Das Leasen als alternative Finanzierungsform gewinnt in deutschen Unternehmen eine immer größere Bedeutung. So ist z. B. von 1994 bis 2001 ein Anstieg des Anteils der Leasing- Finanzierung an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen von 10,4 % auf 16,6 % zu beobachten.
Glaubt man den Aussagen der Leasing-Gesellschaften, liegen die Gründe dafür auf der Hand: Leasing verbessert die Kapitalstruktur des Unternehmens in der Jahresabschlussanalyse, bietet höhere Flexibilität zur Investition und Desinvestition, verringert das Eigentumsrisiko, senkt die Steuerbelastung und schafft Spielräume für weitere Investitionen durch Freiwerden von Fremdkapital.
In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende Fragestellungen: Welche Gründe sprechen aus Sicht des Leasingnehmers für ein Leasinggeschäft? Wie werden Leasing-Finanzierungen bei der Unternehmensbewertung berücksichtigt und welche Veränderungen sind dadurch zu erwarten?
Um diese Fragen zu beantworten, wird diese Arbeit folgende Aspekte betrachten:
* Differenzierung verschiedener Leasing-Arten,
* Vorteilhaftigkeit des Leasings für den Leasingnehmer,
* Auswirkung des Leasings auf die Unternehmensbewertung.
Abschließend werden die Ergebnisse in einem kurzen Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Grundlegendes zum Leasing
2.1 Operating Lease
2.2 Financial Lease
2.3 Steuerliche Behandlung und Bilanzierung des Leasings
3 Beurteilung des Leasings aus Sicht des Leasingnehmers
3.1 Leasing-Anreize durch externe Vorgaben
3.2 Leasing-Anreize durch Präferenzen des Leasingnehmers
4 Auswirkungen des Leasings auf die Unternehmensbewertung
4.1 Leasing-Bewertung mit dem Kapitalwertverfahren
4.1.1 Methodenwahl und Annahmen für die quantifizierte Bewertung
4.1.2 Anwendung des Bewertungsmodells
4.2 Auswirkungen auf bewertungsrelevante Unternehmenskennzahlen
4.2.1 Cash Flow
4.2.2 Langfristiges Fremdkapital
4.2.3 Anlagevermögen
4.2.4 Auswirkungen auf die Kapitalkosten des Unternehmens
4.2.5 Schlussfolgerungen
4.3 Auswirkungen auf Realoptionen des Unternehmens
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz von Leasing als Finanzierungsalternative und analysiert dessen Auswirkungen auf die Unternehmensbewertung sowie auf die Entscheidungsprozesse des Leasingnehmers.
- Differenzierung zwischen verschiedenen Leasing-Arten (Operating vs. Financial Lease)
- Analyse der Leasing-Anreize für den Leasingnehmer aus ökonomischer und steuerlicher Sicht
- Quantifizierte Bewertung von Leasingverträgen mittels Kapitalwertverfahren
- Untersuchung der Effekte von Leasing auf Unternehmenskennzahlen und Realoptionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Leasing-Anreize durch Präferenzen des Leasingnehmers
Vermeidung des Restwertrisikos
Bei der Anschaffung eines Objektes im Rahmen eines Investitionsprojektes ist für das Unternehmen die Nutzung des Objektes die primäre Motivation; die Realisierung eines Restwertes nach Ende des Projektes ist eher von sekundärer Natur und ist durch die fortschreitende technologische Entwicklung, Abnutzung, betriebsbedingte Schäden und den mangelnden Zugang zu einem Sekundärmarkt mit Unsicherheiten behaftet. Im Rahmen des Leasings kann das Unternehmen dieses Restwertrisiko an den Leasinggeber abtreten, für den die Restwerterzielung ein elementarer Bestandteil seiner Geschäftstätigkeit ist und der deshalb über bessere Informationen und einen besseren Zugang zu Sekundärmärkten verfügt.
