Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein traten die meisten direkt von der Kindheit in das Arbeitsleben der Erwachsenen über. Nur wenigen jungen Menschen war der „Luxus eines Moratoriums der Jugendzeit“ vergönnt. In den 1950ern konnte sich durch die gestiegene Prosperität eine Jugend für alle durchsetzen, die jedoch je nach Geschlecht und in Abhängigkeit von materiellen und sozialen Ressourcen recht unterschiedlich in Bezug auf Länge, Freiräumen und Möglichkeiten ausgeprägt war. Heutzutage – im Zuge der postadoleszenten Verlängerung – scheint Jugend immer schwerer nach hinten altersspezifisch abgrenzbar, zumal sich Jugendliche heute in Konfrontation mit einer Reihe gesellschaftlicher Entwicklungen befinden, welche hohen Druck auf die Identitätskonstruktion ausübt. Im heutigen Zeitalter der Cyber-Moderne, geprägt von Mediatisierung und Digitalisierung, ist das Internet präsenter als je zuvor und fest in den Alltag Jugendlicher integriert. Während ältere Formen der Selbstthematisierung, die neben Interaktion konstitutiv für das Identitätsmanagement ist, bereits gut erforscht wurden, sind neue mediale Formen, gerade solche, die sich auf das Web 2.0 beziehen, noch weniger gut aufgearbeitet. In dieser Arbeit wird die Beantwortung der zugrunde gelegten Fragestellung auf erste wissenschaftliche Ergebnisse gestützt.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, die Bedeutung von Social Network Sites (SNS) für das Identitätsmanagement Jugendlicher aufzuzeigen. Dies geschieht exemplarisch am Beispiel des Studentenverzeichnisses (im Folgenden kurz studiVZ genannt).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Digitale Jugendkultur
2.1 Jugendbegriff und Herausforderungen für Jugendliche
2.2 Jugend und Medien
3. Social Network Sites (SNS)
3.1 Definition
3.2 Was ist studiVz?
3.3 Möglichkeiten des Identitätsmanagement bei studiVz
3.3.1 Identitätsmanagement und Selbstthematisierung
3.3.2 Selbstthematisierung durch Profilgestaltung
3.3.3 Beeinflussung der Identitätsausbildung durch Kommunikationsfunktionen
3.3.4 Authentizität
3.4 Fazit: Bedeutung von Social Network Sites anhand des Beispiels
4. Diskussion und kritische Anmerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Bedeutung von Social Network Sites, insbesondere am Beispiel von studiVz, für das Identitätsmanagement von Jugendlichen in einer digitalisierten Lebenswelt.
- Wandel der Jugendphase im Kontext der Mediatisierung und Digitalisierung.
- Funktionen von Social Network Sites als Plattformen zur Selbstthematisierung.
- Die Rolle der Profilgestaltung für die Identitätskonstruktion.
- Kommunikationsformen und deren Einfluss auf die soziale Identitätsausbildung.
- Kritische Betrachtung von Authentizität und Risiken in virtuellen Räumen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Möglichkeiten des Identitätsmanagement bei studiVz
Wie bereits in Kapitel 2.1 dargelegt, sprechen wir von Identitätsmanagement, um den prozesshaften Charakter der Identitätsartikulation zu betonen. Döring bezeichnet Identitätsmanagement als selektive Offenbarung und Inszenierung der eigenen individuellen und sozialen Identitäten vor anderen Menschen. Identitätsmanagement wird im Folgenden verstanden als Wechselbeziehung zwischen Selbstdarstellung und Interaktion, welche es vermag, die Darstellung zu beeinflussen.
