In der folgenden Arbeit soll, trotz der Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit, welche die Demokratie in ihrer gelebten Form in der Lage ist, anzunehmen, der Versuch unternommen werden, das postdemokratische Phänomen an eben dieser Entwicklung festzumachen. Der Autor bietet in dem Zusammenhang –nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte der Demokratie- eine Definition derselben an, welche zum einen der Prozesshaftigkeit dieser Herrschaftsform Rechnung trägt und welche zum anderen dazu geeignet ist, eine Abgrenzung zur Postdemokratie vorzunehmen. Anschließend soll mit Hilfe aktueller Tendenzen und Trends der Zustand eines repräsentativen Querschnitts demokratischer Systeme analysiert werden. Abschließend sollen diese Analysen zu einem Gesamtbild vereint werden, das eine konkrete Aussage über die Qualität der Demokratie zulässt, in der gegenwärtig ein bedeutender Anteil der Weltbevölkerung lebt.
Worum es bei dieser Untersuchung letztendlich geht, ist die Frage, ob die sich vollziehenden Entwicklungen und ihre teils äußerst negative Perzeption dadurch zu erklären sind, dass „[…] wir – die Bürgerinnen und Bürger demokratischer Gesellschaften- immer noch zu eng an das alte Gerüst der repräsentativen Demokratie gebunden [sind]“, oder doch eher mit einem objektiv schlechten Zustand konfrontiert sind. Oder anders ausgedrückt: Sind wir es, die die Demokratie falsch wahrnehmen, oder ist es eine „falsche“ Demokratie, die uns im Alltag begegnet?
Inhaltsverzeichnis
I. Ein Leben in der Postdemokratie? – Ein problematisches Konzept und seine Einordnung
II. Literaturbericht
III. Demokratie als Prozess - Die Entwicklung einer Regierungsform
III.1. Frühe Formen
III.2. Die Demokratie in ihrer modernen Ausprägung
IV. Von der Demokratiedefinition zur Charakterisierung der Postdemokratie
V. Die (post)demokratische Konstellation – Zahlen und Trends
V.1. Partizipation
V.2. Populismus
V.3. Outputseite
VI. Ein Leben in der Postdemokratie
VII. Ausblick und positive Optionen für eine Stärkung der Demokratie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Zustand der repräsentativen Demokratie vor dem Hintergrund des Postdemokratie-Konzepts, um zu klären, ob die wahrgenommenen gesellschaftlichen Verschiebungen auf ein Versagen des demokratischen Systems oder auf eine veränderte Partizipationsdynamik zurückzuführen sind.
- Historische Entwicklung und Prozesshaftigkeit der Demokratie
- Analyse aktueller Partizipationstrends und Wahlbeteiligung
- Bedeutungszuwachs rechtspopulistischer Parteien in Europa
- Bewertung der Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen (Outputseite)
- Handlungsoptionen zur Stärkung demokratischer Legitimation
Auszug aus dem Buch
I. Ein Leben in der Postdemokratie? – Ein problematisches Konzept und seine Einordnung
Wenn man sich mit dem Phänomen der Postdemokratie beschäftigen möchte, welches einem bei der Lektüre von Zeitungsartikeln der Politikressorts immer häufiger begegnet, sieht man sich zunächst mit einem eher diffusen Bild konfrontiert. Die Bandbreite derjenigen Anklagepunkte, die sich auf eine angeblich postdemokratische Konstellation in Politik und Gesellschaft berufen, reicht von einer Kritik der Kommerzialisierung medialer Inhalte, bis hin zur Diskussion um ein Trockenlegen von Steueroasen. Eine ähnliche Situation erwartet den Konsumenten medialer Inhalte auch hinsichtlich der Diskussion um das Konzept der Postdemokratie in der Politikwissenschaft selbst. Dabei dürfte sich der interessierte Beobachter bei einem Thema, welches seinen unmittelbaren Alltag an einer Vielzahl von Stellen betrifft oder -vorsichtiger ausgedrückt- zu betreffen scheint, sicherlich nichts mehr wünschen, als Klarheit über den tatsächlichen „Gesundheitszustand“ desjenigen Systems, in welchem er sein Leben als Bürger zubringt.