Realisierung kurzer Nutzungsdauern
Möchte der potentielle Leasingnehmer ein Objekt nur für einen im Vergleich zur wirtschaftlichen Nutzungsdauer geringen Zeitraum nutzen, ist er auf die Realisierung eines Restwertes und damit auch eines stabilen Sekundärmarktes angewiesen. Im ungünstigsten Fall muss das Unternehmen die gesamten Objektinvestitionen abschreiben, falls sich kein Käufer für das Objekt findet oder durch technischen Fortschritt ein starker Wertverfall einsetzt. Least das Unternehmen nun dieses Objekt, kann es diese Risiken auf den Leasinggeber abwälzen; da für diesen durch den existierenden Marktzugang ein geringeres Risiko besteht, ist die Risikoprämie, die der Leasinggeber implizit mit den Leasingraten fordert, geringer als die Risikoprämie, die der potentielle Leasingnehmer bräuchte, um sich selbst gegen das Risiko abzusichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der wachsenden Bedeutung von Leasing als alternative Finanzierungsform und Definition der zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2 Grundlegendes zum Leasing: Erläuterung der theoretischen Grundlagen, insbesondere der Unterscheidung zwischen Operating und Financial Lease sowie der steuerlichen Rahmenbedingungen.
3 Beurteilung des Leasings aus Sicht des Leasingnehmers: Analyse der Beweggründe für ein Leasinggeschäft unter Berücksichtigung externer Vorgaben und individueller Präferenzen des Leasingnehmers.
4 Auswirkungen des Leasings auf die Unternehmensbewertung: Darstellung quantitativer Bewertungsmodelle und Untersuchung der Auswirkungen von Leasing auf Unternehmenskennzahlen und Realoptionen.
5 Zusammenfassung und Fazit: Resümee über die Vorteilhaftigkeit von Leasing und dessen begrenzte Auswirkung auf den Unternehmenswert bei korrekter Bewertung.
Schlüsselwörter
Leasing, Unternehmensbewertung, Financial Lease, Operating Lease, Kapitalwertverfahren, Leasingnehmer, Finanzierungsentscheidung, Restwertrisiko, Kapitalkosten, Realoptionen, Bilanzierung, Investitionsprojekt, Fremdkapital, Eigenkapitalquote, Cash Flow.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Beurteilung von Leasingverträgen im Kontext der Unternehmensbewertung und analysiert, inwiefern Leasing eine vorteilhafte Finanzierungsalternative gegenüber dem klassischen Kreditkauf darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Leasing-Typen, der ökonomischen Vorteilhaftigkeit für den Leasingnehmer, der quantifizierten Bewertung durch das Kapitalwertverfahren und den Auswirkungen auf Unternehmenskennzahlen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Leasing-Finanzierungen auf die Unternehmensbewertung transparent zu machen und zu klären, ob Leasing tatsächlich zu einer Steigerung des Unternehmenswertes führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine analytische Herangehensweise genutzt, wobei insbesondere das Kapitalwertverfahren zur quantitativen Vergleichbarkeit von Leasing und Kreditkauf eingesetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Leasings, die Anreizstrukturen für Unternehmen sowie die Auswirkungen auf Finanzkennzahlen, Kapitalkosten und unternehmerische Handlungsoptionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Leasing, Unternehmensbewertung, Kapitalwertverfahren, Restwertrisiko und Finanzierungsentscheidung geprägt.
Beeinflusst Leasing die Kapitalkosten eines Unternehmens?
Ja, bei Nicht-Aktivierung des Leasingobjektes kann es zu Verzerrungen der ausgewiesenen Kapitalstruktur kommen, was die Kapitalkosten beeinflusst. Die genauen Auswirkungen hängen stark von der bilanziellen Behandlung ab.
Welche Rolle spielen Realoptionen bei der Leasing-Entscheidung?
Realoptionen bieten dem Unternehmen Flexibilität, etwa durch den vorzeitigen Ausstieg aus einem Projekt. Das Leasing kann diese Flexibilität erhöhen, insbesondere bei Operating Leases, während es bei Financial Leases die Handlungsspielräume auch einschränken kann.
- Quote paper
- Christoph Wiard Neemann (Author), 2003, Beurteilung von Leasing bei der Unternehmensbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17564