Dieses Referat bezieht sich auf das Seminar „Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht“, in dem wir uns mit Begriffen und Konzepten rund um die Mehrsprachigkeit, psycholinguistischen Theorien zur Sprachverarbeitung und zweisprachiger Erziehung beschäftigt haben.
In meinem mündlich vorgetragenen Referat handelte es sich um die Zweisprachigkeit in den Sprachen Deutsch und Vietnamesisch. Anhand einer Praxisphase, durchgeführten Interviews und expliziten Beobachtungen war es meine Absicht einige Vor- und Nachteile von Zweisprachigkeit zu entdecken. Da meines Erachtens aber nur diejenigen eine Aussage darüber machen können, welche die Zweisprachigkeit beherrschen, waren die persönlichen Interviews wertvoller für mich als jegliche Behauptungen von Wissenschaftlern. Ähnlich wie in meinem mündlichen Referat, welches ich im Seminar vorstellte, beschäftige ich mich in der folgenden Arbeit mit den Vor- und Nachteilen von Zweisprachigkeit aus subjektiver und objektiver Sicht. Dabei lasse ich meine Interviewergebnisse nochmals mit einfließen und stelle Bezüge zur Literatur her. Dazu ist zu sagen, dass meine Interviewpartner ausschließlich in einsprachigen Familien aufgewachsen sind, dennoch im frühen Kindesalter mit der Zweitsprache Deutsch in Berührung kamen. Es handelt sich um Kinder mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und sich folglich im Kindergarten- oder Schulalter mit der deutschen Sprache beschäftigten.
Ist diese Aneignung von Sprache noch als bilingualer Erstsprachenerwerb oder schon als Zweitsprachenerwerb zu definieren? Gibt es einen Unterschied zwischen Zweitsprachenerwerb im frühsten Kindesalter und Zweitsprachenerwerb im Jugend- bis Erwachsenenalter? Wann ist überhaupt von Zweitsprache und wann von Fremdsprache zu sprechen? All diese Fragen werde ich versuchen im Laufe dieser Arbeit zu klären.
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Zwar werde ich hauptsächlich auf die Vor- und Nachteile von Zweisprachigkeit eingehen, die im Vorschul- und Schulalter erworben wurde, dennoch werden sich Parallelen in der natürlich erworbenen und der künstlich erworbenen Zweisprachigkeit finden. Auch die Frage ob die Zweitsprache Deutsch, erst erlernt im Alter von 3-4 Jahren, auf natürlichem oder künstlichem Wege erworben wird, ist noch unklar. Welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Sprache als Identitätsbildung
3 Was ist Zweisprachigkeit?
4 Praxiseinheit
5 Vorteile des frühzeitigen Erwerbs einer zweiten Sprache
6 Wachsende Zwei-/Mehrsprachigkeit und die Vorteile
7 Individuelle Zweisprachigkeit
8 Nachteile der Zweisprachigkeit?!
9 Wann wird von Zweitsprache, wann von Fremdsprache gesprochen?
10 Bilingualer Erstsprachenerwerb vs. Früher Zweitsprachenerwerb
11 Empirische Untersuchungsergebnisse
12 Fazit und Reflexion des Seminars
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psycholinguistischen und soziologischen Aspekte der Zweisprachigkeit bei Kindern mit Migrationshintergrund, wobei der Schwerpunkt auf den Vor- und Nachteilen des zweisprachigen Aufwachsens liegt. Ziel ist es, basierend auf Literaturrecherche und empirischen Erkenntnissen aus einer Praxisphase im "Arbeitskreis ausländischer Kinder", das Spannungsfeld zwischen Erst- und Zweitsprachenerwerb sowie die Definition von Zweisprachigkeit kritisch zu beleuchten.
- Identitätsbildung durch Sprache
- Abgrenzung von Zweitspracherwerb und Fremdsprachenlernen
- Kognitive und soziale Vorteile der frühen Mehrsprachigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit der "Einheitssprachenideologie"
- Empirische Fallstudie zu vietnamesisch-deutschen Sprechern
Auszug aus dem Buch
4 Praxiseinheit
Während meiner Arbeit im AKAK (Arbeitskreis ausländischer Kinder e.V.) in Hameln habe ich mich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt, die nach dem Unterricht Hilfe bei den Hausaufgaben und für Klausurfragen im AKAK suchten. Diese Kinder besuchten in den meisten Fällen die Grundschule oder Hauptschule, nur in seltenen Fällen waren Realschüler oder Gymnasiasten dabei. Der Arbeitskreis ausländischer Kinder e.V. möchte Migrantenkindern helfen, sich zu integrieren. Es werden Hausaufgabenbetreuung angeboten, Bewerbungshilfen und Klausurvorbereitungen unternommen. Die Betreuerinnen geben den Schülern und Schülerinnen Tipps und Handlungsempfehlungen für die Praxis und ermöglichen ihnen höhere Chancen in das Berufsleben einzusteigen. Der Arbeitskreis wird von Betreuerinnen, ausgebildeten Sozialpädagogen, betreut, die neben der deutschen Sprache auch weitere Fremdsprachen beherrschen. Es wurde Russisch, Türkisch, Vietnamesisch, Spanisch und Englisch gesprochen, damit alle Kinder einen Ansprechpartner in ihrer eigenen Muttersprache bekommen würden. Wurde etwas auf Deutsch nicht verstanden, wurde die Muttersprache angewandt, ansonsten wurde aber ausschließlich Deutsch gesprochen. Auch einige Gymnasiasten dürfen nach ihrer Schule Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe anbieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas Mehrsprachigkeit und Erläuterung der Motivation zur Untersuchung der Vor- und Nachteile der Zweisprachigkeit anhand einer Praxisphase.
