Wann kann Deutschland seinen Strombedarf zuverlässig ausschließlich aus regenerativen Energiequellen decken?
Nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz ist eine bilanzielle Jahresdeckung des deutschen Strombedarfs durch 100 % erneuerbare Energien bereits um 2030 bis 2035 erreichbar – vorausgesetzt, der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik verläuft im Bereich der EEG-Zielwerte. Eine jederzeit gesicherte Stromversorgung ohne fossile oder nukleare Erzeugung – also auch während mehrtägiger Dunkelflauten – erfordert dagegen den Aufbauumfangreicher Langzeitspeicher, wasserstofffähiger Backup-Kraftwerke, erheblichen Netzausbau und europäische Kooperation. Dieser Zustand erscheint nach der aktuellen Forschung realistisch im Zeitraum 2040 bis 2050, wobei der am plausibelsten erscheinende Zeitraum 2045 bis 2050 ist, sofern die technischen Voraussetzungen (Langzeitspeicher, H₂-Infrastruktur, Netzausbau) rechtzeitig geschaffen werden. Eine
vollständig nationale Erzeugungsautarkie ohne Stromimporte ist technisch deutlich aufwendiger und erscheint erst nach 2050 realistisch, falls überhaupt angestrebt.
- Arbeit zitieren
- Florian Schoemer (Autor:in), 2026, Analyse erneuerbarer Stromversorgung in Deutschland. Wissenschaftliche Szenarioanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1754822