Heutzutage ist uns Literatur in unterschiedlichsten Formen zugänglich. Neben dem Film, dem Hörspiel und der Übersetzung stellen Comics und Graphic Novels einen weiteren Bereich der medialen Transformation dar. Joann Sfar griff mit seiner transmedialen Adaption "Le Petit Prince" in Form einer Graphic Novel die hoch kanonisierte Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry wieder auf und machte sie einem breiten Publikum auf visuelle Weise zugänglich.
Neben den theoretischen Abschnitten zu den Themen Adaption, Trans-, Inter- und Multimedialität und Comics und Graphic Novels als mediale Transformationen, soll in dieser Masterarbeit eine Analyse anhand eines konkreten Beispiels Auskunft darüber geben, welche Veränderungen im Vergleich zum Prätext festgestellt werden können sowie welche Ergänzungen und Verluste verzeichnet werden können. Dabei zeigt sich, dass die Nähe zum Original ein wesentliches Merkmal von transmedialen Adaptionen darstellt und sowohl Ergänzungen als auch Verluste lediglich in so einem Ausmaß vorhanden sind, wie es der Vermittlung des Inhalts zumutbar ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretische Basis
1. Begriffsbestimmung und theoretische Verortung
1.1. Adaption
1.2. Transmedialität
1.2.1. Begriffsdefinition
1.2.2. Historische Begriffsentwicklung
1.3. Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
1.3.1. Intermedialität
1.3.2. Multimedialität
1.3.3. Schlussfolgerung
1.4. Literarische Vorlagen und mediale Transformationen
1.4.1. Comics und Graphic Novels als mediale Transformationen
Vorstellung des Analysemodells
1.5. Analysemodell nach Blank (2015)
1.5.1. Kategorie 1 – Prätext
1.5.2. Kategorie 2 – Oberfläche des Comics
1.5.3. Kategorie 3 – Handlung
1.5.4. Kategorie 4 – Figurendarstellung
1.5.5. Kategorie 5 – Szenerie
1.5.6. Kategorie 6 – Perspektivierung
1.5.7. Kategorie 7 – Paratext
1.5.8. Kategorie 8 – Kontext
1.5.9. Fazit
Analytischer Teil
2. Methodik und Herangehensweise
3. Werkauswahl
3.1. Autor und historischer Kontext
4. Analyse
4.1. Prätexte
4.2. Oberfläche des Comics
4.2.1. Comicoberfläche
4.2.2. Farbliche Gestaltung
4.2.3. Leitmotive
4.2.4. Sprachliche Gestaltung
4.3. Handlung
4.4. Figurendarstellung
4.5. Szenerie & Perspektive
4.6. Paratext
4.7. Kontext
5. Synthese der Analyseergebnisse
6. Transmedialität im Sprach- und Literaturunterricht
7. Resümee & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, das Phänomen der transmedialen Literaturadaption am konkreten Beispiel von Joann Sfars Graphic Novel Le Petit Prince im Abgleich mit Antoine de Saint-Exupérys weltbekanntem Prätext zu erforschen. Im Zentrum stehen die Leitfragen, inwiefern sich eine literarische Vorlage durch den Medienwechsel in eine Graphic Novel verändert und welche medial bedingten Gewinne und Verluste sich im Zuge dieser Transformation verzeichnen lassen. Darüber hinaus wird diskutiert, wie transmediale Erzählformen im schulischen Sprach- und Literaturunterricht gewinnbringend eingesetzt werden können.
