Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie


Diplomarbeit, 2000
168 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie

2 Forschungsinteresse
2.1 Fragestellung und Ziel der Untersuchung
2.2 Abgrenzung

3 Theorien zum Untersuchungsthema " Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie".
3.1 Joseph Murphy: Die Macht Ihres Unterbewußtseins
3.1.1 Kausalität positiver und negativer Gedanken
3.1.2 Funktion des Unterbewußtseins
3.1.3 Gottesbild
3.1.4 Glaube
3.1.5 Autosuggestion als Selbsthilfe
3.1.6 Das "wissenschaftliche Gebet" als affirmative Methode
3.1.7 Heilsworte der Heiligen Schrift
3.2 Erhard F. Freitag: Kraftzentrale Unterbewußtsein
3.2.1 Trance und Entspannung
3.2.2 Suggestionstraining
3.2.3 Autosuggestionen
3.2.4 Heilsame Wirkung positiver Suggestionen
3.2.5 Hypnose
3.2.6 Katathymes Bilderleben n. Leuner
3.2.7 Gottesbild
3.2.8 Kirche
3.3 Herbert Benson: Heilung durch Glauben.
3.3.1 Heilkraft des Glaubens
3.3.2 Spezifische Heilkraft des Glaubens an Gott
3.3.3 Dein Glaube hat dir geholfen" bei den Wunderheilungen Jesu
3.3.4 "Selbstfürsorge"
3.3.5 "Erinnertes Wohlbefinden"
3.3.6 Heilswirkung der " Entspannungsreaktion "
3.3.7 "Glaubensfaktor"
3.3.8 Spirituelle Dimension
3.3.9 Heilkraft des Gebets
3.3.10 Mystische Gotteserfahrung
3.3.11 Affirmation und Visualisieren als Methoden
3.3.12 Positive Korrelation von Religiosität und Gesundheit
3.4 Bernhard Grom: Religionspsychologie
3.4.1 Der Glaube an Gott als eine empirisch belegte Wirklichkeit
3.4.2 Religiosität und psychisches Wohlbefinden
3.4.3 Exkurs: Intrinsische und extrinsische Religiosität
3.4.4 Religiosität und der Glaube an Gott als eine individuelle Ressource in Not und Leid
3.4.5 Kontrollmotivation und Coping von Religiosität und Glaube
3.4.6 Selbstwertgefühl und religiöse Überzeugungen in der Psychotherapie
3.4.7 Gefühle in der Beziehung zu Gott in Analogie zu zwischenmenschlichen Gefühlen
3.4.8 Welche Psychotechniken fördern religiöses Erleben ?
3.4.9 Notwendigkeit innerer Sammlung als Voraussetzung intensiven inneren religiösen Erlebens
3.5 Sebastian Murken: Gottesbeziehung und psychische Gesundheit.
3.6 Reinhard Tausch: Einsichten in seelische Vorgänge beim religiösen Glauben und bei christlich-ethischen Botschaften.

4 Theologische Aspekte der Heilkraft des Glaubens
4.1 Gottesattributionen im Alten und im Neuen Testament
4.2 Das Gebet zu Gott als Hilfe in der Not
4.3 Gebet, Glaube und Erlösung im Neuen Testament
4.4 Die Einstellungen in der Gottesbeziehung beim Gläubigen
4.5 Die Heilszusage Jesu Christi:
4.6 Der Heilige Geist im Gläubigen
4.7 Die Heilstaten Jesu und der Glaube der Kranken
4.8 Die Heilsworte in den Psalmen.
4.9 Die Kirche als Heilssakrament.
4.10 Gott in der Natur finden

5 Caritaswissenschaftliche Aspekte von Glaube und Beziehungen:
5.1 Struktur- Analogie als Wissenschaftsmethodik
5.2 Der Glaube als Beziehungs- " wirk-lichkeit"
5.3 Die Liebesbeziehung
5.4 Kirche als heilende Grund-"wirk"-lichkeit

6 Forschungshypothesen

7 Methodische Anlage der Untersuchung
7.1 Grundsätzliches zur empirischen Erforschung des Untersuchungsgegenstandes
7.2 Der Untersuchungsgegenstand
7.3 Qualitative Methodenwahl
7.4 Methodische Gesamtkonzeption
7.4.1 Der Untersuchungsplan
7.4.2 Das Erhebungsverfahren: problemzentriertes Interview
7.4.3 Das Problemzentrierte Interview als Expertenbefragung
7.4.4 Das Problemzentrierte Interview
7.4.5 Vorbereitung und Durchführung der Interviews
7.4.5.1 Inhaltliche Vorbereitung
7.4.5.2 Organisatorische Vorbereitung
7.4.5.3 Gesprächsbeginn
7.4.5.4 Durchführung und Aufzeichnung
7.4.5.5 Gesprächsende
7.4.5.6 Verabschiedung
7.4.5.7 Gesprächsnotizen
7.4.6 Der Interviewleitfaden
7.4.6.1 Die Problemanalyse
7.4.6.2 Die Leitfadenkonstruktion
7.4.6.3 Pilotphase
7.4.6.4 Interviewdurchführung
7.4.7 Das Aufbereitungsverfahren: Wörtliche Transkription
7.5 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
7.6 Bestimmung des Ausgangsmaterials
7.6.1 Festlegung des Materials
7.6.2 Analyse der Entstehungssituation
7.6.3 Formale Charakteristika
7.7 Fragestellung der Analyse
7.7.1 Richtung der Analyse
7.7.2 Theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung
7.8 Die zusammenfassende Inhaltsanalyse als adäquate Technik
7.8.1 Bestimmung der Analyseeinheiten
7.8.2 Paraphrasierung
7.8.3 Bestimmung der 1. Reduktion durch Generalisierung
7.8.4 2. Reduktion und Bildung eines Kategoriensystems
7.8.5 Rücküberprüfung des Kategoriensystems

8 Auswertung der 3 transkribierten Interviews mit Hilfe der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring
8.1 Paraphrasen und 1. Reduktion
8.2 Kategoriensysteme durch 2. Reduktion

9 Interpretation der empirischen Ergebnisse
9.1 Wesentliche Ergebnisse
9.2 Vergleich der empirischen Befunde dieser Studie mit den im 2. Kapitel dargestellten Theorien und Befunden
9.3 Die Forschungshypothesen FH 1-7( vgl. 5.0.) konnten durch die empirische Untersuchung bestätigt werden, wie dies die vorstehenden Ausführungen ergeben haben. Auf eine explizite Begründung kann deshalb an dieser Stelle verzichtet werden.

10 Fazit, Kritik und Ausblick
10.1 Résumée
10.2 Kritische Reflexion der Untersuchung
10.3 Ausblick auf weitere Forschungsvorhaben

1 Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie

Eine empirische Fallstudie mit 3 katholischen Patientinnen nach erfolgter spiritueller hypnosetherapeutischer Behandlung und autotherapeutisch praktizierter Selbstentspannung mit positiven Suggestionen.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an seelischen Störungen[1] unterschiedlichster Art, wie z.B. mangelndes Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Probleme in der Partnerschaft und suchen Hilfe in einer psychotherapeutischen Behandlung.

Wie aktuell ist doch der bereits von der Hl. Teresa von Avila in damaliger Zeit im Mittelalter konstatierte gesellschaftliche Befund, auf den die Hl. Edith Stein nachfolgend Bezug nimmt, daß es merkwürdig sei, daß jemand sein eigenes Haus [ sein Seelenhaus, d.V.] nicht kenne: "...tatsächlich sind viele Seelen ´so krank und mit äußerlichen Dingen sich so zu beschäftigen gewohnt..., daß es ihnen unmöglich scheint, in ihr Inneres einzukehren.´ So haben sie es verlernt, zu beten."[2]

Neben einer professionellen Psychotherapie suchen viele seelisch leidenden Menschen Hilfe durch die Lektüre von Lebenshilfebüchern, deren Angebot auf dem Büchermarkt in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist. Diese Lebenshilfebücher bieten häufig eine Hilfe zur Selbsthilfe an, nach der Leidende suchen. Unabhängig von der Vielfalt dieser Literatur gibt es eine spezifische Richtung, welche oft als "Positives Denken" bezeichnet wird und mit Autoren wie Dr. Joseph Murphy[3], Erhard F. Freitag[4], Norman V. Peale[5], Dale Carnegy[6] u.a. verbunden wird.

Das Gemeinsame dieser Autoren, welche auch der sogenannten esoterischen Szene[7] zugerechnet werden, ist, daß diese außerhalb der christlichen Großkirchen[8] individuelles Heil anbieten und individuelle Wege dazu beschreiben.

Die individuelle Suche seelisch Leidender nach Hilfe außerhalb des kirchlichen Kontextes korrespondiert zu dem gesellschaftlichen Tatbestand, daß sich seit Jahren immer mehr Gläubige von den Großkirchen abgewandt haben und auf der Suche nach neuen religiösen Inhalten sind.[9]

Die Suche seelisch Leidender nach einer Hilfe zeigt sich auch am enorm gewachsenen Interesse an der Nutzung von Selbsthilfekonzepten wie z.B. Autogenes Training, Yoga, Meditationen u.a. sowie dem Interesse an lebenshilfeorientierten Büchern, welche religiöse oder spirituelle Inhalte im Sinne des New Age beinhalten.

Hintergrund der vorliegenden Untersuchung ist die diakonische Begleitung vor allem seelisch leidendender Menschen, welche der Verfasser in 10 Jahren Praxistätigkeit als Heilpraktiker psychotherapeutisch begleitet hatte.

Die Behandlung erfolgte durch eine spirituell ausgerichtete Hypnosetherapie, der die Grundwerke von Murphy und Freitag zugrunde lagen und damit zum Vorverständnis seitens der PatientenInnen als auch des Behandlers gehörten. Der Verfasser fand nach jahrelanger spiritueller Suche über die Beschäftigung mit esoterischer Literatur[10] und Selbsterfahrung in der esoterischen Szene zurück zur christlichen Religion, dem christlichen Glauben und zur Kirche.

Das therapeutische Grundkonzept des Verfassers enthält verschiedene, einander ergänzende Theorien und therapeutische Behandlungsmethoden: Positives Denken nach Joseph Murphy[11], Hypnosetherapie, NLP[12], das Katathyme Bilderleben nach Leuner[13] und christliche Spiritualität. In groben Zügen läßt sich das therapeutische Konzept des Verfassers wie folgt kurz beschreiben:

Für seelische und psychosomatische Leiden sind meistens unbewußte Konflikte oder negative Fehlhaltungen kausal, welche durch prägende Traumatisierungen und/oder Erfahrungen in der Kindheit bedingt sind.

