Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Theaterwissenschaft, Tanz

Hamlets deutsche Rezeption als Spiegel des Zeitgeists im 20. Jahrhundert

Titel: Hamlets deutsche Rezeption als Spiegel des Zeitgeists im 20. Jahrhundert

Hausarbeit , 2011 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Student Carolin Blefgen (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit der ersten Inszenierung des Hamlet fasziniert Shakespeares Klassiker die verschiedensten Gemüter der nachfolgenden Epochen auf der ganzen Welt bis heute. Daher ergibt sich ein ungemein weites Feld der Shakespeare Rezeption, welches vollständig wohl kaum in das Ausmaß einer kurzen wissenschaftlichen Arbeit zu fassen sein kann – ja selbst mehrbändige lexikale Reihen fokussieren sich nur auf einige wenige Spezifika. So wird im Folgenden ein kleiner Teil der deutschen Rezeptionsgeschichte auf der Bühne betrachtet.
Hierbei ergeben sich bereits die ersten Schwierigkeiten, eine deutsche Rezeptionsgeschichte zu beschreiben, ändert sich die Definition von Deutschem und den dazugehörigen staatlichen Territorien seit scheinbar ewiger Zeit ständig. Die weiteren Untersuchungen beschäftigen sich mit dem Hamlet des 20. Jahrhunderts und beleuchten so verschiedene Inszenierungen der Weimarer Republik, des dritten Reiches, der Nachkriegszeit und zuletzt - als Ausblick - eines (wiedervereinten) Deutschlands im 21. Jahrhunderts.
Vorher sei aber ein kurzer Überblick der „deutschen“ Rezeptionsgeschichte Shakespeares und seines Hamlet bis in das letzte Jahrhundert zu geben. Im deutschen Sprachraum erlangt Shakespeares Werk nach gelegentlichen Erwähnungen im 17. Jahrhundert im darauffolgenden Centennium erstmals größere Beachtung. Auch wenn es noch keine deutschen Übersetzungen gibt, beschäftige sich eine breitere Leserschaft mit den Dramentexten. Lessing stellt als Teil einer Gegenbewegung zum französischen Klassizismus Shakespeares Genialität in den Vordergrund, ihm folgen die berühmten Lobpreisungen von Goethe: „Natur! Natur! nichts so Natur als Shakespeares Menschen!” Ebenfalls gegen die französischen Klassizisten wenden sich die Romantiker, die besonders das Wunderbare in Shakespeares Dramen schätzen. Mittlerweile liegen gleich mehrere berühmte Übertragungen in die deutsche Sprache vor, die bis heute meist gerühmte ist die von Friedrich Schlegel. Mit der Gründung der deutschen Shakespeare Gesellschaft im 19. Jahrhundert wird deutlich, dass der Brite sich zum deutschen Kulturgut entwickelt: Shakespeare wird als dritter deutscher Klassiker neben Goethe und Schiller bezeichnet.
Im 18. Jahrhundert wird besonders Hamlet weiten Gesellschaftskreisen als geistiger Besitz vertraut. Es gibt einerseits genaue Übertragungen auf die deutschen Bühnen, es werden aber auch viele neue Freiräume genutzt; es komme zu „anregende[n] als auch politisch kontroverse[n]“ Inszenierungen

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Hamlet und der deutsche Zeitgeist – Eine Rezeptionsgeschichte

2. Hamlets Rezeption im Theater des 20. Jahrhunderts

2.1 Hamlet inszeniert durch Leopold Jessner – Politisierung des Hamlet in der Weimarer Republik

2.2 Hamlet mit Gustaf Gründgens – Hamlet als Propagandainstrument des Nationalsozialismus

2.3 Hamlet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Suche nach neuen Wegen

3. Ergänzung: Der Hamlet der Gegenwart als universales Medium

3.1 Hamlet inszeniert durch Thomas Ostermeier

4. Fazit – Ständige Aktualität eines Klassikers

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Rezeptionsgeschichte von Shakespeares Hamlet im 20. Jahrhundert, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche Theaterinszenierungen als Spiegelbilder des jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeists fungieren.

  • Die Entwicklung der Hamlet-Interpretation von der Weimarer Republik bis ins 21. Jahrhundert
  • Die Politisierung des Hamlet-Stoffes in konträren politischen Systemen
  • Der Wandel der Theaterästhetik und Regiekonzepte
  • Die Rolle von Hamlet als Identifikationsfigur für moderne Gesellschaftsstrukturen

Auszug aus dem Buch

2.1 Hamlet inszeniert durch Leopold Jessner – Politisierung des Hamlet in der Weimarer Republik

Der jüdische Sozialdemokrat Jessner inszeniert 1926 trotz dieser Gemeinsamkeit dennoch eine vollkommen andere Darstellung des Hamlet. Der damalige Intendant des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin fordert ein „zeitgemäßes Theater […] ohne verbrauchte Konventionen und abgestandene Klischees“ und bringt so eine skandalträchtige Inszenierung hervor.

