Im Ersten Teil der Hausarbeit wird die Herkunft der Turkvölker, und bedeutenste aller türkischen Ursprungsmythen, die Asena-Legende, in ihren verschiedenen Überlieferungen erörtert. Der zweite Teil der Hausarbeit betrachtet die Weiterentwicklung des Wolfs-Mythos und die damit verbundene Verwendung der Wolfsfigur als mythisches Element der politischen und gesellschaftlichen Kommunikation, vom Osmanischen Reich bis zur heutigen Gegenwart der Türkei.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Herkunft der Türken: Wirklichkeit und Mythos
1.1 Zur Herkunft der Türken
1.2 Die Asena-Legende
1.2.1 Historische Einordnung und Quellen
1.2.2 Die Legende nach Sui-shu
1.2.3 Die Legende nach Chou-shu
1.2.4 Die Legende nach Y-yang tsa-tu
1.2.5 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
1.3 Der Wolf in Legenden anderer Völker
2. Der bozkurt-Mythos bis zur Gegenwart
2.1. Zum Begriff Mythos
2.2. Die Figur des Wolfs in der politischen Kommunikation von den frühen Türkischen Reichen bis zur Gegenwart
2.2.1 Von den frühen Türkischen Reichen bis zum Osmanischen Reich
2.2.2 Atatürk und der Wolf
2.2.3 Bozkurtlar - Die Grauen Wölfe
2.2.4 Weitere Verwendung des Wolf Motivs in der heutigen Türkei
Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und mythische Bedeutung der Wolfsfigur (Bozkurt) in der türkischen Kultur und politischen Kommunikation. Ziel ist es, die historische Entwicklung dieses Ursprungsmythos von den frühen türkischen Steppenvölkern über die Ära Atatürks bis hin zu gegenwärtigen Verwendungsformen im Nationalismus und im Sport zu analysieren.
- Historische Herleitung des Wolfsmythos aus asiatischen Quellen
- Vergleich der Asena-Legende mit Mythen anderer Kulturen
- Einsatz der Wolfssymbolik als identitätsstiftendes Instrument der Republikgründung durch Atatürk
- Radikalisierung der Wolfs-Symbolik in rechtsextremen Gruppierungen (Graue Wölfe)
- Rezeption des Bozkurt-Mythos in modernen gesellschaftlichen Kontexten wie dem Sport
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Atatürk und der Wolf
„Es ist eine communis opinio, dass MUSTAFA KEMAL ATATÜRK einen Bruch mit der osmanisch-islamischen Vergangenheit für unabdingbar hielt, um sein Ziel, den Aufbau einer nationalen und modernen türkischen Gesellschaft, zu erreichen.“28 Atatürk wollte deutlich machen, dass es sich bei der neuen Republik keinesfalls um eine Wiedergeburt des Osmanischen Reiches handelt, sondern eine eigene, neue Identität entstanden war. Sie sollte sich klar von den traditionellen Grundsätzen und Hierarchien distanzieren, die unter der Osmanischen Herrschaft entstanden waren. Atatürk lehnte den Islam, der als Fundament des Osmanischen Reiches galt, als Stützpfeiler für die neue Nation ab. Vielmehr legte Atatürk sein Augenmerk auf die Ideologie der Türkischen Ahnen und bediente sich bei der Identitätsbildung des Staates an der alttürkischen Geschichte.29
Die ablehnende Haltung Atatürks gegenüber jeglicher Art von Religion unterstützte diesen Gedanken. Jacques Benoist-Méchin veröffentliche 1955 in einer Atatürk-Studie ein Zitat Atatürks in dem er Stellung zum Islam nimmt. Dieses Zitat konnte zwar bisher nicht verifiziert werden, aber im Grundgedanken entspricht es seiner bereits erwähnten Einstellung zum Islam: „Der Islam, diese absurde Theologie eines unmoralischen Beduinen, ist ein in Fäulnis übergegangener Kadaver, der unser Leben vergiftet.“30
Auch in Laut’s Ausführungen klingt bereits an, dass diese radikale Säkularisierung des Staates und aufgezwungene Abwendung vom Islam in der türkischen Gesellschaft darauf beruhte, dass die Türken sich zu jener Zeit weniger als Türken verstanden wurden, sondern vielmehr als Muslime. „Die junge Türkische Republik, aus den Trümmern des osmanischen Vielvölkerstaates hervorgegangenen, sah sich ja gezwungen, ‘aus dem Stand’ eine identitätsstiftende Nationalideologie zu kreieren. Im Mittelpunkt sollte dabei der Jahrhunderte lang mehr oder weniger geächtete Begriff ‘Türk’ stehen.“31 Der Zusammenhalt der Republik sollte weniger über religiöse Prüfsteine, sondern über ethnische Inhalte hergestellt werden. Insofern wurde der türkische Nationalismus zum Träger der Modernisierungsideologie.32
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Rolle des Wolfes in Mythen und die Forschungsfrage zur Entwicklung der Wolfsfigur in der türkischen Identitätsbildung.
