Die vorliegende Hausarbeit soll sich mit dem deutschen Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und der Entwicklung des Ideals hin zu seiner Einteilung des Kunstschönen in die drei Kunstformen beschäftigen, wobei ich Entwicklung des Ideals nur insofern eine Rolle spielen soll, das es letztendlich an einem ausgewählten Beispiel, nämlich der griechisch antiken Tragödie nachgewiesen werden soll. Da G.W.F. Hegel ein bedeutender Vertreter des Idealismus gewesen ist, lässt sich auch in seiner Vorlesung aus dem Jahre 1826, auf welche ich mich im Übrigen in der gesamten Hausarbeit beziehen werde, eine Grundidee Hegels erkennen, dass das menschliche Bewusstsein und die Geschichte sich zielgerecht und in dialektischen Schritten zu einem absoluten Sinn hin entwickeln, wobei die menschliche Vernunft, die Sittlichkeit, das Rechtsdenken und die Ästhetik von einem metaphysischen Weltgeist gelenkt werden. Da Hegel das Thema des Kunstschönen, sowie dessen drei Kunstformen und die Zuordnung der Kunstgattungen ein von Hegel sehr oft betrachtetes und deshalb inhaltlich sehr umfangreiches Werk ist, möchte ich dieser Hausarbeit einen eher einführenden Charakter geben, indem ich mich auf einige ausgewählte Themen konzentriere und diese zu erläutern versuche.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die besonderen Formen der Kunst
2.1 Allgemeine Einleitung zur Einteilung in die Kunstformen
2.2 Die symbolische Kunstform
2.2.1 Die symbolische Kunstform am Beispiel der frühen Skulptur
2.3 Die klassische Kunstform
2.3.1 Die klassische Kunstform am Beispiel der Bildhauerei des Hellenismus
2.4 Die romantische Kunstform
2.4.1 Die romantische Kunst am Beispiel der Malerei
3 Die Frage nach der Bedeutsamkeit
4 Die griechische Tragödie – Ideal oder doch nicht?
4.1 Die grundlegenden Unterschiede zwischen Skulptur und Tragödie (Poesie)
4.2 Die antike Tragödie
4.3 Der zeitgeschichtliche Kontext, in welchem „Antigone“ und Hegel stehen
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Hegels Systematik der drei Kunstformen – symbolisch, klassisch und romantisch – und analysiert deren Entwicklung anhand ausgewählter Beispiele der Kunstgeschichte, um abschließend die Sonderstellung der griechischen Tragödie innerhalb von Hegels Ästhetik zu hinterfragen.
- Grundlagen von Hegels Idealismus und Kunstphilosophie
- Differenzierung der Kunstformen nach Inhalt und Gestalt
- Die menschliche Gestalt als zentrales Motiv der klassischen Kunst
- Übergang von der griechischen Klassik zur romantischen Kunst
- Die Antigone als exzeptionelles Kunstwerk im Spannungsfeld der Hegelsche Theorie
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die symbolische Kunstform am Beispiel der frühen Skulptur
Ein Beispiel, woran diese erste, symbolische Kunstform aufgezeigt werden könnte, wäre sicherlich leicht zu finden, jedoch möchte ich in Anbetracht der noch folgenden Kunstformen immer ein Beispiel wählen, welches leicht vergleichbar und auch mit allen Kunstformen in Beziehung zu setzen ist. Deswegen werde ich mich bei meinen Beispielen auf Skulpturen bzw. Teile von Skulpturen, also Fragmenten beschränken, wobei ich versuchen werde, die von Hegel aufgestellten Kriterien der jeweiligen Kunstform anzuwenden.
Bei dem ersten Beispiel handelt es sich also um einen Frauenkopf, welcher das Fragment einer Marmorstatue aus Uruk ist, um 2700 v. Chr. erschaffen wurde und sich heute im Irak-Museum in Bagdad befindet (Abbildung 1). Die geographischen und historischen Grundvoraussetzungen Hegels sind also gegeben und somit ist diese Skulptur für eine genauere Betrachtung geeignet. Dargestellt ist der Kopf einer Frau, wobei die genauen physiognomischen Eigenschaften nur angedeutet sind, und die Augen sogar komplett ausgespart wurden.
