Die Milchproduktion und -verarbeitung hat eine große wirtschaftliche Bedeutung in Europa und der Bundesrepublik Deutschland. "Die Milchproduktion ist in der Europäischen Union der wichtigste landwirtschaftliche Produktionszweig"; sie umfasst circa 14 Prozent des Gesamtwertes der landwirtschaftlichen Erzeugung. Deutschland ist der größte Milchproduzent in der Europäischen Union (EU) und der fünft größte der Welt. Im Jahre 2008 wurden in Deutschland 27,809 Millionen Tonnen Milch erzeugt. Der Umsatz der deutschen Milchindustrie belief sich im selben Jahr auf 22,285 Milliarden Euro.
Seit 25 Jahren ist der Milchmarkt vom EU-Milchquotensystem geprägt. Es beschränkt die Milchmenge auf dem europäischen Markt. Nun soll es auf Beschluss der EU im Jahre 2015 auslaufen. In kleinen Schritten wie der schrittweisen Erhöhung der Quote, wird der Milchmarkt auf die Zeit nach der Quote vorbereitet. Jedoch wirft das Ende des Quotensystems viele Fragen auf: Wie wird sich der Milchmarkt in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Auswirkungen hat dies auf die milcherzeugenden Betriebe? Welche Auswirkungen auf die Molkereien? Wird der Strukturwandel in der Milchwirtschaft weitergehen oder sich sogar verstärken?
Diese Arbeit beantwortet diese Fragen. Nach einer geschichtlichen Einordnung der Milchquote und einer kurzen Darstellung der aktuellen Gesetzgebung, werden die Auswirkungen des Auslaufens der Milchquote auf die milcherzeugenden und -verarbeitenden Betriebe analysiert. Zum Schluss wird der geplante Milchfonds dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Milchquote
2.1 Definition
2.2 Geschichte der Milchquote
2.3 Ziel der Milchquote
2.4 Aktuelle Gesetzgebung
2.4.1 Grundlegendes
2.4.2 Die Milchbörse
3 Die Zukunft der Milchwirtschaft
3.1 Geplante Reformen
3.2 Auswirkungen des Auslaufens der Milchquote
3.2.1 Einleitung
3.2.2 Analyse möglicher Auswirkungen anhand des GTAP-Modells
3.2.2.1 Annahmen
3.2.2.2 Ergebnisse der GTAP-Simulation
3.2.2.3 Fazit und Kritik
3.2.3 Auswirkungen auf die milcherzeugenden Betriebe
3.2.4 Auswirkungen auf die milchverarbeitenden Betriebe
3.3 Der Milchfonds
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit analysiert die ökonomischen Konsequenzen des geplanten Auslaufens des EU-Milchquotensystems im Jahr 2015. Ziel ist es, auf Basis einer historischen Einordnung und unter Verwendung von Simulationsmodellen die Auswirkungen auf Milcherzeuger, Molkereien und den Markt insgesamt zu prognostizieren sowie den Strukturwandel und flankierende politische Maßnahmen wie den Milchfonds zu bewerten.
- Historische Entwicklung und regulatorische Grundlagen der EU-Milchquote
- Funktionsweise und Preisfindung an der Milchbörse
- Simulation marktökonomischer Folgen des Quotenwegfalls mittels des GTAP-Modells
- Strukturwandel und Anpassungsstrategien bei Milcherzeugern und Molkereien
- Politische Begleitmaßnahmen zur Stützung benachteiligter Regionen
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1 Annahmen
Das GTAP (Global Trade Analysis Project) ist ein „multiregionales, allgemeines Gleichgewichtsmodell, das die ökonomische Aktivität auf globaler Ebene und in […] einzelnen Ländern und Regionen erfasst“25. Die Welt ist in 66 Länder oder Regionen aufgeteilt, wobei die Mitgliedsländer der EU-15 sowie die Schweiz einzeln enthalten sind. „Alle Länder bzw. Regionen haben einen regionalen Haushalt (private Haushalte, Staat und Sparen), der den Nutzen maximiert.“26 Auf der Gegenseite stehen die Produzenten, welche in 75 Sektoren eingeteilt sind, die versuchen ihre Kosten zu minimieren. Der Landwirtschaft wird mit zwölf und der Lebensmittelverarbeitung mit acht Sektoren eine besondere Bedeutung in dem Modell zugeschrieben. Die Milcherzeugung und -verarbeitung haben je einen Sektor.
