Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Das Flexionsmorphem -hAt
2.1 Morphophonologische Eigenschaften
2.2 Morphologische Eigenschaften
2.3 Semantische Eigenschaften des -hAt Flexionsmorphems
2.3.1. Epistemische Möglichkeit
2.3.2 Deontische Möglichkeit
2.3.3 Buletische Möglichkeit
2.3.4 Dispositionale Möglichkeit
2.3.5 Zirkumstantionale Möglichkeit
2.3.6. Faktitive Möglichkeit
2.3.7 Existentielle Möglichkeit

3 Das Hilfsverb lehet
3.1 Morphologische Eigenschaften
3.2 Semantische Eigenschaften
3.2.1 Deontische Möglichkeit
3.2.2 Buletische Möglichkeit
3.2.3 Dispositionale Möglichkeit
3.2.4 Zirkumstantionale Möglichkeit
3.2.5 Existentielle Möglichkeit

4 Die [Vtrans -hAt -Ó]-Konstruktion
4.1 Morphologische Eigenschaften
4.2. Semantische Eigenschaften der [Vtrans -hAt -Ó]-Konstruktion
4.2.1 Deontische Möglichkeit
4.2.2 Dispositionale Möglichkeit
4.2.3 Zirkumstantionale Möglichkeit
4.2.4 Existentielle Möglichkeit

5 Zusammenfassung

6 Literaturangabe

Liste der in den Glossen verwendeten Zeichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen

Die vorliegende Arbeit untersucht die morphologischen und die semantischen Eigenschaften des ungarischen -hAt Morphems, das sowohl in seiner Form als auch in seiner modalen Bedeutung polyfunktional ist. Auf der formalen Ebene kann es mit Verben zur Bildung von flektierten Verbformen und Partizipien verbunden werden, beziehungsweise mit dem Kopulaverb in lexikalisierter Form erscheinen. Auf der semantischen Ebene können mit diesem Morphem die unterschiedlichsten Bedeutungen der Möglichkeit ausgedrückt werden (epistemisch, deontisch, buletisch usw.), die in den drei Anwendungsformen variieren. Durch die Kombination der Formen und der möglichen Bedeutungen ergibt sich ein reicher Anwendungsbereich des -hAt Morphems.

Die Grundlage der Beschreibung bildet die Arbeit von Kiefer (2005), die die modalen Ausdrucksmöglichkeiten des Ungarischen, insbesondere das flexivisxhe -hAt Morphem tiefgehend untersucht. Die Beispielsätze - bis auf wenige, selbst konstruierte - stammen aus dem Ungarischen Nationalkorpus (Magyar Nemzeti Korpusz). Neben den Beispielsätzen stehen immer die eigenen Übersetzungen.

1 Einführung

Das -hAtMorphem kann im Ungarischen in drei Formen erscheinen: im verbalen Bereich als Flexionmorphem (z.B. ung. olvashat, dt. er darf lesen) und lexikalisiert mit dem Kopulaverb in Infinitivkonstruktion (z.B. ung. el lehet olvasni, dt. das kann man lesen), beziehungsweise im partizipialen (nach einigen Auffassungen adjektivischen) Bereich zur Bildung von passiven Partizipien (z.B. ung. olvashat ó, dt. leserlich/lesbar).

Die formalen Eigenschaften stehen in enger Verbindung mit den möglichen Bedeutungen. Aus diesem Grund wird in der Arbeit der Bedeutungsumfang des Morphems ausgehend von den morphologischen Formen beschrieben.

