Das Verhältnis von Lust und Glück bei Aristoteles und Epikur


Essay, 2011

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise

2. Grundlagen und Abgrenzung: Der Glücksbegriff bei Aristoteles

3. Lust als Selbstzweck oder als Mittel?
3.1 Verhältnis zwischen Lust und Glück bei Aristoteles
3.2 Lust als höchstes Gut bei Epikur

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis
Literatur
Hilfsmittel

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

In diesem Essay wird ein Vergleich zwischen dem Verhältnis von Glück und Lust bei Aristoteles und Epikur angestellt. Zentrale Frage ist dabei, was das Glück ist, wie man es erreichen kann und welche Rolle die Lust bei diesen Überlegungen einnimmt.

Aristoteles (384 322 v.Chr.) und Epikur (341 271/270 v.Chr.) trennt eine Generation. Während Aristoteles vor allem von seinem Lehrer Platon inspiriert war, ist Epikur in seinen philosophischen Überlegungen sehr von der aufkommenden Stoa und seiner oppositionellen Haltung gegenüber dieser Denkschule geprägt.

Die Parallelen der beiden Autoren werden im Laufe der Untersuchung unverkennbar sein, doch gerade die Bewertung der Lust macht die Unterschiede zwischen den beiden Ethiken sehr deutlich.

1.2 Vorgehensweise

Im zweiten Kapitel wird zuerst der Glücksbegriff erklärt und sprachlich abgegrenzt, wie er in der griechischen Philosophie, am Beispiel des Aristoteles, verwendet wird.

Das dritte Kapitel verbindet die vorhergehenden Erkenntnisse zuerst mit dem Lustbegriff bei Aristoteles und im zweiten Teil mit der zentralen Rolle der Lust in Epikurs hedonistischer Ethik.

Im vierten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengefasst und der Vergleich mit einem Fazit abgeschlossen.

Alle griechischen Begriffe, ihre Schreibweisen und Bedeutungen, sind der im Literatur verzeichnis angegeben Ausgabe des Gemoll entlehnt. Angaben in griechischer Schrift sind nur in den Fußnoten enthalten, im Text werden griechische Begriffe zugunsten des Leseflusses transkribiert.

2. Grundlagen und Abgrenzung: Der Glücksbegriff bei Aristoteles

Glück ist in der antiken Philosophie meist nicht das, was wir uns als moderne Betrachter darunter vorstellen. Die Ursache dafür ist, dass es im Griechischen verschiedene Begriffe gibt, die man im Deutschen mit „Glück“ wiedergeben kann und die Semantiken sich aus unserer Sicht leicht verschoben haben. Der griechische Begriff Eudaimon í a 1, der sowohl von Aristoteles als auch von Epikur verwendet wird, sollte wörtlich treffender mit „Glückseligkeit“ übersetzt werden, um rein sprachliche Missverständnisse auszuräumen. Denn wir haben im Deutschen das Problem, dass der Begriff „Glück“ eine viel weiter gefasste Semantik besitzt als in anderen Sprachen, was einer grundlegenden Abgrenzung des Begriffes im Sinne der griechischen Philosophen bedarf. Die im Deutschen verwendete Semantik des Glücks als glückliche Wendung im Sinne eines Zufalls in Phrasen wie „Da hast du ja nochmal Glück gehabt!“ ist in diesem Essay nicht gemeint und wird daher auch nicht behandelt.2 Wenn also im Folgenden von Glück gesprochen wird, ist ausschließlich die Glückseligkeit im Sinne der Eudaimon í a gemeint.

Die Abgrenzung geschieht vor allem durch eine zeitliche und eine intrinsische Komponente, die Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik3 am Beispiel des Reichtums treffend darstellt:

Was hindert uns demnach als glückselig zu bezeichnen denjenigen, der gemäß vollendeter Tugend tätig und dabei mit den äußeren Gütern wohl ausgestattet ist, und das nicht bloß eine kurze Zeit, sondern ein ganzes, volles Leben lang.4

Glück ist also - nach Aristoteles gesprochen - die langfristige und langwährende Folge aus einem ethisch richtigen Verhalten, namentlich der vollendeten Tugend. Es soll auch, anders als beispielsweise kurze Zeit später bei den Stoikern, die Anhäufung materieller Güter beinhalten, um frei von weltlichen Belangen sein zu können. Das Glück ist abstrakt zu sehen und muss nicht praktisch definiert werden:

