Die Arbeit untersucht den Aufstieg semi-peripherer Staaten durch Rohstoffpolitik im modernen Weltsystem nach Wallerstein.
Zur Beantwortung der Frage "Wie kann ein semi-peripherer Staat durch seine Rohstoffpolitik dem eigenen Aufstieg dienen und mithin an Macht gewinnen?" wird zunächst das theoretische Gerüst der Weltsystemtheorie vorgestellt und der Charakter des modernen Weltsystems erläutert. Dargelegt werden die Rolle des einzelnen Staates und dessen konkurrierendes Verhältnis zu anderen Staaten, in einem Kontinuum zwischen den Polen Zentrum und Peripherie. Ausführlich wird dabei die spezielle Mittlerrolle der Semi-Peripherie aufgezeigt, aus welcher sich deren besondere Ergriffenheit von der Auf- und Abstiegsdynamik im modernen Weltsystem herleiten lässt. Im Folgenden wird argumentiert, dass Rohstoffreichtum allein keine hinreichende Bedingung für einen Aufstieg im Weltsystem ist. Vielmehr muss es sich um qualifizierte Ressourcen handeln, die essentiell für gegenwärtige leading-industries sind. Um diese als politischen Machtfaktor gebrauchen zu können, muss der entsprechende Staat den Willen mitbringen, sie politisch nutzbar zu machen, indem er durch Interventionen auf dem Rohstoffmarkt seine Machtansprüche vertritt. Im Folgenden wird ein Arsenal rohstoffpolitischer Maßnahmen vorgestellt, mit welchem dies zu erreichen sein kann. Ersichtlich wird, dass Staaten der Semi-Peripherie aufgrund ihrer Stellung im Weltsystem die Bereitschaft zum Einsatz rohstoffpolitischer Instrumente in hohem Maß vorweisen, da sie von dem Ziel angetrieben werden, auf Kosten der Zentrumstaaten näher an den Kreis der Zentrumsmächte zu rücken. Auf die theoretischen Überlegungen folgt mit der chinesischen Politik bzgl. Seltenen Erden ein Fallbeispiel für einen semi-peripheren Staat, der über seine Rohstoffpolitik die etablierten Industriestaaten unter Druck setzt. Auf deren Kosten gelingt es China, seine Monopolstellung im Export dieser unverzichtbaren Ressourcen für Zukunftstechnologien in einen Zuwachs an Verhandlungsmacht umzusetzen und so das Zentrum von sich abhängig zu machen. In einem abschließenden Fazit wird das Ergebnis der Arbeit diskutiert und auf Implikationen für die Anwendbarkeit der Weltsystemtheorie hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Das moderne Weltsystem - eine kapitalistische world-economy
- II.1 Der Staat im modernen Weltsystem
- II.2 Wettbewerb zwischen den Staaten: Das Zentrum-Peripherie-Kontinuum
- II.3 Semi-Peripherie
- II.3.a Charakteristika
- II.3.b Stellung im System
- II.4 Dynamik im modernen Weltsystem
- III. Rohstoffe als Machtfaktor
- III.1 Rohstoffkontrolle = Macht?
- III.2 Rohstoffpolitische Optionen „mächtiger“ Staaten
- III.3 Bedeutung für Staaten der Semi-Peripherie
- IV. Fallbeispiel: China und die Seltenen Erden
- IV.1 Seltene Erden
- IV.1.a Wirtschaftliche Bedeutung in einer leading-industry
- IV.1.b Vorkommen, Abbau und Nachfrageentwicklung
- IV.2 Chinesische Ressourcenpolitik
- IV.2.a Exportmonopolist China
- IV.2.b Chinesisches Engagement im australischen Bergbau
- IV.1 Seltene Erden
- V. Fazit und Implikationen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert den Aufstieg semi-peripherer Staaten im Kontext des modernen Weltsystems, insbesondere im Hinblick auf die Rolle der Rohstoffpolitik. Dabei wird untersucht, wie semi-periphere Staaten durch den gezielten Einsatz knapper, essentieller Ressourcen für leading-industries politische Macht gewinnen können.
