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Die fleischliche Kunst - der deformierte Körper als ästhetisches Objekt

Am Beispiel von Orlan

Titel: Die fleischliche Kunst - der deformierte Körper als ästhetisches Objekt

Vordiplomarbeit , 2007 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Evelyn Möcking (Autor:in)

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Manipulation des Körpers hat bei dem Menschen immer schon eine große Rolle eingenommen, ob es nun um eine temporäre Manipulation geht (wie es beispielsweise in der Kosmetik oder der Mode ist), in der ganz bestimmte Körpermerkmale bewusst betont oder verborgen werden oder um Körpermanipulation im Sinne von operativen Mitteln. Heute behandelt eine ganze Industrie die Frage der Manipulation des menschlichen Körpers.
Dass Schönheit ein relativer Begriff ist, Schönheit immer auch subjektiv und der Begriff des Schönheitsideals zeitlich und kulturell geprägt ist, soll dabei berücksichtigt werden. Im Zusammenhang mit dem heutigen Schönheitswahn, der unendlichen Grenzen der Körpermanipulation und des multimedialen Umgangs mit Schönheit scheint der kulturelle und künstlerische Umgang mit diesem Phänomen mehr als je zuvor wichtige Erkenntnisse und Aufschlüsse über das Bild des menschlichen Körpers, der Wahrnehmung dessen und den Körper im Zusammenhang neuer Technologien geben. Wie also kann dieser Körpermanipulation, diesem Schönheitswahn künstlerisch begegnet werden? In welcher Art und Weise reagieren KünstlerInnen auf die neuen Errungenschaften der Technologie, der Medizin und der Biologie im Bezug auf den Körper? Wieweit wird der deformierte Körper in künstlerische Arbeiten integriert? Und was bewirkt wiederum der Umgang mit dem Medium Körper bei dem Rezipienten? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, setzte ich mich in meiner Hausarbeit mit Körpermanipulation im Allgemeinen und am Beispiel der französischen Multimedia Performancekünstlerin Orlan aueinander. Sie ist die Künstlerin, die den deformierten Körper als ästhetisches Objekt am deutlichsten in ihrer künstlerischen Arbeit behandelt.
Um dem künstlerischen Konzept Orlans gerecht zu werden, setzte ich mich daher zunächst mit dem Schönheits- und Körperbegriff auseinander und gehe auf das Konzept der Medienkunst und anderer KünstlerInnen ein, die mit dem Körper als ästhetisches Objekt gearbeitet haben. Neben diesen Faktoren spielt der medizinische Aspekt in Orlans Metamorphose eine wesentliche Rolle. Der Doppelbegriff der Operations-Performance bezeichnet die beiden „Bereiche Medizin und Darstellung“,3 wobei es notwendigerweise die Errungenschaften und deren Einfluss der kosmetischen Chirurgie auf den gesellschaftlichen Rahmen zu durchleuchten gilt. Im Anschluss darauf wird ein Versuch unternommen, die Wirkung und Bedeutung Orlans künstlerischer Arbeit zu erläutert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Schönheit in Kunst und Kultur

2.1. Körperperfektion versus Natürlichkeit

2.1.1. Körpereingriffe zu Gunsten der Schönheit?

2.1.2. Der kosmetische Umgang mit dem Rohstoff Fleisch im Vergleich zu Mary Shelleys Frankenstein

3. Das Bild des Körpers in Kunst und Medien

3.1. Die Cyborisierung des Menschen

3.2. Der Körper als Instrument des Ausdrucks

4. Der Körper als ästhetisches Objekt am Beispiel von Orlan

4.1. Rezeptionshaltung zu Orlans künstlerischen Schaffen

4.2. Die fleischliche Kunst

4.2.1. Die Idee der l'art charnel

4.3. Bedeutung und Wirkung

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer Körpermanipulation, Schönheitsidealen und deren künstlerischer Aufarbeitung am Beispiel der französischen Multimedia-Performancekünstlerin Orlan, um zu analysieren, wie der deformierte Körper als ästhetisches Objekt in der modernen Kunst verhandelt wird.

