Herrschaft als legitimer Ordnungsmechanismus in den Herrschaftstypologien von Max Weber und James S. Coleman


Seminararbeit, 2008

30 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der Herrschaftsbegriff in Abgrenzung zu den Begriffen Macht und Gewalt
2.2 Herrschaft nach Max Weber
2.2.1 Biographie Max Webers
2.2.2 Die Herrschaftstypologie Max Webers
2.2.2.1 Die legale Herrschaft
2.2.2.2 Die traditionelle Herrschaft
2.2.2.3 Die charismatische Herrschaft
2.2.3 Der Legitimitätsbegriff nach Max Weber
2.3 Herrschaft nach James S. Coleman
2.3.1 Biographie James S. Colemans
2.3.2 Die Herrschaftsbeziehungen nach Coleman
2.3.2.1 Konjunkte versus disjunkte Herrschaftsbeziehungen
2.3.2.2 Einfache versus komplexe Herrschaftsstrukturen
2.3.3 Der Legitimitätsbegriff nach James S. Coleman
2.4 Vergleich der legitimen Ordnungsmechanismen bei Max Weber und James S. Coleman

3. Resümee

1. Einleitung

Mit Hilfe der vorliegenden Arbeit „Herrschaft als legitimer Ordnungsmechanismus in den Herrschaftstypologien von Max Weber und James S. Coleman“ soll ein noch heute allgegenwärtiges und für unser Zusammenleben gewichtiges Phänomen, nämlich das der „Herrschaft“ näher beleuchtet werden. Es ist augenfällig, dass das heute eher ungern verwendete Wort „Herrschaft“ viele Lebensbereiche beeinflusst und eine gewisse Regelung des sozialen Zusammenlebens erst ermöglicht. Egal, ob man sich die betrieblichen Strukturen in großen Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen, das familiäre Gefüge im privaten Umfeld oder klassische administrative Institutionen und Staatsformen ansieht, das Vorhandensein gewisser Herrschaftsverhältnisse wird oftmals als so genannte anthropologische Konstante des menschlichen Daseins betrachtet. Hieraus ergibt sich zudem auch der ungebrochene Aktualitätsanspruch der gesamten Herrschaftssoziologie.

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, „Herrschaft“ besonders im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion als legitimer Ordnungsmechanismus und deren spezifische Legitimitätsgründe eingehender zu untersuchen. Dabei werden bewusst exemplarisch die herrschaftssoziologischen Überlegungen zweier besonders bedeutsamer Soziologen, einmal in Form von Max Weber als Vertreter eines normativ- institutionellen Herrschaftsbegriffes und James S. Coleman andererseits als Vertreter des Rationalprogrammes näher behandelt. Nach einer kurzen Abgrenzung des Herrschaftsbegriffes von anderen in diesem Kontext soziologisch bedeutsamen Begriffen, wie dem der „Macht“ oder der „Gewalt“, schließt sich jeweils eine Abhandlung über das Leben der obig erwähnten Vertreter sowie deren spezifischen Herrschaftstypologien an. Abschließend folgt eine vergleichende Gegenüberstellung der einzelnen Legitimitätsgründe beider Theorien, in die auch mögliche Ansätze für Kritikpunkte einfließen sollen. Das Ende der Arbeit bildet ein persönliches Resümee mit einer eigenen kritischen Einschätzung der behandelten Thematik.

2. Hauptteil

2.1 Der Herrschaftsbegriff in Abgrenzung zu den Begriffen Macht und Gewalt

Der Herrschaftsbegriff ist in der Soziologie einer der vielen Begriffe, die einerseits schwer zu erfassen sind und andererseits uneinheitlich verwendet werden. Trotzdem soll hier, um eine gemeinsame Verständnisgrundlage für die folgende Thematik zu gewährleisten, versucht werden, eine Definition des Begriffes „Herrschaft“ und eine Abgrenzung von den verwandten Begriffen der „Macht“ und „Gewalt“ darzulegen.

Unter „Herrschaft“ versteht man im Allgemeinen die „ anerkannte, geregelte Form von Über- und Unterordnungsbeziehungen “ (Maurer: 2004, S. 25). Auf die klassische, vielfach zitierte Herrschaftsdefinition nach Max Weber, die an dieser Stelle vielleicht vermisst wird, wird später noch näher eingegangen. Eine andere, etwas unbekanntere Definition stammt von Georg Jellinek: „Herrschergewalt hingegen ist unwiderstehliche Gewalt. Herrschen heißt unbedingt befehlen und Erfüllungszwang üben zu können. Jeder Macht kann sich der Unterworfene entziehen, nur der Herrschermacht nicht.“ (Jellinek: 1905, S. 415).

