Im Rahmen der Expansion der französischen Revolutionsarmee im ersten
Koalitionskrieg (1791-1797) wurde 1794 das Rheinland besetzt. Das
Schicksal dieser Bevölkerung war von nun an eng verknüpft mit dem
Französischen. Lange Zeit war unklar, auf welche Weise die Besatzer das
Rheinland in ihr Territorium integrieren würden. Diese Phase war für die
Rheinländer eine sehr unruhige Zeit, da das Gebiet bis zur endgültigen
Entscheidung in einer Art Schwebezustand gehalten wurde. Das Pariser
Direktorium litt selbst unter internen Schwierigkeiten und die Außenpolitik
erforderte zuviel Aufmerksamkeit, als dass sich Frankreich über die genaue
Zukunft des linksrheinischen Gebietes Gedanken hätte machen können. Im
Direktorium und im Rheinland selbst entbrannten Diskussionen, ob die
Bildung eines französischen Satellitenstaates, der cisrhenanischen Republik,
vorteilhafter wäre oder die Annektion durch Frankreich.
In dieser Seminararbeit beleuchte ich eben jene Befürworter des
Satellitenstaates, die Cisrhenanen. Zuerst habe ich die
Rahmenbedingungen, anschließend in aller Ausführlichkeit die Bewegung
dargestellt.
Als Grundlage für meine Arbeit dienten mir insbesondere die Arbeiten von
Axel Kuhn, Walter Grab und Hansgeorg Molitor, der sich in seinem Werk
„Vom Untertan zum Administré“ besonders ausführlich mit den Cisrhenanen
auseinandergesetzt hat. Aus Joseph Hansens 4-bändiger Edition „Quellen
zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution
1780-1801“ bezog ich meine Quellen.
Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass ich die Cisrhenanen hier entweder
als „Cisrhenanen“ oder als „Republikaner“ bezeichne. In der Forschung
haben die Cisrhenanen sehr vielfältige Bezeichnungen, z.B. Demokraten,
Republikaner, Jakobiner. Ich habe mich jedoch auf die oben genannten
Begriffe begrenzt, um eine klare Beschreibung dieser Bewegung zu
gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen für die Entstehung der Cisrhenanen
3. Die Cisrhenanen- Begriffserklärung, Mitglieder, Geographische Lage
4. Ziele, Aktivitäten
5. Wirken, Entwicklung
6. Niedergang der Cisrhenanen
7. Befürworter der Annektion
8. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bewegung der sogenannten „Cisrhenanen“ während der französischen Besatzung des Rheinlandes am Ende des 18. Jahrhunderts, mit dem Ziel zu klären, warum der Plan eines eigenständigen Satellitenstaates scheiterte und in eine Integration bzw. Annektion durch Frankreich überging.
- Die politischen Rahmenbedingungen im Rheinland während der französischen Besatzung.
- Die Definition, Zusammensetzung und geografische Verbreitung der Cisrhenanen-Bewegung.
- Die propagandistischen Aktivitäten und das Wirken der Republikaner.
- Die Entwicklung von der Idee der cisrhenanischen Republik hin zur Annektionspolitik.
- Die historische Einordnung der Bewegung in den Kontext der Demokratisierung.
Auszug aus dem Buch
3. Die Cisrhenanen- Begriffserklärung, Mitglieder, Geographische Lage
Der Ausbruch der Französischen Revolution fand eine große Resonanz innerhalb der unteren Schichten der Bevölkerung und den Anhängern der Aufklärung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren deshalb 21 Städte im Rheinland Schauplatz von Unruhen, die gegen die bestehenden sozialen Verhältnisse kämpften. Darunter waren nahezu alle größeren Städte wie Aachen, Köln, Koblenz, Trier und Worms, aber auch etliche kleine Landstädte wie Boppard, Neuss, Andernach, Rheinberg und Oberwesel. Der Ursprung der Auseinandersetzungen waren meist die wirtschaftlichen und politischen Missstände.
Im Februar 1797 übergab das Pariser Direktorium General Lazare Hoche den Oberbefehl über die Maas-Sambre-Armee und übertrug ihm gleichzeitig die Ziviladministration des Rheinlands. Kurz nach Antritt legte er dem französischen Direktorium seine Vorstellungen über notwendige Veränderungen im besetzten Gebiet vor. Die unklare militärische und politische Lage im Rheinland brachte bisher häufig Änderungen innerhalb der Verwaltung mit sich, deren Bestimmungen die Bevölkerung stark belasteten und gegen die Franzosen aufbrachten. General Hoche berichtete, dass die rheinische Zivilverwaltung Schuld an der katastrophalen Versorgungslage der Armee sei und schlug vor, im Rheinland die ursprüngliche Verwaltung wiedereinzusetzen und die französischen Institutionen aufzulösen. Sein Hauptargument für diesen Vorschlag war das der ökonomischen Effektivität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die historische Ausgangslage der französischen Besatzung des Rheinlandes und definiert den Fokus der Untersuchung auf die Befürworter eines Satellitenstaates, die sogenannten Cisrhenanen.
