1. Einleitung
Die Vereinigten Staaten von Amerika ziehen die Welt gleichermaßen an, wie sie sie abschrecken. Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Amerika – vom Tellerwäscher zum Millionär. Amerika – die Weltpolizei. Amerika versucht, überall auf der Welt präsent zu sein. Frieden und Demokratie sollen überall herrschen. Doch die Anwesenheit und das Handeln der USA werden nicht von allen Weltbürgern geschätzt. Einige wehren sich gegen die Bevormundung. In dieser Seminararbeit wird dem Sachverhalt der Gegenwehr auf den Grund gegangen. Als Beispiel werden die lateinamerikanischen Länder Mexiko und Chile und ihre jeweiligen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika untersucht. Die Kernfragestellung dieser Arbeit lautet daher: Wie hat sich der Antiamerikanismus in Mexiko und Chile jeweils entwickelt? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind erkennbar?
Für Mexiko wird der Zeitraum von 1848-2000 behandelt, wobei der Fokus auf dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts liegt. Für Chile wird der Zeitraum von 1900-1970 näher betrachtet, der Fokus entspricht dem oben genannten.
Ziel dieser Seminararbeit soll die Gewinnung eines Überblicks über die Ausprägungen, die Gründe, die Ausdrucksform, sowie die geschichtliche Entwicklung an Hand von Beispielen des Antiamerikanismus sein.
Zu Beginn erfolgt eine Begriffserläuterung des Antiamerikanismus. Hieran schließt sich die Abgrenzung der Begriffe persönlicher und kollektiver Antiamerikanismus an.
Daraufhin wird die Theorie des Kulturtransfers erläutert. Diese spielt eine gewichtige Rolle, denn das Hegemonialstreben sowie der Export amerikanischer Sitten, Gebräuche und Denkstrukturen werden oftmals als kulturelle Bedrohung empfunden. Es folgt die Begründung, weshalb Mexiko und Chile als Beispielländer ausgewählt wurden. Nach der Darstellung der Fallbeispiele, in denen es um die Ausprägungen, die Gründe, die Ausdrucksform, Begrifflichkeiten und vor allem um die historische Entwicklung des Antiamerikanismus geht, werden diese im Hinblick auf ihre Gültigkeit in Mexiko und Chile miteinander verglichen. Dem Aufzeigen der Gemeinsamkeiten und Unterschiede folgen eine kurze Zusammenfassung, das Fazit der Seminararbeit sowie ein Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Definition Antiamerikanismus
4. Theorie des Kulturtransfers
5. Antiamerikanismus in Mexiko – Ausprägungen - Gründe - Ausdrucksform - Begrifflichkeit
6. Antiamerikanismus in Chile – Ausprägungen - Gründe - Ausdrucksform - Begrifflichkeit
7. Vergleich – Gemeinsamkeiten und Unterschiede
8. Abschlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die Ausprägungen und die Gründe des Antiamerikanismus in Mexiko und Chile im Zeitraum des 20. Jahrhunderts, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung der Vereinigten Staaten zu identifizieren.
- Vergleichende Analyse der US-amerikanisch-lateinamerikanischen Beziehungen
- Anwendung der Theorie des Kulturtransfers zur Erklärung von Widerstand
- Analyse politischer, ökonomischer und sozialer Dimensionen des Antiamerikanismus
- Untersuchung historischer Fallbeispiele wie der COSACH-Affäre und US-Interventionen
- Gegenüberstellung von persönlichem und kollektivem Antiamerikanismus
Auszug aus dem Buch
Antiamerikanismus in Mexiko – Ausprägungen - Gründe - Ausdrucksform - Begrifflichkeit
1900 war es Porfirio Diaz, der die Lage Mexikos kurz und treffend beschrieb. “Armes Mexiko, so weit weg von Gott und so nah dran an den Vereinigten Staaten” (1900, zitiert nach Pratt 2004, 33).
In den folgenden Ausführungen wird deutlich, dass Mexiko antiimperialistische und antikapitalistische Züge aufweist. Gründe dafür seien unter anderem fehlender Respekt und die Nichtanerkennung als ebenbürtiger Partner durch die USA (vgl. ebd. 35f.). An einen Austausch von kleinen Gefälligkeiten, wie er unter Nachbarn normal erscheint, sei nicht zu denken (vgl. ebd. 35). Um sich ein realistisches Bild der Lage zu verschaffen, ist es von enormer Relevanz, die Kritiker und deren Aussagen etwas genauer zu analysieren.