- Die Rolle des Staates im modernen Weltsystem und die Dynamik des Zentrum-Peripherie-Kontinuums
- Die Bedeutung von Rohstoffen als Machtfaktor und die politischen Optionen "mächtiger" Staaten
- Die spezifische Stellung der Semi-Peripherie im Weltsystem und deren Handlungsspielräume
- Die Bedeutung von Seltenen Erden für die moderne Industrie und die chinesische Ressourcenpolitik
- Die Auswirkungen der chinesischen Rohstoffpolitik auf die internationale Verhandlungsmacht
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel I: Einleitung
Die Arbeit setzt sich mit dem Aufstieg Chinas im modernen Weltsystem auseinander und beleuchtet die Rolle der Rohstoffpolitik in diesem Zusammenhang. Die Weltsystemtheorie von Immanuel Wallerstein dient als theoretischer Rahmen für die Analyse.
- Kapitel II: Das moderne Weltsystem - eine kapitalistische world-economy
Dieses Kapitel beschreibt das moderne Weltsystem und die Rolle des Staates innerhalb dieses Systems. Es werden die zentralen Elemente des Zentrum-Peripherie-Kontinuums sowie die spezifische Stellung der Semi-Peripherie erläutert.
- Kapitel III: Rohstoffe als Machtfaktor
Das Kapitel diskutiert die Bedeutung von Rohstoffen als Machtfaktor und stellt verschiedene rohstoffpolitische Optionen von Staaten dar. Es wird insbesondere auf die Bedeutung von Rohstoffen für die Semi-Peripherie eingegangen.
- Kapitel IV: Fallbeispiel: China und die Seltenen Erden
Dieses Kapitel analysiert die chinesische Ressourcenpolitik im Bereich der Seltenen Erden. Es werden die wirtschaftliche Bedeutung dieser Metalle für die moderne Industrie sowie die chinesische Exportstrategie im Kontext der globalen Nachfrage beleuchtet.
Schlüsselwörter
Moderne Weltsystemtheorie, Zentrum-Peripherie-Kontinuum, Semi-Peripherie, Rohstoffpolitik, Rohstoffkontrolle, Macht, leading-industries, Seltene Erden, Exportmonopolist, China, internationale Verhandlungsmacht.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter der Semi-Peripherie im Weltsystem?
In der Weltsystemtheorie von Wallerstein ist die Semi-Peripherie die Zwischenschicht zwischen den hochentwickelten Zentrumstaaten und der unterentwickelten Peripherie. Sie fungiert als Puffer und ist besonders dynamisch im Auf- und Abstieg.
Wie können Rohstoffe als politischer Machtfaktor genutzt werden?
Staaten können ihre Macht steigern, indem sie den Zugang zu qualifizierten Ressourcen kontrollieren, die für moderne Schlüsselindustrien (Leading-Industries) unverzichtbar sind, und diese politisch instrumentalisieren.
Warum sind Seltene Erden so wichtig für China?
China nutzt seine Monopolstellung bei Seltenen Erden, die für Zukunftstechnologien (E-Mobilität, Elektronik) essenziell sind, um wirtschaftlichen Druck auszuüben und seine internationale Verhandlungsmacht gegenüber den Zentrumsmächten zu stärken.
Reicht Rohstoffreichtum allein für den Aufstieg eines Staates aus?
Nein, Rohstoffreichtum allein genügt nicht. Der Staat muss den politischen Willen zur aktiven Marktintervention besitzen und die Ressourcen müssen für die aktuellen technologischen Leitindustrien von strategischer Bedeutung sein.
Welche rohstoffpolitischen Maßnahmen setzen semi-periphere Staaten ein?
Dazu gehören Exportbeschränkungen, die Kontrolle über Bergbauunternehmen im Ausland, staatliche Subventionen und die gezielte Verknappung von Ressourcen auf dem Weltmarkt.
- Citation du texte
- Daniel Helwig (Auteur), 2011, Was hat er, was ich nicht habe? Der Aufstieg semi-peripherer Staaten durch Rohstoffpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175821