichtigen Grundstein für das Sein des Menschen, denn gerade im Bereich der Erziehung stellt die Kommunikation eine wichtige Basis für das „Anleiten“ und „Einführen“ von Kindern (oder auch Erwachsenen) in die Gesellschaft mit all ihren Normen und Regeln dar. Erziehung findet in einem Austausch von Botschaften statt, mit denen Situationsdeutungen übermittelt, modifiziert oder bestätigt werden. Allerdings geschieht dieser Austausch von Botschaften nur teilweise mit vollem Bewusstsein der Interaktions- und Kommunikationspartner. Die Botschaften werden auf verschiedene Ebenen der Kommunikation oder in verschiedenen Sprachen übermittelt, die dem Bewusstsein der

Sprachenden individuell verschieden weit zugänglich sind. Die verbale Sprache als das

bevorzugte Ausdrucksmittel bewusster Botschaften wird durch die Körpersprache begleitet und interpretiert (Gesten, Mienen). So können zwischen diesen beiden Sprachen, wie bereits angesprochen, direkte Widersprüche entstehen

Die Transaktionsanalyse (als eine Methode der humanistischen Psychologie) versetzt uns in die Lage, durch das Auseinandersetzen mit Verhalten, Gefühlen und Erfahrungen der eigenen Person und anderer, Erziehung bewusster durch Kommunikation zu steuern. Durch die Analyse können Fehler oder Missverständnisse aufgedeckt und vermieden werden. Sie weist einen Weg auf, um produktive Beziehungen zu anderen aufzubauen und zielt auf eine bewusste Veränderung des Verhaltens im Umgang mit anderen Menschen ab. Es wird oft behauptet, dass die Transaktionsanalyse und die Systemtheorie Parallelen aufweisen, um diese Behauptung zu untersuchen, sollen im folgenden, nach der Erläuterung von Erziehung und Kommunikation, sowohl die Transaktionsanalyse als auch die Systemtheorie (hier ebenfalls speziell der Schwerpunkt auf Kommunikation und Erziehung) dargestellt werden.

2. Erziehung und Kommunikation

2.1. Erziehung

Erziehung ist ein Allgemeinbegriff, denn es lassen sich kaum konkrete Handlungen sondern eher ganze Handlungsbündel damit zusammenfassen.

Es gibt kaum ein Wort, dass in so vielen verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, wie der Terminus Erziehung. In einigen Verwendungsweisen des Begriffs wird davon ausgegangen, dass Erziehung ein Geschehen ist, das durch bestimmte Faktoren ausgelöst wird und Veränderungen in den Personen hervorruft, die unter dem Einfluss dieser Faktoren stehen.1 Unter Erziehung versteht man „ die Gesamtheit der persönlichkeitsprägenden Einflüsse, denen das Kind in seiner sozialen Umgebung unterliegt, ohne dass diese immer erzieherisch beabsichtigt sein müssen “ und „ alle Lernvorgänge, die die Erwachsenen über Kindheit und Jugend hinaus in formalen Ausbildungsinstitutionen wie im alltäglichen Leben vollziehen “.2

Die Funktion der Erziehung ist hierbei in erster Linie als Überlebensoptimierung des Menschen durch eine spezifische Verknüpfung von drei Evolutionsebenen zu sehen: Auf der Basis spezifischer Begabungen (Gene) werden Lernprozesse von Individuen (Phäne) durch Erziehung dadurch angeregt, dass sie an ausgewählten Kulturgütern (Meme) lernen. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Lernebenen (Entfaltung angeborener Begabungen, Rückgriff auf Erfahrungsschatz, Anregung individueller Kompetenzen) stellt hierbei einen deutlichen Selektionsvorteil dar.3

Der Terminus Erziehung stellt das Ziel eines dreistufigen evolutiven Prozesses zwischen einem System und seiner Umwelt dar, der Lehren, Lernen und eben Erziehung zusammenfasst und miteinander verbindet. Das Individuum erlebt hierbei seine Umwelt in Form von Erfahrungen, die auch explizites Lernen beinhalten. Diese stellen gleichzeitig Selektionsangebote dar, die bei einer positiven Auswahl durch das Individuum als Lernen bezeichnet werden. Bei einer Stabilisierung der selektierten Angebote kann man von
Erziehung sprechen.