2. Rahmenbedingungen für die Entstehung der Cisrhenanen: Dieses Kapitel beschreibt die politisch zerrissene ständische Ordnung des Rheinlandes vor der Französischen Revolution und die daraus resultierende soziale Ungleichheit, die den Nährboden für die Bewegung bildete.
3. Die Cisrhenanen- Begriffserklärung, Mitglieder, Geographische Lage: Hier werden der Ursprung der Unruhen in rheinischen Städten, die Definition der Cisrhenanen sowie die Rolle von General Hoche bei der Neuordnung der Verwaltung erläutert.
4. Ziele, Aktivitäten: Das Kapitel analysiert die politische Propaganda der Cisrhenanen, ihre Organisationsformen in Klubs und ihre Forderungen nach gesellschaftlichen Reformen.
5. Wirken, Entwicklung: Hier wird der Aufbau der Cisrhenanischen Föderation, das offizielle Ausrufen der Republik in verschiedenen Städten und das ambivalente Verhältnis der Bevölkerung zu diesen Umwälzungen beschrieben.
6. Niedergang der Cisrhenanen: Das Kapitel thematisiert das Scheitern der Cisrhenanischen Republik infolge innenpolitischer Verschiebungen in Paris und den Tod des Förderers General Hoche.
7. Befürworter der Annektion: Die Umwandlung der cisrhenanischen Gesellschaften in Akklamationsclubs zur Unterstützung der französischen Annektionspolitik steht hier im Zentrum.
8. Schluss: Die Arbeit bilanziert das Scheitern der cisrhenanischen Ambitionen und ordnet die Bewegung als einen, wenn auch in seiner Wirkung begrenzten, Vorläufer demokratischen Bewusstseins im Rheinland ein.
Schlüsselwörter
Cisrhenanen, Rheinland, Französische Revolution, Satellitenstaat, Annektion, Lazare Hoche, Jakobiner, Republikaner, politische Propaganda, Rheinische Föderation, Ancien Régime, Volkssouveränität, Rastatter Kongress, Patriotische Gesellschaft, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die cisrhenanische Bewegung, die während der französischen Besatzung des Rheinlandes Ende des 18. Jahrhunderts die Gründung einer eigenständigen, an Frankreich orientierten Republik anstrebte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die sozialen Verhältnisse im linksrheinischen Gebiet, die Rolle der französischen Besatzungspolitik, die politische Propaganda der "Jakobiner" und der Übergang von einer unabhängigen Republik-Idee hin zur späteren Annektion durch Frankreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu beleuchten, warum die Cisrhenanen trotz anfänglicher Begeisterung für einen eigenen Staat letztlich scheiterten und in eine Rolle als Befürworter der französischen Annektion gezwungen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung geschichtswissenschaftlicher Literatur sowie der Analyse zeitgenössischer Quellen und Dokumente zur Geschichte der linksrheinischen Gebiete während der Revolutionszeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den historischen Rahmenbedingungen, dem Wirken und der Organisation der Cisrhenanen, dem Prozess der Republik-Ausrufung in verschiedenen Städten sowie dem anschließenden Niedergang und der geänderten Annektionspolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Cisrhenanen, Französische Besatzung, Satellitenstaat, Annektion, Politische Partizipation und rheinische Republikaner.
Welche Rolle spielte General Lazare Hoche für die Bewegung?
General Hoche war der entscheidende Förderer der cisrhenanischen Bewegung, da er versuchte, durch einheimische Unterstützung die Zivilverwaltung zu stabilisieren und eine ökonomische Ausnutzung des Landes für Frankreich zu erleichtern.
Warum wird die Bewegung in der Forschung unterschiedlich bewertet?
Während ältere Forschung die Cisrhenanen oft als Separatisten oder Verräter am deutschen Wesen verurteilte, ordnet die moderne Geschichtsschreibung sie eher als heterogene Gruppe ein, die unter den gegebenen historischen Bedingungen einen Kompromissversuch zur Modernisierung wagte.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Kafka (Autor:in), 2009, Das „Wendejahr“ 1797/8: Cisrhenanische Republik oder Annektion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175730