Das Denkmal für Friedrich den Großen von Friedrich Gilly


Essay, 2004

4 Seiten


Leseprobe

Das Denkmal fur Friedrich den GroBen von Friedrich Gilly

1796 entwarf Friedrich Gilly fur den achteckigen Leipziger Platz in Berlin einen monumentalen Tempelbau, der als Denkmal Friedrich dem GroBen gewidmet werden sollte. Gilly wahlte einen Ort, der sowohl fur die Politik PreuBens als auch fur die Prasentation der koniglichen Macht von Bedeutung war. Der Leipziger Platz wurde angelegt, als die Friedrichstadt 1732-34 nach Suden und Westen erweitert wurde. Er war zwar ein beliebter Treffpunkt fur das Volk, blieb vom hektischen Geschaftreiben jedoch unberuhrt. Als Ort fur das Friedrichdenkmal schien der Leipziger Platz insofern ideal, als dass er durch das Potsdamer Tor, seine Abgrenzung nach Westen, direkt nach Potsdam, dem zweiten Regierungssitz des geehrten Konigs fuhrte. Von Vorteil war auch, dass es keine hohen Gebaude in der Nahe gab, sodass die monumentale Wirkung des geplanten Baus nicht beeintrachtigen werden wurde.

Entstanden ist das Bild des Denkmals erst nach dem Tod Friedrichs II., da dieser Zeit seines Lebens ein Denkmal ihm zu Ehren abgelehnt hatte. Nach einigen gescheiterten Versuchen, auf Initiative der Akademie der Wissenschaften einen Wettbewerb fur ein architektonisches Denkmal fur Friedrich den GroBen durchzusetzen und letztendlich auszufuhren, beauftrage Konig Friedrich Wilhelm II. 1796 selbst die Akademie den Denkmalplan neu aufzurollen. So wurde eine Konkurrenz fur einen Tempel mit einem Standbild Friedrichs II. ausgeschrieben, der an der Oper Unter den Linden errichtet werden sollte. Diesem Aufruf folgend, reichten einige bedeutende Architekten der Akademie ihre Entwurfe ein, darunter Friedrich Gilly.

Friedrich Gilly wurde am 16. Februar 1772 in Altdamm bei Stettin in Brandenburg-PreuBen geboren. Sein Vater war David Gilly, der Oberbaurat von Pommern. 1787 begann Friedrich sein Studium an der Berliner Akademie der Kunste. Zu seinen Lehrern gehorte neben seinem Vater auch Carl Gotthard Langhans, der insbesondere als Erbauer des Brandenburger Tores bekannt geworden ist. Indem Gilly fur den Erhalt der maroden Marienburg in OstpreuBen eintrat, begrundete er die Denkmalpflege in PreuBen. Er forderte den Durchbruch des Klassizismus in PreuBen und hatte groBen Einfluss auf zahlreiche andere Architekten, wie seinen Schuler Karl Friedrich Schinkel. Gillys Schaffen bestand groBtenteils aus theoretischen Arbeiten; praktisch wurden nur wenige seiner Entwurfe umgesetzt.

Das Denkmal fur Friedrich den GroBen sollte fur das PreuBische Volk ein Erinnerungsort an den geliebten Konig und seine Taten sein und deshalb fur jedermann frei zuganglich gemacht werden. Man wollte der Welt seine Macht reprasentieren und fur die Nachwelt ein schier unnachahmbares Monument errichten. Mit der Ausschreibung fur einen Tempel brach Friedrich Wilhelm II. mit der Tradition furstlicher Reitermonumente und reagierte auf die gewaltigen Bauwerke, die in der Franzosischen Revolution in der Architektur Frankreichs Einzug hielten.

