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Das karolingische Königsgut Rotaha südlich des Mains

Title: Das karolingische Königsgut Rotaha südlich des Mains

Textbook , 2026 , 27 Pages

Autor:in: Karl Pohl (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Nach dem Zusammentragen aller Hinweise und Faktoren ergab deren Wertung das plausible Ergebnis, dass es in Nieder-Roden das Königsgut Rotaha gegeben hat, das zu Zeiten Karls d. Gr. die Versorgung von Jagdgesellschaften im königlichen Bannforst Dreieich als Aufgabe hatte.

"Das Reichsgut bildete vor allem im frühen und hohen Mittelalter die materielle Grundlage des Königtums". "Der über das gesamte Reich in unterschiedlicher Konzentration verteilte Besitz des Königs wurde auf verschiedene Weise genutzt". Bisher wurde eine eingehende Forschung für die mittelrheinischen karolingischen Königshöfe betrieben. Dort konnten plausibel die zwischen den Standorten der Königshöfe und der Pfalzen bestehenden Beziehungen nachgewiesen werden. Und dies, obgleich für die Standorte der Königshöfe nicht immer eindeutige Nachweise zur Verfügung standen. Wichtig war für einige Forscher die Klärung der Frage, ob die Königshöfe eine Fortsetzung römischer Einrichtungen darstellten. Dieser Theorie folgten nicht alle Historiker und Archäologen.
Karl Glöckner schloss das für den Frankfurter Raum und Starkenburg aus. Für das Gebiet südlich des Mains käme nur Seligenstadt und Obernburg in Verdacht, da dort einst ein römisches Kastell vorhanden war und das durch Grabung dokumentiert worden war. Jedoch wurden bei der Grabung keine Spuren eines Königsgutes an dieser Stelle festgestellt, der auf den Resten des römischen Kastells errichtet worden wäre. [...]

Vorliegendes Buch will alle Argumente sammeln und eingehend diskutieren, um die Plausibilität des Standortes Nieder-Roden für einen Königsgut herauszustellen. Dazu werden alle Quellen herangezogen, die einen mehr oder weniger plausiblen Rückschluss auf das Königsgut zulassen. Hinzu kommen Schlussfolgerungen, die die Argumentation verstärken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erste Mutmaßungen

3. Die Hauptaufgabe des Nieder-Röder Königsgutes

4. Der Bannwald Dreieich

5. Die Wildhuben in Nieder-Roden und im Wildbann

6. Weistum der Wildhuben

7. Das Capitulare de villis

9. Besitzwechsel der Königsgüter

10. Zusammenfassung der Argumente für das Vorhandensein eines Königsgutes in Nieder-Roden

11.Die Assoziation des Klosters Rotaha mit dem Reichskloster Lorsch

12. Der Rechtsakt

13. Die Übergabe des Königsgutes an Lorsch

14. Die Hubenlisten

15. Weitere Hinweise auf das Königsgut

16. Das Ende des Königsgutes

17. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themenschwerpunkte

Das primäre Ziel des Werkes von Karl Pohl besteht darin, die historische Existenz und Lokalisierung eines karolingischen Königsgutes in Nieder-Roden (Rotaha) südlich des Mains plausibel nachzuweisen. Vor dem Hintergrund einer oft lückenhaften archäologischen und schriftlichen Überlieferung bündelt die Untersuchung historische Urkunden, rechtliche Quellen sowie siedlungsgeographische und toponomastische Belege, um die administrative und logistische Rolle des Königshofes im Kontext der karolingischen Reichsorganisation und des Bannwaldes Dreieich zu rekonstruieren.