2 Die Sprache als Identitätsbildung: Analyse der grundlegenden Rolle von Sprache für das menschliche Denken und die Identitätskonstruktion.
3 Was ist Zweisprachigkeit?: Diskussion verschiedener Definitionsansätze, die von fließender Beherrschung bis hin zu handlungsorientiertem Sprechverhalten reichen.
4 Praxiseinheit: Bericht über die Betreuungstätigkeit im "Arbeitskreis ausländischer Kinder" und Beobachtungen zum Sprachverhalten von Migrantenkindern.
5 Vorteile des frühzeitigen Erwerbs einer zweiten Sprache: Erörterung der neurologischen und kognitiven Vorteile, die eine frühzeitige Sprachaneignung begünstigen.
6 Wachsende Zwei-/Mehrsprachigkeit und die Vorteile: Betrachtung der steigenden Relevanz von Mehrsprachigkeit in einer globalisierten Gesellschaft.
7 Individuelle Zweisprachigkeit: Differenzierung zwischen gesteuertem und ungesteuertem Spracherwerb sowie situativem Sprachgebrauch.
8 Nachteile der Zweisprachigkeit?!: Kritische Auseinandersetzung mit veralteten Theorien einer "Einheitssprachenideologie" und potenziellen Überforderungen.
9 Wann wird von Zweitsprache, wann von Fremdsprache gesprochen?: Klärung der begrifflichen Abgrenzung unter Einbeziehung von Inland- und Auslandsperspektiven.
10 Bilingualer Erstsprachenerwerb vs. Früher Zweitsprachenerwerb: Untersuchung der Grenze zwischen simultanem und sukzessivem Spracherwerb bei Kindern.
11 Empirische Untersuchungsergebnisse: Zusammenfassung der Beobachtungen, wonach Kinder mit späterem Kontakt zur Zweitsprache vergleichbare Leistungen wie Muttersprachler erzielen können.
12 Fazit und Reflexion des Seminars: Resümee der Ergebnisse und Reflexion über die persönliche Weiterentwicklung sowie offene Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Zweisprachigkeit, Mehrsprachigkeit, Migrationshintergrund, Erstsprachenerwerb, Zweitsprachenerwerb, Sprachverarbeitung, Identitätsbildung, Psycholinguistik, Sprachmischung, Sprachverweigerung, Integrationsförderung, Frühkindliche Bildung, Fremdsprachenunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Chancen und Herausforderungen, die mit der Zweisprachigkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Zweisprachigkeit, die psychologischen Aspekte der Identitätsbildung, den Vergleich von Erst- und Zweitsprachenerwerb sowie die Praxis des Sprachunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus einer subjektiven und objektiven Perspektive zu klären, ob Mehrsprachigkeit eine Bereicherung oder eine Überforderung darstellt und wie der Erwerbsprozess bei Kindern in Deutschland verläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literaturrecherche mit empirischen Beobachtungen und Interviews aus einer Praxisphase im Arbeitskreis ausländischer Kinder.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (z.B. Identität, Spracherwerb) als auch praktische Beobachtungen zu Sprachverhalten, Sprachmischung und der Abgrenzung von Zweit- zu Fremdsprache erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zweisprachigkeit, Migrationshintergrund, Spracherwerb, Identität, Psycholinguistik und Integrationsförderung stehen im Mittelpunkt.
Warum spielt die vietnamesische Sprache eine besondere Rolle?
Die vietnamesische Sprache dient als Fallbeispiel, da sie im Schulalltag nicht gelehrt wird und somit Kinder vor besondere Herausforderungen stellt, wenn sie zwei kulturell unterschiedliche Sprachsysteme trennen müssen.
Wie reagieren zweisprachige Kinder auf Sprachumstellungen?
Die Beobachtungen zeigen, dass Kinder oft bewusst zwischen Sprachen wechseln, wobei es in Einzelfällen zu Sprachmischungen oder in Stresssituationen zur Sprachverweigerung kommen kann.
Wie bewertet die Autorin die "Einheitssprachenideologie"?
Die Autorin stuft diese Ideologie als veraltet ein und argumentiert, dass eine gezielte Förderung Mehrsprachigkeit als klare Bereicherung für die Zukunft und Identität der Kinder wertet.
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- Luise Ostendoerfer (Author), 2009, Die Vor- und Nachteile der frühen Zweisprachigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175933