2 Das Flexionsmorphem -hAt

2.1 Morphophonologische Eigenschaften

Das ungarische -hAt Morphem verfügt über zwei Allomorphe: - hat und - het. Das entsprechende Morphem wird aufgrund den Regeln der Vokalharmonie dem Stamm hinzugefügt: zu Stämmen mit dunklen oder gemischten Vokalen wird das ebenso dunkle - hat, zu denen mit hellen Vokalen wird das helle - het gefügt. Das gilt auch für die partizipiale Form -hAtÓ mit den Allomorphen: - hat ó und - het ő. Zum Beispiel: dunkle Vokale: ung. olvas, olvashat, olvashat ó; dt. lesen, er darf lesen, lesbar vs. helle Vokale: ung. eszik, ehet, ehet ő; dt. essen, er darf essen, essbar.

2.2 Morphologische Eigenschaften

In der Fachliteratur gibt es eine Debatte darüber, ob das -hAt Morphem als verbale Flexionsmorphem zu betrachten ist. Die Diskussion geht um die Frage, ob das -hAt Morphem ein Flexions- oder Wortbildungssuffix mit modaler Bedeutung ist, oder ob es ein Kompositumsglied ist. Das letztere scheint aufgrund der Nicht-Selbstständigkeit des Morphems inakzeptabel zu sein, aber die Entscheidung zwischen flexivischem und derivationellem Wesen ist problematischer.

Bei der weiteren Beschreibung möchte ich mich der Mehrheit schließen (z.B. Kiefer 2000, É- Kiss/Kiefer/Siptár 2003), und das -hAt Morphem als Flexionsmorphem behandeln. Der entscheidende Punkt dabei ist die Reihenfolge der Morpheme, denn im Ungarischen ist die Reihenfolge der zum Stamm gefügten Morpheme funktional streng festgelegt. Nach dem Wortstamm können zuerst die Derivationsmorpheme erscheinen, denen die die Flexionsmorpheme folgen - nicht aber umgekehrt. Die Reihenfolge ist immer: Wortstamm + Derivationssuffix(e) + Flexionssuffix(e) - wobei die einzelnen Suffixe natürlich nicht obligatorisch sind, bzw. auch gehäuft vorkommen können:

(1) olvas-hat-ok

lesen-POT- Präs.1.P.Sg. Ich darf lesen.

(2) olvas-gat-hat-t-unk

lesen-Iterativ-POT-Prät-1.P.Sg. Wir dürfen lesen. (iterativ)

Am Beispiel (1) kann man beobachten, dass dem -hAt Morphem ein anderes Flexionsmorphem folgt. In dem Beispiel (2) dagegen gibt es vor dem -hAt Morphem, direkt nach dem Verbstamm auch ein Wortbildungsmorphem zum Ausdruck der Iterativität. Diesem Derivationsmorphem folgen alle anderen Flexionsmorpheme, die zum Ausdruck von Tempus, Person und Numerus dienen - und zum Ausdruck von Modalität. Ein Derivationsmorphem geht einem Flexionsmorphem immer voraus.

Den Flexionsstatus bestätigt die Tatsache, dass das -hAt Morphem besonders produktiv, und mit allen Verben kombinierbar ist, und die Bedeutung der mit -hAt versehenen Verben immer kompositional ist (zu der Argumentation É-Kiss/Kiefer/Siptár 2003 S. 227 f). Im Weiteren gehen wir davon aus, dass das -hAt Morphem als Flexionsmorphem dem Ausdruck der Möglichkeit dient.

2.3 Semantische Eigenschaften des -hAt Flexionsmorphems

In dem folgenden Teil der Arbeit stelle ich die Bedeutungen des -hAt Morphems nach Kiefer (2005) dar. Hier ist anzumerken, dass Kiefer (2005) zwei Grundtypen der Modalität unterscheidet, den epistemischen und den dynamischen Modalbereich. Die epistemische Modalität bildet an sich ihre eigene Subkategorie, im Gegensatz dazu ist die dynamische Modalität in vier weiteren Kategorien geteilt: deontisch, buletiv, dispositional und zirkumstantional. Insgesamt nimmt also Kiefer (2005) im verbalen Bereich des -hAt Morphems fünf Kategorien an.