- Theoretische Fundierung und terminologische Differenzierung von Adaption, Transmedialität, Intermedialität und Multimedialität
- Strukturierung der Comicanalyse anhand des achtteiligen modularen Analysemodells nach Juliane Blank (2015)
- Detaillierte Untersuchung der Comicoberfläche bezüglich Panels, Sprechblasen, Typografie und Farbpsychologie
- Vergleichende Analyse von Handlungskürzungen, narrativen Ergänzungen und der visuellen Figurendarstellung
- Didaktische Potenziale und didaktisch-methodische Überlegungen zum Einsatz transmedialer Adaptionen im Unterricht
Auszug aus dem Buch
Farbliche Gestaltung
Im Rahmen der zweiten Analysekategorie Oberfläche des Comics soll weiters auch die farbliche Gestaltung besprochen werden. Bereits zu Beginn dieses Kapitels wurde das Farbkonzept des Covers und des Buchrückens angesprochen. Es konnte festgestellt werden, dass ein farbliches Grundmerkmal dieses Werkes der Blauton ist. In der Vergangenheit hatte es überwiegend finanzielle Gründe, ob ein Comic oder eine Graphic Novel farblich gestaltet oder in schwarz-weiß gehalten wurden. Heutzutage spielt neben dem finanziellen Aspekt auch die künstlerische Komponente eine Rolle, wenn es darum geht, ob Farbe verwendet wird oder nicht. Der Einsatz von Farbe vermittelt Inhalte und kreiert eine besondere Atmosphäre und gilt deswegen als Stilmittel zu berücksichtigen. (vgl. Abel & Klein, 2016, S. 83) Vorherrschend sind die Farben, die auf dem Cover zu sehen sind. Diese sind Blau, Grün, Rot, Gelb, Beige und Braun. Diese Farben und ihre unterschiedlichen Abstufungen ziehen sich durch die gesamte Graphic Novel. Auffallend ist, dass die Augen des Kleinen Prinzen in einem leuchtenden Hellblau mit einem kleinen schwarzen Punkt, der die Pupille abbildet, dargestellt sind, während die Augen des Piloten im Gegensatz dazu in weißer Farbe mit einem schwarzen Punkt als Pupille beinahe unauffallend beziehungsweise passiv wirken. Durch diese Farbgebung treten die Augen des Kleinen Prinzen immer in den Vordergrund.
Allgemein kann zur farblichen Gestaltung gesagt werden, dass Joann Sfar kräftige, ausdrucksstarke Farben verwendet, was, da es sich um eine märchenhafte Erzählung handelt, durchaus passend ist. Würde es sich inhaltlich um eine tatsächliche Schilderung eines Flugzeugabsturzes handeln, wären diese lebendigen Farben unpassend. Dies unterstreicht die fantasievolle, kindliche und märchenhafte Atmosphäre und vermittelt dem Leser/der Leserin ein Gefühl von Leichtigkeit und Offenheit. Die Farbgebung erfolgt klar und flächenhaft und wirkt nahezu ausgemalt. Bereits bei flüchtiger Inaugenscheinnahme der Graphic Novel stechen einem die freundlichen, leuchtenden Farben ins Auge. Dennoch lassen sich auch Panels beziehungsweise Seiten ausmachen, in denen eine dunkle und düstere Farbgebung überwiegt. Sämtliche Situationen, die sich nachts abspielen, wie jene in denen der Kleine Prinz erstmals den schlafenden Piloten weckt, um diesen zu bitten, ihm ein Schaf zu zeichnen, werden in dunklen Blau- und Violetttönen gehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ausgangslage des medialen Wandels, definiert das Forschungsinteresse an transmedialen Adaptionen und formuliert die zentralen Forschungsfragen der Masterarbeit.
Theoretische Basis: Dieser übergeordnete Teil bündelt die medienwissenschaftlichen und narratologischen Theorien zur Fundierung der anstehenden Text-Bild-Analyse.
1. Begriffsbestimmung und theoretische Verortung: Das Kapitel differenziert die Leitbegriffe Adaption, Transmedialität, Intermedialität sowie Multimedialität voneinander und ordnet Comics und Graphic Novels in das Spektrum medialer Transformationen ein.
Vorstellung des Analysemodells: Dieser Abschnitt dient als Bindeglied zwischen theoretischer Basis und praktischer Modellvorstellung für die spätere Untersuchung.
1.5. Analysemodell nach Blank (2015): Es wird das modulare Instrumentarium nach Juliane Blank mit seinen acht Analysekategorien – von Prätext über Comicoberfläche bis hin zu Kontext – systematisch vorgestellt.
Analytischer Teil: Der Analyseteil bildet den Kern der empirisch-textanalytischen Auseinandersetzung mit der Graphic Novel.
