Gerechtigkeit bildet in den philosophischen wie sozialwissenschaftlichen Theorien der Moderne ein zentrales, zugleich jedoch hochproblematisches Postulat. Kaum eine Gesellschaftstheorie kommt ohne ihren Verweis aus, selbst dort nicht, wo sie systematisch keinen Ort für sie bereithält. Dieses Spannungsverhältnis verschärft sich nach Günter Dux in der (spät)modernen Marktgesellschaft, deren ökonomische Logik soziale Ungleichheit nicht nur zulässt, sondern strukturell hervorbringt. Gleichheit, historisch lange mit Gerechtigkeit identifiziert, erweist sich unter diesen Bedingungen als weder herstellbar noch normativ tragfähig. Gleichwohl verschwindet mit dem Scheitern des Gleichheitsideals nicht das Postulat der Gerechtigkeit. Gerade im Bewusstsein struktureller Ungleichheit gewinnt es vielmehr neue Dringlichkeit.
- Arbeit zitieren
- Nediem Arem (Autor:in), 2026, Das Problem der Gerechtigkeit in der spätmodernen Marktgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1759515