Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle der Frau im Deutschland des frühen 19. Jahrhundert und dem Ausdruck den sie in der von Frauen verfassten Literatur jener Zeit gefunden hat. Speziell steht hierbei das Werk „Reise einer Wienerin in das Heilige Land“ von Ida Pfeiffer im Mittelpunkt. Es soll gezeigt werden, wie Ida Pfeiffer die Rolle der Frau repräsentiert und selbst gestaltet und wie sich gleichzeitig ihre Sichtweise auf die weiblichen Orte fremder Kulturen darstellt. Es gilt zu untersuchen inwiefern ihr Frauenbild zeitgenössisch geprägt ist und in wiefern sie selbst neue Maßstäbe setzt. Um eine umfassende Betrachtung der Darstellung weiblicher Orte in der von Frauen geschaffenen Literatur zu gewährleisten möchte ich vergleichend die Position Fanny Lewalds in ihrem Werk „Italienisches Bilderbuch“ erarbeiten. Zum genaueren Verständnis der Werke werde ich die Frauenbewegung in Deutschland im frühen 19. Jahrhundert vorstellen. Außerdem soll das Verhältnis der Autorinnen Pfeiffer und Lewald zu dieser ersten feministischen Vereinigung beleuchtet werden. Interessant ist hierbei inwiefern sie ideell, mental oder aktiv zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Die Betrachtung des Phänomens Literatur von Frauen im Kontext des gesellschaftlichen Wandels im 19. Jahrhundert erscheint mir auch aus heutiger Sicht interessant. Ich erwarte mir die Einsicht, dass in jener Zeit das geistige Fundament für die emanzipierte und feministische Literatur der folgenden Jahrhunderte gelegt wurde und Frauen wie Ida Pfeiffer und Fanny Lewald mit ihrer eigenwilligen und unkonventionellen Lebensweise als Vordenkerinnen der Generation um Virginia Woolf bezeichnet werden können.
Die Wahl der Autorinnen erklärt sich nicht allein durch ihre schriftstellerischen Leistungen, sondern vielmehr durch ihre herausragenden charakterlichen und biographischen Merkmale, die sie von anderen Frauen ihrer Zeit unterscheiden.
Die Termini „weiblich“ und „männlich“ dieser Arbeit sind keine biologischen Bezeichnungen, sondern umfassen die Eigenschaften, die Frauen und Männern in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zugeschrieben werden. „Weiblich“ meint demnach alle Attribute, die man Frauen in ihrem für sie typischen Verhalten zuschreibt...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle der Frau in der deutschen Gesellschaft Anfang des 19.Jh. – Frauenbewegung in Deutschland
3. Ida Pfeiffer
3.1 Biographie
3.2 Reise einer Wienerin in das Heilige Land
3.2.1 Werk
3.2.2 Geschlechterrollen – Position der Frau im Text
4. Fanny Lewald
4.1 Biographie
4.2 Werk
4.2.1 Italienisches Bilderbuch - Geschlechterrollen im Text
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Frau im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts anhand der Reiseliteratur von Ida Pfeiffer und Fanny Lewald. Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Autorinnen durch ihre unkonventionellen Lebensentwürfe und schriftstellerischen Leistungen gegen gesellschaftliche Konventionen verstießen und als Vordenkerinnen für die Frauenbewegung fungierten, während sie gleichzeitig ihre eigene Position zwischen gesellschaftlicher Repression und persönlicher Freiheit reflektierten.
- Analyse der Rolle der Frau im frühen 19. Jahrhundert
- Bedeutung der ersten deutschen Frauenbewegung
- Biografische und literarische Einordnung von Ida Pfeiffer
- Biografische und literarische Einordnung von Fanny Lewald
- Darstellung weiblicher Geschlechterrollen in Reiseberichten
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Werk
„Sie hat Konstantinopel, Brussa, Smyrna, Beirut, Jerusalem, Damaskus und Kairo mit ihrem Besuch beehrt. Mehr erfährt man eigentlich aus ihrem langatmigen Buch nicht. Es ist als Reiseerzählung so trocken wie der Staub des Morgenlandes, den die Reisende auf ihren Schuhen sammelte, und für die Wissenschaft ohne Belang.“52, urteilte ein Zeitgenosse Ida Pfeiffers, freilich ein Mann, über ihr Erstlingswerk. Und wahrlich bestätigt sich bei der Lektüre des Reiseberichtes die oben formulierte Empfindung, dass Pfeiffer Gefühle nicht entäußert und bei ihren Aufzeichnungen stets sachlich und damit letztlich distanziert bleibt. Vielfach von Kritikern erwähnt ist auch die scheinbare Naivität ihres Schreibstils, zwar hat sie sich selbst weit reichende Kenntnisse zu verschiedenen Themen erarbeitet, dennoch ist ihr Wissen über die politische Lage und die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe der zu bereisenden Länder begrenzt. Anders als oftmals formuliert, scheint in dieser Naivität aber auch ein Vorteil der verhältnismäßig großen Objektivität zu liegen, trotz aller gesellschaftlichen Konditionierung. Ihr Schreibstil offenbart demnach nicht nur eine konnotativ negativ behaftete Naivität, sondern vor allem die inhaltliche Zurücknahme des individuellen Ichs. Statt über eigene Befindlichkeiten zu weit auszuschweifen, versucht Pfeiffer eher ein möglichst detailliertes Bild der erlebten Welt wiederzugeben – was ihre immanente Leserin enttarnt, die an Haus und Familie gebundene Frau, die, wie einst Pfeiffer, vom Reisen träumt. So macht Ida Pfeiffer „sich selbst nichts vor und plappert anderen nichts nach. (…) [N]üchtern bis zur Trockenheit und Farblosigkeit [schildert sie] nur das, was und wie sie es selbst sah. Niemals lässt sie sich verleiten, etwas schön oder bedeutend zu finden, weil andere es preisen.“53 Diese Unabhängigkeit vermisst sie bei vielen ihrer männlichen Kollegen und erwähnt immer wieder deren „Übertreibungen, die ihrer Auffassung nach die Wirklichkeit verfälschen“54 Mit ihrem scharfen Blick beobachtet Ida Pfeiffer menschliche Zustände unsentimental wie die Sklavenmärkte des Orients oder ein Irrenhaus in Kairo.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Rolle der Frau im 19. Jahrhundert ein und stellt die Reiseliteratur von Ida Pfeiffer und Fanny Lewald als zentrale Untersuchungsgegenstände vor.