Demzufolge umfasst Lehren wahrnehmbare Umweltveränderungen in Form von das Gegenwartsgedächtnis ansprechenden Erfahrungen und Lernen die bei dem individuellen System verankerten und das Kurzzeitgedächtnis betreffenden Prozesse der Informationsselektion. Erziehung als letzte Stufe umfasst die im Langzeitgedächtnis gespeicherten und stabilisierten Erfahrungen, die durch das Lehren vermittelt und durch das Lernen verinnerlicht worden sind. Hierbei lassen sich sowohl die Nichtbeobachtbarkeit, als auch der hohe Zeitbedarf der Erziehung feststellen.4

Erziehung lässt sich in drei Formen unterteilen, in die intentionale, die funktionale und die extensionale Erziehung, wobei sich der letztgenannte Begriff nicht vollends durchsetzen konnte.

Bei der intentionalen Erziehung kommt die Absichtlichkeit und Zielgerichtetheit einer Handlung zum Ausdruck, die mit einer bestimmten Handlung verfolgt wird. Diese Kriterium der Absichtlichkeit rückt somit den Erziehenden in den Vorder- und den zu Erziehenden in den Hintergrund. Dabei sagt die Absicht des Erziehers nicht notwendigerweise etwas darüber aus, ob die Handlung letztendlich von Erfolg gekrönt ist, das Ergebnis der geplanten Erziehung ist häufig gar nicht oder erst sehr viel später sichtbar. Als Definition für intentionale Erziehung lässt folgendes festlegen: „ Intentionale Erziehung bezeichnen wir den in einer Ontogenese auf der Basis der Lernfähigkeit durch Veränderungen der sozialen Umwelt in Gang gesetzten Prozess des aktiven Erwerbs bzw. der Veränderung, Erweiterung oder Differenzierung von Lernstrukturen, die [...] bei Bedarf auf eine zugrunde liegende Absicht zurückgeführt werden können.5

Funktionale Erziehung hingegen fehlt die Intention und Absichtlichkeit des Erziehenden, sie setzt in erster Linie Anschaulichkeit voraus. Nur dort, wo sinnliche Eindrücke ein überdauerndes Bild der Umwelt ermöglichen, kann Erziehung funktional ablaufen. Notwendig dafür sind die ungehinderte Teilnahme an einem sozialen Handlungszusammenhang sowie eine gewisse Gleichförmigkeit der Differenzerfahrungen, zum Beispiel durch Wiederholung oder das Fehlen anderer Alternativen. Definieren lässt sich funktionale Erziehung am besten als Gesamtheit aller durch Erfahrung erworbenen Lernprozesse, die als Nebeneffekt einer Handlung entstehen.

Die extensionale Erziehung (indirekte Erziehung) erweitert den intentionalen Erziehungsbegriff und dehnt die Erziehungsabsicht räumlich und zeitlich auf Situationen aus, in denen der Erzieher selbst nicht anwesend ist. Gerade im Bereich der interkulturellen Pädagogik kann extensionale Erziehung eine große Rolle spielen, beispielsweise wenn sich Eltern entscheiden, ihrem Kind für ein Jahr den Besuch einer Schule im Ausland zu ermöglichen. Es lässt sich sagen: „ Extensionale Erziehung liegt vor, wenn ein Erzieher sich intentional entscheidet, funktional zu erziehen.6

2.2. Kommunikation

Unter Kommunikation versteht man die Übertragung von Information von einem Sender zu einem Empfänger, wobei diese Übertragung auf einem sogenannten Kanal erfolgt. Dies umfasst auf Seite des Senders die Vorgänge des Codierens (Sinn verleihen) und Sendens und beim Empfänger das Decodieren (Sinn entnehmen) und Interpretieren.