Zur Behandlung dieser Leidenszustände sind die Hypnosetherapie und das Katathyme Bilderleben besonders geeignet, weil diese einen Zugang und Kontakt zum Unterbewußtsein[14] ermöglichen. Durch diesen Kontakt mit dem Unterbewußtsein können therapeutische Prozesse durch Hypnokatharsis, Hypnoanalyse und eine positive Neuorientierung mit Hilfe von positiven Suggestionen stattfinden, welche dem PatientenIn helfen, aus dem seelischen Leiden herauszukommen und seelisches Wohlbefinden zu erfahren. Dabei können auch unbewußte Ressourcen[15] entdeckt und angeregt werden und als Selbstheilungskräfte für Seele und Körper genutzt werden. Hypnosetherapie und Katathymes Bilderleben beinhalten einen entspannten Bewußtseins- und Körperzustand, welcher Voraussetzung für den Zugang zum Unterbewußtsein ist. Dem Verfasser war es wichtig, in die Therapie auch die Beziehung zu Gott als Heilkraft zu integrieren, z.B. in Form von Suggestionen wie "Du bist vollkommen sicher und geborgen in Gottes Liebe und Kraft, Gottes Liebe erfüllt Dich und durchströmt Dich mit jedem Atemzug", welche in der Hypnose suggeriert wurden und den PatientenInnen als Kassettenaufnahme zur eigenen Weiterarbeit oder auch in der Ich-Form als Autosuggestion mitgegeben wurden.

Diese spirituelle Dimension in der Therapie wurde nur mit solchen PatientenInnen gemeinsam genutzt, welche dafür offen und zugänglich waren und eine positive Beziehung zu Gott hatten.

Psychotherapie bedeutet vom Wort her "seelische Heilbehandlung"[16].

Das dem Griechischen entstammende Wort "psyche" bedeutet "Hauch, Atem, Seele"[17], Therapie als "Kranken-Heilbehandlung" von griech. therapeia abgeleitet ursprünglich "das Dienen, Dienst;Pflege"[18].

Psychotherapie ist "nach der Definition von H.Strotzka (1975) ein geplanter interaktioneller Prozeß zur Beeinflussung von Erlebnis- u. Verhaltensstörungen u. den daraus resultierenden Leidenssituationen, die vereinbarungsgemäß (zwischen Patient und Therapeut) für behandlungsbedürftig gehalten werden; die P. verwendet ausschließlich psychologische Mittel (meist verbaler Art) u. ist gerichtet auf ein möglichst gemeinsam definiertes Ziel (Symptomminimalisierung, kompetenter Umgang mit der Störung durch den Patienten bzw. Strukturveränderung der Persönlichkeit) unter Anwendung lehrbarer Techniken, die auf Theorien über sog. normales u. abnormales Erleben u. Verhalten basieren."[19]

Unter Psychotherapie wird hier sowohl die therapeutische Situation in der professionellen Psychotherapie i. S. einer Heterotherapie (hier in der besonderen Form der spirituellen Hypnosetherapie[20]) als auch die Selbsthilfe durch eigene angewandte psychotherapeutische Hilfen (Selbstentspannung, Autosuggestion) i.S. einer Autotherapie verstanden.

Einige Patientinnen erlebten im Laufe der Therapie in der Hypnose intensive religiöse Gottesbegegnungen, welche individuell sehr unterschiedlich waren:

So erlebte die Patientin A[21] in der 7. Sitzung in der Hypnose eine innere Begegnung mit Jesus. Hierbei sah sie Jesus als Lichtgestalt in einem goldenen, glitzernden Gewand mit langen Haaren.[22] Sie spürte dabei, wie Jesus sie mit seiner rechten Hand an ihrer linken Hand hielt und hörte Ihn sagen: Ich bleibe immer bei Dir. Dabei spürte die Patientin eine große Kraft in ihrem Herzen. In einer weiteren Sitzung erlebte sie das Gefühl von Reingewaschen werden von sexuellem Beschmutztsein[23] in der liebevollen Nähe Jesu, welcher sie an einem klaren Bach wusch.

Die Patientin B. erlebte in einer geführten Regression in den Mutterleib sich als intrauterines "Körnle" im Zeitraum der Empfängnis, dabei spürte sie Gottes Liebe und fühlte sich in Licht geborgen und Ruhe.

Die Patientin C. berichtete, daß ihr Beten zu Gott Mut gibt, daß Gott etwas Gutes sei, was helfe.

Diese 3 Patientinnen waren aus unterschiedlichen psychischen Leidenszuständen zur Psychotherapie gekommen und suchten Hilfe für ihr seelisches Wohlbefinden:

A (35J.) war Opfer einer fehlgeschlagenen Ehe und suchte Befreiung von Ängsten und Bewußtwerden unbewußter negativer Beziehungsmuster.
B ( 38) kam nach zuvor durchlittener Krebserkrankung und Operation und wollte in der Therapie das Loslassen von traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit erfahren, um Gesundheit und Lebensfreude im Hier und Jetzt zu erleben.
C (30) litt unter Selbstwertproblemen in Partnerschaft und anderen zwischenmenschlichen Kontakten.

Alle drei Patientinnen waren katholisch, hatten eine positive Gottesbeziehung und waren von der therapeutischen Wirksamkeit der Hypnosetherapie und dem Positiven Denken nach Murphy und Freitag überzeugt.

Sie absolvierten in der Praxis des Verfassers eine intensive Kurzzeittherapie, welche aus 20 hypnosetherapeutischen Sitzungen bestand, welche zweimal täglich mit jeweils 90 Minuten absolviert wurden.

Das Setting und der grundsätzliche Ablauf waren ähnlich:

Die Patientinnen wurden durch Verbalsuggestionen seitens des Behandlers in den hypnotischen Ruhe - und Entspannungszustand geführt, die Hypnose wurde für psychotherapeutische Prozesse, die hier nicht konkret erläutert zu werden brauchen, genutzt. Dabei erlebten die Patientinnen intensive innere Erfahrungen, welche die Beziehungen zu sich selbst, zu aus der Biographie vertrauten Angehörigen ( Vater, Mutter u.a.) und die religiöse Beziehung zu Gott subjektiv erfahrbar werden ließen.

Dadurch entstand ein dichter therapeutischer Beziehungskontext und die Patientinnen erlebten intensive therapeutische und spirituelle Erfahrungen, welche der Verfasser als Behandler teilen durfte. Der Verfasser erlebte während der therapeutischen Begleitung der sich im Zustand der Hypnose befindlichen Patientinnen intensive Begegnungen mit Gott[24], zum Teil als Christusbegegnung oder metaphorisch als heilendes Licht oder heilende Farbe. Dabei erlebten die Patientinnen intensive innere Heilungsempfindungen, Gefühle von tiefem Geliebt- und Angenommensein, Beschütztsein und Geborgensein.

Diese beeindruckenden Erlebnisse in der therapeutischen Praxis veranlaßten den Verfasser, das Phänomen der Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie empirisch in Form von exemplarisch ausgewählten Einzelfallstudien zu untersuchen, um herauszufinden, wie die Heilkraft des Glaubens subjektiv erlebt wird und wie diese individuell wirkt.

Diese außergewöhnlichen inneren Erfahrungen dieser Patientinnen veranlaßten den Verfasser, das Thema "Die Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie" als Thema dieser Diplomarbeit zu wählen und bestimmen den Forschungsgegenstand dieser Untersuchung.

2 Forschungsinteresse

Es soll durch die empirische Untersuchung herausgefunden werden, worin die Ressource und Heilkraft des Glaubens besteht, die den Patientinnen helfen, mit dem seelischem Leiden[25] besser umzugehen, aus dem Leiden herauszukommen und eine positive Neuorientierung im seelischen Wohlbefinden[26] zu erfahren.

2.1 Fragestellung und Ziel der Untersuchung

In diesem Zusammenhang sollen außerdem folgende Aspekte näher untersucht werden:

Inwiefern haben Entspannung und positive Suggestionen den Patientinnen in der Selbstbehandlung und in der Hypnosetherapie helfen können, die Ressource und die Heilkraft ihres subjektiven Glaubens für seelisches Wohlbefinden zu erleben und zu erfahren ?

Wie wurde und wird die persönliche Ressource und Heilkraft des Glaubens erfahren und welche emotionalen und körperlichen Zustände wurden dabei erlebt ? Dabei soll näher untersucht werden, wie die einzelne Patientin durch ihren subjektiven Glauben Hilfe in der Situation seelischen Leids für sich selbst und in der Hypnosetherapie[27] erfahren hat. Hiermit sind die 2 Dimensionen der Selbsthilfe als Autotherapie und der Fremdhilfe als Heterotherapie angesprochen.

Wie wurde und wird die eigene Gottesbeziehung erlebt ?

Was ist das persönliche Gottesbild und woran glaubt die einzelne Patientin ?

Inwiefern helfen positive Suggestionen, mehr Vertrauen, Hoffnung und Liebe in sich und im eigenen Leben zu spüren ?

Gibt es eine subjektiv erlebte unterschiedliche "Wirklichkeit einer positiven Suggestion, welche Gott als Wort enthält und damit den Transzendenzbezug verbalisiert und einer solchen, welche Gott nicht inkludiert ?

Wird eine heilende Kraft auch im Gebet erfahren ?

Wird eine heilende Kraft auch in der Kirche[28] erlebt ?[29]

Eine weitere besondere Bedeutung und Relevanz für die Salutogenese kommt der spirituellen Heilkraft des Glaubens zu. Den Paradigmawechsel von der Psychopathologie zur Salutogenese beschreibt Murken wie folgt:

"Innerhalb der Psychologie hat sich in den letzten 20 Jahren ein Perspektivenwechsel von der Frage nach der Entstehung von psychischer Krankheit (Psychopathogenese) zur Frage der Bedingung und Erhaltung psychischer Gesundheit (Salutogenese) vollzogen."[30]

Bezüglich gesundheitsbegünstigender Faktoren ( Ressourcen) werden personale und kontextuelle Ressourcen (extrapersonale) unterschieden.[31]

Nach Auffassung des Verfassers kommt dem Glauben als intrapersonale Ressource eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung zu.

Bezüglich des Glaubens werden theologisch zwei Aspekte unterschieden, zum einen der Inhaltsaspekt (fides quae creditur[32]), welcher die Glaubensinhalte, das Glaubenswissen erfaßt, zum anderen der Beziehungsaspekt (fides qua creditur) , welcher die Art und Weise des Glaubens und die praktische Beziehung des Menschen zu Gott und den Mitmenschen beschreibt.[33]

Pompey beschreibt die beiden Dimensionen des Glaubens mit folgenden Worten: " ´ Wer mit dem Herzen glaubt (fides qua creditur) und mit dem Mund bekennt (fides quae creditur), wird Gerechtigkeit (gelingende Lebens - Beziehungen) und Heil (Leben in Fülle) erlangen ´ (Röm 10,10)..."[34]

Neben dieser theologischen Bedeutung des Glaubens wird hier der Glaube auch in einem psychologischen Sinn verstanden, nämlich im Sinne von für wahr halten : "Glauben aber heißt nichts anderes, als eine bestimmte Tatsache oder einen gewünschten Zustand für wahr und verwirklicht zu halten."[35]

Es soll somit untersucht werden, inwiefern dem persönlichen Glauben eine heilende Kraft in der Selbsthilfe (autotherapeutisch) und in der Psychotherapie (heterotherapeutisch) für das einzelne Individuum entfalten kann, um aus einer seelischen Leidenssituation herauszukommen und subjektives Wohlbefinden zu finden. Hierbei sollen sowohl die psychologische als auch die spirituelle resp. religiöse Dimension empirisch untersucht werden. Bei den drei Einzelfallstudien umfaßt der Zeitrahmen die Zeit vor, während und nach der Therapie.