Ziel Jessners sei eine neue Dramaturgie des Zeitausdrucks, einer „sozialrelevanten Dramaturgie im Spannungsverhältnis zum alten Text“ – auch mittels deutlicher Kürzungen des Originaltextes. Die eigene Interpretation des Dramas steht somit in vollkommenem Gegensatz zum Grundsatz der Werktreue. Die Dramaturgie eines bestimmten Grundmotivs zur entsprechenden Aktualisierung des Stückes bedeutet ein politisches und öffentliches Theater, denn Privates wird beeinflusst durch Gesellschaft und Politik.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Hamlet und der deutsche Zeitgeist – Eine Rezeptionsgeschichte: Einführung in die deutsche Rezeptionsgeschichte von Shakespeare und Darstellung der Schwierigkeit, das weite Feld der Hamlet-Adaptionen zu erfassen.

2. Hamlets Rezeption im Theater des 20. Jahrhunderts: Untersuchung der verschiedenen Hamlet-Inszenierungen, beginnend mit der Ära der Weimarer Republik, über die Zeit des Nationalsozialismus bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

2.1 Hamlet inszeniert durch Leopold Jessner – Politisierung des Hamlet in der Weimarer Republik: Analyse der radikal neuen, politisch aufgeladenen Interpretation durch Leopold Jessner, die mit traditionellen Rollenkonventionen bricht.

2.2 Hamlet mit Gustaf Gründgens – Hamlet als Propagandainstrument des Nationalsozialismus: Beleuchtung der Umdeutung Hamlets zum visionären „nordischen“ Helden und Tatmenschen im Kontext nationalsozialistischer Ideologie.

2.3 Hamlet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Suche nach neuen Wegen: Betrachtung der Suche nach neuen Ausdrucksformen, die sich sowohl von der NS-Ästhetik distanzierten als auch mit neuen medienkritischen Ansätzen experimentierten.

3. Ergänzung: Der Hamlet der Gegenwart als universales Medium: Erweiterung der Betrachtung über das Theater hinaus auf mediale Adaptionen und die anhaltende Relevanz des Stoffes.

3.1 Hamlet inszeniert durch Thomas Ostermeier: Fokus auf die moderne Inszenierung von 2008, die heutige Umgangssprache und Medialität als Mittel der Hervorhebung nutzt.

4. Fazit – Ständige Aktualität eines Klassikers: Zusammenfassende Einordnung von Hamlet als Spiegel der Gesellschaft, der sich je nach historischem und politischem Kontext ständig neu definiert.

Schlüsselwörter

Hamlet, Shakespeare, Rezeptionsgeschichte, deutsches Theater, 20. Jahrhundert, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Leopold Jessner, Gustaf Gründgens, Thomas Ostermeier, Werktreue, Politisierung, Zeitgeist, Medienkritik, Dramaturgie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit der wechselvollen Rezeptionsgeschichte von Shakespeares Hamlet auf deutschen Bühnen im 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Verschränkung von Theaterinszenierungen mit dem jeweiligen gesellschaftlichen Zeitgeist sowie die Frage, wie politische Systeme das Werk für ihre Zwecke instrumentalisierten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hamlet durch verschiedene Inszenierungsstile zum Spiegelbild politischer Umbrüche und gesellschaftlicher Diskurse wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um anhand ausgewählter Inszenierungen (z.B. Jessner, Gründgens, Ostermeier) eine diachrone Perspektive auf die Rezeption des Stücks zu werfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Regiekonzepte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus sowie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ergänzt diese durch zeitgenössische Ansätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Rezeptionsgeschichte, Politisierung, Werktreue, Zeitgeist, Medialität und die spezifischen Regisseure Jessner, Gründgens und Ostermeier.

Warum wird Leopold Jessners Inszenierung als besonders provokant beschrieben?

Jessner inszenierte Hamlet in der Weimarer Republik als politisches Theater, kürzte den Text radikal und brach mit der Vorstellung des melancholischen Prinzen, was einen skandalträchtigen Kontrast zur Werktreue darstellte.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Hamlet im Nationalsozialismus?

Unter den Nationalsozialisten wurde Hamlet als „nordischer“ Tatmensch und idealer Kämpfer umgedeutet, um ihn als Identifikationsfigur für die Ideologie des Dritten Reichs zu nutzen.

Welche Rolle spielt die Medialität in Thomas Ostermeiers Inszenierung?

Ostermeier setzt Kamera und Projektionen ein, um die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit zu verwischen und eine zeitgenössische Medien- sowie Fernsehkritik zu artikulieren.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Hamlets deutsche Rezeption als Spiegel des Zeitgeists im 20. Jahrhundert
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Hamlet - eine mediale Psychose
Note
1,0
Autor
Student Carolin Blefgen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V175559
ISBN (eBook)
9783640965977
ISBN (Buch)
9783640966387
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hamlet Kainz Gründgens Jessner Müthel Reinhardt Kortner deutscher Klassiker Melancholie Wahnsinn Modernität Zeitgeist Rezeption Shakespeare
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Student Carolin Blefgen (Autor:in), 2011, Hamlets deutsche Rezeption als Spiegel des Zeitgeists im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175559
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  17  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum