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Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks nach dem Aufsatz von Norman Malcolm: „Wittgensteins ‚Philosophische Untersuchungen‘“

Title: Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks nach dem Aufsatz von Norman Malcolm: „Wittgensteins ‚Philosophische Untersuchungen‘“

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 11 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: M.A. Oliver Härtl (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks

1. Unmöglichkeit einer Privatsprache über Empfindungen

Was Wittgenstein unter einer Privatsprache versteht, stellt er in PU 243 vor. 1 Doch, so stellt sich die Frage, ist es überhaupt möglich, so etwas wie eine Privatsprache widerspruchsfrei zu denken? Dabei ist zunächst zu fragen, wie die neuen, den anderen Menschen in ihrem Inhalt unzugänglichen, Begriffe der Privatsprache zustande kommen sollen. Die gängige These, eine Person verbinde seine private Empfindung einfach mit einem Wort aus der Sprache der Sprachgemeinschaft, das nun für diese Person exklusiv als Name ihrer Empfindung arbeitet und einen Begriff ihrer Privatsprache bildet, scheidet aus. Denn der Ausdruck „ich habe Schmerzen“ bezeichnet dann zwar mein ganz privates Schmerzempfinden, aber eben in einem für die Sprechgemeinschaft dennoch verständlichen Ausdruck. Könnte es wirklich Privatsprache geben, so dürfte dies nach PU 243 nicht der Fall sein. D.h. zu einer Privatsprache gelangt man nicht, indem man von einer natürlichen Sprache ausgeht, sodann ihre Begriffe für Empfindungen inhaltlich entleert und diese schließlich als Namen für seine privaten Empfindungen einsetzt. Wenn man so vorgeht, bleibt immer noch ein Allgemein-verständliches über, ja sogar vorausgesetzt für eine Privatsprache. Es ist nämlich nicht mit dem bloßen im eigenen Geist vorgenommenen Assoziieren einer bestimmten Empfindung mit einem inhaltlich entleertem Wort getan, um dieses Wort durch konsequente Verbindung mit der bestimmten Empfindung zu deren Namen zu machen. Man setzt in einem solchen Akt Eines bereits voraus, nämlich einen Begriff davon, was es allgemein verständlich heißt, eine Empfindung zu haben. Man setzt einen vorausliegenden, inhaltlich bereits erfüllten Empfin-dungsbegriff voraus. Ich weiß demnach bereits, was es bedeutet, eine Empfindung zu haben. Konsequenterweise darf sich eine Privatsprache gar keiner gemeinverständlichen Sprach-
elemente bedienen. 2
Dennoch ist der Gedanke von der Existenz einer Privatsprache durchaus intuitiv. So liegt es vielen Menschen nahe, die Außenwelt als Konstruktion des erkennenden Individuums zu
_______________________________________
1 vgl. Wittgenstein: PU 243: „[...] Die Wörter dieser Sprache sollen sich auf das beziehen, wovon nur der Sprechende wissen kann; auf seine unmittelbaren, privaten Empfindungen. Ein anderer kann diese Sprache also nicht verstehen.“
2 vgl. Malcolm: Über Ludwig Wittgenstein, 9 f.;

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks

1. Unmöglichkeit einer Privatsprache über Empfindungen

2. Regel einer Privatsprache und Empfindungen anderer

3. Empfindungswort als Ausdruck und Kriterium einer Empfindung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht auf Basis des Aufsatzes von Norman Malcolm Wittgensteins Konzeption des verbalen Empfindungsausdrucks und setzt sich kritisch mit der Möglichkeit einer Privatsprache sowie der Bedeutung von Empfindungsworten in öffentlichen Sprachspielen auseinander.

  • Widerlegung der Existenz einer Privatsprache
  • Bedeutung der öffentlichen Praxis für Regelbefolgung
  • Verhältnis von Empfindungswort zu natürlichem Ausdruck
  • Kriterium vs. Symptom für Empfindungen
  • Verankerung von Sprache in menschlichen Lebensformen

Auszug aus dem Buch

3. Empfindungswort als Ausdruck und Kriterium einer Empfindung

Wie beziehen sich Worte auf Empfindungen, wie lernt ein Mensch die Bedeutung der Namen für seine Empfindungen? In Ablehnung der Vorstellung von einer Privatsprache bringt Wittgenstein seine Konzeption in PU 244 zum Ausdruck. Worte für Empfindungen werden an Stelle des Benehmens gebraucht, das der natürliche Ausdruck der jeweiligen Empfindung ist. Der Mensch heftet seine Aufmerksamkeit nicht auf eine bestimmte Empfindung, um sie mit einem Wort zu benennen. Auch beziehen sich Empfindungsworte nicht auf den natürlichen Empfindungsausdruck. Vielmehr werden die Worte mit den natürlichen Empfindungsausdrücken verknüpft, um diese zu ersetzen.