Was aber die Glückseligkeit sein soll, darüber entzweit man sich, und die Menge erklärt sie ganz anders als die Weisen. Die einen erklären sie für etwas Greifbares und Sichtbares wie Lust, Reichtum und Ehre, andere für etwas anderes, mitunter auch dieselben Leute bald für dies bald für das: der Kranke für Gesundheit, der Notleidende für Reichtum, und wer seine Unwissenheit fühlt, bewundert solche, die große, seine Fassungskraft übersteigende Dinge vortragen. Einige dagegen meinten, daß neben den vielen sichtbaren Gütern ein Gut an sich bestehe, das auch für alle diesseitigen Güter die Ursache ihrer Güte sei.5

Ein glückseliges Leben ist also das abstrakte Resultat aus verschiedenen hinreichenden und notwendigen Eigenschaften, die aus einem Leben ein erfülltes Leben machen. Die dazu wichtigen Tugenden und Übungen sind nach Aristoteles für jedermann zugänglich, da jeder nach dem Glück strebt.6 Wichtig ist dabei die Frage, ob das wahre Glück unabhängig von äußeren Faktoren, sprich autark, ist. Was Aristoteles und Epikur im Detail dazu sagen, wird im nächsten Kapitel behandelt.

3. Lust als Selbstzweck oder als Mittel?

3.1 Verhältnis zwischen Lust und Glück bei Aristoteles

Aristoteles entwirft in7 der Nikomachischen Ethik ein Lebenskonzept, das auf einem tugendhaften Charakter basiert, der zur Erreichung des Glücks als höchstes Gut8 benötigt wird. Das „Streben nach Glück“9 steht bei ihm im Zentrum der menschlichen Finalität. Tugenden sind lediglich das geeignete Mittel zu diesem Zweck. Im Zuge dessen unterscheidet er drei Lebensformen, die er unterschiedlich bewertet.

Für diesen Essay können die beiden letzteren Lebensformen vernachlässigt werden, da sonst der Rahmen gesprengt würde. Wir konzentrieren uns auf erstere, nämlich die wilde, lustvolle Lebensweise10, die auf Genuss ausgerichtet ist und das Glück mit der Lust gleichsetzt:

Nimmt man die verschiedenen Lebensweisen in Betracht, so scheint es einmal nicht grundlos, wenn die Menge, die rohen Naturen, das höchste Gut und das wahre Glück in die Lust setzen und darum auch dem Genußleben fröhnen. [...]Die Menge nun zeigt sich ganz knechtisch gesinnt, indem sie dem Leben des Viehes den Vorzug gibt [...]Das auf Gelderwerb gerichtete Leben hat etwas Unnatürliches und Gezwungenes an sich, und der Reichtum ist das gesuchte Gut offenbar nicht. Denn er ist nur für die Verwendung da und nur Mittel zum Zweck.11

[...]


1 Wörtlich bedeutet der Zustand, in welchem einer Person ein guter Geist ( ) innewohnt.

2 Diese Semantik wird im Griechischen mit dem Begriff (= Glück, Zufall) ausgedrückt, der in der Ethik eine untergeordnete Rolle spielt und deshalb in diesem Essay vernachlässigt werden kann.

3 Es handelt sich hierbei um sein ethisches Hauptwerk, das nach seinem Sohn Nikomachos benannt ist.

4 Arist. EN, 1101a.

5 ebd., 1094b.

6 vgl. Forschner 1995, S. 3f.

7 gr.:

8 Aristoteles spricht von der als (= Ende, Zweck, Ziel), weshalb man diese zweckmäßige Vorgehensweise in der Ethik Teleologie nennt. In der lateinischen Tradition würde man von einem summum bonum sprechen, was in diesem Fall synonym verwendet werden kann.

9 Rezipiert wird diese Formulierung u.a. von den Gründervätern der Vereinigten Staaten von Amerika. In der Unabhängigkeitserklärung wird festgestellt, dass die Freiheit eine Grundvoraussetzung für das Streben nach Glück ist: „ We hold these truths to be self evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. ” (zitiert nach http://www.ushistory.org/declaration/document/, 06.03.2011).

10 gr.:

11 Arist. EN, 1095b.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Lust und Glück bei Aristoteles und Epikur
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Einführung in die Ethik
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V175972
ISBN (eBook)
9783640971435
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, lust, glück, aristoteles, epikur
Arbeit zitieren
Andreas Lins (Autor), 2011, Das Verhältnis von Lust und Glück bei Aristoteles und Epikur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175972

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