  • Rekonstruktion und Nachweis des Standortes eines karolingischen Königsgutes im Rodgau (Nieder-Roden)
  • Logistische Versorgungsfunktionen von Königshöfen für Reichsversammlungen, Synoden und königliche Jagdgesellschaften
  • Bedeutung des Bannwaldes Dreieich und die Entwicklung der forstlichen Wildhuben
  • Rechtshistorische Einordnung der Güterübertragungen an das Reichskloster Lorsch und der Urkunde CL 12
  • Auswertung historischer Urkunden, Lorscher Hubenlisten, archäologischer Funde und lokaler Flurnamen
  • Spätere Umstrukturierungen, Niedergang und Funktionswandel der Königsgüter im Hoch- und Spätmittelalter

Auszug aus dem Buch

3. Die Hauptaufgabe des Nieder-Röder Königsgutes

Die Hauptaufgabe eines Königsgutes ist die Versorgung einer Pfalz, einer Synode oder einer Reichsversammlung. Dies stellt einen erheblichen Aufwand dar, denn auf den entsprechenden Versammlungen sind Personen nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland zugegen.

Lt. Ki wurden folgende Personengruppen geschätzt: Bischöfe und Äbte 20-80 Personen, Grafen und andere weltliche Größen 30 – 100 Personen, deren Gefolge 5-20 Personen pro Graf.

Das dürften insgesamt 300 – 1000 Personen sein. Der königliche Hofstaat umfasste 200 - 400 Personen, dazu kamen Schreiber, Handwerker, Köche, Stallknechte, Fuhrleute und militärische Begleitung. Damit ergibt sich ein realistischer Bereich von 700-1800 Personen im Mittel, bei großen Ereignissen dürften es erheblich mehr gewesen sein.

Von der Logistik her wären Königshöfe in der Nähe der Tagungsorte sinnvoll, damit die Versorgung mit den Gütern des täglichen Bedarfs auf kurzem Wege gewährleistet ist. Es waren Tausende Liter Bier und Met / Tag erforderlich, mehrere Tonnen Getreide, Fleisch und Brot. Für Hunderte von Pferden mussten Weideflächen bereitgestellt werden. Als Unterkünfte dienten Zelte, Scheunen und Bürgerhäuser. Ja, es wurde sogar auf Klöster zurückgegriffen. Frankfurt war ein solcher Ort, an dem z. B. 794 eine bedeutsame Synode stattfand. Daraus folgt, dass es damals vielmehr Königsgüter gegeben haben muss, auch südlich des Mains.

Unter diesem Aspekt scheiterten die Forscher daran, diese Versorgungsrolle einem Königsgut in Nieder-Roden zuzuerkennen. Es sind immerhin rd. 30 km bis nach Frankfurt /M, die Überquerung der Furt in Frankfurt/M inbegriffen. So dürfte eine Ladung eines Transportes mindestens 2- 3 Tage gebraucht haben, zumal der Sachsenhäuser Berg bei Frankfurt ein zusätzliches Transporthindernis beim Bremsen bergab darstellte. Und trotzdem wird diese Funktion eines Nieder-Röder Königsgutes nicht auszuschließen sein. In unmittelbarer Nähe des vermuteten Standortes für das Königsgut Rotaha gibt es die Flurbezeichnung „Alte Frankfurter Straße“. Sie scheint die Verkehrsanbindung Nieder-Rodens an Frankfurt/M hergestellt zu haben.

Die Hauptaufgabe des Königsgutes Nieder-Roden scheint jedoch eine andere gewesen zu sein. Schon Backhaus stellte fest: “Auch die Forste wurden in karolingischer Zeit von den Königshöfen verwaltet.“ (1) Die unmittelbare Nähe zum Bannwald Dreieich deutet darauf hin, dass das Königsgut Nieder-Roden die Versorgung der Jagdgesellschaften vorzunehmen hatte. Nur der König war privilegiert, in diesem Bannwald zu jagen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Rolle des Reichsguts im Frühmittelalter, diskutiert den Forschungsstand zu karolingischen Königshöfen am Mittelrhein sowie im Raum Main-Odenwald und formuliert die methodische Zielsetzung, die Indizien für einen Königshof in Nieder-Roden systematisch aufzuarbeiten.

2. Erste Mutmaßungen: Dieses Kapitel referiert frühere wissenschaftliche Kontroversen, insbesondere die Thesen von Alfred Kurth und Willi Görich bezüglich der Lokalisierung eines Wirtschaftshofes (Curtis) an historischen Straßenverbindungen.

3. Die Hauptaufgabe des Nieder-Röder Königsgutes: Der Autor analysiert die enormen logistischen Herausforderungen bei der Verpflegung von Reichsversammlungen und stellt die zentrale These auf, dass der Nieder-Röder Hof primär der Versorgung königlicher Jagdgesellschaften diente.

4. Der Bannwald Dreieich: Das Kapitel beleuchtet den königlichen Bannwald Dreieich, die historischen Königsbesuche und die schrittweise Etablierung administrativer Strukturen rund um Burg Hayn.

5. Die Wildhuben in Nieder-Roden und im Wildbann: Es wird dargelegt, wie zur Bewirtschaftung und Überwachung des Forstes spezielle Wildhuben eingerichtet wurden, deren Existenz in Nieder-Roden anhand von Flurnamen und Verzeichnissen nachgewiesen wird.

6. Weistum der Wildhuben: Der Abschnitt widmet sich der rechtlichen Ordnung und den Pflichten der Wildhübner anhand historischer Weistümer des Maigerichts des Wildbanns in der Dreieich.

7. Das Capitulare de villis: Das karolingische Reichsgütergesetz von 794 wird analysiert, um rechtliche Maßstäbe für Größe, Bewirtschaftung und militärische Pflichten der Hofleiter auf Nieder-Roden anzuwenden.

9. Besitzwechsel der Königsgüter: Das Kapitel erörtert die Ursachen für die planmäßige Übertragung von Reichsgütern an Reichsklöster, unter anderem zur Absicherung einer dauerhaften und krisenfesten Administration.

10. Zusammenfassung der Argumente für das Vorhandensein eines Königsgutes in Nieder-Roden: Aufgeteilt in die Betrachtung von Schriftquellen (Urkunde CL 12), Raumbezeichnungen (marca raodora) und der Person des Leitungsbeamten Theodo werden die Belege für den Königshof verdichtet.

11.Die Assoziation des Klosters Rotaha mit dem Reichskloster Lorsch: Die rechtliche Eingliederung des lokalen Eigenklosters in das Reichskloster Lorsch im Winter 785/786 sowie vertragliche Details wie Zinszahlungen und Pachtverhältnisse werden beleuchtet.

12. Der Rechtsakt: Dieses Kapitel vertieft die formelle Überführung des Eigenklosters und des Königsgutareals in das Lorscher Kirchengut zum Schutz vor Entfremdung und privatem Zugriff.

13. Die Übergabe des Königsgutes an Lorsch: Diskutiert werden das Zustandekommen der Übertragung, vermutete königliche Diplome sowie die archivalischen Nachweise des Zuwachses im Lorscher Kanzleikontext.

14. Die Hubenlisten: Anhand der Lorscher Einträge CL 3678 und CL 3679 werden Datierung, Umfang und Besitzstruktur der Güter von Rotaha einer kritischen Neubewertung unterzogen.

15. Weitere Hinweise auf das Königsgut: Flurnamen, Spuren von sechs Fischteichen, Mühlen, Großtierzucht, archäologische Keramik- und Schlackefunde sowie die spätere Adelsnamensführung untermauern die Existenz eines Großbetriebes.

16. Das Ende des Königsgutes: Geschildert werden der Niedergang und die päpstlich angeordnete Reform des Klosters Lorsch ab 1232, der Übergang an Mainz und Eppstein sowie die Aufteilung an die Herren von Hagen-Münzenberg.

17. Zusammenfassung: Die Kernaussagen des Werkes über Funktion, Rechtsstellung, Eingliederung und langfristiges Nachwirken des Königsgutes Rotaha werden thesenartig zusammengefasst.