Die erfolgreiche Verknüpfung zeigt sich nach außen dadurch, daß anfangs die Äußerung eines Empfindungswortes mit einem natürlichen Ausdruck dieser Empfindung zusammen erfolgt. Ist dieser Beweis für das Verstehen des Wortes der Außenwelt gegenüber erbracht (z.B. in der Ontogenese des Menschen beim Kleinkind gegenüber den Eltern), so kann fortan das Wort auch ohne die Unmittelbarkeit des natürlichen Ausdrucks verwendet werden. Jedoch bedarf es umgekehrt natürlich auch einer Reaktion der Sprechgemeinschaft auf das geäußerte Empfindungswort. Diese muß die selbe sein, die zuvor auf den natürlichen Ausdruck erfolgt ist. Nur so wird dem Verwender des Empfindungswortes der Beweis erbracht, daß fortan das Wort allein als neues Kriterium für seine Empfindung gilt und seinen natürlichen Ausdruck ersetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks: Einleitende Betrachtung zur Themenstellung und dem Fokus auf die Analyse Wittgensteins durch Norman Malcolm.

1. Unmöglichkeit einer Privatsprache über Empfindungen: Darstellung der Argumentation, warum eine rein private Sprache widerspruchsfrei nicht denkbar ist, da ihr der öffentliche Maßstab fehlt.

2. Regel einer Privatsprache und Empfindungen anderer: Untersuchung der Problematik privater Regeln und der daraus resultierenden Konsequenz eines strengen Solipsismus, der die Sprache überflüssig macht.

3. Empfindungswort als Ausdruck und Kriterium einer Empfindung: Erklärung, wie Empfindungsworte das natürliche Benehmen ersetzen und als öffentliches Kriterium innerhalb von Lebensformen fungieren.

Schlüsselwörter

Ludwig Wittgenstein, Norman Malcolm, Privatsprache, Empfindungsausdruck, Regelbefolgung, Sprachspiel, Kriterium, Symptom, Lebensform, Solipsismus, Sprachphilosophie, Schmerzbenehmen, öffentliche Praxis, Bedeutung, Philosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung von Ludwig Wittgensteins Sprachphilosophie, speziell seinem Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks und der Zurückweisung der Privatsprachen-Hypothese.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Unmöglichkeit privater Sprachregeln, die soziale Verankerung von Sprache, das Verhältnis von Schmerzäußerungen zu natürlichem Ausdruck und das Konzept von Kriterien für Empfindungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, basierend auf Norman Malcolms Interpretationen darzulegen, warum die Vorstellung einer rein privaten Sprache scheitern muss und wie Empfindungsworte als öffentliche Kriterien in sozialen Lebensformen funktionieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen" (PU) anhand von Norman Malcolms Aufsatz kritisch interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Widerlegung der Privatsprache, die Bedeutung öffentlicher Praxis für die korrekte Regelbefolgung und die Etablierung des Empfindungswortes als Ersatz für natürliches Verhalten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Privatsprache, Sprachspiel, Lebensform, Kriterium, Regelbefolgung und Empfindungsausdruck charakterisiert.

Warum kann es laut Wittgenstein keine private Regel geben?

Weil eine Regel eine Praxis erfordert, die sich nur durch eine öffentliche Übereinstimmung (das "in derselben Weise fortfahren") definieren lässt; privat wäre der Glaube, die Regel zu befolgen, von der tatsächlichen Befolgung nicht unterscheidbar.

Was unterscheidet ein "Kriterium" von einem "Symptom" in diesem Kontext?

Ein Kriterium ist durch Definition festgelegt und dient als Kriterium für das Vorliegen einer Empfindung, während ein Symptom auf einer Erfahrung beruht, die eine regelmäßige Verbindung zwischen zwei Dingen lehrt.

Inwiefern führen private Empfindungsworte zum Solipsismus?

Wenn ein Begriff einer Empfindung nur aus einem subjektiven Erlebnis gewonnen wird, das keinem anderen zugänglich ist, kann über diese Empfindung nicht kommuniziert werden, was in einem theoretischen Solipsismus endet.

Wie lernt ein Kind den Gebrauch von Empfindungsworten?

Durch die Verknüpfung von Worten mit natürlichem Schmerzbenehmen (z.B. Schreien) und der anschließenden Ersetzung dieses Benehmens durch verbale Äußerungen, die in der Sprechgemeinschaft eine entsprechende Reaktion hervorrufen.

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Details

Title
Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks nach dem Aufsatz von Norman Malcolm: „Wittgensteins ‚Philosophische Untersuchungen‘“
College
Munich School of Philosophy
Course
Hauptseminar: Ludwig Wittgenstein: Auswahl aus „Tractatus“ und „Philosophische Untersuchungen“
Grade
2,0
Author
M.A. Oliver Härtl (Author)
Publication Year
2002
Pages
11
Catalog Number
V175612
ISBN (eBook)
9783640966561
ISBN (Book)
9783640966714
Language
German
Tags
wittgensteins begriff empfindungsausdrucks aufsatz norman malcolm untersuchungen‘“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Oliver Härtl (Author), 2002, Wittgensteins Begriff des verbalen Empfindungsausdrucks nach dem Aufsatz von Norman Malcolm: „Wittgensteins ‚Philosophische Untersuchungen‘“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175612
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