2.2 Abgrenzung

Was in dieser Studie nicht untersucht werden kann, sind die konkreten therapeutischen Prozesse sowie das Zueinander von intrapsychischen und transzendentalen Wirklichkeiten und die damit im Zusammenhang stehenden therapeutisch heilsamen Wirkungen, die sich in den drei Einzeltherapien ereignet haben; davon unberührt bleibt die spezifische katamnestische Fragestellung, was sich seit der Therapie für die Patientin im eigenen Leben verändert hat.

Auch kann in dieser Arbeit keine dezidierte kritische Auseinandersetzung mit Murphy, Freitag und anderen Autoren des Positiven Denkens auf den geleistet werden, da dieses den Rahmen sprengen würde.

Vielmehr sollen die Besonderheit der Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie und die dabei subjektiv erlebten Phänomene exemplarisch durch 3 Einzelfallstudien inhaltsanalytisch nach Mayring empirisch untersucht werden.

Bevor der empirische Teil der Untersuchung dargelegt wird, sollen nachfolgend einige Theorien aus der Literatur dargestellt werden.

3 Theorien zum Untersuchungsthema " Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie".

Vorbemerkung:

Bei den nachfolgend dargestellten Theorien handelt es sich um solche, welche zum einen für das Behandlungskonzept des Verfassers, zum anderen in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand eine besondere Relevanz haben. Da in der vorliegenden Studie unterschiedliche Dimensionen und Aspekte der Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie untersucht werden, für die der Verfasser in der Literatur nicht eine umfassende theoretische Darstellung vorfand, war es notwendig, mehrere Theorien auszuwählen, welche jeweils mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und Nuancierungen zum vorliegenden Thema relevante Aspekte beitragen. Die Darstellung der Theorien von Murphy und Freitag hat insofern eine besondere Bedeutung, weil diese, wie oben dargelegt, sowohl für die Patientinnen als auch für den Verfasser inhaltliche Relevanz im Zusammenhang mit den praktizierten Therapien hatten. Was die anderen Theorien anbetrifft, so mußte auch hier eine Auswahl getroffen werden, da im Rahmen dieser Arbeit keine vollständige Darstellung sämtlicher Theorien geleistet werden kann. Denn die vorliegende Arbeit ist eine empirische Untersuchung, bei der keine hypothesenprüfende Verifikation ( Näheres zur Methodologie vgl. unten...), sondern induktiv mit Hilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ( vgl. unten...) anhand der 3 Interviews erforscht werden soll, worin die Ressource und Heilkraft des Glaubens bei den 3 Patientinnen subjektiv besteht. Daher werden die ausgewählten Theorien nur in Relation auf die für die vorliegende empirische Untersuchung relevanten Aspekte referiert, von denen vor allem folgende zu nennen sind:

Ressource und Heilkraft des Glaubens, subjektiver Glaube und subjektives Erleben der Heilkraft des Glaubens, Unterbewußtsein, Entspannung, positive Suggestion, seelisches Wohlbefinden, Gottesbild, Gottesbeziehung, Hypnosetherapie, Gebet.

3.1 Joseph Murphy: Die Macht Ihres Unterbewußtseins

3.1.1 Kausalität positiver und negativer Gedanken

Ausgangspunkt[36] für Murphy ist die Fähigkeit des einzelnen Menschen, auf der mentalen Ebene selbst wählen und entscheiden zu können, ob er lebensfördernde (positive) oder lebensverneinende ( negative ) Gedanken in seinem Geist haben möchte. Es wird der Primat des Geistes über die Materie, sowie eine absolute Kausalität zwischen der Ursache der Art des Denkens ( ob positiv oder negativ ) und dem Erfolg im Materiellen ( Körper, Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut etc.) postuliert: "Was immer Sie erleben und tun, alle Ereignisse und Umstände Ihrer Existenz sind Reaktionen des Unterbewußtseins auf Ihre Gedanken."[37] Hierbei kommt dem Unterbewußtsein eine besonders wichtige Rolle zu: " Wenn Sie Gutes denken, so entsteht daraus auch Gutes, während böse Gedanken Böses nach sich ziehen. Darin ... besteht die Funktionsweise Ihres Geistes.

3.1.2 Funktion des Unterbewußtseins

Was wir als entscheidenden Punkt festhalten wollen, ist die Tatsache, daß das Unterbewußtsein jede empfangene Eingebung alsbald zu verwirklichen beginnt...daß sich das Unterbewußtsein in gleicher Weise guten wie auch schlechten Gedanken unterwirft und dementsprechend arbeitet. Negative Ideen bringen deshalb Mißerfolg, Enttäuschung und Unglück. Sind jedoch Ihre Denkgewohnheiten harmonischer und positiver Natur, so werden Gesundheit, Erfolg und Wohlstand Sie begleiten . Sobald Sie einmal gelernt haben, Ihre Gedanken und Gefühle in die rechten Bahnen zu lenken, werden sich Seelenfrieden und körperliche Gesundheit mit unbedingter Sicherheit ganz von selbst einstellen. Was Sie auch immer beanspruchen und im Geiste bereits als verwirklicht betrachten, wird Ihr Unterbewußtsein als bereits bestehende Tatsache hinnehmen und schnellstens vollziehen. An Ihnen liegt es, Ihr Unterbewußtsein zu überzeugen, und das ihm innewohnende Gesetz wird wunschgemäß für Gesundheit, Harmonie ... sorgen. In Ihren[38] Händen liegt die Kommandogewalt, Sie erteilen die Befehle – und Ihr Unterbewußtsein wird gehorchen und treu Ihre Eingebungen verwirklichen. Das Gesetz Ihres Geistes lautet...: Ihre bewußten Gedanken und Vorstellungen rufen eine dem Wesen nach identische Reaktion Ihres Unterbewußtseins hervor."

Zwischen Gedanken und Gefühlen gibt es ein Primat der Gedanken und damit die Möglichkeit des seelisch leidenden Menschen, mit Hilfe der Wahl und Kontrolle der eigenen Gedanken das eigene Gefühlsleben zu beeinflussen: "Ihre Gefühle entsprechen Ihren Gedanken. Denkend haben Sie daher die Macht, alles aus Ihrem Geist zu verbannen, was Ihr inneres Gleichgewicht stören könnte."[39]

Was die Qualität positiver Gedanken anbetrifft, so hebt Murphy hervor, "...nur solchen Gedanken und Vorstellungen Raum zu geben, die segensvoll und heilsam sind und die Seele mit Glück und Freude erfüllen."[40] Einen biblischen Bezug[41] stellt Murphy zum Apostel Paulus her: "Der hl. Paulus enthüllt uns ...wie man sich in ein Leben voll dynamischer Kraft und Glückseligkeit hineindenken kann: » Im übrigen, Brüder, was wahr ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, liebenswert, was ansprechend ist, was es an Tugend und löblichen Dingen gibt, darauf richtet Euren Sinn.« Philipper 4,8."[42]

3.1.3 Gottesbild

Die Beziehung zu Gott im Bewußtsein des Menschen, der seelisches Wohlbefinden und Gesundheit in seinem Leben durch heilvolle Gedanken und Vorstellungen Wirklichkeit werden lassen möchte, ist bei Murphy eine fundamentale Notwendigkeit. Dieses wird damit begründet, daß Gott als das Lebens- und Heilsprinzip in jedem Menschen angesehen wird:

"...Gott ist das Leben und dieses Lebensprinzip durchströmt jeden Menschen..."[43]

"...» Der Arzt verbindet die Wunde, und Gott heilt sie.« "[44]

Die Besonderheit bei Murphys Gottesvorstellung ist die Verortung Gottes in der individuellen Seele:" Das Höchste und Beste in Ihnen ist Gott."[45] Hierbei ist es besonders wichtig, der heilenden Macht Gottes zu vertrauen: "...sich vertrauensvoll jener unendlichen heilenden Macht anzuvertrauen, die im tiefsten Seelengrund jedes Menschen wohnt."[46]

Dabei ist die kognitive und emotionale Vergegenwärtigung eines positives Gottesbildes bedeutsam: "Sobald aber Denken und Fühlen von der Vorstellung eines Gottes der Liebe beherrscht werden, sobald der Mensch in Gott den liebenden Vater sieht, der über ihm waltet, der für ihn sorgt, ihn leitet, erhält und stärkt, wird sich diese Gotteskonzeption dem Unterbewußtsein einprägen und die Quelle unzähliger Segnungen werden."[47]

Dem Zugang zum individuellen Unterbewußtsein kommt somit eine eminente Bedeutung zu.

Neben verschiedenen anderen Funktionen des Unterbewußtseins, u.a. der Regulation biologischer Vorgänge im menschlichen Körper, z.B. Atemfrequenz, Herzschlag, Verdauung etc. wird dem Unterbewußtsein eine besondere kausale Heilkraft für Körper und Seele zugeordnet: "Ihr eigenes Unterbewußtsein bietet die Lösung für jedes Problem und birgt die Ursache jeder Wirkung...Ihr Unterbewußtsein besitzt eine wundersame Heilkraft, die Körper und Seele wieder genesen läßt."[48]

3.1.4 Glaube

Damit diese dem Unterbewußtsein eigene Heilkraft wirken kann, bedarf es des Glaubens, welcher den Zugang zu dieser unbewußten Heilkraft ermöglicht, ja Voraussetzung dafür ist.[49]

Glaube wird bei Murphy definiert als das Für- wahr- und -verwirklicht -Halten einer bestimmten Tatsache oder eines gewünschten Zustandes.[50] Der subjektive Glaube sei die Einheit von Gedanken und Gefühlen[51]," » und nach Eurem Glauben soll Euch geschehen«. Matthäus, 9,29."[52] Bezugnehmend auf das Wirksamwerden von Gebeten postuliert Murphy ein "Gesetz des Glaubens", unabhängig vom Inhalt und von der Religion des Subjekts, nämlich als eine psychologische Funktion, wenn eine Reaktion des Unterbewußtseins auf die Gedanken und Vorstellungen desjenigen erfolgt.[53]

Der Glaube ist der Weg zur "universellen Heilkraft" des Unterbewußtseins.[54]

Murphy postuliert eine einzige Heilkraft, deren Bezeichnungen unterschiedlich seien, Gott, Leben, Natur, Allweisheit und die Macht des Unterbewußtseins seien nur unterschiedliche Namen für diese Heilkraft.[55] Die Wunderheilungen Jesu an den Kranken seien nur durch den Glauben Jesu, der Kranken und Jesu Kenntnis der unterbewußten Kräfte möglich gewesen.[56]

Bezugnehmend auf die Heilung der Blinden , Mt 9, 28-30[57], bei der Jesus die Kranken fragte: "> Glaubt Ihr, daß ich dies [die Heilung, d.V.] tun kann ?<", jene dieses bejahten und Jesus sprach: "> Nach Eurem Glauben soll Euch geschehen ! <"[58] leitet Murphy ab, daß Jesus sich mit Seinen Worten unmittelbar an das Unterbewußtsein der Blinden wandte[59].