Laut John A. Britton waren längst nicht alle gesellschaftlichen Teile an der kritischen Auseinandersetzung mit dem Antiamerikanismus beteiligt. Es waren größtenteils die national führenden Politiker und Intellektuellen, die in Reden und Aufsätzen ihre Kritik äußerten (vgl. Britton 1996, 37). Doch darf die Rolle von Universitätsprofessoren, von Politikkommentatoren und anderen, vom Staat bezahlten Bürgern, nicht unterschätzt werden. Diese Gruppe wird nämlich verantwortlich gemacht für die steigende Wahrnehmung des Antiamerikanismus in der mexikanischen Bevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts (vgl. ebd. 38). Gleichwohl gab es Massendemonstrationen oder vergleichbare Arten von öffentlicher Kundtuung nur selten (vgl. ebd. 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Antiamerikanismus in Mexiko und Chile ein, definiert die Kernfragestellung und legt den methodischen Rahmen fest.
2. Forschungsstand: Das Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Antiamerikanismus und benennt maßgebliche Autoren sowie Quellen.
3. Definition Antiamerikanismus: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung und Begriffsklärung des Antiamerikanismus, unterteilt in politische, kulturelle und soziale Dimensionen.
4. Theorie des Kulturtransfers: Dieses Kapitel erläutert die Theorie des Kulturtransfers als Werkzeug, um die Dynamiken von Aktion und Reaktion zwischen den USA und den lateinamerikanischen Ländern zu verstehen.
5. Antiamerikanismus in Mexiko – Ausprägungen - Gründe - Ausdrucksform - Begrifflichkeit: Untersucht die historischen Entwicklungsschritte des Antiamerikanismus in Mexiko, insbesondere im Kontext von Grenzkonflikten und wirtschaftlichen Spannungen.
6. Antiamerikanismus in Chile – Ausprägungen - Gründe - Ausdrucksform - Begrifflichkeit: Analysiert die Entstehung und Manifestation des Antiamerikanismus in Chile, mit Fokus auf die Rolle von Wirtschaftsinteressen und gesellschaftlicher Kritik.
7. Vergleich – Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Die Autorin stellt die Befunde beider Länder gegenüber, um sowohl die Gemeinsamkeiten in der Ablehnung des US-Imperialismus als auch die soziokulturellen Unterschiede in der Wahrnehmung zu verdeutlichen.
8. Abschlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der inter-amerikanischen Beziehungen.
Schlüsselwörter
Antiamerikanismus, Mexiko, Chile, Kulturtransfer, Antiimperialismus, Antikapitalismus, USA, Lateinamerika, Identität, Nationale Souveränität, Wirtschaftsinteressen, Interventionismus, Historische Entwicklung, Global Player, Internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Antiamerikanismus in den lateinamerikanischen Ländern Mexiko und Chile und analysiert dessen historische Ursachen sowie Ausprägungsformen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der Antiimperialismus, die Auswirkungen wirtschaftlicher Abhängigkeiten, der Kulturtransfer zwischen den USA und Lateinamerika sowie die politische Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die historische Entwicklung des Antiamerikanismus in den beiden Beispielländern zu gewinnen und die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Wahrnehmung der US-Politik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Basis – insbesondere die Theorie des Kulturtransfers – um die Fallbeispiele historisch und soziopolitisch zu analysieren und miteinander zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der spezifischen Ausprägungen des Antiamerikanismus in Mexiko und Chile unter Berücksichtigung historischer Ereignisse wie Grenzkonflikte oder Wirtschaftskrisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Antiamerikanismus, Kulturtransfer, Nationalismus, Antiimperialismus, Souveränität und die spezifischen Länderkontexte von Mexiko und Chile.
Warum wurden gerade Mexiko und Chile als Fallbeispiele gewählt?
Die Auswahl basiert auf der unterschiedlichen geografischen Nähe zu den USA (direkte Nachbarschaft bei Mexiko vs. Distanz bei Chile) und dem persönlichen Interesse der Autorin am chilenischen Kontext.
Welche Rolle spielt die COSACH-Affäre in der Untersuchung?
Die COSACH-Affäre in Chile wird als exemplarisches Ereignis angeführt, das durch wirtschaftliche Fehlentwicklungen und massive Arbeitsplatzverluste den volkstümlichen Antiamerikanismus nachhaltig verstärkte.
Welchen Einfluss hatte der Regierungswechsel in Mexiko im Jahr 2000 auf das Verhältnis zu den USA?
Der Regierungswechsel brachte kurzzeitig Hoffnung auf eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe, wurde jedoch durch den Druck der USA nach dem 11. September 2001 wieder überschattet.
Wie unterscheidet sich der Antiamerikanismus in der Bevölkerung beider Länder?
Während in Mexiko der kollektive Antiamerikanismus aufgrund wiederholter Invasionen stark verwurzelt ist, weist Chile zusätzlich eine stärkere Differenzierung durch eine intellektuell geprägte Kritik und eine ambivalente Haltung der Eliten auf.
- Arbeit zitieren
- Trish Kunz (Autor:in), 2010, Antiamerikanismus in Lateinamerika am Beispiel der Länder Mexiko und Chile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175550