Sabbioneta und die Stadtbaukunst des 16. Jahrhunderts. Die spanischen Erfahrungen von Vespasiano Gonzaga


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sabbioneta: eine Idealstadt von Vespasiano Gonzaga.

2. Die Weltanschauung zur Zeit Vespasiano Gonzagas.

3. Vespasiano Gonzaga und seine Erfahrungen in Spanien.

4. Architektonische Kenntnisse von Vespasiano Gonzaga.

5. Die Entstehung von Sabbioneta.

6. Idealstädte und Utopie.

7. Quellen und weiterführende Literatur.

1. Sabbioneta: eine Idealstadt von Vespasiano Gonzaga.

Sabbioneta wird als herausragendes Bespiel für die Stadtbaukunst des 16. Jahrhunderts angesehen, das sich heute noch fast in Originalzustand befindet. Die Stadt wurde zwischen 1554 und 1591 von Vespasiano Gonzaga, einem Herzog aus einem oberitalienischen Fürstengeschlecht, nach und nach zu einer Residenzstadt ausgebaut und umgebaut. Jedoch heute ist sehr wenig von dem Charakter einer Residenzstadt übrig geblieben, denn nach dem Tod des Stadtgründers verlor die Stadt immer mehr an Bedeutung, und heute wird Sabbioneta durch eine dörfliche Atmosphäre beherrscht. Die Informationen über die Planungsphasen von Sabbioneta sowie über den Architekten und Planer dieser Stadt sind heute äußerst lückenhaft, da es an verlässlichen und aussagekräftigen Originalplänen und Dokumenten fehlt. Die wichtigen Dokumente und Pläne fielen höchstwahrscheinlich im 19. Jahrhundert einem Feuer bei einem Brand des Hausarchivs von Vespasiano Gonzaga in Bozzolo zu Opfer.

Die wenigen Rückschlüsse, die man auf die Planung der Stadt ziehen kann, beruhen auf den Biografien über Vespasiano, denn die Rekonstruktion der Baugeschichte hängt sehr stark mit seinem Leben zusammen.

Giulio Faroldi schrieb über Vespasiano kurz nach dessen Tod eine Biografie unter dem Titel: “Vita di Vespasiano Gonzaga Colonna, Duca di Sabbioneta”, und lieferte damit sehr wichtige Informationen über die Baugeschichte von Sabbioneta. Auch in der 1780 veröffentlichten Biografie von Ireneo Affò werden viele Dokumente aus dem Archiv von Vespasiano zitiert.

Den Spekulationen über den Planer und Architekten der Stadt zufolge, die auf den Biografien von Vespasiano basieren, war Vespasiano selbst nicht nur der Stifter, sondern auch der Entwerfer der Stadtstruktur.

Allerdings sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass solch ein Entwurf ohne jegliche Sachkenntnisse über die Baukunst und die Stadtplanung nicht geleistet werden konnte. Daher liegt es nahe, dass bei den Entwürfen Architekten und Ingenieure zu Rate gezogen werden mussten. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Vespasiano im Laufe seiner Reisen durch halb Europa sowie durch sein Interesse an den ständig neuen Entwicklungen der Baukunst zu einem Wissen gekommen ist, das so ein Entwurf erlaubt hätte.

Da Vespasianos Leben sehr eng mit dem des Habsburger Herrscherhauses verknüpft war, reiste er oft an der Seite von Karl V. und Philipp II. durch die europäischen Gebiete, was auch längere Aufenthalte in Spanien mit sich brachte. Der längste dauerte zehn Jahre. Und in der Zeit von 1568 bis 1578 bekleidete er u.a. die Ämter des Vizekönigs von Navarra und Valencia. Hier entstand auch der Zusammenhang zwischen den Aufgaben des Herzogs und den Bauarbeiten in Sabbioneta, denn während diesem längsten Aufenthalt in Spanien bestand seine Hauptaufgabe in der Sicherung der ihm übertragenen Provinzen. Im Rahmen seiner Aufgaben in Spanien werden ihm in dieser Zeit folgende Projekte zugeschrieben, an denen er maßgeblichen Anteil gehabt haben soll:

- Bau der Zitadelle von Pamplona in Navarra
- Verbesserung der Verteidigungsanlagen von San Sebastian und Fuenterrabia in der Provinz Guipuzcoa, der Küstenstädte des Reyno de Valencia und von Oran und Mers- el Kebir in Nordafrika

Bei dem Bau und Ausbau dieser Festungen waren seine Erfahrungen als Feldherr und Soldat von größter Bedeutung sowie die Erziehung durch Giulia Gonzaga, von der er eine wissenschaftliche Ausbildung, vor allem in der Mathematik, erfahren hat. Dieses Wissen hat er auch bei Bau und Planung von Sabbioneta eingesetzt.