"Ihr Glaube bestand in der hochgespannten Erwartung,..., in der inneren Überzeugung, es werde sich ein Wunder ereignen und ihre Gebete würden erhört werden. Und so geschah es auch."[60] Für eine erfolgreiche Heilung ist dieser Glaube conditio sine qua non, "die von Jesus Christus immer und überall gestellt wurde...: Glaube! Immer wieder liest man in der Bibel: Es wird Euch geschehen nach Eurem Glauben."[61]

"Denn der älteste Arzt dieser Erde, die universellste Heilmethode dieser Welt ist – völlig unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit – der Glaube."[62]

3.1.5 Autosuggestion als Selbsthilfe

Für den Kranken oder Leidenden, der gesund werden möchte, ist es wichtig, durch kraftvolle Suggestionen[63] sein Unterbewußtsein zu beeinflussen, da hierdurch die eigenen Heilkräfte aktiviert werden.[64]

Dabei läßt sich die Autosuggestion als wirksame autotherapeutische Methode für den Leidenden nutzen, um sich z.B. von Angstzuständen und

anderen negativen Gefühlszuständen zu lösen und Vertrauen in sich zu finden.[65]

"Unter Autosuggestionen verstehen wir die Selbstbeeinflussung durch ganz bestimmte und gezielte Gedanken oder Vorstellungen."[66]

Um Suggestionen dem Unterbewußtsein einzuprägen, ist es hilfreich, sich zunächst zu entspannen. Murphy führt das Beispiel einer Sängerin an, welche Angst hatte, ihr Gesang würde niemandem gefallen.[67]

Folgende Vorgehen half der Sängerin, sich von dieser Angst zu lösen:

Sie zog sich in ihr Zimmer zurück, um von der Außenwelt abschalten zu können, machte es sich in einem Sessel bequem[68], "...entspannte sich und schloß die Augen. Auf diese Weise versetzte sie Körper und Geist in einen Ruhezustand. Körperliche Entspannung beruhigt nämlich auch den Geist und macht ihn für Suggestionen empfänglicher. In diesem Zustand der Gelöstheit schärfte sie sich immer wieder ein: »Ich singe hinreißend. Ich bin voll Ruhe, Heiterkeit und Selbstvertrauen.« Sie wiederholte[69] diese Feststellung langsam, ruhig und voll Inbrunst fünf- bis zehnmal. Sie hielt diese geistigen Übungen dreimal am Tag ab, das letzte Mal jeweils unmittelbar vor dem Schlafengehen. Nach einer Woche sah sie ihrer Zukunft voll Ruhe und Selbstvertrauen entgegen."[70]

Murphy macht an diesem Beispiel deutlich, daß der erste Schritt das Abschalten vom Alltag, der Weg in die Entspannung[71] , in die innere Welt ist, das gefühlvolle Bejahen positiver Suggestionen, die Vertrauen geben und das Prinzip der Wiederholung.

Denn erst durch ständige Wiederholung prägen sich die positiven Suggestionen dem Unterbewußtsein ein, welches diese für wahr nimmt und Wirklichkeit werden läßt.[72]

Durch die Nutzung von Autosuggestionen hat der Leidende die Fähigkeit, sein eigenes Unterbewußtsein positiv zu prägen und Heilung zu erfahren: " Unser Unterbewußtsein ist jederzeit der Beeinflussung durch Suggestion zugänglich. Sobald Sie sich körperlich und geistig entspannen, sinken Ihre bewußten Gedanken ins Unterbewußtsein ab... und kraft seiner schöpferischen Dynamik erfüllt sich Ihr Wunsch."[73]

Eine besonders wirksame Methode ist die Visualisierung des vom Autosuggerierenden ersehnten Zielzustandes, da das Unterbewußtsein solche Vorstellungsbilder, welche im Hier und Jetzt antizipatorisch als schon erfüllte Wirklichkeit gläubigen Herzens erlebt werden, leichter annimmt und zur Verwirklichung dieses gewünschten Zustandes drängt. Murphy nennt dieses die "Technik der bildlichen Vorstellung" und die "Film-Methode".[74] "Sobald Sie sich von Ihrem Ziel ein klares Bild machen können, wird die wunderwirkende Kraft Ihres Unterbewußtseins die nötigen Voraussetzungen zu seiner Verwirklichung schaffen."[75]

3.1.6 Das "wissenschaftliche Gebet" als affirmative Methode

Auch das persönliche Gebet ist eine persönliche Ressource des Leidenden in Notzeiten, welche Kraft entfaltet.[76]

Jedoch im Unterschied zum Bittgebet zu Gott, in welchem der Gläubige Gott um Hilfe bittet, ihn aus dem Leiden zu befreien, und es Gottes Willen überläßt, ob dieses geschieht, versteht Murphy unter Gebet einen ganz spezifischen Inhalt und gibt diesem eine besondere Bedeutung unter der Bezeichnung "wissenschaftliches Gebet".

Dieses wird definiert als das "...harmonische Zusammenwirken der bewußten und unterbewußten Geisteskräfte, die mittels wissenschaftlich gesicherter Methoden[77] zur Verwirklichung eines bestimmten Ziels eingesetzt werden."[78]

Das Prinzip der absoluten Kausalität – heilsamer Gedanken und Vorstellungen als Ursache, Gesundheit als Wirkung derselben – ist diesem "wissenschaftlichen Gebet" inhärent, die Erhörung des Betenden findet streng kausal in absoluter Notwendigkeit statt: "Auch Ihre eigenen Gebete werden nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion erhört."[79]

An anderer Stelle nimmt Murphy Bezug auf den Bibelvers bei Mt, 7,7"» Bittet, und es wird Euch gegeben werden; suchet, und Ihr werdet finden; klopfet an, und es wird Euch aufgetan werden.«... Diese Worte stellen Ihnen die Erfüllung all Ihrer Wünsche in Aussicht... Die Allweisheit Ihres Unterbewußtseins wird immer und unmittelbar auf Ihr bewußtes Denken reagieren. Dem, der um Brot bittet, wird nicht ein Stein gegeben werden."[80]

Diese Art des Gebets als eine positive Behauptung wird von Murphy auch als "affirmative Methode" bezeichnet und entfaltet die wirksame Macht durch die Behauptung sog. "objektiver Wahrheiten ".[81] Eine solche "objektive Wahrheit" ist nach Murphy die Gesundheit, denn "Gesundheit ist der wahre Seins-Zustand."[82]

Folgende Beispiele der Konkretion der "affirmativen Methode" oder auch der Affirmation seien hier genannt :"Die göttliche Weisheit lenkt mich auf meinem Weg, und der göttliche Segen ruht auf allem, was ich heute beginne. Die göttliche Liebe umgibt und beschützt mich, und ich schreite ins Licht."[83]

Die Gewißheit der absoluten Gesetzmäßigkeit, daß der Betende den gewünschten Zustand z.B. der Gesundheit selbst bewirken kann, läßt sich als eine spezifische Handlungskompetenz i.S. des Coping betrachten: "Das Wissen um die Ihnen innewohnende unendliche Macht, die all Ihre Wünsche erfüllen kann, verleiht Ihnen unerschütterliches Selbstvertrauen und ruhige Zuversicht."[84]

3.1.7 Heilsworte der Heiligen Schrift

Eine weitere Quelle für eine heilvolle Wirklichkeit des Leidenden sind bestimmte Psalmen, insbesondere der 23., 27. und 91. Psalm, das Hohelied der Liebe 1.Kor, 13[85] "und andere Herz und Sinn mit Reichtum erfüllende Bibelstellen..."[86]

Murphy empfiehlt den Ehegatten bei Eheproblemen- neben anderen Maßnahmen , wie das dem anderen Verzeihen vor dem Schlafengehen, das morgendliche Tischgebet - diese Bibelstellen abwechselnd laut zu beten, dieses gestalte die Ehe segensreich.[87]

Hieran wird deutlich, daß Murphy Worten der Heiligen Schrift eine heilsame Kraft und Wirkung für den Leidenden und die Leidende zumißt und der Praxis des Betens[88] eine eminente Bedeutung im Lebensalltag der Menschen zuspricht.

3.2 Erhard F. Freitag: Kraftzentrale Unterbewußtsein

Erhard[89] Freitag ist ein Schüler von Murphy[90] und hat dessen Lehre adaptiert. Über Murphy hinausgehend hat Freitag zur Lösung von unbewußten Konflikten das Katathyme Bilderleben nach Leuner und die Hypnose[91] als psychotherapeutische Behandlungsmethoden hinzugenommen, was in den nachfolgenden Darlegungen deutlich gemacht werden soll.

Was den Inhalt der Murphy´schen Lehre anbetrifft, die Freitag mit eigenen Worten zwar variiert , aber im Kern wie Murphy wiedergibt, wird insofern im Wesentlichen auf die oben ausführlich dargestellte Primärquelle verwiesen, um unnötige Verdopplungen zu vermeiden.

Das Buch von Freitag ist – wie auch das von Murphy - als ein Lebenshilfebuch für Ratsuchende und Leidende gedacht: "Mit diesem Buch möchte ich der geistigen Kraft, die jeder von uns in sich birgt, den Weg ebnen und versuchen, Ihnen zu helfen, sich selbst zu helfen."[92]

Daraus sollen im Folgenden nur die Inhalte dargestellt werden, sofern sie Weiterentwicklungen über die Murphy´sche Theorie hinaus beinhalten und als Freitag´sches Proprium sich herauskristallisieren ließen.