Kommunikation (lat.: communicare = mitteilen) lässt sich somit als ein Austausch von Gefühlen, Meinungen, Ansichten, Informationen zwischen einzelnen und Gruppen umschreiben. Für den Menschen sind die deutlichsten Kommunikationsmittel Sprache, Bild und Schrift. Daneben spielen Mimik und Gestik, Mienenspiel und Bewegungen eine bedeutende Rolle. Das Kommunikationsbedürfnis ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen, da er ja ein geselliges Wesen ist, dass ohne gegenseitigen Gedanken- und Gefühlsaustausch isoliert ist. Wenn seine Kommunikationsfähigkeit nicht geübt wird, wird er somit unfähig für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Im öffentlichen Bereich ist Kommunikation in der Form von Informationsaustausch, Diskussion und Argumentation die Basis aller sozialen, ökonomischen und politischen Entscheidungsprozesse und hier ebenso unentbehrlich wie im privaten Bereich. Nur über Kommunikation vermag das Individuum Ich- Autonomie zu erwerben, sich zu artikulieren, verantwortlich zu handeln und die Beziehungen zu Mitmenschen zu regulieren.7 Anlass von Kommunikation ist immer ein Zustand des Nicht- Wissens, des Nicht- Sehens, des Nicht-so-wahrnehmen-Könnens oder des Nicht-einsehen-Könnens bei einem oder bei beiden Partnern. Diese Lücke wird behoben, indem der eine den anderen über etwas „informiert“, das für diesen neu ist. Dies kann durch einfache Äußerungen geschehen, die in bestimmten Kontexten von hochgradigem zusätzlichen Informationswert sein kann.8

Im Rahmen der Analyse von Kommunikation sind zahlreiche Theorien und Modelle entworfen worden, im Folgenden sollen einige dieser Kommunikationsmodelle kurz aufgezeigt werden.

Das Organon- Modell von Karl Bühler ist ein Teil seiner umfassenden Sprachtheorie. Das Modell stellt in erster Linie Zeichen in den Mittelpunkt, dies können Sätze, Ausrufe, einzelne Wörter, Texte oder auch Berührungen sein. Jedes dieser Zeichen hat eine Verbindung zu den drei Komponenten „Sender“, „Empfänger“ und „Gegenstand“. Außerdem sind laut Bühler in jedem Zeichen die Komponenten des Ausdrucks, des Appells und der Darstellung enthalten, wobei eine dieser Komponenten vom Sender besonders betont und in den Vordergrund gestellt wird. Hierbei bietet sich folgendes Beispiel an, ein Ehepaar steht am Strand, der Mann hat ein paar Schritte ins Wasser getan und sagt zu seiner Frau: „Fühl mal, das Wasser ist heute so angenehm wie gestern.“

Die Sachdarstellung bezieht sich hierbei auf das Wasser, wobei der Sender seinen inneren Zustand ausdrückt, indem er es bewertet. Zugleich richtet er den Appell an seine Frau, ebenfalls ins Wasser zu kommen und zu fühlen.

Der an der Universität Hamburg Psychologie lehrende Friedemann Schulz von Thun hingegen entwickelte eine Theorie der Kommunikation, die in besonderer Weise Bedürfnisse der Praxis berücksichtigt. Bei diesem sogenannten „Vier-Seiten-Modell“ unterscheidet er die vier verschiedenen Problemgruppen des Sachinhaltes (das, worüber ich informiere) , der Selbstoffenbarung (das, was ich von mir kundgebe), der Beziehung (das, was ich von meinem Gegenüber halte oder wie wir zueinander stehen) und des Appells (das, wozu ich meinen Gegenüber veranlassen möchte). Schulz von Thun sagt somit, dass ein und dieselbe Nachricht viele Botschaften enthält, denn der Sender sendet auf allen vier Seiten des „Nachrichtenquadrates“ (dessen Seiten durch die vier Problemgruppen gebildet werden), jede Nachricht lässt sich hinsichtlich dieser Aspekte analysieren. Hier lässt sich das Beispiel des Ehepaars im Auto an der roten Ampel darstellen, wobei die Ehefrau zu ihrem Mann sagt: „Es ist grün!“ Der Sachinhalt ist hierbei die Tatsache, dass die Ampel grün zeigt, wobei die Frau offenbart, dass sie es eilig hat. Im Bezug auf die Beziehung drückt sie aus, dass der Ehemann ihre Hilfe benötigt, der Appell des Satzes ist derjenige, dass er Gas geben soll.9