Woher kommt also dieses undeutliche Bild eines kontrovers diskutierten Phänomens, welches trotz seiner scheinbar vorhandenen Omnipräsenz nur schwer eingegrenzt werden kann? Die Hauptursache für dieses scheinbare Paradoxon liegt sicherlich in der Tatsache begründet, dass die Demokratie selbst, die der Postdemokratie bzw. der Diskussion um dieselbe ja als Bezugspunkt dient, kein abgeschlossenes System ist und ihre Grenzen somit fließend sind. Sie ist das Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen und damit mindestens ebenso vielgestaltig, wie jene selbst. Blendet man diese Vielschichtigkeit aus, kann es –wie in der aktuellen Debatte zu beobachten ist- leicht dazu kommen, dass die Gesprächsteilnehmer aneinander vorbeireden. Eine tatsächliche Zustandsbestimmung des Status quo wird so zur Unmöglichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Ein Leben in der Postdemokratie? – Ein problematisches Konzept und seine Einordnung: Die Einleitung beleuchtet das diffuse Verständnis des Postdemokratie-Begriffs und stellt die Forschungsfrage nach dem tatsächlichen Zustand der modernen Demokratie.
II. Literaturbericht: Dieser Abschnitt ordnet die verwendete Literatur ein, darunter Standardwerke wie die von Colin Crouch und theoretische Grundlagen zur Demokratiegeschichte.
III. Demokratie als Prozess - Die Entwicklung einer Regierungsform: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der antiken Selbstverwaltung in Athen bis zur modernen repräsentativen Demokratie nach.
IV. Von der Demokratiedefinition zur Charakterisierung der Postdemokratie: Hier werden Definitionen von Demokratie und Postdemokratie diskutiert, um eine Basis für die anschließende Analyse zu schaffen.
V. Die (post)demokratische Konstellation – Zahlen und Trends: Das Kapitel analysiert empirische Daten zu Wahlbeteiligung, Rechtspopulismus und der Handlungsfähigkeit der öffentlichen Hand.
VI. Ein Leben in der Postdemokratie: Der Abschnitt fasst die Problemanalyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Entdemokratisierungstendenzen derzeit kaum umkehrbar scheinen.
VII. Ausblick und positive Optionen für eine Stärkung der Demokratie: Das Fazit skizziert Ansätze, wie durch private Initiativen und eine Repolitisierung der Gesellschaft demokratische Teilhabe gestärkt werden kann.
Schlüsselwörter
Postdemokratie, Demokratie, Partizipation, Volkssouveränität, Rechtspopulismus, Repräsentative Demokratie, Entpolitisierung, Politische Teilhabe, Wahlbeteiligung, Gesellschaftliche Komplexität, Legitimation, Bürgerbeteiligung, Politisches System, Politische Freiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob westliche Demokratien sich in einem postdemokratischen Zustand befinden, der durch Apathie, sinkende Wahlbeteiligung und Machtverlust gewählter Repräsentanten gekennzeichnet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Demokratie, dem Einfluss des Rechtspopulismus, der abnehmenden politischen Teilhabe und den schwindenden Gestaltungsmöglichkeiten des Staates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den „Gesundheitszustand“ demokratischer Systeme zu bestimmen und zu klären, ob die aktuelle Entfremdung der Bürger strukturell bedingt ist oder durch eine „falsche“ Wahrnehmung entsteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Definitionen politikwissenschaftlicher Standardwerke mit aktuellen statistischen Trends und Daten aus dem Internet abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Herleitung der Demokratie, eine definitorische Abgrenzung der Postdemokratie sowie eine empirische Bestandsaufnahme mittels Zahlen zu Wahlbeteiligung und Parteienlandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Postdemokratie und Demokratie insbesondere Partizipation, Volkssouveränität, Repolitisierung und das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Verantwortung.
Welche Rolle spielt der Populismus in der Argumentation des Autors?
Der Autor identifiziert den Erfolg rechtspopulistischer Parteien als klares Indiz für eine demokratische Krise, da diese als Ausdruck der Revolte gegen etablierte Parteien und der sozialen Entfremdung fungieren.
Was schlägt der Autor zur Stärkung der Demokratie vor?
Als Gegenmaßnahme fordert er eine stärkere Rolle für private Initiativen und eine Senkung der Hürden für politische Teilhabe, um die „Repolitisierung“ der Bevölkerung zu fördern.
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- Johannes Stockerl (Author), 2011, Demokratie oder Postdemokratie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176002