Schlüsselwörter

Königsgut Rotaha, Nieder-Roden, Karolinger, Karl der Große, Reichskloster Lorsch, Bannwald Dreieich, Capitulare de villis, Wildhuben, Nivenhof, Rodgau, marca raodora, Theodo, Weistum, Eppstein, Hagen-Münzenberg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Publikation?

Die Publikation widmet sich dem historischen Nachweis und der funktionalen Untersuchung eines bislang in der Forschung umstrittenen karolingischen Königsgutes in Nieder-Roden (Rotaha) im hessischen Rodgau.

Welche zentralen Themenfelder werden in dem Buch erschlossen?

Zu den thematischen Schwerpunkten zählen die karolingische Reichsgutverwaltung, das Capitulare de villis, die forst- und jagdwirtschaftliche Bedeutung des Bannwaldes Dreieich sowie die Urkundenüberlieferung des Reichsklosters Lorsch.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die leitende Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, durch die Verknüpfung von Urkunden, Hubenlisten, Flurnamen und siedlungsgeographischen Indizien nachzuweisen, dass Nieder-Roden im Frühmittelalter Standort eines bedeutenden Reichsgutes war.

Welche wissenschaftlichen Methoden wendet der Autor an?

Der Autor stützt sich auf die historisch-kritische Quellenanalyse schriftlicher Urkunden (Codex Laureshamensis), rechtshistorische Vergleiche, Flurnamenforschung (Toponymie), logistische Berechnungen sowie archäologische Sachquellen.

Was wird im Hauptteil des Werkes thematisiert?

Der Hauptteil analysiert die Versorgungsaufgaben des Gutes, insbesondere für die Jagdgesellschaften im Bannwald Dreieich, die Rolle der Amtsinhaber und Hübner, das Verhältnis zum Eigenkloster Rotaha und die spätere Weitergabe des Besitzes an kirchliche und weltliche Landesherren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Königsgut, Rotaha, Nieder-Roden, Bannwald Dreieich, Reichskloster Lorsch, Wildhube, Capitulare de villis, Nivenhof und marca raodora.

Warum spielte die Jagd im Bannwald Dreieich eine so herausragende Rolle für das Königsgut?

Im Frühmittelalter war die Jagd nicht nur Sport, sondern ein zentrales Verwaltungsinstrument und Statussymbol; das Gut Nieder-Roden sicherte durch die unmittelbare Grenznähe die aufwendige Logistik, Beherbergung und Verpflegung königlicher Jagdgesellschaften ab.

Welche Bedeutung kommt der Person des Theodo und der Lorscher Urkunde CL 12 zu?

Theodo fungierte offenbar als adeliger Leiter des Königsgutes und Kirchenherr des lokalen Klosters; sein Tod im Winter 785/786 veranlasste seine Tochter Aba zur Reise nach Lorsch, um das Eigenkloster rechtlich abzusichern und unter königlichen Schutz zu stellen.

Auf welche Weise spiegeln lokale Flurnamen die einstige Größe des Wirtschaftshofes wider?

Flurnamen wie Königswiese, Königsfurt, Altes Seelig, Bettelahl, verschiedene Hinweise auf Mühlen und Kälberzucht sowie Bezeichnungen mehrerer Seen belegen eine großflächige land- und teichwirtschaftliche Infrastruktur, die weit über das Maß gewöhnlicher bäuerlicher Huben hinausging.

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Details

Title
Das karolingische Königsgut Rotaha südlich des Mains
Author
Karl Pohl (Author)
Publication Year
2026
Pages
27
Catalog Number
V1756359
ISBN (PDF)
9783389203064
ISBN (Book)
9783389203071
Language
German
Tags
königsgut rotaha mains
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karl Pohl (Author), 2026, Das karolingische Königsgut Rotaha südlich des Mains, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1756359
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