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Diktaturen. Globale Geschichte einer Herrschaftsform im 20./21. Jahrhundert

Titel: Diktaturen. Globale Geschichte einer Herrschaftsform im 20./21. Jahrhundert

Skript , 2023 , 38 Seiten , Note: 1,6

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zusammenfassung der Grundlagenliteratur zur Didakturgeschichte im 20. Jahrhundert.
Hilfreich sowohl für die Vorlesung als auch für weiterführende Seminare in diesem Bereich.

Das Skript gibt einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung diktatorischer Herrschaftsformen im 20. und 21. Jahrhundert. Ausgehend von der historischen Entwicklung des Diktaturbegriffs werden die Entstehung, Struktur und Legitimation moderner Diktaturen sowie ihr Verhältnis zu Demokratie, Autoritarismus und Totalitarismus behandelt. Weitere Schwerpunkte bilden der Nationalsozialismus, Faschismus und kommunistische Diktaturen, verschiedene theoretische Erklärungsansätze und Modelle sowie der historische Vergleich und die globalen Verflechtungen diktatorischer Systeme.

Hinweis: Die Zusammenfassung basiert auf Vorlesungsinhalten und Grundlagenliteratur und ist überwiegend in Stichpunkten und kurzen Notizen aufgebaut.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung der Grundlagenliteratur (Jan C. Behrends)

