Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung - Ein Dokument der Aufklärung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

15 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung…

3. Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes
3.1 Untersuchung der Argumentationslinie: Die Struktur der Erklärung
3.2 Implikationen der Auseinandersetzung mit der englischen Herrschaft
3.3 Jefferson und Lo>

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 4. Juli 1776 verkündete der Kongress die Unabhängigkeit dreizehn amerikanischer Kolonien von der Herrschaft der englischen Krone und legte damit den Grundstein für die Bildung der Republik Amerika und schürte auch in Europa die Revolutionsbereitschaft und das Streben nach einer modernen Gesellschaft (vgl. Hofmeister, 1967: 44).

Ziel dieser Arbeit ist es, die geistigen Einflüsse zu untersuchen, welche der amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 zugrunde liegen und ihre Gestaltung maßgeblich beeinflusst haben. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das Dokument in seiner Argumentation für ein freies Amerika die Auseinandersetzung von Aufklärung und vormodernen Wertvorstellungen repräsentiert.

Um diese These hinreichend untersuchen zu können, soll zuerst ein generelles Verständnis für die relevanten Konzepte der Aufklärung geschaffen werden, bevor die Erklärung an sich genauer betrachtet wird. Um die Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes möglichst übersichtlich zu gestalten, wird zunächst mit der Untersuchung der inhaltlichen Struktur des Textes begonnen. Es folgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Anklage der englischen Herrschaftspraxis, welche sich insofern als sinnvoll erweist, als dass durch die Verurteilung der willkürlichen Regierung ersichtlich wird, welche Ansprüche die Kolonien an eine aufgeklärte Staatsverwaltung stellen. An diesen Abschnitt schließt sich eine Untersuchung der zugrunde liegenden Philosophie an, welche sich vornehmlich auf Allen Jaynes Ausführungen zum Einfluss des englischen Aufklärers John Locke auf den Hauptverfasser der Erklärung, Thomas Jefferson, stützt. Die so erlangten Erkenntnisse sollen abschließend zusammengeführt und zu einem umfassenden Fazit gebracht werden.

Der zur Analyse verwendete Text der Unabhängigkeitserklärung wurde Jayne (1998) entnommen.

Als besonders hilfreich bei der Erarbeitung haben sich sowohl die Arbeiten von Jayne, als auch Kelleter und May erwiesen. Trotz der bereits einige Jahre zurück liegenden Veröffentlichung, gelingt es besonderes Letzterem, grundlegende Zusammenhänge präzise und verständlich darzustellen.

2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung

Da es sich bei der Aufklärung um eine überaus komplexe Bewegung handelt, deren erschöpfende Darstellung den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten würde, sollen im Folgenden lediglich kurz die Konzepte, welche für die Analyse der Unabhängigkeitserklärung von Nöten sind, berücksichtig werden.

Bei der Auseinandersetzung mit der Aufklärung muss beachtet werden, dass sie in ihren Wirkungsgebieten teilweise sehr unterschiedliche Ausprägungen angenommen hat. Aus europäischer Sicht wird in diesem Zusammenhang vor allem auf die verschiedenen Konzepte der Aufklärung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland Bezug genommen, welche laut May (1976: xii) als eine wichtige Quelle des amerikanischen Aufklärungsgedankens verstanden werden können. In seiner Auseinandersetzung mit den Ursprüngen der amerikanischen Kultur beschreibt er die Bedeutung des Zusammenspiels von Religion und Aufklärung, da insbesondere der Kalvinismus großen Einfluss auf sie gehabt habe. Als generelle Grundbausteine der amerikanischen Aufklärung versteht May das Streben nach Liberalismus, Fortschritt und Rationalität (vgl. ebd.).

Frank Kelleter verwendet in seiner umfassenden Untersuchung der amerikanischen Aufklärung einen Großteil der Arbeit für die Klärung des Vernunftbegriffs und seine Bedeutung innerhalb der Aufklärung. Er weist darauf hin, dass Kritikfähigkeit ein wesentliches Merkmal des aufgeklärten Menschen sei, da das eigene Denken der Reflexion, sowohl durch ihn selbst als auch andere Menschen, offen sein müsse (vgl. 2002: 26). Mit Bezug auf John Lockes Essay Concerning Human Understanding stellt er fest, dass das Hauptziel der Aufklärung „ein Kampf der direkten Erkenntnis gegen das überlieferte Wissen, ein Kampf der Gegenwart gegen die Vergangenheit, der Lebenden gegen die Toten [ist]“ (2002: 27). Implizit verbergen sich darin auch die Abwendung vom „Alten“ und der Ausgangspunkt für das Streben nach Eigenständigkeit, sowohl in Bezug auf das Denken, als auch die Selbstverwirklichung des Menschen. In diesem Zusammenhang spielt der Begriff des Glücks eine wesentliche Rolle, welcher durch Locke folgendermaßen definiert wird:

„Happiness, [...] in its full extent, is the utmost pleasure we are capable of, and misery the utmost pain; and the lowest degree of what can be called happiness is so much ease from all pain, and so much present pleasure, as without which any one cannot be content” (Locke, 1690).