Wie auch Murphy geht Freitag davon aus, daß sich jeder Mensch selbst erlösen[93] kann:

"Wir können uns selbst erlösen und zu vollkommeneren Menschen werden, wenn wir es denn auch wirklich wollen. Unser Schöpfer hat alle Anlagen dazu in uns hineingelegt...Die Erlösung ist bereits da – sie wartet in uns auf den Tag, an dem wir ja sagen zu uns, zu Gott und der Welt und zu unserem Leben!"[94]

"Wenn Sie erkennen, daß Sie Ihr eigener Erlöser sind..."[95]

3.2.1 Trance und Entspannung

Um das Unterbewußtsein durch Suggestionen positiv zu beeinflussen, ist der Zustand der Entspannung Voraussetzung, welches durch eine Trance am leichtesten zu bewerkstelligen ist[96]:"Alle Anspannungen, ob nun seelisch oder im Körper, müssen zuerst gelöst werden, wenn wir mit Autosuggestion in unser inneres Geschehen eingreifen möchten. In einer erholsamen Ruheposition...schaffen wir die idealen Voraussetzungen, unseren bisher verborgenen unbewußten Tiefen näherzukommen... Suggestionen, die in dieser Ruhestellung von einem Therapeuten gegeben oder selbst gesprochen oder auch nur gedacht werden, haben eine weit überlegenere Wirkung, als dies die gleiche Suggestion bei vollem Tagesbewußtsein erreichen könnte."[97]

Die Entspannungstechnik ist ein Lernprozeß und für den Erfolg einer Suggestionstherapie nach dem Prinzip des Positiven Denkens Voraussetzung.[98]

3.2.2 Suggestionstraining

Für das "Suggestionstraining"[99] stellt Freitag 7 Regeln auf, von denen hier 4 zitiert werden sollen:

"1. Je besser Sie sich entspannen, desto leichte können Suggestionen in Ihr Unterbewußtsein eingehen.
2. Ihr Unterbewußtsein reagiert auf Worte sehr genau. Suggerieren Sie in der direkten, gegenwärtig erlebten Vorstellung » Ich bin«, auch wenn es sich um noch zu erreichende Ziele handelt ( etwa gesund werden, Erfolg haben, Lieben lernen).
3. Setzen Sie Ihre Suggestionen möglichst in bildhafte Vorstellungen um. Sie stellen sich damit auf das Verständnis des Unterbewußtseins ein, dem ein Bild mehr »sagt« als tausend Worte.
4. Eine einmalige Suggestion hat nur eine sehr geringe Wirkung und nur das Wiederholen Ihrer Suggestionen, zwei- bis dreimal am Tag zehn bis zwanzig Minuten lang, führt Sie zum Ziel. Besonders vor dem Einschlafen, wenn sich das Tor zu Ihrem Unterbewußtsein gerade zu öffnen beginnt, ist die beste Zeit für Ihre Arbeit."[100]

Freitag empfiehlt die Visualisierung des Gewünschten im Hier und Jetzt als schon erfüllte Vorstellung im Bewußtsein, um das Unterbewußtsein zu überzeugen.[101]

3.2.3 Autosuggestionen

Von den vielfältigen allgemeinen Suggestionen, die Freitag seinen Lesern als Autosuggestionen empfiehlt, seien als Auswahl folgende exemplarisch dargestellt:

"Ich bin stark und frei.", "Ich bin voller Harmonie und Liebe. Ich liebe mich und danke meinem höheren Selbst für die Kraft aus meiner Mitte...", "Harmonie und Liebe durchdringen mein ganzes Wesen und mein ganzes Sein. Ich bin gesund und frei. Ich bin durchstrahlt von positiver Lebenskraft, die alles Dunkle, Bedrängende in meinem Körper und meiner Gefühlswelt auflöst.", "Die Vollkommenheit Gottes findet nun Ausdruck durch meinen Körper. Die Vorstellung völliger Gesundheit erfüllt jetzt mein Unterbewußtsein. Gott schuf mich nach seinem vollkommenen Bild, und mein Unterbewußtsein schafft nun meinen Körper von neuem – in völliger Übereinstimmung mit dem vollkommenen Bild im Geiste Gottes. Gott denkt, spricht und handelt durch mich !"[102]

3.2.4 Heilsame Wirkung positiver Suggestionen

Durch die wiederholte Imprägnation des Unterbewußtseins mit heilvollen positiven Suggestionen erfolgt eine Umprogrammierung und eine Surrogation negativer krankheitsverursachender unbewußter Einstellungen: "...positive Suggestionen ersetzen jene Vorstellungen, die uns schwächen und dann dadurch Fehler und Krankheiten verursachen. Meine Therapeuten verdrängen nichts, sondern entwickeln eine neue, bessere Qualität für Ihr Dasein. Das Alte geht, damit das Neue kommen kann."[103]

Freitag nimmt auch hier Bezug zur Heiligen Schrift : "Die Bibel sagt, Gott sei ein verzehrendes Feuer, das alles, was seiner nicht gemäß ist, auflöst. So ist es auch mit einer intensiven, positiven Suggestion. Alles, was ihrer Aussage nicht entspricht, wird aufgelöst."[104]

Dabei haben die heilvollen positiven Suggestionen einen Bezug zur göttlichen Wirklichkeit oder auch zur göttlichen Ordnung, die ontologisch dem einzelnen Menschen von Gott eingeboren ist: "Positives Denken leitet Sie auf die gottgewollte Ebene zu höherer Vollkommenheit, die Ihrem Wesen und dem Sinn Ihres Daseins entspricht."[105]

Die Wandlung aus dem Leiden geschieht durch das Loslassen alter leidensfördernder Vorstellungen und durch die Aufnahme positiver Suggestionen, welche die der individuellen Seele immanente Heilkraft aktiviert und so zu der ersehnten Liebe, Gesundheit, Harmonie und Erfolg führt.[106]

3.2.5 Hypnose

Um diese positiven Suggestionen dem Unterbewußtsein einzuprägen, ist die Hypnose die Methode der Wahl:

"In diesem Trancezustand[107] sind die Bereitschaft und die Aufnahmefähigkeit für Suggestionen besonders gesteigert. Durch Hypnose können Filter- und Bewertungsprozesse im Gehirn gezielt erreicht und gesteuert werden. Die Suggestionen können Gedanken und Handlungen veranlassen und körperliche Zustände beeinflussen."[108]

Freitag definiert Hypnose als "eine besondere Form von Wachheit"[109], welche mit einem Zustand von Konzentration und selektiver Wahrnehmung mit tieferem seelischen Empfinden verbunden ist.[110]

Im hypnotischen Zustand kommt der Patient/in mit der eigenen seelischen Heilkraft in Kontakt:

"Das wichtigste Ziel meiner Therapie ist es, den Patienten die eigene Kraft und die eigene Tiefe erspüren zu lassen, die ihm dann zur Lösung seiner Probleme verhilft...Positive Gedanken verstärken Ihre psychische Potenz, mit der Sie dann fast jeden erdenklichen (psychischen) Fehler auflösen können."[111]

"In den Tiefen unseres Geistes ist das Gute und Wahre von uns Menschen zu Hause, dort ist die göttliche Quelle unserer Lebenskraft."[112]

Diesen Bezug einer Hynosetherapie zu der transzendentalen göttlichen Dimension als Quelle der Heilung meint Freitag wohl auch mit der Bezeichnung "spirituelle Hypnosetherapie"[113], welche "die Lösung für das, was Sie bisher belastet hat [sei, d.V.]."[114]

3.2.6 Katathymes Bilderleben n. Leuner

Doch auch wenn Freitag hiermit die heilende Wirkung positiver Suggestionen proklamiert, so wird dieses Prinzip doch an anderer Stelle ergänzt durch die therapeutische Arbeit an unbewußten Konflikten oder negativen Einstellungen als Notwendigkeit des Wirksamwerdens positiver Suggestionen.

Um die unbewußten Komplexe oder Konflikte eines Patienten zu eruieren und therapeutisch anzugehen, nutzt Freitag das von Hanscarl Leuner entwickelte therapeutische Verfahren des Katathymen Bilderlebens, welches auch zur Diagnostik dient:

"Um die Probleme eines Menschen zu erfassen, braucht ein Hypnosetherapeut ihn nur in sein katathymes Bilderleben eintauchen zu lassen (katathym: Gemütswirkung; Wirkung eines affektbetonten, verdrängten Komplexes auf die Seele). Aus der Tiefe der Seele können verdrängte und auch bedrängende Geschehnisse wiederauferstehen und so zur Konfliktlösung beitragen... seine Traumbilder [ die des Patienten, d.V. ] ... eröffnen sich ihm schon im halbwachen, leicht tranceartigen Zustand, in dem er sogar noch – wie bei einer leichten Hypnose – mit dem Therapeuten sprechen kann."[115]

Mit Hilfe des Katathymen Bilderlebens ist auch die Regression bzw. die Rückführung in vergangene Situationen und Erlebnisse, welche einem unbewußten Konflikt zugrunde liegen, möglich.[116]

Seelische Leiden haben ihre causa in unbewußten Konflikten, die verdrängt sind.[117]

Das Katathyme Bilderleben hilft, psychische Blockaden und neurotische Fehlhaltungen abzubauen.[118]

Durch diese Ergänzung der Suggestionstherapie mittels des Katathymen Bilderlebens, womit unbewußte Konfliktherde therapeutisch erfaßt und bearbeitet werden, relativiert Freitag sein Postulat des Positiven Denkens, welches den Primat des Denkens (Bewußtseins) über das Unterbewußtsein inkludiert: "Unser Unterbewußtsein ist die Exekutive, unser Bewußtsein entscheidet, das Unterbewußtsein führt es aus."[119]

Ließe sich aber allein durch positives Denken das Unterbewußtsein in dieser absoluten Stringenz beeinflussen, stellt sich die Frage, warum es dann überhaupt der Arbeit mit unbewußten Konflikten durch das Katathyme Bilderleben bedarf. Hier zeigt sich ein logischer systemimmenenter Widerspruch in der Freitag´schen Theorie, welche dieser weder benennt noch mit seiner Theorie des Positiven Denkens zu erklären vermag.

Wenn wir jedoch von einer Wechselwirkung unbewußter und bewußter Prozesse ausgehen und statt von einer monokausalen eine bikausale Wirklichkeit im dialektischen Sinne postulieren, dann löst sich dieser Widerspruch auf und es lassen sich auch therapeutische Konsequenzen daraus entfalten:

Einerseits bedarf es zum Wirksamwerden positiver Suggestionen der therapeutischen Bearbeitung unbewußter Konfliktkerne und negativer Einstellungen, andererseits lassen sich durch positive Suggestionen neue lebensfördernde Einstellungen verankern. Beides sind Heilprozesse unterschiedlicher Dimensionen im Seelenleben des Patienten, die zu beachten sind.

3.2.7 Gottesbild

Freitag proklamiert einen Gott der Liebe, der im Individuum selbst existiert:

"Ich glaube, Gott ist reine Liebe, ist reines Verzeihen und Gewähren. Gott zürnt nicht, und weil er uns nach seinem Ebenbild gemacht hat, sind wir in unserem Kern gleich ihm göttlich, und zwar aus Liebe... Der Sohn Gottes ist unser eigener Geist, und er ist inmitten von unswir sind im wahrsten Sinne der Sohn Gottes mit allem, was da kreucht und fleucht..."[120]

"Der einzige existierende Gott befindet sich in Ihnen selbst, ist Ihr Selbst."[121]

Hier wird deutlich, daß Freitag eine von der christlichen Religion abweichenden Gottesbegriff und Gottesbild hat :

Zum einen setzt Freitag Gott mit dem individuellen göttlichen Selbst gleich, was in letzter Konsequenz hieße, zu sagen: Ich bin Gott.

