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Entwicklungsgeschichte und Perspektiven innerhalb der Phasen der Rogerianischen Psychotherapie

Eine Genese der Wertschätzung

Title: Entwicklungsgeschichte und Perspektiven innerhalb der Phasen der Rogerianischen Psychotherapie

Thesis , 2021 , 33 Pages

Autor:in: Benjamin Gsaxner (Author)

Psychology - Consulting and Therapy
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Was sind die charakteristischen Merkmale der drei Rogerianischen Phasen?
Wie haben sich das Verständnis und die Bedeutung von Wertschätzung in den unterschiedlichen Phasen über die Zeit verändert?

Gerade wegen der aktuellen Bedeutung der Wertschätzung, wird der Fokus dieser Arbeit auf die Ursprünge und die Entwicklung dieser therapeutischen Bedingung gelegt. Eine Auseinandersetzung mit der Entwicklungsgeschichte anhand von drei ausgewählten Standardwerken von Rogers, soll den Prozess der Wertschätzung umfassend, so wie er bei Rogers gemeint war, nachvollziehen. Die Literaturauswahl wird sich an bestimmten Punkten der Phasen des Rogerianischen Ansatzes orientieren. Dafür ist beginnend eine Darstellung der Rogerianischen Phasen notwendig. Anschließend und darauf aufbauend wird für die Analyse der Wertschätzung jeweils ein Werk aus einer Phase herangezogen: Die Nicht-direktive Beratung (Rogers, 1942/2010), die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie (Rogers, 1951/2021) und Entwicklung der Persönlichkeit (Rogers, 1961/1983).

Um die Perspektiven und die Entwicklungen zur Wertschätzung innerhalb des Rogerianischen Ansatzes erfassen und vergleichen zu können, werden methodisch systematisch-hermeneutische Literaturanalysen durchgeführt. Die Unterscheidung und Darstellung von drei Rogerianischen Phasen bilden den Anfang und den Rahmen für die weitere Analyse der Wertschätzung. Danach erst werden die ausgewählten Werke unter dem Fokus der ersten forschungsleitenden Frage analysiert. Nach der jeweiligen Analyse zur Bedeutung von Wertschätzung, kann die zweite Forschungsfrage behandelt werden. Dabei werden schließlich mögliche Veränderungen von Perspektiven oder Schwerpunkten über die Zeit herausgearbeitet. Es folgen zuerst eine eingehende Begründung für die Literaturauswahl und eine darstellende Einführung in die Phasen des Rogerianischen Ansatzes.

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Inhaltsverzeichnis

1.Prolog

2.Arbeitskonzept und Einleitung

3.Drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie. Ein ideengeschichtlicher Rahmen für die Analyse

3.1. Nicht-direktive Phase

3.2.Klientenzentrierte Phase

3.3 Personzentrierte Phase

4.Analyse

4.1 Wertschätzung in der nicht direktiven Phase

4.2 Wertschätzung in der klientenzentrierten Phase - Entwicklung der unbedingte positiven Beachtung

4.2.1 Wertschätzung in der Klientenzentrierten Psychotherapie bis 1951

4.2.2 Wertschätzung in der klientenzentrierten Phase als unbedingte positive Beachtung nach 1951

4.3 Wertschätzung in der personzentrierten Phase

5.Fazit und Diskussion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das primäre Ziel dieser wissenschaftlichen Abschlussarbeit besteht darin, die Genese und den Bedeutungswandel der therapeutischen Bedingung der Wertschätzung über die drei Entwicklungsphasen der Rogerianischen Psychotherapie hinweg hermeneutisch nachzuzeichnen. Die leitenden Forschungsfragen untersuchen, welche charakteristischen Merkmale die drei Phasen des Rogerianischen Ansatzes aufweisen und wie sich das theoretische Verständnis sowie die praktische Funktion von Wertschätzung von den 1940er-Jahren bis hin zur personzentrierten Phase verändert und ausdifferenziert haben.