Die Güter aus verschiedenen Ländern werden als imperfekte Substitute behandelt. Dies ist wichtig, da beispielsweise französische und deutsche Milchprodukte unterschiedlich sind und sich nicht perfekt substituieren (austauschen) lassen. Eine Globale Bank nimmt die weltweit anfallenden Ersparnisse auf und tätigt alle Investitionen in allen Regionen. „Der internationale Transportsektor übernimmt die Transporte zwischen den Regionen.“27 Das Modell geht von vollständiger Konkurrenz unter Berücksichtigung der Milchquoten aus.
Das GTAP-Modell bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 1997. Ausgehend von diesen Daten wird nun eine Simulation durchgeführt, in der alle 15 Staaten der EU die Milchquote aufheben. „Technisch gesprochen erfolgt eine drastische Erhöhung der Quotenmenge, so dass die Quote nicht mehr bindend ist.“28 Berücksichtigt werden in der Simulation zwei weitere Veränderungen: Die Milcherzeuger erhalten eine Prämie von 50 Euro pro Tonne Milch, und die Exportsubvention für Milchprodukte wird aufgehoben. Keine Berücksichtigung erhält die EU-Osterweiterung in den Jahren 2004 und 2007.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert die wirtschaftliche Relevanz der Milchproduktion in Europa und definiert die Fragestellung bezüglich der Auswirkungen des auslaufenden Milchquotensystems.
2 Die Milchquote: Dieses Kapitel behandelt die Definition, Historie und das Ziel des Quotensystems sowie die Funktionsweise der aktuellen Gesetzgebung und der Milchbörse.
3 Die Zukunft der Milchwirtschaft: Der Hauptteil analysiert geplante Reformen, simuliert Marktveränderungen durch das GTAP-Modell und untersucht die Folgen für Erzeuger- und Verarbeitungsbetriebe sowie den geplanten Milchfonds.
4 Fazit: Das Fazit fasst die ökonomischen Herausforderungen des Strukturwandels zusammen und betont die Notwendigkeit von Hilfen für benachteiligte Regionen.
Schlüsselwörter
Milchquote, Milchwirtschaft, EU-Agrarpolitik, Strukturwandel, GTAP-Modell, Milcherzeuger, Molkereien, Milchbörse, Quotenrente, Marktpreis, Milchfonds, Wettbewerbsfähigkeit, Milchmarkt, EU-15, Agrarstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Folgen der geplanten Abschaffung des EU-Milchquotensystems zum Jahr 2015 und deren Einfluss auf die europäische Milchwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Milchquote, die Analyse der Marktauswirkungen mittels Simulationsmodellen sowie der resultierende Strukturwandel bei Erzeugern und Molkereien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie sich der Milchmarkt nach dem Quotenende entwickeln wird, welche Auswirkungen dies auf Betriebe hat und ob sich der Strukturwandel beschleunigen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt zur Analyse eine ökonomische Simulation auf Basis des GTAP-Modells (Global Trade Analysis Project) sowie eine fundierte Literaturrecherche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Reformen, die GTAP-gestützte Analyse von Preis- und Mengenänderungen sowie die spezifischen Auswirkungen auf Erzeuger- und Verarbeitungsbetriebe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Milchquote, Strukturwandel, GTAP-Modell, Milcherzeuger, Molkereien und Milchfonds definiert.
Was genau ist die "Quotenrente" im Kontext des GTAP-Modells?
Die Quotenrente gibt an, um wie viel Prozent der Milchpreis aufgrund der Angebotsbeschränkung durch die Quote höher liegt als bei einer freien Preisfindung.
Welche Rolle spielt der geplante Milchfonds nach 2015?
Der Milchfonds soll mit Mitteln aus der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik Milcherzeuger in benachteiligten Regionen, etwa im Mittelgebirge, unterstützen und Agrarlandschaften erhalten.
Warum wird die Aussagekraft des GTAP-Modells im Fazit relativiert?
Das Modell basiert auf Daten von 1997, berücksichtigt nicht die EU-Osterweiterungen und geht von theoretischen Annahmen aus, die die tatsächliche Effizienz moderner Betriebe möglicherweise unterschätzen.
- Arbeit zitieren
- Felix Magg (Autor:in), 2009, Milchwirtschaft ohne Quote - Wie sieht sie aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175630