Mit Macht hingegen „werden in der Soziologie Beziehungen bezeichnet, in denen eine Person das Handeln einer oder mehrerer Personen bestimmen kann, ohne deren Einverständnis zu benötigen, ja gerade auch gegen deren Willen“ (Maurer: 2004, S. 19). Max Weber definiert Macht indessen ähnlich als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (Weber: 1972, S. 28). Des Weiteren versteht Weber die oben erwähnte Herrschaft als Sonder- oder Spezialform von Macht, sozusagen als „verfestigte Macht“. Da dieser Machtbegriff aber relativ vage gehalten ist, hat in die soziologischen Diskussion des Weiteren der Machtbildungsprozess nach Heinrich Popitz Einzug gehalten, um somit die Defizite des Weberschen Machtbegriffes bezüglich des spezifischen Handlungsvermögens kompensieren zu können. Popitz deutet den Machtprozess dabei als Ausdruck eines allgemeinen Consensus, als Autoritätswirkung einer Person und schließlich schlichtweg als überlegene Gewalt. Auf die genaue Machtkonzeption nach Popitz soll an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen werden.

In Abgrenzung zu Herrschaft und Macht bezeichnet Gewalt folgenden Sachverhalt:

„Mit Gewalt wird die Androhung oder der tatsächliche Einsatz von Zwang gegen andere bezeichnet. Gewalt beruht im Unterschied zu anderen Formen der Über- und Unterordnung allein auf der glaubhaft zu machenden Verfügung beziehungsweise Anwendung physischer, psychischer oder sozialer Zwangsmittel.“ (Maurer: 2004, S. 15).

Als Konsequenz daraus lässt sich ableiten, dass Gewaltverhältnisse für ihr erfolgreiches Bestehen immer einer gewissen Überlegenheit oder spezifischer Ressourcen als Funktionsbasis bedürfen.

Es ist an dieser Stelle von Bedeutung, anzumerken, dass nicht in jedem Fall, in dem eine Form der Über- und Unterordnung vorliegt, eine eindeutige Zuordnung zu einem der drei erläuterten Phänomene möglich erscheint. Vielfach zeigen sich fließende Übergänge und Anknüpfungspunkte, die sich zusätzlich aus den unterschiedlichen Definitionsansätzen ergeben. Es bleibt festzuhalten, dass sich Herrschaft vor allem durch einen erwartbaren Gehorsam und eine gewisse Stabilität von Macht und Gewalt abhebt. Dieser Sachverhalt führt früher oder später zu der Frage, wie dieser erwartbare Gehorsam zu begründen ist. Webers Antwort hierauf stellt die von allen Beteiligten anerkannte „Legitimität“ von Herrschaft dar, die im Zentrum meines Erkenntnisinteresses stehen soll.

Im folgenden Abschnitt soll jedoch zuerst das Leben und das Werk Max Webers erläutert werden, bevor eine Hinwendung zu seiner Herrschaftskonzeption erfolgt.

2.2 Herrschaft nach Max Weber

2.2.1 Biographie Max Webers

Karl Emil Maximilian Weber wurde am 21. April 1864 in Erfurt geboren als Sohn des späteren Berliner Stadtrates und Abgeordneten Dr. Max Weber und seiner Frau Helene Weber.

Bis 1882 besuchte er das Gymnasium in Charlottenburg und begann im selben Jahr bis 1886 sein Studium der Rechtswissenschaften, der Ökonomie und der Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Straßburg, Berlin und Göttingen. 1889 erfolgte schließlich die Promotion in Jura an der Universität in Berlin. Daran schloss sich 1892 die Juristische Habilitation, ebenfalls in Berlin, an. Ab 1893 hielt Max Weber eine Professur für Handels- und deutsches Recht an der Universität Berlin inne. Es folgten bis zum Jahr 1903 weitere Professuren, unter anderem an den Universitäten Freiburg und Heidelberg. Im Jahre 1903 musste Max Weber sich aus der Lehrtätigkeit aufgrund gesundheitlicher Probleme zurückziehen (vgl. Archiv der Geschichte der Soziologie in Österreich. Zugriff am 24. April 2008).