1.1 Wie hat sich der Diktaturbegriff von der Antike bis zur Gegenwart verändert?

1.2 Diktatur zwischen Leviathan und Behemoth

1.3 Diktaturbegriff Heute

2. Sitzung 1 – 09.04: Grundlagen und Theorien der Diktatur

2.1 Allgemeines und Exkurs zu Fraenkel, Arendt und Schmitt

2.2 Zeitgenossenschaft und Theoriebildung

2.3 Demokratie und Diktatur

2.4 Neumann – Notizen zur Theorie der Diktatur (Nachbereitung)

3. Sitzung 2 – 16.04: Begriffliche Entwicklung und Typologien

3.1 Vorbereitung: Brockhaus (Strukturmerkmale von Diktaturen)

3.2 Merkel Artikel Diktatur, Lexikon Politik 2010

3.3 Ein Begriff und seine Geschichte: Antike Ursprünge und moderne Umformungen

3.4 Diktaturbegriffe des frühen 20. Jhd. von „links“ und „rechts“

3.5 Historische Semantik der Diktatur

4. Sitzung 3: 23.04.2024 – Die „Epoche der Diktaturen“: Europa 1919 bis 1939/45

4.1 Nachwirkungen des 1. Weltkrieges

4.2 A „Global Revolution of Rising Expectations“ (J. Leonhard)

4.3 Wellen der Diktaturgründung (in Europa)

4.4 Krise der Demokratie? [Fallbeispiel Deutsches Reich]

4.5 Krisendiagnosen und Zukunftsversprechen der Diktatur [Fallbeispiel Spanien]

5. Sitzung 4: 30.04.2024 – Nationalsozialismus und „totale Herrschaft“

5.1 Hannah Arendt – Was heißt persönliche Verantwortung in der Diktatur?

5.2 Diktatur und Demokratie in der Sprache des Nationalsozialismus

5.3 Diktaturtheorie aus der Emigration: NS-Herrschaft als „Doppelstaat“ nach Ernst Fraenkel

5.4 Diktaturtheorie aus der Emigration: NS-Herrschaft als „Behemoth“

5.5 Jenseits der Diktaturtheorie: NS-Regime und „totale Herrschaft“ bei Hannah Arendt

6. Sitzung 5: 07.05.2024 – Diktaturen im Vergleich (Detlef Schmiechen-Ackermann)

6.1 Erklärungsansätze und Modelle zur Erforschung von Diktaturen

6.2 Sinn und Zweck historischen Vergleichens

6.3 Diktaturvergleich: Totalitarismustheorie und Faschismustheorie

6.4 Diktaturvergleich und „moderne Diktatur“

7. Sitzung 21.05.2024 – Globale Verflechtungsgeschichte

7.1 Wechselseitige Wahrnehmung und Lernprozesse nach dem 1. Weltkrieg

7.2 Wissenstransfer, Zusammenarbeit und Verflechtung im Kalten Krieg

7.3 Text: Bösch, Deals mit Diktaturen

8. Sitzung 04.06.2024 – Charismatische Herrschaft

8.1 Charisma: Annäherungen an den Begriff

8.2 Charismatische Herrschaft und Idealtypen legitimer Herrschaft

8.3 Fallbeispiele charismatischer Herrschaft (Portugal, Frankreich, UdSSR/DDR)

9. Sitzung 11.06.2024 – Gewalt, Terror und Teilhabe

9.1 Gewalt und Macht

9.2 Terror und Teilhabe

9.3 Räume der Gewalt

10. Sitzung 18.06.2024 – Machtverlust – und das Ende

10.1 Über das Ende von Diktaturen

10.2 Kontinuität und Diskontinuität

10.3 Regimewandel in Spanien zwischen Kontinuität und Diskontinuität

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit bietet eine fundierte historische und politikwissenschaftliche Analyse autokratischer und totalitärer Herrschaftssysteme im 20. und 21. Jahrhundert. Das zentrale Erkenntnisziel besteht darin, den Bedeutungswandel des Diktaturbegriffs von der antiken, zeitlich befristeten Notstandsinstitution hin zur modernen, entgrenzten Gewaltherrschaft nachzuvollziehen. Dabei wird erforscht, über welche Mechanismen – wie charismatische Führung, institutionelle Doppelstrukturen, repressive Zwangsgewalt und soziale Partizipation – Diktaturen etabliert, stabilisiert und letztlich wieder transformiert oder überwunden werden.

  • Begriffsgeschichte und historische Semantik der Diktatur von der Antike über die Französische Revolution bis zur Moderne
  • Theoriebildung und Klassiker der Forschung: Carl Schmitt, Franz L. Neumann, Ernst Fraenkel und Hannah Arendt
  • Wellen der Diktaturgründung in der europäischen Zwischenkriegszeit sowie Dynamiken von Faschismus und Bolschewismus
  • Strukturmerkmale moderner Gewaltherrschaft: Maßnahmenstaat vs. Normenstaat, Ideologie, Terror und bürokratische Herrschaft
  • Konzepte charismatischer Herrschaft nach Max Weber und Emilio Gentile sowie deren Veralltäglichung und Grenzen
  • Dynamiken des Machtverlusts, Nachfolgekonflikte und Regimewechsel am Beispiel von Franco-Spanien und Ceaușescus Rumänien

Auszug aus dem Buch

III. Diktaturbegriffe des frühen 20. Jhd. von „links“ und „rechts“

Wladimi Iljitsch Lenin: Demokratische Republik, Nationalversammlung, allgemeine Wahlen usw. sind in Wirklichkeit Diktatur der Bourgeoisie, für Befreiung der Arbeiter brauche es eine Ablösung durch die Diktatur des Proletariats. „Demokratie für die Armen“ statt „Demokratie für die Reichen“.

Karl Kautsky: innersozialistische Kritik an Lenins antidemokratischer Zuspitzung der Diktatur. Erbsünde des Bolschewismus sei eine Verdrängung der Demokratie durch die Regierungsform der Diktatur, die nur einen Sinn hat als unumschränkte Gewaltherrschaft einer Personen oder einer kleinen, fest zusammenhaltenden Organisation. Diese gewaltsame Diktatur muss von den Regierenden aufrechterhalten werden und kann nicht nur temporär sein, da sie auf demokratische Komponenten verzichtet.

Carl Schmitt: „Der kommissarische Diktator ist der unbedingte Aktionskommissar eines pouvoir constitué, die souveräne Diktatur die unbedingte Aktionskommission eines pouvoir constituant“. Schmitt setzt sich mit kommunistischen Vorstellungen einer Diktatur des Proletariats auseinander. Diktaturbegriff von rechts: Kommissarische Diktatur: Temporär, begrenzte Machtübertragung zur Erhaltung und Wiederherstellung bestehender Ordnung. Souveräne Diktatur: Umfassende, transformative Machtübernahme zur Schaffung einer neuen Ordnung.

Wiederkehr Diktatur mit Franz. Revolution (vorher Tyrannei, Despotie) => polit. Kampfbegriff, Tendenz zur Zwangsherrschaft. Marx Begriff „Diktatur des Proletariats“ (Diktatur der Massen) als „Gegenbild für die Entwicklung des nationalsozialistischen Führerprinzips“ (da, wo nur einer herrscht). Im 20. Jhd. entsteht dann Konkurrenz zwischen: liberaler vs. Kommunistischer vs. Faschistisch-nationalsozialistischer Diktaturbegriff => wird auf Schlachtfeld ausgetragen.

Nach 1945: Sammelbegriff für alles, was keine funktionierende parlamentarische Demokratie ist => eigentlich Herrschaftsform, die weltgeschichtlich die Regel war, nicht Ausnahme. Carl Joachim Friedrich: Diktaturbegriff nach 1945 fragwürdig, eher Terminus „Regime“ oder „Gewaltherrschaft“. Ursache: historisch gewachsener Zweifel an Möglichkeit einer „echten Entscheidung des Einzelnen“. Selbstbeschreibung verschiedenster Herrschaftsformen als Demokratie (nicht als Diktatur). Diktatur = vage Bezeichnung für das Böse, das alle Rechtsordnungen ignoriert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zusammenfassung der Grundlagenliteratur (Jan C. Behrends): Das Kapitel zeichnet den Bedeutungswandel des Diktaturbegriffs von der römischen Krisenmagistratur bis zur modernen Gewaltherrschaft nach und führt die kontrastierenden Modelle von totalem Staat (Leviathan) und antistaatlicher Anomie (Behemoth) ein.

2. Sitzung 1 – 09.04: Grundlagen und Theorien der Diktatur: Behandelt werden wesentliche politiktheoretische Grundlagen über die Entstehung autoritärer Regime innerhalb krisenhafter Demokratien sowie Franz L. Neumanns Typologie einfacher, caesaristischer und totalitärer Diktaturen.

3. Sitzung 2 – 16.04: Begriffliche Entwicklung und Typologien: Dieses Kapitel systematisiert formale Strukturmerkmale von Diktaturen anhand lexikalischer Definitionen und analysiert die historische Spaltung des Begriffs in sozialistische und rechtsautoritäre Konzeptionen im frühen 20. Jahrhundert.

4. Sitzung 3: 23.04.2024 – Die „Epoche der Diktaturen“: Europa 1919 bis 1939/45: Untersucht die Destabilisierung der parlamentarischen Nachkriegsordnung, aufeinanderfolgende Wellen der Diktaturgründung sowie zeitgenössische Krisendiagnosen der Demokratie am Beispiel Deutschlands und Spaniens.

5. Sitzung 4: 30.04.2024 – Nationalsozialismus und „totale Herrschaft“: Im Fokus stehen Hannah Arendts Überlegungen zur persönlichen Verantwortung und totalen Herrschaft sowie die Emigrations-Theorien des NS-Staates als „Doppelstaat“ (Fraenkel) und „Behemoth“ (Neumann).

6. Sitzung 5: 07.05.2024 – Diktaturen im Vergleich (Detlef Schmiechen-Ackermann): Das Kapitel diskutiert Methoden des historischen Vergleichens und stellt die Leistungsfähigkeit sowie Grenzen von Totalitarismustheorien, Faschismustheorien und Konzepten moderner Diktaturen gegenüber.

7. Sitzung 21.05.2024 – Globale Verflechtungsgeschichte: Analysiert transnationale Lernprozesse, Propagandakooperationen und wirtschaftliche Verflechtungen autokratischer Regime vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der bundesdeutschen Außenpolitik.

8. Sitzung 04.06.2024 – Charismatische Herrschaft: Ausgehend von Max Weber und Emilio Gentile wird die Funktion charismatischer Führerfiguren, deren Inszenierungstechniken sowie die Problematik der Veralltäglichung an europäischen Fallbeispielen beleuchtet.

9. Sitzung 11.06.2024 – Gewalt, Terror und Teilhabe: Untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt, Zyklen sowjetischer Repression, partizipative Gewalt im Nationalsozialismus sowie Konzentrations- und Vernichtungslager als institutionalisierte Räume absoluter Gewalt.

10. Sitzung 18.06.2024 – Machtverlust – und das Ende: Das Abschlusskapitel analysiert Krisen und Bewährungsproben beim Tod autokratischer Herrscher und vergleicht den gewaltsamen Sturz in Rumänien mit dem verhandelten Übergang (transición pactada) im postfranquistischen Spanien.

Schlüsselwörter

Diktatur, Totalitarismus, Faschismus, Gewaltherrschaft, Charisma, Doppelstaat, Maßnahmenstaat, Normenstaat, Behemoth, Notstandsdiktatur, Carl Schmitt, Hannah Arendt, Ernst Fraenkel, Franz Neumann, Transición

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung grundlegend?

Die Publikation bietet eine umfassende Analyse autokratischer, faschistischer und totalitärer Herrschaftsformen im 20. und 21. Jahrhundert und untersucht deren begriffliche Genese, Machttechniken, gesellschaftliche Verankerung und Endphasen.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zu den thematischen Schwerpunkten zählen die Begriffsgeschichte der Diktatur, politikwissenschaftliche Theorien von Neumann, Fraenkel und Schmitt, das Konzept charismatischer Führung, Gewaltsoziologie und Konzentrationslager sowie Regimewechsel und Transitionsprozesse.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die leitende Fragestellung?

Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, wie sich der Diktaturbegriff von einer rechtlich eingehegten Kriseninstitution zu einer unbegrenzten Gewaltherrschaft wandelte und über welche institutionellen und symbolischen Praktiken Diktaturen ihre Macht stabilisieren.

Welche wissenschaftliche Methodik liegt dem Text zugrunde?

Der methodische Zugriff stützt sich auf die historische Semantik, die theoriegeleitete Begriffsgeschichte sowie synchrone und diachrone historische Vergleiche auf Makro- und Mikroebene unter Einbezug transnationaler Verflechtungen.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?

Im Hauptteil werden faschistische und stalinistische Herrschaftsmechanismen seziert, Ernst Fraenkels Modell des Doppelstaates analysiert, Totalitarismustheorien gegenübergestellt sowie die Rolle von Terror, Raub und gesellschaftlicher Kollaboration erörtert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Leitbegriffe sind Diktatur, Totalitarismus, Maßnahmenstaat, Normenstaat, charismatische Herrschaft, Behemoth, Führerprinzip und Verflechtungsgeschichte.

Wie unterscheidet Ernst Fraenkel zwischen Maßnahmenstaat und Normenstaat im Nationalsozialismus?

Ernst Fraenkel beschreibt das NS-Regime als Doppelstaat: Während der Normenstaat das bestehende Wirtschafts- und Zivilrecht zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung schützt, beansprucht der Maßnahmenstaat das Recht auf willkürliche, ideologisch motivierte Interventionen ohne verfassungsrechtliche Schranken.

Worin besteht nach Carl Schmitt der Unterschied zwischen kommissarischer und souveräner Diktatur?

Die kommissarische Diktatur dient als zeitlich begrenzte Maßnahme zur Abwehr einer Krise mit dem Ziel, die bestehende Verfassungsordnung zu bewahren, wohingegen die souveräne Diktatur die bestehende Ordnung vollständig beseitigt, um revolutionär eine völlig neue Verfassung zu begründen.

Wie vollzog sich der Übergang zur Demokratie in Spanien nach dem Tod General Francos?

Der spanische Übergang vollzog sich nicht als plötzlicher Systemkollaps, sondern als „transición pactada“ (paktierter Übergang), bei dem franquistische Eliten und demokratische Oppositionskräfte unter formaler Beibehaltung institutioneller Kontinuitäten eine schrittweise Demokratisierung aushandelten.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Diktaturen. Globale Geschichte einer Herrschaftsform im 20./21. Jahrhundert
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Diktaturgeschichte
Note
1,6
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
38
Katalognummer
V1759325
ISBN (PDF)
9783389203842
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didakturgeschichte Diktatur Geschichte History Dictatorship Grundlagenliteratur Literatur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2023, Diktaturen. Globale Geschichte einer Herrschaftsform im 20./21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1759325
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Leseprobe aus  38  Seiten
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