2. Die Rolle der Frau in der deutschen Gesellschaft Anfang des 19.Jh. – Frauenbewegung in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Stellung der Frau im 19. Jahrhundert sowie die Anfänge und Hintergründe der ersten deutschen Frauenbewegung.
3. Ida Pfeiffer: Dieser Abschnitt beleuchtet das Leben und das Werk von Ida Pfeiffer, wobei besonders ihre Reisetätigkeit und ihre Position als Pionierin der Reiseliteratur im Vordergrund stehen.
4. Fanny Lewald: In diesem Kapitel wird das Leben und Schaffen der Schriftstellerin Fanny Lewald dargestellt, wobei ein Fokus auf ihren sozialen Themen und ihrem Beitrag zur Frauenemanzipation liegt.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung der beiden Autorinnen für die Frauenbewegung und ordnet ihre Leistungen in den historischen Kontext des gesellschaftlichen Wandels ein.
Schlüsselwörter
Frauenbewegung, Ida Pfeiffer, Fanny Lewald, Reiseliteratur, 19. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Emanzipation, Weiblichkeit, gesellschaftlicher Wandel, Geschlechterklischees, Literaturgeschichte, bürgerliche Gesellschaft, soziale Diskriminierung, Patriarchat, Reisetagebuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Rolle der Frau im frühen 19. Jahrhundert und wie diese durch die von Frauen verfasste Reiseliteratur, speziell durch Ida Pfeiffer und Fanny Lewald, repräsentiert und kritisch hinterfragt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die patriarchale Gesellschaftsstruktur des 19. Jahrhunderts, die Anfänge der deutschen Frauenbewegung, das literarische Wirken von Pfeiffer und Lewald sowie die Konstruktion weiblicher Identität durch Reisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu zeigen, wie Pfeiffer und Lewald durch unkonventionelle Lebensweisen und ihre Texte als Vordenkerinnen einer emanzipierten Frauenbewegung agierten und wie ihr Frauenbild zeitgenössisch geprägt war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Analyse, wobei primär die Werke „Reise einer Wienerin in das Heilige Land“ und „Italienisches Bilderbuch“ auf ihre inhaltliche Darstellung weiblicher Rollen untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Frauenbewegung, eine detaillierte Biografie und Werkbetrachtung von Ida Pfeiffer sowie eine entsprechende Analyse von Fanny Lewald mit besonderem Fokus auf deren jeweilige Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Emanzipation, Frauenbewegung, Geschlechterrollen, Reiseliteratur, 19. Jahrhundert und gesellschaftlicher Wandel geprägt.
Wie unterscheidet sich die literarische Herangehensweise von Ida Pfeiffer von der Fanny Lewalds?
Während Pfeiffer einen eher sachlichen, tagebuchartigen Stil bevorzugt und eine innere Distanz wahrt, schreibt Lewald blumiger, personalisiert ihre Reisebegegnungen stärker und formuliert in anderen Schriften deutlichere Forderungen zur Geschlechtergleichstellung.
Inwiefern lässt sich Ida Pfeiffer trotz ihres "Deckmantels der Tugendhaftigkeit" als Revoluzzerin bezeichnen?
Pfeiffer agierte als eine der ersten allein reisenden Frauen in Regionen, die als gefährlich für Frauen galten, und untergrub damit durch ihre bloße, unkonventionelle Existenz die herrschenden gesellschaftlichen Konventionen, auch wenn sie sich vordergründig oft bescheiden gab.
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- Kristina Hellhake (Author), 2008, Reiseliteratur als Emanzipation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175915