Zu guter letzt soll hier noch die Theorie von dem österreichischen Philosophen und Psychotherapeuten Paul Watzlawick erwähnt werden. Er beschreibt dabei wichtige Aspekte der Kommunikation aus Sicht der Sozialpsychologie anhand von fünf Axiomen.

Er sagt aus, dass man nicht nicht kommunizieren kann (1.Axiom) und dass jede Kommunikation einen Inhalts- und Beziehungsaspekt besitzt (2.Axiom). Des weiteren werden Beziehungen zwischen Kommunikationspartnern durch die Interpunktion von Kommunikationsabläufen geprägt (3.Axiom), außerdem stellt er im 4. Axiom fest, dass menschliche Kommunikation digitale und analoge Mittel verwendet. Im letzten Axiom stellt Watzlawick die Behauptung auf, dass Kommunikation sowohl auf symmetrischen, als auch auf komplementären Beziehungen beruhen kann, das bedeutet, dass Kommunikation unabhängig davon stattfindet, ob sich Menschen mögen oder nicht.

3. Die Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse ist eine Theorie der menschlichen Persönlichkeit, der zwischenmenschlichen Beziehung und der Kommunikation. Begründet wurde sie in den sechziger Jahren von dem amerikanischen Psychiater Dr. Eric Berne (1910 – 1970) als ein Konzept zur Behandlung psychischer Erkrankungen sowie ein Entwicklungs- und Beratungskonzept zur Förderung des individuellen, sozialen und kollektiven Wachstums.

[...]


1 vgl. H. Lukesch, Erziehungsziele – Pädagogische und psychologische Konzepte, S. 18

2 vgl. Lexikon zur Soziologie, S. 208

3 vgl. A. Treml, Allgemeine Pädagogik, S.16

4 vgl. A.Treml, Allgeimeine Pädagogik, S.24

5 ebenda, S. 64

6 vgl. A.Treml, Allgemeine Pädagogik, S.75

7 vgl. H.Retter, Studienbuch pädagogische Kommunikation, S.10

8 vgl. H.-J.Göppner, Hilfe durch Kommunikation in Erziehung, Therapie, Beratung

9 vgl. H.Retter, Studienbuch pädagogische Kommunikation, S. 270 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Erziehung und Kommunikation - Die Transaktionsanalyse im systemtheoretischen Kontext
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fach Pädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Erziehung und der heimliche Lehrplan lebender und sozialer Systeme
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V17544
ISBN (eBook)
9783638220958
ISBN (Buch)
9783638758703
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Hausarbeit wird zunächst auf die Begriffe Erziehung und Kommunikation eingegangen. Anschließend folgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Transaktionsanalyse, wobei die Ich- Zustände und die unterschiedlichen Lebensanschauungen beschrieben werden. Den Abschluß bildet eine Auseinandersetzung mit Kommunkation und Erziehung aus systhemtheoretischer Sicht, wobei Parallelen und Unterschiede zwischen Transaktionsanalyse und Systemtheorie angesprochen werden.
Schlagworte
Erziehung, Kommunikation, Transaktionsanalyse, Kontext, Seminar, Lehrplan, Systeme
Arbeit zitieren
Martin Wendt (Autor), 2003, Erziehung und Kommunikation - Die Transaktionsanalyse im systemtheoretischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17544

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