  • Kulturelle Konstruktion von Schönheitsidealen
  • Transformation des Körpers durch moderne Medizintechnik
  • Das Konzept der "fleischlichen Kunst" (l'art charnel)
  • Die Rolle des Körpers als Instrument des künstlerischen Ausdrucks
  • Rezeption von Körpermodifikationen in der Kunst und Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Körpereingriffe zu Gunsten der Schönheit?

Mit dem Aufkommen der Esstörung und Krankheit Anorexie und dem damit verbundenen Eingreifen in die Lebensqualität zu Gunsten der Schönheit und des Schönheitsideals standen „die Medien und die Modeindustrie als Schuldige“ außer Frage. Sie waren es, die Frauenkörper mit dem Idealmaß darstellte und dementsprechend Mode kreierte für die schlanke Frau und das Idealbild in den Medien prägte. Mit dieser Annahme würde man dem Menschen seines eigenen Willens verleugnen und ihn als seiner Umwelt ausgesetztes Lebewesen degradieren. Die Autorinnen Naomi Wolf und Tania Modleski gehen davon aus, dass „die medialen Bilder die Frau verpflichten, bestimmte körperliche Idealisierungen nachzuhinken.“

Dennoch: das Hungern zur vermeintlichen Idealfigur, das zuweilen grotesk skelettähnliche Körperveränderungen mit sich bringt, findet auf allgemeinen Impetus von Schönheitsvorstellungen. Im Gegenteil, es trifft auf Ablehnung, sogar Ekel. Kaum würde jemand behaupten, dass magersüchtige Körper schön sind. Auch das in den 90er Jahren verbreitete „Phänomen des cuttings und brandings“ kann nicht als Indiz für Schönheitswahn vernommen werden. So muss man bei beiden Phänomenen davon ausgehen, dass es sich weniger um das Streben nach Schönheit geht, sondern vielmehr um das Streben nach Mitteilung. Der Körper wird in einer Art und Weise markiert, dass er „der Gesellschaft oder anderen etwas mitzuteilen versucht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Körpermanipulation ein und stellt die Forschungsfrage nach der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem deformierten Körper.

2. Begriff der Schönheit in Kunst und Kultur: Dieses Kapitel erörtert die historische und kulturelle Bedingtheit von Schönheitsidealen sowie den Einfluss neuer Technologien auf die Wahrnehmung des menschlichen Körpers.

2.1. Körperperfektion versus Natürlichkeit: Hier wird der Wunsch nach dem perfekten Körper im Kontext der modernen plastischen Chirurgie und der Abgrenzung zum "natürlichen" Körper kritisch beleuchtet.

2.1.1. Körpereingriffe zu Gunsten der Schönheit?: Das Kapitel untersucht mediale Einflüsse auf Körperideale und hinterfragt, ob extreme Körpermodifikationen Ausdruck von Schönheitssuche oder von Mitteilungsbedürfnissen sind.

2.1.2. Der kosmetische Umgang mit dem Rohstoff Fleisch im Vergleich zu Mary Shelleys Frankenstein: Hier wird die Parallele zwischen den Monstrositäten in Shelleys Roman und der modernen Schönheitschirurgie als "Fleisch gewordene Allmachtphantasien" gezogen.

3. Das Bild des Körpers in Kunst und Medien: Dieses Kapitel analysiert, wie Medienkunst den Körper als ein manipulierbares Medium und ein digitales Abbild thematisiert.

3.1. Die Cyborisierung des Menschen: Es wird die technisierte Körpererweiterung thematisiert, in der Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmelzen.

3.2. Der Körper als Instrument des Ausdrucks: Hier wird der performative Umgang mit dem eigenen Körper als künstlerische Erweiterung des klassischen Körperbegriffs dargestellt.