Mit den Worten des Hl. Paulus "Wißt Ihr nicht , daß Ihr der Tempel des Hl. Geistes seid" wird zwar die Immanenz Gottes durch den Heiligen Geist im Menschen auch vom christlichen Glauben bejaht. Jedoch läßt sich Gott nicht auf diese Existenz im einzelnen Menschen reduzieren, sondern übersteigt in Seiner Transzendenz das individuelle menschliche Sein. Dies wird von Freitag außer Betracht gelassen. Auch wird die Besonderheit Jesu Christi als göttliche Person durch die Gleichsetzung mit dem individuellen Geist oder den Menschen außer acht gelassen. Die göttliche heilige Dreifaltigkeit von Gottvater- Sohn und Heiligem Geist, welche das individuell subjektive Menschliche übersteigt, wird mit dem Menschlichen egalisiert, es wird nicht differenziert zwischen dem göttlichen Funken im Menschen und Gott selbst. Die heilvolle Beziehung mit Gott existiert nach Freitag ausschließlich individuell autonom transsozial außerhalb einer religiösen Gemeinschaft wie der Kirche.

3.2.8 Kirche

Die christliche Kirche ist für Freitag kein Heilssakrament[122], sondern eine unheilstiftende krankmachende Institution per se:

"...die Institution, die uns am stärksten über unsere materielle Lebensphilosophie hinausführen sollte, ihre klerikale Macht dazu benutzt, tiefgehende Ängste in den Gläubigen noch zu schüren. Ihr Anspruch, Mittler Gottes zu sein, untermauerte sie mit Drohungen vom zürnenden Gott, im Mittelalter mit Folter, heute mit weniger überzeugenden Argumenten... In dem Hintergrundwissen um das unendliche Leid, das im Namen Gottes verbreitet wird, in dem Wissen, wie viele Menschen die Kirche niederhält, liegt der Grund, warum ich mich enttäuscht von dieser ungenügenden Verwaltung des Christentums zurückgezogen haben."[123]

Unabhängig von unbestreitbaren historischen Fehlern und Sünden, die im Namen der Kirche und im Namen Gottes erfolgt waren, so ist es doch auch eine historische Tatsache, daß durch das caritative Wirken der Kirche in den Werken der Barmherzigkeit und Nächstenliebe ( z.B. Hospitäler, Schulen, Waisenhäuser ) auch im Mittelalter vielen Leidenden geholfen wurde.

Schon auf die Vergangenheit bezogen ist die Freitag´sche Kirchenkritik einseitig und undifferenziert.

In der heutigen Zeit wird die Liebe Gottes in den Gottesdiensten besonders hervorgehoben und in der Pastoral das Gottesbild des barmherzigen Gottes vermittelt., so daß der Vorwurf Freitags eine durch die Wirklichkeit überholte Unterstellung ist und das Vorurteil eines Kirchen- distanzierten Zeitgenossen zum Ausdruck bringt. Daß Freitag selbst ohne Kirche auskommt und dabei sogar Gott selbst begegnet und mit Gott eins sei, ist die Konsequenz der Freitag´scher autonomen Gottesvorstellung:

"Ich begab mich...ohne offizielle Hilfe auf die Suche nach mir selbst, nach meinem Wesenskern und bin Gott begegnet...Als ich Gott suchte, bin ich mir begegnet, weil es rechtens heißt, daß der Vater und ich EINS sind. In mir habe ich ihn gefunden."[124]

An diesen Aussagen wird das extrem subjektivistische und verkürzte Gottesbild deutlich.

3.3 Herbert Benson: Heilung durch Glauben.

3.3.1 Heilkraft des Glaubens

Benson[125] hebt die besondere Heilkraft des Glaubens in der Therapie sowohl für den Patienten als auch für den Therapeuten hervor und verdeutlicht dieses an medizinischen Experimenten bei Medikamentenprüfung und dem Phänomen der Wirksamkeit von Placebos:

"...der menschliche Glaube dem Placebo seine Macht verleiht. Die Tatsache, daß der Patient, sein Behandler oder beide an die Therapie glauben, führt zu besseren Resultaten."[126]

Wichtig ist der Glaube des Patienten und/oder des Behandlers an einen Erfolg der Therapie, denn dadurch werden beträchtliche Heilkräfte im Patienten mobilisiert werden.[127]

Hierbei wird zum einen die Wirksamkeit des Glaubens empirisch bestätigt, zum anderen ist der Beziehungsaspekt des Glaubens von Behandler und Patient angesprochen, welcher möglicherweise eine potenzierende Wirkung im therapeutischen Beziehungs- und Heilungsgeschehen hat.

Auf die spirituelle Dimension der Beziehung in der früheren Medizin macht Benson aufmerksam:

"In der frühen Medizin... ist die Beziehung zwischen Heiler und Patient heilig und mystisch."[128]

Der individuelle Glaube des Leidenden ist eine Ressource im Sinne einer personal verfügbaren Hilfe zur Selbsthilfe kraft des Glaubens an einer höhere transzendente Macht, die heilt: "Mit Hilfe dieses Glaubens, eines grundlegenden menschlichen Instinktes, befreien sich viele Menschen von Schmerzen und Krankheit."[129]

"... der Glaube an ein höchstes Wesen ist in jedem Fall ein höchst wirkungsvoller Heiler."[130]

Dabei wirkt der Glaube als Heilkraft ganzheitlich auf Geist, Körper und Seele.[131]

Benson postuliert eine genetische Programmierung jedes Menschen, an Gott zu glauben und den Glauben zu praktizieren als einen menschlichen Überlebensinstinkt von Geburt an[132].

Diese biologische Glaubensressource sei unabhängig von der Existenz Gottes.[133]

Der Gottesbegriff ist bei Benson nicht identisch mit der christlichen Religion, sondern beinhaltet alle Weltreligionen sowie alle jemals in der Menschengeschichte von Menschen verehrte "Götter und Geister".[134] Unabhängig vom Glaubensinhalt und von der jeweiligen Benennung der transzendentalen Macht sind die Wirkungen des subjektiven Glaubens im Ergebnis dieselben: "Bei meinen wissenschaftlichen Beobachtungen habe ich gelernt, daß die Resultate des Glaubens immer die gleichen sind, unabhängig davon, welchen Namen man dem Unendlichen Absoluten gibt oder welcher theologischen Richtung man folgt."[135]

3.3.2 Spezifische Heilkraft des Glaubens an Gott

Jedoch postuliert Benson eine besondere Heilkraft des Glaubens an Gott: "Der Glaube an Gott scheint aber [eine, d.V.] besonders große Heilkraft zu besitzen, weil »Gott« nach allen mir bekannten Definitionen grenzenlos ist."[136]

Hierbei ist unabhängig von der Religion und der Konfession der subjektive Glaube, daß Gott heilt, wesentlich, wie es Jeffrey S. Levin beschreibt: "»Schon der bloße Glaube, daß die Religion oder Gott heilkräftig seien, bringt vermutlich positive gesundheitliche Effekte hervor...«".[137]

3.3.3 Dein Glaube hat dir geholfen" bei den Wunderheilungen Jesu

Hinsichtlich der christlichen Religion macht Benson auf die Heilungsberichte Jesu in der Heiligen Schrift und die Worte Jesu "Dein Glaube hat dir geholfen" zu der blutflüssigen Frau in Mk 5, 25-34 (34), zu dem Aussätzigen in Lk 17,12-19 (19) und zu dem Blinden in Lk 18, 35-43 (42) aufmerksam.[138] "Was die Evangelisten uns sagen wollen, ist offensichtlich: Der Glaube heilt und macht den Körper gesund. "[139]

Daß es im Evangelium im Kern um das Heilen geht, betont Tom Harper: "»Ein sorgfältiges Studium der Evangelien enthüllt, daß sich in ihnen im Grunde alles um das Heilen dreht.«"[140]

3.3.4 "Selbstfürsorge"

Von der empirischen Wirklichkeit des Glaubens als Ressource und Heilkraft für Kranke ausgehend betont Benson den coping- Aspekt, nämlich die "Kraft des einzelnen Menschen, für sich selbst zu sorgen und sich selbst zu heilen."[141]

Statt sich dem eigenen Leiden ohnmächtig ausgeliefert zu fühlen oder sich nur der Hilfe anderer zu überlassen, hat der Patient selbst die Fähigkeit und auch die Selbstverantwortung, "...sich durch gesunde Ernährung, Bewegung, Entspannungsübungen und Streßbewältigung selbst Gutes [zu, d.V.] tun."[142] Dieses coping nennt Benson "Selbstfürsorge".[143]

Benson weist darauf hin, daß nach einer Gallup-Umfrage in den USA bereits 26 % der Bevölkerung Meditation- und Entspannungsübungen praktizieren[144] ; dieses zeigt die besondere Relevanz von Meditations- und Entspannungsübungen im praktischen Leben vieler Menschen in den USA, die damit sich selbst Gutes tun.

Damit verfügt der Leidende selbst über die Möglichkeit, aus dem Leiden mit Hilfe seines Glaubens herauszukommen und gesund zu werden. Diese Kompetenz des Leidenden ist mit der Hoffnung auf Heilung eng verbunden und auf die enorme Bedeutung des Prinzips Hoffnung als Bestandteil der Heilung verweist Benson bezugnehmend auf Seneca: " Der römische Philosoph Seneca, der von 5 bis 65 n.Chr. lebte, betonte, wie wichtig die Hoffnung ist.» Sich Heilung zu wünschen ist Bestandteil der Heilung«, schrieb er."[145]

3.3.5 "Erinnertes Wohlbefinden"

Diesem subjektiven Glauben und der Hoffnung auf Heilung korrespondiert auf der körperlichen Ebene das von Benson als eigenes Phänomen so bezeichnete "erinnerte Wohlbefinden".[146]

Dieses "erinnerte Wohlbefinden" entdeckte Benson als eine "wissenschaftlich belegbare Quelle innerer Heilkraft und nennt diese »erinnertes Wohlbefinden«"[147]. Dieses "erinnerte Wohlbefinden" beinhaltet die Fähigkeit jedes Menschen, sich "...an die Ruhe und das Vertrauen zu »erinnern«, die mit Gesundheit und Glück einhergehen. Dies spendet uns nicht nur seelischen Trost, diese Erinnerung ist auch körperlich."[148]

Zur Provokation des "erinnerten Wohlbefindens" können Gedanken dienen, welche Nervenzellen des Gehirns aktivieren und diesen emotional befriedigende Erfahrungen und Ereignisse aufprägen.[149] "Hoffnung und positive Erwartungshaltung wiederum erzeugen erinnertes Wohlbefinden – die Neurosignatur- Botschaften der Heilung, von denen die Reserven und Abwehrkräfte des Körpers mobilisiert werden."[150] Als Neurosignaturen definiert Benson "Das Muster der Gehirnaktivität, das erforderlich ist, um sich an ein Bild zu erinnern...Alle Erlebnisse und Emotionen unseres Lebens besitzen Neurosignaturen, stenographische Notizen, die das Gehirn speichert und wieder abruft."[151]