Die Erfüllung sinnlicher Bedürfnisse unter Berücksichtigung der Vernunft ist scheinbar die höchste Anforderung der Aufklärung an das Individuum, wird von Kelleter (2002: 38) aber sinnvoll auf das Abwägen der Auswirkungen reduziert, welche nicht pauschal, sondern situationsbedingt eingeschätzt werden müssen. Auf politisch-sozialer Ebene beschreibt Jeremy Bentham im 18. Jahrhundert die Bedeutung des Individuums in der Gesellschaft und spricht von der Verantwortung einer Regierung, den Staat so zu gestalten, dass die größtmögliche Anzahl von Menschen das größtmögliche Glück erfahren kann (vgl. Blachtley). Die Ermöglichung des Strebens nach Glück wird so zum Teil der aufgeklärten Gesellschaft.

Ebenfalls von Bedeutung ist der Begriff des Naturrechts, welcher Kelleter (2002: 115) zufolge als Rechtfertigung für die grundsätzliche Kritik an bestehenden Herrschaftsverhältnissen verstanden werden kann. Dieses Recht gesteht jedem denkenden Individuum die Möglichkeit zu, „staatliche Gesetze auf ihre Maßgeblichkeit hin zu überprüfen“ (ebd.). Die dadurch vorgenommene Trennung von Wahrheit und Macht ist wesentlich für das Verständnis des Freiheitsgedankens, sowie der amerikanische Revolution und findet sich vermutlich in allen mit ihr verbundenen Auseinandersetzungen wieder. In diesem Kontext schreibt Kelleter der Unabhängigkeitserklärung die Funktion einer Art Bestandsaufnahme zu, welche weder „eine Petition noch eine revolutionäre Absichtserklärung“ (ebd.) darstellt, sondern die bestehenden Umstände reflektiert und infrage stellt.

3. Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes

3.1 Untersuchung der Argumentationslinie: Die Struktur der Erklärung

Strukturell lässt sich die Unabhängigkeitserklärung in drei inhaltliche Abschnitte einteilen. Sie beginnt mit einer Präambel, welche die Notwendigkeit des Dokumentes erklärt. Die Verfasser der Erklärung erachten die Erörterung der Umstände, welche sie zu der Trennung von der englischen Krone bewegt haben, demnach als Beweis eines „decent Respect to the Opinions of Mankind“ (Z. 5). Sie fahren fort, mit einer Aussprechung der unumstößlichen und von Gott gegebenen Rechte, über die jedes Individuum in einer Gesellschaft verfüge. Diese umfassen auch den Anspruch auf „Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness“ (Z. 9f.), dessen Gewährleistung der Regierung obliege. Gelingt es einer Regierung nicht, diese Rechte zu sichern oder beginnt sie, diese zu verletzten, so berechtige dies das Volk dazu

„to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying ist Foundation on such Principles and organizing its Powers in such Form, as to Them shall seem most likely to effect their Safety and Hapiness“ (Z. 13ff.).

Dadurch wird die Sicherheit und die Glückseligkeit des Volkes über die Machtansprüche der Regierung gestellt und dem Volk gleichzeitig die Verantwortung zugesprochen, sich von einer willkürlichen Herrschaft loszusagen und eine neue Regierung zu bilden (vgl. Z. 21-27). Mit dem Hinweis darauf, dass die Kolonien die Willkür der Krone lange genug erlitten haben, beanspruchen sie das Revolutionsrecht für sich.

Im darauf folgenden, zweiten Abschnitt der Erklärung, werden die Verfehlungen der englischen Regierung aufgelistet, welche die Lossagung der Kolonien von ihrer Herrschaft legitimieren. Es wird deutlich, dass die genannten Fakten (Z. 30) in ihrer Gesamtheit wiederholte Verstöße gegen die Rechte auf Leben, Freiheit, das Streben nach Glück, sowie die Sicherheit des Volkes darstellen.[1]

[...]


[1] Eine genaue inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Teil der Unabhängigkeitserklärung soll gesondert im Punkt 3.2 geschehen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung - Ein Dokument der Aufklärung
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Perspektiven der Aufklärungsforschung I
Note
2.3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V176050
ISBN (eBook)
9783640973491
ISBN (Buch)
9783640973163
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanische Unabhängigkeitserklärung, Aufklärung, Jefferson, Locke
Arbeit zitieren
Janine Börstler (Autor), 2011, Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung - Ein Dokument der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176050

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