Schon beim ersten Blick fallt die Ahnlichkeit dieses Denkmalsentwurfs mit dem Parthenon auf, dem Tempel der griechischen Gottin Athene auf der Akropolis in Athen. Dieser Vergleich mag zwar zunachst im PreuBen des ausgehenden 18. Jahrhunderts befremdlich sein, wenn man jedoch das Wirken der Athene und das Friedrichs II. vergleicht, entdeckt man deutliche Parallelen. Athene war die Schirmherrin der griechischen Stadte, des FleiBes, der Kunste und eine Schutzpatronen der Philosophen. Desgleichen kann man von Friedrich II. in PreuBen behaupten: Er war der Beschutzer seines Volkes, trug dazu bei, dass Berlin zu einer architektonisch bedeutsamen Stadt in Europa geworden ist und verbesserte die Lehrerbildung und das Volksschulwesen. Daruber hinaus beschaftigte er sich selbst mit der Philosophie, beispielsweise im regen Kontakt mit seinem Freund Voltaire und in der kritischen Auseinandersetzung mit den politischen Analysen Machiavellis. Da Friedrich II. die Kartoffel als Massennahrungsmittel eingefuhrt hatte, war sein Einfluss auf den Ackerbau ebenso bedeutungsvoll, wie der der Athene, die laut der Mythologie den Menschen den Pflug geschenkt hatte. Die Gottin gab den Menschen auch die Flote, das Musikinstrument, das der PreuBische Konig gerne spielte und wofur er selbst Kompositionen schrieb. Die aufgezeigten Parallelen machen deutlich, dass ein Vergleich beider Gestalten durchaus nachvollziehbar ist. Man kann hier von einer „Vergotterung“ Friedrichs II. sprechen. Unterstutzt wird diese These durch die Quadriga, die sich auf dem Potsdamer Tor befindet, ein Pferdegespann, das Ausdruck fur die herausragende Stellung von Gottern und Heroen ist.

Vor dem Eingang des geplanten Denkmals liegen zwei wasserspeiende Lowen. Sie schauen, ebenso wie die Quadriga, das Monument an, im Gegensatz zu der Sphinx in Agypten, die den Pyramiden den Rucken kehrt. Die koniglichen Tiere sollen nicht den Eingang bewachen und als Abschreckung dienen, sondern vielmehr eine friedliche, einladende Stimmung erzeugen und trotzdem Ehrfurcht erwecken. Neben griechischen Bezugen wurden auch agyptische Elemente eingearbeitet. So wurden im Entwurf sechs Obelisken eingeplant, die im alten Agypten ein Zeichen der aufgehenden Sonne waren. Die Sonne stellte im Absolutismus die Alleinherrschaft des Herrschers dar: Sie allein stand uber dem Himmel, der die Kirche symbolisierte, somit war der weltliche Herrscher hoher als die Kirche gestellt. Friedrich II. war bekanntermaBen ein Verfechter des aufgeklarten Absolutismus und die Obelisken somit Ausdruck seiner absoluten Macht in PreuBen. Ein weiteres Merkmal der agyptischen Baukunst findet sich in der Form des Monuments: Es ist wie eine (hier allerdings nicht quadratische) Stufenpyramide angelegt. Im alten Agypten errichtete man Pyramiden als Grabstatten fur Herrscher, die nach ihrem Tod zu den Gottern aufsteigen wollten. Die Vermutung liegt nahe, dass Gilly seinen Konig ebenfalls zu einem Gott werden lassen wollte, so wie es Augustus mit Julius Caesar nach dessen Tod mit der Errichtung des „Tempel des vergottlichten Caesar“ im Forum Romanum beabsichtigte.

Die sich nach oben verjungende Form des Denkmals ist architektonisch besonders stabil. Betrachtet man den gesamten Bau als das Land Preufien, wird die Standhaftigkeit und Unerschutterlichkeit des Konigreichs zum Ausdruck gebracht. Interpretiert man den Tempel an der Spitze als die Person Friedrichs II., kann man zu dem Schluss kommen, dass Preufien wahrend der Regierung Friedrichs II. seine Blutezeit erlebte.

Gilly plante, einen Sarkophag im Innern des Monuments aufzustellen, ein Privileg, das meist Fursten oder herausragenden Personlichkeiten zuteil wurde. Der Leichnam Friedrichs II. sollte demnach sichtbar uber der Erde ausgestellt werden, damit er immer prasent ware und so nicht Gefahr laufen konnte, in Vergessenheit zu geraten.