  • Ideengeschichtliche Rekonstruktion der drei Phasen: nicht-direktive Phase, klientenzentrierte Phase und personzentrierte Phase
  • Begriffs- und Konzeptentwicklung von der gewährenden Haltung über die unbedingte positive Beachtung bis zur geforderten therapeutischen Echtheit
  • Theorie der Persönlichkeit und des Verhaltens anhand der 19 Thesen von Carl Rogers sowie das Pathologiemodell der Inkongruenz
  • Der Beitrag von Stanley W. Standal zur Konzeptualisierung des Bedürfnisses nach positiver Beachtung und positiver Selbstbeachtung
  • Spannungsfeld zwischen klassischen beziehungszentrierten und postklassischen, störungsspezifischen Weiterentwicklungen des Ansatzes

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Wertschätzung in der Klientenzentrierten Psychotherapie bis 1951

Das Kapitel, Der Prozess der Therapie (Rogers 1951a/2021, S.131–186) beginnt mit umfassenden Forschungsergebnissen, die den Prozess der Therapie bzw. die Veränderungen beim Klienten hinreichend belegen. So halbieren sich etwa gegen Ende der Therapie die negativen Gefühle gegenüber dem Selbst, die positiven Selbstbezüge verdoppeln sich in etwa. Inhalte zum Thema Zukunftspläne sowie die Gedanken, die mit der ‚Einsicht in das Selbst‘ operationalisiert werden konnten, verdreifachen sich (ebd. S.132). Für die Wertschätzung interessant ist, dass im Verlauf des therapeutischen Prozesses insgesamt eine wachsende Tendenz hin zu der Akzeptierung des Selbst festgestellt wurde.

Die belegte Veränderung im Prozess bezieht sich hier auf die Wertschätzung des Klienten sich selbst gegenüber. Die grundlegendste Veränderung, gibt Rogers (1951a/2021, S.137) an, findet wahrscheinlich darin statt, das sich der Klient selbst anders wahrnimmt. Dass die Akzeptierung des Selbst durch die Wertschätzung des Therapeuten gefördert wird, wurde bereits in der nicht-direktiven Phase festgehalten. Wie sich das Anerkennen und Akzeptieren an dieser Stelle auswirkt beschreibt Rogers sinngemäß folgenderweise: In einer Atmosphäre der Sicherheit, in der reife Einstellungen sowie auch mehr oder weniger vage Wahrnehmungen von Widersprüchen gleichermaßen akzeptiert werden, entspannen sich die festen Grenzen der Selbstorganisation. Hier ist es vielleicht zum ersten Mal möglich widersprüchliche Erfahrungen zu betrachten und in die Selbststruktur zu integrieren. Das ist in der Tat bedrohlich und vorübergehend zieht sich das Selbst häufig in seine frühere gewohnte Struktur zurück bevor es langsam und vorsichtig, diese widersprüchlichen Erfahrungen in eine neue und revidierte Struktur aufnimmt. Es ist ein Prozess der Desorganisation und der Reorganisation.

Die Akzeptanz in der therapeutischen Beziehung erweist sich offenbar als zentrale Bedingung für die therapeutische Veränderung. Interessant ist hier die Wirkungsweise der Wertschätzung des Therapeuten bzw. der therapeutischen Beziehung. Dabei entspannt sich offenbar die Selbststruktur des Klienten und ermöglicht so die Integration von neuen bzw. bisher noch nicht wahrgenommenen Aspekten des Selbst. Durch Achtung und Akzeptanz wird eine Veränderung der Werte des Selbst ermöglicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Prolog: Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen und Lernprozesse während der Psychotherapieausbildung und begründet seine Schwerpunktsetzung auf die therapeutische Haltung der Wertschätzung.

2.Arbeitskonzept und Einleitung: Dieses Kapitel führt in den terminologischen Rahmen rund um das Konzept der Wertschätzung ein, skizziert dessen Relevanz in der aktuellen Fachliteratur und formuliert die beiden forschungsleitenden Fragestellungen.

3.Drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie. Ein ideengeschichtlicher Rahmen für die Analyse: Das Kapitel strukturiert die Entwicklung der Schule historisch in die nicht-direktive, die klientenzentrierte und die personzentrierte Phase und erläutert zentrale theoretische Modelle wie die Aktualisierungstendenz, die 19 Thesen zur Persönlichkeitstheorie sowie die notwendigen und hinreichenden Bedingungen.

4.Analyse: Anhand dreier Hauptwerke von Carl Rogers wird detailliert analysiert, wie sich Begriff, Stellenwert und Funktion der Wertschätzung über die Jahrzehnte von der nicht-direktiven Beratung bis hin zur Haltung der Echtheit und unbedingten Beachtung gewandelt haben.