Vespasiano beschäftigte sich außerdem mit den Büchern und Studien von Virtuv, ein Städtebautheoretiker aus der Antike, und unterhielt Kontakt mit dem aus Novara stammenden Festungstheoretiker Girolamo Cataneo. Auch sammelte er viele andere Werke die sich mit der Planung von Städten und Festungen beschäftigten. Sein Ziel war es, mit Sabbioneta ein der Zeichen der Neuzeit zu setzen, denn diese Stadt sollte ihm einen viel größeren Ruhm bringen, als den, den er als Feldherr und Herzog erreichen konnte. So machte er Sabbioneta auch zu seinem Hauptsitz, den er nach jeder seiner Italienreisen besuchte, selbst, wenn nur kurze Stops möglich waren. Auf diese Weise erfuhr Sabbioneta in kurzer Zeit eine erhebliche Aufwertung:

- Signorie(Stadtherrschaft)
- 1565 Marchesat
- 1574 Fürstentum
- 1577 Herzogtum

Diesen Aufstieg erfuhr Sabbioneta schon zu der Zeit, als sich Vespasiano in Spanien aufhielt. Erst im Jahre 1585, nach seiner Rückkehr, widmete er sich ausschließlich dem Ausbau der Stadt Sabbioneta.

Zu diesem Zeitpunkt gab es einen Umbruch bei dem Bau von Festungsanlagen, da sich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts sich eine Veränderung der Kriegsführung entwickelte, die vor allem durch die Einführung von Pulvermunition und Kanonengeschützen hervorgerufen wurde. Die Belagerung von Städten galt fortan als die bevorzugte Kriegsführung, was neue Befestigungsanlagen notwendig machte, um sich vor Angriffen besser verteidigen zu können. So wurde in den zunächst rein theoretischen Architekturtraktaten der Begriff der „fortezza a la moderna“ entwickelt und formuliert. Die wichtigsten Ansätze dieser Theorien waren, dass die Zitadelle separat (Alberti um 1464) und von der Kernstadt entfernt erbaut und eine regelmäßige Stadtmauer ( Filarete, eigentlich Antonio di Pietro Averlino, italienischer Bildhauer, Baumeister und Architekturtheoretiker) eingeführt werden sollte.

Weiterhin rückte die Entwicklung der Bastionen (erste Umsetzung ins Bild um 1480 von Fancessco di Giorgio Martini) in den Vordergrund. Bastionen sind vorspringende Teile (Bollwerk) an Festungsbauten, die eine gute Sicht auf das Vorgelände ermöglichen. Auch die Verflachung der Verteidigungsanlagen war eine Erneuerung der Theorien, die die Vermeidung von toten Schusswinkeln ermöglichte.

So liegt es auf der Hand, dass es im16. Jahrhundert zur Entwicklung eines neuen Berufstands, nämlich den des Militäringenieurs, kam, dessen Aufgabe bis dahin in der Entwicklung der Kriegsmaschinerie lag. Die neuen Entwürfe und Pläne der Festungsanlagen, die bis zum 16. Jahrhundert von Künstlern verschiedener Bereiche entwickelt worden waren, sollten von nun an von den Erfahrungen der Militärsingenieure im Kriegswesen profitieren.

Diese Theorien sollten für die zukünftigen Festungsbauten bestimmend sein und waren daher auch für Vespasiano Gonzaga, der selbst auf seine Erfahrungen als Feldherr zurückgreifen konnte, bei seiner Verwirklichung von einer Idealstadt von größter Bedeutung.

2. Die Weltanschauung zur Zeit von Vespasiano Gonzaga.

Die Vorstellungen des Mittelalters über die Welt, die Erde und den Menschen erleben in der Renaissance eine grundlegende Wandlung. Leonardo Bruni (1369-1444) entwirft das Ideal der gebildeten und zugleich politisch tätigen Persönlichkeit und Baldassare Castiglione (l478-1529) legt den Begriff des Uomo universale fest, dem umfassend gebildeten Menschen, der alles kann, wenn er nur will«.

Die exakten Wissenschaften entstehen und sagen aus, dass die Erde als Planet im Sonnensystem zu begreifen ist. Die Berichte der seefahrenden Entdecker bestätigen die These von der Kugelgestalt der Erde und die >>Neue Welt<< Amerika wird entdeckt. Die Entdeckung der perspektivischen Darstellung um das Jahr 1400 beeinflusst die Malerei über fünf Jahrhunderte (bis Cēzanne) hinweg und hat eine revolutionierende Bedeutung für die Stadtplanung. Um 1410 entdeckt der florentinische Baumeister Brunelleschi die zentralperspektivische Konstruktion; Leon Battista Alberti, ein Baumeister von bahnbrechender Bedeutung für die Baukunst und ihre Theorie, begründet 1435 die Perspektive wissenschaftlich, d.h. die Perspektive das Dargestellte auf das Auge des Betrachters bezieht (Augenpunkt), so werden

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Details

Titel
Sabbioneta und die Stadtbaukunst des 16. Jahrhunderts. Die spanischen Erfahrungen von Vespasiano Gonzaga
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Die Städte der Karibik: Geschichte, Architektur, Landschaft
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V1760
ISBN (eBook)
9783638110808
ISBN (Buch)
9783638776981
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vespasiano Gonzaga, Idealstädte, Architektur, Italien, Spanien
Arbeit zitieren
Arthur Benisch (Autor:in), 2001, Sabbioneta und die Stadtbaukunst des 16. Jahrhunderts. Die spanischen Erfahrungen von Vespasiano Gonzaga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1760

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