4. Der Körper als ästhetisches Objekt am Beispiel von Orlan: Das Hauptkapitel konzentriert sich auf die Performancekünstlerin Orlan und ihre gezielte Transformation durch plastische Operationen.

4.1. Rezeptionshaltung zu Orlans künstlerischen Schaffen: Dieses Kapitel beleuchtet die teils kontroversen Reaktionen der Kunstwelt und der Öffentlichkeit auf die Arbeit von Orlan.

4.2. Die fleischliche Kunst: Die philosophische Einordnung von Orlans Kunstrichtung, die sich als Gegenentwurf zum klassischen Schönheitsideal versteht, steht hier im Fokus.

4.2.1. Die Idee der l'art charnel: Hier wird der theoretische Überbau der "fleischlichen Kunst" als Befreiungsakt des Körpers vom sozialen Druck erklärt.

4.3. Bedeutung und Wirkung: Abschließend wird die Wirkung der Orlan-Performances auf den Rezipienten und die Provokation durch den "deformierten" Körper analysiert.

5. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Verknüpfung von Körper, Identität und Medien in der modernen Kunst zusammen.

Schlüsselwörter

Körpermanipulation, Schönheitsideal, Orlan, l'art charnel, plastische Chirurgie, Body Art, Performance-Kunst, Mediale Körperwahrnehmung, Identität, Cyborisierung, Körper als Objekt, Fleisch, Ästhetik, Transformation, Frankenstein-Mythos

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der künstlerischen Auseinandersetzung der Transformation und Deformation des menschlichen Körpers in der zeitgenössischen Kunst.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Schönheitsindustrie, die Bedeutung von Schönheitsidealen im Wandel der Zeit und die Möglichkeiten moderner Medizintechnik in der Kunst.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Künstlerinnen, insbesondere Orlan, den deformierten Körper als ästhetisches Objekt instrumentalisieren, um gesellschaftliche Normen zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Autorin nutzt eine kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Analyse sowie die theoretische Aufarbeitung von Literatur zur Körpertheorie und Performancekunst.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich intensiv der Multimedia-Performancekünstlerin Orlan, deren "Operations-Performances" und der philosophischen sowie gesellschaftlichen Einordnung ihrer "fleischlichen Kunst".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Körpermanipulation, Schönheit, Orlan, Identität und Transformation geprägt.

Warum bezieht sich die Arbeit auf Mary Shelleys "Frankenstein"?

Die Autorin nutzt den Frankenstein-Mythos als Metapher für das menschliche Streben nach Allmacht durch Eingriffe in den Körper, um Parallelen zur heutigen Schönheitschirurgie aufzuzeigen.

Welche Rolle spielt die "l'art charnel" bei Orlan?

Die "l'art charnel" oder "fleischliche Kunst" ist Orlans eigene Kunstform, die den Körper als bewusst verändertes "Ready-made" begreift und das Fleisch als Medium der Kommunikation nutzt.

Wie reagiert das Publikum laut der Arbeit auf Orlans Kunst?

Die Arbeit beschreibt, dass die Reaktionen oft von Faszination über Ekel bis hin zu Unverständnis reichen, was die Künstlerin jedoch gezielt als Teil ihres performativen Prozesses einsetzt.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Körperinszenierung?

Die Autorin schließt, dass der Körper in der Kunst zu einem Medium geworden ist, das den Übergang zwischen Identitäten erforscht und den Betrachter zur Auseinandersetzung mit eigenen Normen zwingt.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die fleischliche Kunst - der deformierte Körper als ästhetisches Objekt
Untertitel
Am Beispiel von Orlan
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Kunst)
Note
1,0
Autor
Evelyn Möcking (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V175579
ISBN (eBook)
9783640966042
ISBN (Buch)
9783640966455
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orlan Multimediakunst Körpermanipulation Cyborisierung Performance
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Evelyn Möcking (Autor:in), 2007, Die fleischliche Kunst - der deformierte Körper als ästhetisches Objekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175579
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  28  Seiten
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