Mit der „Psychologisierung der Kultur“ seit den 1960ern wurde der Trend der Selbstreflexion eingeläutet und eine Kultur der Selbstthematisierung forciert. Postmoderne Entwicklungen, die von Transformation, Kontingenz und Fragmentierung geprägt sind, haben die Relevanz von Selbstdarstellungen erhöht. Zur Selbstthematisierung werden dabei institutionalisierte Mittel und Techniken benötigt („Institutionen der Selbstthematisierung“), die zugleich Angebot zur Identitätskonstruktion und Medium der Selbst-Enthüllung sind. Burkart unterteilt den Selbstthematisierungsprozess in drei Ebenen: 1. Die Selbstanalyse führt zur Selbsterkenntnis. Mittels der Selbstkontrolle wird entschieden, welche der Selbsterkenntnisse durch Mitteilung offenbart werden. 3. Letztlich findet die Mitteilung nach außen durch Selbstdarstellung statt, welche dann in Interaktion mit anderen kommentiert wird. Da sich Identität in Wechselbeziehung mit anderen konstituiert, wird im Folgenden zunächst auf Selbstdarstellung eingegangen (3.3.2) und dann auf Funktionen, die es ermöglichen, die Selbstdarstellung zu kommentieren und beeinflussen (3.3.3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein, umreißt den gesellschaftlichen Wandel der Jugendphase durch Mediatisierung und definiert das Ziel, die Bedeutung von Social Network Sites für das Identitätsmanagement aufzuzeigen.
2. Digitale Jugendkultur: Dieses Kapitel erörtert den Begriff der Jugend im historischen und soziologischen Kontext und beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Medien als Lebensweltbegleiter.
3. Social Network Sites (SNS): Das Hauptkapitel definiert soziale Netzwerke, stellt die Plattform studiVz detailliert vor und analysiert die Mechanismen der Identitätskonstruktion durch Profilgestaltung, Kommunikation und das Streben nach Authentizität.
4. Diskussion und kritische Anmerkungen: Abschließend werden die Potenziale von Social Network Sites reflektiert und kritisch hinterfragt, etwa hinsichtlich des Datenschutzes, Cyber-Mobbing-Risiken und der Diskrepanz zwischen realer Identität und Wunschvorstellung.
Schlüsselwörter
Identitätsmanagement, studiVz, Mediatisierung, Digitalisierung, Jugendkultur, Selbstdarstellung, Web 2.0, Identitätskonstruktion, Social Network Sites, Authentizität, Interaktion, Online-Repräsentation, Postmoderne, Kommunikation, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche soziale Netzwerke wie studiVz nutzen, um ihre Identität online darzustellen, zu verhandeln und sozial zu interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der soziologische Wandel der Jugendphase, die technologische Entwicklung des Web 2.0 sowie die psychologischen Prozesse der Selbstdarstellung in digitalen Räumen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Funktionen von studiVz als Werkzeug des Identitätsmanagements aufzuzeigen und zu analysieren, wie Jugendliche durch diese Plattformen ihre Selbstrepräsentation gestalten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten theoretischen Analyse, die aktuelle medienpädagogische und sozialpsychologische Erkenntnisse mit empirischen Daten (z.B. der JIM-Studie) verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Jugendkultur und Mediennutzung sowie eine detaillierte Untersuchung der Funktionen von Social Network Sites für das Identitätsmanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Identitätsmanagement, Selbstdarstellung, Mediatisierung, Social Network Sites und digitale Identitätskonstruktion charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Online-Inszenierung von der Selbstdarstellung im Alltag?
Die Selbstdarstellung online ist im Vergleich zu realen Begegnungen stärker kontrollierbar und steuerbar, da sie gezielte Auswahl von Inhalten, Bildern und Symbolen zur Identitätspräsentation ermöglicht.
Welche Rolle spielt die "Authentizität" bei der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken?
Das Streben nach einer authentischen Identitätsdarstellung steht oft im Spannungsfeld mit den Erwartungen der Peergroup und der Notwendigkeit einer inszenierten Selbstpräsentation zur sozialen Integration.
Gibt es Risiken beim Identitätsmanagement auf studiVz?
Ja, kritische Aspekte umfassen den Datenschutz, die potenzielle Negativwahrnehmung durch Dritte oder Arbeitgeber sowie Gefahren wie Cyber-Mobbing und den Druck zur ständigen Verfügbarkeit und Konformität.
- Arbeit zitieren
- Thea Hartig (Autor:in), 2011, Welche Bedeutung haben Social Network Sites wie beispielsweise StudiVZ für das Identitätsmanagement von Jugendlichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175843