Nach verschiedenen Tätigkeiten und einer USA-Reise im Jahre 1904 gründete Max Weber im Herbst 1908 die Deutsche Gesellschaft für Soziologie. Neben dem Beginn seiner soziologischen Studien zur Wirtschaftsethik der Weltreligionen beschäftigte er sich von 1911 bis 1913 mit der Niederschrift des Manuskripts zu dem Beitrag über „Wirtschaft und Gesellschaft“ im Grundriss der Sozialökonomik, dessen ersten Bände 1914/15 erschienen. Zur selben Zeit begann Weber, politische Werke zu veröffentlichen und übernahm im Sommer 1918 eine Gastprofessur in Wien, wo er unter anderem Vorlesungen über „Staatssoziologie“ abhielt.

Zum Jahreswechsel 1918/19 betätigte sich Max Weber als Redner für die Demokratische Partei und verzichtete gleichzeitig auf ein Mandat in der Nationalversammlung. Darauf folgte im Sommer 1919 eine erste Vorlesung in München über „Die allgemeinsten Kategorien der Gesellschaftswissenschaften“. Ein Jahr später brachte Weber seinen Arbeiten zum ersten Teil der „Soziologischen Kategorienlehre“ zum Abschluss. Am 14. Juni 1920 starb Max Weber an den Folgen einer Lungenentzündung in München (vgl. Weber: 1992, S. 487 ff).

2.2.2 Die Herrschaftstypologie Max Webers

Max Weber versteht zunächst allgemein unter Herrschaft „die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber: 1980, S. 28). Dabei stellt Weber heraus, dass nicht jede Gelegenheit zu Einfluss und Macht mit Herrschaft gleichzusetzen ist, denn er verbindet mit Herrschaft unweigerlich „ein erfolgreich aufeinander bezogenes Befehlen und Gehorchen, um damit stabile und geregelte Über- und Unterordnungsbeziehungen von zufälligen Formen der Macht- und Gewaltausübung abzugrenzen“ (Maurer: 2004, S. 41).

Neben der hier nicht weiter behandelten nicht-legitimen Herrschaft, also der Gewalt- oder Zwangherrschaft, benennt Weber eine legitime Herrschaft, die im Gegensatz zur Zwangsherrschaft Gehorsam aufgrund eines gewissen Legitimitätsanspruches erwarten kann. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht nochmals den Zusammenhang zwischen Macht, Gehorsam und Herrschaft in nicht-legitimer und legitimer Form.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 (Anna Schwarz, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Zugriff am 30. Mai 2008)

In seiner Herrschaftstypologie unterscheidet Weber die legitime Herrschaft anhand dreier Legitimitätsgründe. Zum einen benennt er die legale Herrschaft, die ihre Legitimität aufgrund einer formalen, korrekt gewillkürten Satzung erhält, zum anderen legt er für die traditionelle Herrschaft den Glauben an die „Heiligkeit der von jeher vorhandenen Ordnungen und Herrengewalten“ (Weber: 1992, S. 154) als Legitimätsgrund fest. Bei der dritten Form der legitimen Herrschaft, der so genannten charismatischen Herrschaft sieht Weber das Charisma des Herrschers und die daraus resultierende „affektuelle Hingabe an die Person des Herrn“ (Weber: 1992, S. 159) als ausschlaggebende Ursache für die bestehende Legitimität der Herrschaft. An dieser Stelle ist es von Bedeutung, hervorzuheben, dass nach Weber nur Herrschaftsbeziehungen, die die Anerkennung der Herrschenden und der Beherrschten finden, erwartbare Chancen der immer wiederkehrenden Befehlsbefolgung innewohnen. Diese Anerkennung ergibt sich aus der bereits erwähnten Legitimität, die sich zweipolig aus dem Legitimitätsanspruch des Herrschers einerseits und dem Legitimitätsglauben der Beherrschten andererseits darstellt.

Je nachdem, welche der drei Formen der legitimen Herrschaft vorliegt, ergeben sich unterschiedliche Staffelungen der Untertanen, unterschiedliche spezifische Machtstrukturen und –mechanismen. Einen ersten kurzen Überblick gibt Abbildung 2, bevor in den nachfolgenden Abschnitten gesondert jede Herrschaftsform im Detail behandelt wird. Hierzu beginne Ich mit der legalen Herrschaftsform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 (Reinhard Kreckel, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zugriff am 30. Mai 2008)

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Herrschaft als legitimer Ordnungsmechanismus in den Herrschaftstypologien von Max Weber und James S. Coleman
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V175688
ISBN (eBook)
9783640967018
ISBN (Buch)
9783640966943
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrschaft, ordnungsmechanismus, herrschaftstypologien, weber, james, coleman
Arbeit zitieren
Andrea Walser (Autor), 2008, Herrschaft als legitimer Ordnungsmechanismus in den Herrschaftstypologien von Max Weber und James S. Coleman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175688

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