2. Methodik und Herangehensweise: Das Kapitel skizziert die methodische Vorgehensweise und den praktischen Einsatz des Kategoriensystems zur Beantwortung der Forschungsfragen.
3. Werkauswahl: Hier wird der Untersuchungsgegenstand begründet sowie Biografie und historischer Erfahrungshorizont des Autors Antoine de Saint-Exupéry beleuchtet.
4. Analyse: In diesem Hauptkapitel wird Joann Sfars Werk anhand der Kategorien Prätext, Oberfläche, Handlung, Figurengestaltung, Raum, Paratext und Kontext detailliert seziert.
5. Synthese der Analyseergebnisse: Die Einzelergebnisse der Kategorien werden zusammengeführt und im Hinblick auf narrative Kontinuitäten, Verluste und mediale Gewinne gebündelt.
6. Transmedialität im Sprach- und Literaturunterricht: Das Kapitel entwirft praxisorientierte didaktische Konzepte zur Einbindung transmedialer Werke in den Deutsch- und Fremdsprachenunterricht.
7. Resümee & Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Transmedialitätspotenziale für den literarischen Kanon und regt weiterführende Forschungsfragen an.
Schlüsselwörter
Transmedialität, Adaption, Graphic Novel, Comic, Le Petit Prince, Antoine de Saint-Exupéry, Joann Sfar, Juliane Blank, Comicanalyse, Intermedialität, Farbpsychologie, Literaturdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung transmedialer Literaturadaptionen und analysiert am Beispiel von Joann Sfars Graphic Novel Le Petit Prince die medienästhetischen Transformationen des klassischen Textes von Antoine de Saint-Exupéry.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den thematischen Schwerpunkten gehören Medien- und Adaptionstheorien, die formale und bildsprachliche Analyse von Comics und Graphic Novels sowie didaktische Fragestellungen zum Einsatz transmedialer Formate im Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage der Masterarbeit?
Die Arbeit erforscht, wie sich die literarische Vorlage durch die Übertragung in das Bildmedium verändert und welche qualitativen Gewinne sowie Verluste im Rahmen dieses Transformationsprozesses zu beobachten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse angewendet?
Die Untersuchung stützt sich auf das achtteilige modulare Analysemodell nach Juliane Blank (2015), das Kategorien wie Prätext, Comicoberfläche, Handlung, Figuren, Szenerie, Perspektive, Paratext und Kontext systematisch abarbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Im Hauptteil werden Layout, Farbgestaltung, Panelstrukturen, Text-Bild-Bezüge, Figurenmimik und Schauplätze von Sfars Werk akribisch aufgeschlüsselt und mit Textstellen sowie Originalillustrationen von Saint-Exupéry verglichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Prägende Fachbegriffe sind Transmedialität, Literaturadaption, Graphic Novel, Comicoberfläche, Handlettering, Diegetischer Raum und Intermediale Literaturdidaktik.
Wie wird die Figur des Piloten in Sfars Graphic Novel visuell dargestellt?
Im Gegensatz zum literarischen Prätext, in dem der Ich-Erzähler bildlich nicht auftaucht, gestaltet Sfar den Piloten als greifbare Figur, deren Aussehen und Kleidung unverkennbar an reale Fotografien des Autors Antoine de Saint-Exupéry angelehnt sind.
Welche Rolle spielt die Farbgebung für die Interpretation der Graphic Novel?
Farben dienen als narratives und emotionales Instrument: Während leuchtende Töne wie Grün und Gelb den Kleinen Prinzen und heitere Szenen hervorheben, spiegeln kühle Blau- und Violetttöne Einsamkeit, Nacht und Traurigkeit wider.
Welche konkreten Ergänzungen hat Joann Sfar gegenüber dem Originaltext vorgenommen?
Sfar fügt unter anderem eine sprechende Rauchgestalt in Schlangenform zu Beginn der Erzählung hinzu, lässt den Piloten eine spielerische Funk-Szene improvisieren und baut moderne reale Objekte wie Flugzeuge und Satelliten in die Weltraumreise ein.
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- Julia Kahr (Author), 2025, Joann Sfars Graphic Novel "Le Petit Prince" als transmediale Adaption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1759305