Die drei Stufen des Denkmals haben verschiedene Farben: die untere dunkelbraun, die mittlere sandfarben und die hochste weifi. Der dunkelbraune Sockel symbolisiert die Standhaftigkeit des Monuments und somit auch die Preufiens. Der weifie Tempel ist Ausdruck fur Reinheit, Ehrlichkeit und Vollkommenheit, die Preufien unter Friedrichs Herrschaft erreicht hatte. Assoziiert man die Farbe Braun mit der Erde, konnte man sagen, dass Friedrich II., hier in Form des Temples, uber die Erde herrschte. Das sandfarbene Mittelstuck kann als Ubergang zwischen den beiden Stufen angesehen werden.

Der Tempel lasst sich nur uber viele breite Freitreppen erreichen. Wer Friedrich II. also besonders nahe sein will, muss die Muhe auf sich nehmen, hinaufzusteigen. Von dieser hochsten Stufe hat man einen direkten Blick uber die Friedrichstadt bis Potsdam. Die Hohe des Denkmals bewirkt, dass die Besucher zu Friedrich II. gottesahnlich hinaufschauen mussen. Dank dieser Grofie und der weifien Farbe kann das Monument schon von weitem gesehen werden. Auch wenn der sakrale Bau ein Anziehungspunkt fur viele Menschen gewesen ware, hatte er zugleich Ruhe und Ausgeglichenheit ausgestrahlt.

Gilly belegte bei dem Wettbewerb den zweiten Platz. Es kam jedoch nie zur Umsetzung seines Plans. 1797 starb Konig Friedrich Wilhelm II. und hinterliefi Preufien in einem desolaten,finanziellen Zustand. Sein Nachfolger entschied sich daher fur ein weniger kostspieliges Reitermonument, das heute vor der Humboldt-Universitat steht. Auch wenn Gillys Plan ein utopischer Idealentwurf ist, ist es fur die Nachwelt interessant zu sehen, wie verschiedene Baustile aus unterschiedlichen Epochen in einem kompakten, klar strukturierten Denkmal vereint wurden.

Hatte man Friedrich II. in dieser zeitlosen Form geehrt, hatte das Monument vermutlich uber die PreuBischen Grenzen hinaus Weltruhm erlangt.

Der Entwurf von Friedrich Gilly gehort heute der Berliner Institution Staatliche Museen Preufiischer Kulturbesitz, doch leider befindet sich dieses wenig bekannte Bild im Magazin des Kupferstichkabinetts und kann so nur auf Anfrage betrachtet werden. Die Besucher des Kabinetts, die dieses Werk nicht kennen, erfahren somit nichts von seiner Existenz.

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Details

Titel
Das Denkmal für Friedrich den Großen von Friedrich Gilly
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Geschichte und Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Geschichte
Autor
Jahr
2004
Seiten
4
Katalognummer
V175573
ISBN (eBook)
9783640966035
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essay, Friedrich II., Friedrich der Große, der Alte Fritz, Denkmal, Monument, Obelisk, Friedrich Gilly, Schinkel, Berlin, Leipziger Platz, Potsdamer Tor, Absolutismus, Unter den Linden, Preußen, Friedrich Wilhelm II., Akademie der Wissenschaften, Anne-Kathleen Tillack, TU Berlin, Aufsatz
Arbeit zitieren
Anne-Kathleen Tillack (Autor), 2004, Das Denkmal für Friedrich den Großen von Friedrich Gilly, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175573

Kommentare

  • Gast am 12.2.2012

    Die Arbeit ist sehr informativ und beinhaltet alle wichtigen Fakten. Liest sich sehr gut und macht Lust auf mehr! Schade, dass das Bauprojekt nie umgesetzt worden ist.

  • Gast am 15.2.2012

    Ist der Text nur hier in der Vorschau kaputt?

  • Gast am 16.2.2012

    Hallo, vielen Dank für Ihre Nachricht. Der Fehler betrifft nur die Vorschau - wenn Sie oben auf das Cover neben dem Titel klicken, können Sie in den Text hineinlesen. Die Vorschau werden wir schnellstmöglich reparieren. Viele Grüße, A. Bärmann (GRIN Verlag)

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