5.Fazit und Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst den Entwicklungsbogen der Wertschätzung zusammen, ordnet deren Rolle als zentralen heilenden Faktor ein und diskutiert das Spannungsverhältnis zwischen klassischen und postklassischen Ansätzen in der gegenwärtigen Psychotherapielandschaft.

Schlüsselwörter

Wertschätzung, Unbedingte positive Beachtung, Carl Rogers, Personzentrierte Psychotherapie, Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Nicht-Direktivität, Kongruenz, Empathie, Selbstkonzept, Aktualisierungstendenz, Inkongruenz, Stanley W. Standal, Positive Selbstbeachtung, Beziehungserfahrung, Humanistische Psychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Abschlussarbeit im Wesentlichen?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte und den theoretischen Perspektiven der Wertschätzung innerhalb der drei historischen Hauptphasen der Rogerianischen Psychotherapie.

Welche zentralen Themenfelder werden in dem Dokument behandelt?

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die Differenzierung der drei Phasen Rogerianischer Therapie, Rogers’ Persönlichkeits- und Inkongruenztheorie, die sechs notwendigen und hinreichenden Bedingungen sowie der Wandel der Wertschätzung von einer Beziehungsstruktur hin zu einem heilenden Wirkfaktor.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Untersuchung analysiert erstens die charakteristischen Merkmale der drei Phasen Rogerianischer Psychotherapie und zweitens, wie sich das Verständnis und die Bedeutung von Wertschätzung über diese Phasen hinweg gewandelt haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung herangezogen?

Die Arbeit stützt sich methodisch auf eine systematisch-hermeneutische Literaturanalyse dreier ausgewählter Standardwerke von Carl Rogers aus den Jahren 1942, 1951 und 1961 sowie relevanter Sekundärliteratur.

Was wird im analytischen Hauptteil dargelegt?

Im Hauptteil wird die Wertschätzung separat für jede der drei Phasen analysiert: zunächst als gewährende und strukturierte Haltung (1942), anschließend als prozesshafte unbedingte positive Beachtung und Befriedigung eines existenziellen Bedürfnisses (1951/1954) sowie schließlich im Verbund mit therapeutischer Echtheit und Beziehungswärme (1961).

Welche Schlüsselbegriffe kennzeichnen den theoretischen Rahmen der Arbeit?

Prägende Fachbegriffe sind Wertschätzung, unbedingte positive Beachtung, positive Selbstbeachtung, Inkongruenz, Aktualisierungstendenz, Kongruenz und Empathie.

Welche Rolle spielte Stanley W. Standal bei der Begriffsfindung der Wertschätzung?

Standal entwickelte in seiner Dissertation von 1954 das Konzept der „unbedingten positiven Beachtung“ (unconditional positive regard) sowie die Hypothese zum Bedürfnis nach positiver Beachtung und Selbstbeachtung, was Rogers ab 1957 direkt in seine Therapietheorie übernahm.

Wie verändert sich der Stellenwert von Wertschätzung im Verhältnis zur Kongruenz in der Spätphase?

In der personzentrierten Spätphase betont Rogers, dass Echtheit bzw. Kongruenz die grundlegendste Bedingung darstellt, da Wertschätzung und Einfühlung für den Klienten nur dann entwicklungsfördernd wirken, wenn sie vom Therapeuten vollkommen aufrichtig und ohne Fassade empfunden werden.

Wie unterscheidet Bozarth zwischen klassischen und postklassischen personzentrierten Ansätzen?

Klassische Zugänge stellen die therapeutische Beziehung und die unbedingte positive Beachtung als hinreichenden Heilungsfaktor in das Zentrum, während neuere postklassische Richtungen (wie z. B. emotionsfokussierte Therapien) zusätzliche theoriespezifische Interventionen betonen, wodurch die Wertschätzung mitunter in den Hintergrund rückt.

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Details

Title
Entwicklungsgeschichte und Perspektiven innerhalb der Phasen der Rogerianischen Psychotherapie
Subtitle
Eine Genese der Wertschätzung
Author
Benjamin Gsaxner (Author)
Publication Year
2021
Pages
33
Catalog Number
V1756018
ISBN (PDF)
9783389202951
ISBN (Book)
9783389202968
Language
German
Tags
entwicklungsgeschichte perspektiven phasen rogerianischen psychotherapie eine genese wertschätzung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin Gsaxner (Author), 2021, Entwicklungsgeschichte und Perspektiven innerhalb der Phasen der Rogerianischen Psychotherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1756018
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