Jedoch ist es nicht nur möglich, die im Gehirn bereits gespeicherten Informationen zu aktivieren ("erinnertes Wohlbefinden"), sondern das Gehirn kann mittels geeigneter neuer Gedanken und neuer Informationen umprogrammiert werden[152], so daß dadurch gesundheitsfördernde psycho-physische Prozesse eingeleitet und gefördert werden können:

"Wenn wir unser Bewußtsein verändern... können wir damit unsere Gesundheit entscheidend verbessern."[153]

3.3.6 Heilswirkung der " Entspannungsreaktion "

Außer dem "erinnerten Wohlbefinden" entdeckte Benson die "Entspannungsreaktion" als einen heilsamen körperlichen Ruhezustand, den jeder selbst bewußt herbeiführen kann.[154] Dieses körperliche Ruhigwerden ist ein "... Zustand, in dem der Blutdruck absinkt und Herz- und Atemfrequenz sowie der Stoffwechsel sich reduzieren. Die Entspannungsreaktion läßt sich durch eine einfache Form der geistigen Konzentration oder andere Meditationstechniken herbeiführen und wirkt sich langfristig sehr positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus."[155]

Die Entspannungsreaktion hat eine kathartische und eine regenerierende Wirkung auf Geist und Körper und eröffnet den Zugang zu neuen Ideen und Anregungen auf dem inneren Seelenleben, wie dieses auch in der Hypnose möglich ist.[156]

Benson hebt hervor, daß sich diese Entspannungsreaktion, die jeder Leidende als Hilfe zur Selbsthilfe für die eigene Gesundheit nutzen kann durch eine Vielfalt von unterschiedlichen Methoden herbeiführen lassen kann, neben den bereits erwähnten Meditationstechniken auch durch Gebete, autogenes Training, progressive Muskelentspannung und anderen.[157] Benson unterscheidet religiöse und weltliche Methoden oder Übungen, welche die Entspannungsreaktion provozieren können, wobei beiden gemeinsam ist die Konzentration auf eine sich wiederholende Aktivität und eine passive Haltung gegenüber störenden Gedanken.[158]

Zum Aktivieren der Entspannungsreaktion empfiehlt Benson seinen Patienten die Verwendung von angenehmen oder beruhigenden Worten oder Sätzen als Konzentrationsgegenstand .[159]

[...]


[1] Nach dem Bericht über die Lage der Psychiatrie in der BRD- Zur psychiatrischen und psychotherapeutischen/Psychosomatischen Versorgung der Bevölkerung (Psychiatrie-Enquete 1975) hat jeder dritte Bundesbürger eine psychische Krankheit durchgemacht oder leidet daran, 10-20% suchen einen Arzt wegen psychischer Krisen oder Krankheiten pro Jahr auf; zit. n. Pompey, ders. (Hg.), in: Caritas, Das menschliche Gesicht des Glaubens, Studien zur Theologie und Praxis der Caritas und Sozialen Pastoral, Bd. 10, Würzburg, echter, 1997, Der leidende Mensch und die Solidarität der Menschen, 19-61, hier:24.

[2] Zit. n. Edith Stein, Im verschlossenen Garten der Seele, Freiburg, Herder, 1998, 53.

[3] Murphy, Joseph, Die Macht Ihres Unterbewußtseins, 36. Aufl., Genf, Ariston, 1986.

[4] Freitag, Erhard F., Kraftzentrale Unterbewußtsein, München, Goldmann, 1998.

3 Peale, Norman Vincent, Die Kraft des positiven Denkens, Bergisch Gladbach: Bastei/Lübbe, 1986.

4 Carnegie, Dale, Sorge dich nicht - lebe!, 62. Aufl., München: Scherz, 1993.

5 Zur Esoterik, New Age und Suche des Individuums nach Hilfe vgl. Rotzetter, Anton, Neue Innerlichkeit, Mainz, Grünewald, 1992, 11-24. Zur Suche nach dem Sinn und dem Bedürfnis nach innerlicher Erfahrung durch New Age vgl. auch Margret Zimmermann, Spiritualität und Positives Denken, Zwei Lebenskonzepte im Vergleich. Eine empirische Studie (Diss.), Europäische Hochschulschriften Reihe 6 Bd. 500, Frankfurt, Lang, 1995, 1-16, hier:10f.

6 Oft mit heftiger Kritik an "der" Kirche, so z.B. Erhard F. Freitag, welcher der Kirche Angstmacherei der Gläubigen durch Drohungen vorwirft und sie für das Leid seelisch Kranker verantwortlich macht: vgl. Freitag, a.a.O., 248f. ; es ist hier nicht der Ort, auf diese pauschale antikirchliche Position näher einzugehen.

[9] vgl. Ebertz, Michael N., Kirche im Gegenwind. Zum Umbruch der religiösen Landschaft, 3. Aufl., Freiburg, Herder, 1999, insbes. 110f: Ebertz konstatiert eine wachsende Privatisierung, Individualisierung und Autozentrierung und Dispersion des Religiösen.

[10] besonders Murphy, Freitag.

[11] Murphy, a.a.O.

[12] Bandler, Richard u. Grindler, John, Neue Wege der Kurzzeit-Therapie, Neurolinguistische Programme, 10. Aufl., Paderborn, Junfermann, 1992.

[13] Leuner, Hanscarl, Lehrbuch des katathymen Bilderlebens, Grundstufe, Mittelstufe, Oberstufe, 2.Aufl., Bern, Huber, 1987.

[14] Auf eine ausführliche Begründung dieses Behandlungskonzeptes und eine Auseinandersetzung mit anderen psychotherapeutischen Schulen muß hier verzichtet werden; der Begriff "Unterbewußtsein" wird besonders von Murphy und Freitag benutzt, vgl. die Darstellung im Theoretischen Teil, während die verschiedenen tiefenpsychologischen Schulen vom "Unbewußten" sprechen. Hier werden beide Begriffe synonym gebraucht.

[15] Auf die Ressourcefunktion des Unbewußten in der Psychotherapie orientiert besonders die Hypnotherapie nach Milton Erickson, vgl. Peter, Burkhard, Hypnotherapie, in: Kraiker, Christoph u.a., Psychotherapieführer, 5. Aufl., München, Beck, 1998, 149-168, hier: 151f., 158.

[16] Duden Bd. 1, Rechtschreibung, 21. Aufl., Mannheim, Dudenverlag, 1996.

[17] Duden Bd. 7, Das Herkunftswörterbuch, 2.Aufl., Mannheim, Dudenverlag, 1989.

[18] Ebd.

[19] Pschyrembel, Wörterbuch Naturheilkunde, 2. Aufl., Berlin, de Gruyter, 2000

[20] "spirituell" soll im Unterschied zur rein psychotherapeutisch praktizierten Hypnosetherapie den Transzendenzbezug zu Gott als heilender Kraft deutlich machen und die Integration der religiösen Wirklichkeit im Rahmen der Hypnosetherapie verdeutlichen.

Im Kontext des therapeutischen Konzeptes des Verfassers und in Bezug auf die absolvierten Therapien, welche dieser Untersuchung zugrundeliegen, ist dieser inhärente Zusammenhang von Psychotherapie und Spiritualität auch dann gemeint, wenn das Adjektiv "spirituell" nicht explizit dem Substantiv "Hypnosetherapie" beigefügt ist. Einen Überblick über die vielfältigen Methoden unterschiedlicher hypnosetherapeutischer Konzepte sowie deren Inhalte findet sich bei: Svoboda, Tomas, Das Hypnosebuch. Individuelle Anwendungsformen für Selbsthilfe und therapeutische Praxis, München, Kösel, 1984; vgl. auch Scharl, Hubert, Moderne Hypnose-Techniken für Mediziner, 5. Aufl., München, Müller&Steinicke, 1992.

[21] Die Bezeichnung A, nachfolgend auch B und C dient dem Schutz der Anonymität der Patientinnen, die sich für die vorliegende Fallstudie dankenswerterweise zur Verfügung gestellt haben. Diese Bezeichungen finden sich auch im empirischen Teil dieser Arbeit, um damit die 3 Patientinnen zu unterscheiden und deren Aussagen zuordnen zu können.

[22] Die hier und nachfolgend wiedergegebenen subjektiven Erlebens- und Empfindungsbeschreibungen der Patientinnen entstammen den unmittelbar im Anschluß nach den durchgeführten Sitzungen vom Verfasser vorgenommenen Protokollen in den Patientendateien.

[23] In der Hypnose wurde eine sexuelle Mißbauchssituation durch den eigenen Vater offenbar, den die Patientin in der Regression wiedererlebte.

[24] vgl. auch die Fallbeschreibung » Besuch bei Gott« bei Leuner, a.a.O., 200: Eine KB (KB= Abkürzung für Katathymes Bilderleben) -Therapeutin begegnet dabei Gott in der Gestalt eines gelb gekleideten Mannes, der sich als Gott offenbart.

[25] seelisches Leiden wird hier als subjektiv gefühlsmäßig erfahrener Zustand wie z.B.Angst, mangelndes Selbstwertgefühl, Ohnmacht, fehlende Liebe verstanden; zur Genese von Leid aus beziehungstheologischer Sicht vgl. Pompey, Heinrich(Hg.), Theologisches Verständnis von Leben und Leiden, von Solidarität und Helfen-Ein caritativ-diakonisches Credo, in: Caritas- Das menschliche Gesicht des Glaubens, Studien zur Theologie und Praxis der Caritas und Sozialen Pastoral, Bd. 10, Würzburg, echter, 1997, 321-357, hier: 322-334: Pompey verdeutlicht die fundamentale Bedeutsamkeit und Wirkung einer tiefen Beziehungsstörung des Menschen mit Gott für seelisches Leid. Auf diese und andere Kausalitäten des Leids, welche für das tiefere Verständnis für die Nosologie von Bedeutung sind, braucht im vorliegenden Zusammenhang nicht weiter eingegangen zu werden.

[26] zum Kontext von Religiosität und psychischem Wohlbefinden vgl. Grom, Bernhard, Religionspsychologie, München, Kösel, 1992, 113ff. ; Benson hat den Begriff "erinnertes Wohlbefinden" geprägt, welches das Phänomen seelischen Wohlbefindens beschreibt, vgl. Benson, Herbert, Heilung durch Glauben, München, Heyne , 1997, 29ff.

[27] im Folgenden wird zur Vereinfachung statt "spiritueller Hypnosetherapie" der Begriff Hypnosetherapie verwendet, zumal dieser in der Literatur der üblich verwendete ist; vgl. auch oben, Fn 20.

[28] Kirche wird hier als das Gotteshaus verstanden, welches der Gläubige allein oder in der heiligen Messe aufsucht.

[29] Da alle 3 Patientinnen Katholikinnen sind , ist auch die Frage, ob die Kirche als Ort des Heils erfahren wird, interessant und relevant .

[30] Murken; Sebastian, Gottesbeziehung und psychische Gesundheit. Die Entwicklung eines Modells und seine empirische Überprüfung, Münster, Waxmann, 1998, 80.

[31] Vgl. Murken, ebd.