1. Die Herkunft der Türken: Wirklichkeit und Mythos: Untersuchung der historischen Ursprünge der Türken sowie detaillierte Analyse der Asena-Legende und Vergleich mit anderen Wolfsmythen.
2. Der bozkurt-Mythos bis zur Gegenwart: Untersuchung der Begriffsdefinition von Mythos und die Anwendung des Wolfsmotivs von den frühen Reichen über Atatürk bis zu heutigen nationalen und sportlichen Kontexten.
Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassendes Fazit über die Rolle des Bozkurt-Mythos als anschlussfähiges Mitteilungssystem in der heutigen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Bozkurt, Wolfsmythos, Asena-Legende, türkische Identität, Atatürk, Nationalismus, politische Kommunikation, Graue Wölfe, Mythos, Symbolik, Türkische Republik, Ursprungsmythos, Ideologie, Kulturgeschichte, Zentralasien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Figur des Wolfes von einem frühen mythischen Ursprungssymbol zu einem modernen, politisch aufgeladenen Identitätsmerkmal der türkischen Gesellschaft gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die türkische Ursprungsmythologie, die Verwendung der Symbolik durch Atatürk für die säkulare Staatsgründung sowie die Instrumentalisierung durch nationalistische Strömungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein mythisches Element wie der Wolf über Jahrhunderte hinweg als „Anschlussform“ genutzt wurde, um politische Identität und soziale Zugehörigkeit zu stiften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine medienwissenschaftliche und kulturtheoretische Analyse angewandt, die insbesondere auf Begriffen von Roland Barthes und Niklas Luhmann zur Mythos-Bildung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Herkunftslegenden und eine Untersuchung der politischen Kommunikation, von der Verwendung des Wolfs als Staats- und Machtsymbol bis zur heutigen Nutzung in rechtsextremen Bewegungen und Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bozkurt, türkische Identität, Mythos, Atatürk, Nationalismus und politische Kommunikation charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Asena-Legende für das Verständnis der Türken?
Die Asena-Legende dient als fundamentales Abstammungsmythos, in dem eine Wölfin das Überleben des Stammesvaters sichert, wodurch das Volk der Türken eine mythische, „göttliche“ Legitimierung seiner Herkunft erhält.
Wie veränderte Atatürk die Bedeutung der Wolfsfigur?
Atatürk nutzte den Wolf gezielt, um eine neue, säkulare türkische Identität losgelöst von der osmanisch-islamischen Tradition zu schaffen, indem er sich auf die alttürkische vorislamische Geschichte berief.
- Quote paper
- Deniz Ficicioglu (Author), 2008, Bozkurt. Die Figur des Wolfes vom Türkischen Ursprungsmythos bis zur Bedeutung in der Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175571