Hegel erläutert die symbolische Kunstform in Bezug auf die Darstellung folgendermaßen: „[…] einerseits auch in die schlechtesten Gegenstände die absolute Bedeutung hineingelegt, andererseits die Erscheinungen gewaltsam zum Ausdruck […] zwingt, und dadurch bizarr, grotesk und geschmacklos wird, […]“. In seiner Definition liegt der symbolischen Kunstform liegt Hegel schon richtig, wenn er sie in den oben genannten Worten definiert und beschreibt. Die Idee ist vorhanden, hat „aber die Form in sich selber noch nicht gefunden“, was heißen soll, dass die Darstellung dieses Frauenkopfes nach einer bestimmten Idee entstanden ist, aber die endgültige Form am Ende dieser Idee nicht entsprechen kann, da auch vor ca. 4700 Jahren ein Frauenkopf anders aussah, als hier dargestellt. Allerdings wird auch in dieser „bizarr, grotesk und geschmacklos“ wirkenden Skulptur immer noch ersichtlich, um was es sich handeln soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Hegels Kunsttheorie anhand der griechischen Antike und der Tragödie „Antigone“ zu untersuchen.
2 Die besonderen Formen der Kunst: Hier werden Hegels drei Kunstformen – symbolisch, klassisch und romantisch – definiert und deren Verhältnis von Inhalt und Gestalt analysiert.
3 Die Frage nach der Bedeutsamkeit: Dieses Kapitel hinterfragt die Wertung der drei Kunstformen durch Hegel und stellt die Frage nach der Vollkommenheit innerhalb seiner Systematik.
4 Die griechische Tragödie – Ideal oder doch nicht?: Es wird untersucht, warum Hegel trotz seiner Theorie der Skulptur als Ideal der klassischen Kunstform die „Antigone“ als befriedigendstes Kunstwerk hervorhebt.
5 Schlussbemerkung: Der Autor resümiert, dass die antike Tragödie tatsächlich die von Hegel gesuchte Einheit von Inhalt und Gestalt in einer Weise vereint, die der Skulptur teilweise verschlossen bleibt.
Schlüsselwörter
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ästhetik, Kunstformen, Symbolische Kunstform, Klassische Kunstform, Romantische Kunstform, Idealismus, Griechische Tragödie, Antigone, Skulptur, Malerei, Geist, Weltgeist, Subjektivität, Kunstgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Hegelschen Ästhetik und der Einteilung des Kunstschönen in die drei Kunstformen sowie deren kunsthistorischer Anwendung.
Welche Kunstformen werden unterschieden?
Hegel unterscheidet zwischen der symbolischen, der klassischen und der romantischen Kunstform, die sich jeweils durch ihr spezifisches Verhältnis von Inhalt und Form auszeichnen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung des Ideals bei Hegel nachzuvollziehen und kritisch zu prüfen, inwiefern die griechische Tragödie – namentlich die „Antigone“ – in Hegels Ästhetik als ideales Kunstwerk eingeordnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt die Autorin?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Auseinandersetzung, die Hegels theoretische Schriften mit konkreten Beispielen wie dem Frauenkopf aus Uruk, der Venus von Milo und Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ verknüpft.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der detaillierten Analyse der drei Kunstformen und dem anschließenden Vergleich zwischen der statischen Skulptur und der dynamischen Tragödie.
Welche zentralen Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Idealismus, Kunstformen, Subjektivität, Geist, Antike, Tragödie und der zeitgeschichtliche Kontext der Kunst.
Inwiefern stellt die „Antigone“ ein Problem für Hegels Theorie dar?
Die „Antigone“ widerspricht scheinbar Hegels Ideal der „klassischen“ Skulptur-Kunst, da sie nicht durch statische Ruhe, sondern durch tragische Handlung und Konflikt definiert ist.
Warum wird Caspar David Friedrich als Beispiel herangezogen?
Sein Werk „Mönch am Meer“ dient als exemplarisches Beispiel für die romantische Kunstform, da es die Subjektivität und das Hinausgehen der Kunst über die rein sinnliche Form verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Peggy Ott (Autor:in), 2008, Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Über die Einteilung der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175467