[32] Zur Unterscheidung von fides quae creditur ( Inhaltsaspekt des Glaubens ) und fides qua creditur (Beziehungsaspekt des Glaubens) vgl. ausführlich: Pompey, Heinrich, Beziehungstheologie- Das Zueinander theologischer und psychologischer "Wirk"-lichkeiten und die biblisch-theologische Kontextualisierung von Lebens- und Leidenserfahrungen. In: Ders.(Hg.), Caritas – Das menschliche Gesicht des Glaubens, Würzburg, echter, 1997, 92-127, hier: 106f.

[33] vgl. Pompey, a.a.O., 107

[34] ebd.

[35] Murphy, a.a.O., 107

[36] so der gleichnamige Titel des Buches, vgl. Murphy, a.a.O.; dem Leser soll dieses Lebenshilfebuch ermöglichen, sich von seelischem und körperlichen Leiden zu befreien, vgl ebd., 14.

[37] A.a.O., 22.

[38] Kursiv Gedrucktes in Zitaten ist Originaldruck bei den zitierten Autoren.

[39] a.a.O., 199.

[40] a.a.O., 33f.

[41] bei Murphy findet sich eine Fülle von Zitaten aus der Hl. Schrift, hier können nur einige exemplarisch zitiert werden.

[42] Ders., a.a.O., 176.

[43] a.a.O., 195.

[44] a.a.O., 15.

[45] a.a.O., 189.

[46] a.a.O., 15.

[47] a.a.O., 195.

[48] a.a.O., 21.

[49] vgl. a.a.O., 64.

[50] vgl. a.a.O.,107.

[51] a.a.O., 134.

[52] ebd.

[53] Vgl. a.a.O., 17.

[54] vgl. a.a.O., 64.

[55] vgl. a.a.O., 71.

[56] vgl. a.a.O., 62.

[57] vgl., a.a.O., 61.

[58] Bibelzitate bei Murphy, ebd.

[59] Ebd.

[60] Ebd.

[61] Ebd.

[62] Ebd.

[63] Lat. subgerere= von unten herantragen, einflüstern, vgl. Duden, Bd. 7, a.a.O.

[64] Vgl. a.a.O., 64.

[65] vgl. a.a.O., 38.

[66] a.a.O., 37.

[67] vgl. a.a.O., 38.

[68] ebd.

[69] Vgl. auch a.a.O., 88.

[70] Ebd.

[71] Vgl. auch a.a.O., 138.

[72] vgl. a.a.O., 91.

[73] a.a.O., 219.

[74] vgl. dazu a.a.O., 84ff.

[75] a.a.O, 141.

[76] ders., 16.

[77] Diese werden in diesem Zusammenhang nicht näher beschrieben; vgl. aber auch ders., 83.

[78] A.a.O., 15.

[79] ders., 23. ; auf eine ausführliche Auseinandersetzung mit dieser These kann hier im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden, vom christlichen Glauben her ist allerdings kritisch anzufragen, ob damit nicht Gott als der vom Betenden Angesprochene nach dem ausschließlichen Willen des Betenden instrumentalisert wird; wie kann der Betende wissen, ob sein Wunsch dem Willen Gottes entspricht ? Was ist, wenn Gott es besser weiß, was für den Betenden gut und heilsam ist ?

[80] a.a.O., 83f.

[81] Ders., 90.

[82] Ebd.; gegenüber dieser Verabsolutierung der Gesundheit in der Polarität von Gesundheit und Krankheit als sog. wahrer Seinszustanden sei hier kritisch hinterfragt, ob nicht auch Krankheit und Tod objektive Seins- Wirklichkeiten darstellen; die empirische Wirklichkeit zeugt von der Realität von Gesundheit, Krankheit und Tod als nicht von dem Menschen allein verfügbare Lebenswirklichkeiten; vgl. dazu ausführlich Schockenhoff, Eberhard, Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriß, 2. Aufl., Mainz, Grünewald, 1998, 215-221; Schockenhoff macht deutlich, daß das Leben nicht nur aus Gesundheit bestehen kann, sondern daß auch die Krankheit zum Leben gehört und wendet sich gegen eine utopistische Gesundheitsdefinition, welche auch der WHO-Definition zugrunde liegt, welche Gesundheit als den Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert.

[83] diese Affirmationen sind Teil einer Autosuggestion am Morgen, a.a.O., 176.

[84] a.a.O., 134; kritisch zu diesem Grundsatz der New Thought Bewegung, zu der auch Norman V. Peale gehört vgl. Grom, a.a.O., 142f., welcher die Verabsolutierung der "Kraft des Gebets" unter Umgehung des freien Willen Gottes dies als eine "eingeschränkte weiße Magie" umdeutet; zur Differenzierung zwischen "weißer Magie" und Religiosität vgl. Grom, a.a.O., 140f.; die Konzepte des Positiven Denkens und der Spiritualität hat Margret Zimmermann in einer vergleichenden empirischen Studie untersucht, vgl. dies., a.a.O.

[85] vgl. a.a.O., 172.

[86] ebd.

[87] Vgl. a.a.O., 171f.

[88] auf die vielfältigen Formen und Inhalte des Betens kann hier nicht näher eingegangen werden.

[89] So auch der Titel des gleichnamigen Buches von Freitag, a.a.O.

[90] vgl. Freitag, a.a.O., S. 15 (Vorwort)

[91] Murphy hat auf die Hypnose nur Bezug genommen, um die Wirksamkeit des subjektiven Glaubens des Hypnotisierten deutlich zu machen, hierfür referiert er Beispiele von Experimenten in der Hypnose, die andere durchgeführt hatten, vgl. Murphy, a.a.O., 64; insbesondere die Experimente Bernheims, a.a.O., 67f.; zuvor weist Murphy darauf hin, daß unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Heilung geführt hätten, und daß das allen gemeinsame Heilprinzip die universelle Heilkraft des Unterbewußtseins sei, vgl. a.a.O., 63f.; dagegen behauptet Freitag, daß Murphy Jahrzehnte mit Hypnose gearbeitet hätte, so als ob Murphy als Hypnotiseur sich betätigt habe; auf eine ausführlichere Kritik dieser voneinander abweichenden Befunde kann hier nicht näher eingegangen werden.

[92] Freitag, a.a.O., 15f.

[93] zur Kritik vom christlichen Glauben her vgl. Baumgartner, Isidor, Pastoralpsychogie, 1.Aufl., Düsseldorf, Patmos, 1990, 81; Baumgartner setzt darin der pantheistischen Selbsterlösungslehre der Transpersonalen Psychologie und Psychoreligionen den "Abstieg" Gottes zu den Menschen in Jesus Christus als Heiland entgegen; zur theologischen Differenzierung des schon anfanghaft angebrochen Gottesreiches und der anfanghaften Erlösung im Hier und Jetzt einerseits sowie der vollständigen Erlösung und Vollendung des Menschen als Individuum und der Menschheit durch Gott in der eschatologischen Endzeit vgl. Pompey unten, 4.3.a.E.

[94] Freitag, a.a.O., 48.

[95] a.a.O., 313.

[96] vgl. a.a.O., 108; das Wort Trance wird synonym für Hypnose benutzt.

[97] a.a.O., 108f.

[98] vgl. ders., 110.

[99] Vgl. ders., 114ff.

[100] A.a.O., 115.

[101] vgl. a.a.O., 239f.

[102] a.a.O., 125f.

[103] a.a.O., 150;vgl. auch ders., 186.

[104] Ders., 186; Freitag gibt grundsätzlich bei von ihm frei zitierten Textstellen weder den genauen Wortlaut noch die Fundstellen an; es ist unklar, ob hier Dtn 4,24:"Denn der Herr, dein Gott, ist verzehrendes Feuer." gemeint ist. In der Heiligen Schrift steht diese Stelle im Kontext mit dem Verbot, sich ein Gottesbild zu machen, vgl. Dtn 4, 23f.; sollte Freitag diese Bibelstelle meinen, so hat er sich jedenfalls eine sehr freie Interpretation angemaßt.

[105] a.a.O., 149.

[106] vgl. a.a.O., 190f.

[107] Freitag verwendet Trance und Hypnose synonym.

[108] Ders., 154.

[109] ebd.

[110] Vgl. Freitag, a.a.O., 161f.

[111] a.a.O., 172.

[112] a.a.O., 171f.

[113] vgl. a.a.O., 191.

[114] Ebd.

[115] Freitag, a.a.O., 201.

[116] Vgl. ders., 218.

[117] Vgl. ders., 269.

[118] vgl. ders., 270f.

[119] Ders., 279.

[120] Freitag, a.a.O., 231f.

[121] ders., 234.

[122] Dieses Heilssakrament wird in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes durch das II. Vaticanum folgendermaßen beschrieben, nach der die Kirche "...in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" ist. Vgl. GS (42) , zit. n. Rahner, Karl u. Vorgrimler, Herbert, Kleines Konzilskompendium, 27. Aufl., Freiburg, Herder, 1966.

[123] Freitag, a.a.O., 247ff.

[124] ders., 249.

[125] vgl. das gleichnamige Buch von Benson, a.a.O. im Titel.

[126] Benson, a.a.O., 22.

[127] Ders., 37.

[128] Ders. 133.

[129] Ders., 26.

[130] Ders., 358.

[131] vgl. ders., 27.

[132] Vgl. ders., 235.

[133] a.a.O., 237; auf eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesem biologistischen Ansatz kann hier nicht weiter eingegangen werden.

[134] A.a.O., 239.

[135] Ebd.

[136] Ebd.

[137] Zit. n. Benson, a.a.O., 192.

[138] vgl. Benson, ebd.

[139] Ders., 193.

[140] Zit. n. Benson, ebd.

[141] A.a.O., 24.

[142] Ders., 265.

[143] Ebd.

[144] A.a.O., 279.

[145] Ders., 133.

[146] Ders., 264.

[147] Ders., 21.

[148] Ebd.

[149] Vgl. Benson, a.a.O., 115.

[150] Ders., 243.

[151] Ders., 97.

[152] vgl. ders., 111.

[153] Ders., 112.

[154] Vgl. a.a.O., 17.

[155] Ebd.

[156] Vgl. ders., 166.

[157] Vgl. a.a.O., 161.; als weitere Methoden kommen auch die Hypnose und das Katathyme Bilderleben n.Leuner in Betracht, welche dieselben physiologischen Veränderungen der Parameter Herz- und Atemfrequenz sowie Stoffwechsel aufweisen.

[158] vgl. Benson, a.a.O., 238.

[159] Vgl. Benson, a.a.O., 181.

Ende der Leseprobe aus 168 Seiten

Details

Titel
Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Caritaswissenschaft und Christliche Sozialarbeit)
Note
1,6
Autor
Jahr
2000
Seiten
168
Katalognummer
V1756
ISBN (eBook)
9783638110778
ISBN (Buch)
9783640908608
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ressource, Heilkraft, Glaubens, Psychotherapie
Arbeit zitieren
Axel Landwehr (Autor), 2000, Ressource und Heilkraft des Glaubens in der Psychotherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1756

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