2.3.1. Epistemische Möglichkeit

Die epistemische Möglichkeit basiert auf den Kenntnissen des Sprechers, die für die aktuelle Situation relevante Informationen liefern, und es ermöglichen auf eine bestimmte Proposition zu schließen, Annahmen bezüglich der Proposition zu formulieren.

(3) Hiszen a vitat-ott pénz talán már régen megérkez-het-ett volna, ha kerékpár-os futár visz-i.

ja das fragen-Part.Perf. Geld vielleicht schon lange ankommen-POT-Prät.3.P.Sg. EKOND wenn Fahrrad-WBM.Adj. Bote austragen-Präs.3.P.Sg.

Das fragliche Geld hätte schon lange ankommen können, wenn es der Fahrradkurier austrägt.

(4) Béla mélyen al-hat.

Béla sehr schlafen-POT.Präs.3.P.Sg.

Béla mag/kann/darf/muss tief schlafen.

In den verbal ausgedrückten epistemischen Bedeutungen ist das Ungarische nicht so reich wie das Deutsche. Das -hAt Morphem kann keine Wahrscheinlichkeitsstufen ausdrücken (zu der unspezifischen Wahrscheinlichkeit vgl. Beispielsatz 4). Die ungarischen Modalverben (z.B. szabad, dt. d ü rfen; ung. tud, dt. k ö nnen) besitzen auch keine epistemische Lesart. Die Stufen der Wahrscheinlichkeit und die der persönliche Einschätzung des Sprechers kann ausschließlich mit modalen Adverbien ausgedrückt werden (z.B. ung. tal á n, dt. vielleicht). In solchen Fällen kann aber das flektierte Verb nie mit dem modalen -hAt Morphem versehen werden, ein modales Adverb und das -hAt Morphem sind in einem Kontext nicht kompatibel:

(5) Béla talán mélyen alszik.

Béla vielleicht tief schlafen-Prät.3.P.Sg.

Béla mag tief schlafen.

(6) Béla biztosan mélyen alszik.

Béla bestimmt tief schlafen-Präs.3.P.Sg. Béla muss tief schlafen.

2.3.2 Deontische Möglichkeit

Unter deontischer Modalität werden die Normen, Regeln, Konventionen bzw. Erwartungen des Sprechers verstanden, die auf die jeweilige Tätigkeit Auswirkung haben. Die deontische Möglichkeit drückt aus, dass ein Sachverhalt diesen Faktoren entspricht.

(7) A beteg lefekvés előtt már nem e-het, legfeljebb kevés teát vagy limonádét ihat.

der Kranke Schlafengehen vor schon nicht essen-POT.Präs.3.P.Sg. höchstens wenig Tee-Akk. oder Limonade-Akk. trinken-POT.Präs.3.P.Sg.

Der Kranke darf vor dem Schlafen nicht mehr essen, er darf höchstens ein wenig Tee oder Limonade trinken.

(8) A 6 év-nél fiatal-abb-ak és a 65 év-es-nél idős-ebb-ek ingyenes-en utaz-hat-nak a magyarorország-i belföld-i busz- és vonat-járatokon.

die 6 Jahr-Komp. jung-Komp. und die 65 Jahr-WBM.Adj.-Komparativus als-Komparativ kostenlos-WM.Adv. fahren-POT-Präs.Ind.3.P.Pl. die Ungarn-WM.Adj. Inland-WM.Adj. Bus und Zuglinie-Pl.-Sue.

Passagiere unter 6 und über 65 Jahren können auf den ungarischen inländischen Bus- und Zuglinien kostenlos fahren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Deutsche Sprache und Linguistik)
Veranstaltung
Modus und Modalität
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V175609
ISBN (eBook)
9783640966554
ISBN (Buch)
9783640966752
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ungarisch, Modalität, modality, Hungarian, agglutinierend, Modus
Arbeit zitieren
Kornel Kovacs (Autor), 2011, Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175609

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