Am 4. Juli 1776 verkündete der Kongress die Unabhängigkeit dreizehn amerikanischer Kolonien von der Herrschaft der englischen Krone und legte damit den Grundstein für die Bildung der Republik Amerika und schürte auch in Europa die Revolutionsbereitschaft und das Streben nach einer modernen Gesellschaft (vgl. Hofmeister, 1967: 44).
Ziel dieser Arbeit ist es, die geistigen Einflüsse zu untersuchen, welche der amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 zugrunde liegen und ihre Gestaltung maßgeblich beeinflusst haben. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das Dokument in seiner Argumentation für ein freies Amerika die Auseinandersetzung von Aufklärung und vormodernen Wertvorstellungen repräsentiert.
Um diese These hinreichend untersuchen zu können, soll zuerst ein generelles Verständnis für die relevanten Konzepte der Aufklärung geschaffen werden, bevor die Erklärung an sich genauer betrachtet wird. Um die Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes möglichst übersichtlich zu gestalten, wird zunächst mit der Untersuchung der inhaltlichen Struktur des Textes begonnen. Es folgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Anklage der englischen Herrschaftspraxis, welche sich insofern als sinnvoll erweist, als dass durch die Verurteilung der willkürlichen Regierung ersichtlich wird, welche Ansprüche die Kolonien an eine aufgeklärte Staatsverwaltung stellen. An diesen Abschnitt schließt sich eine Untersuchung der zugrunde liegenden Philosophie an, welche sich vornehmlich auf Allen Jaynes Ausführungen zum Einfluss des englischen Aufklärers John Locke auf den Hauptverfasser der Erklärung, Thomas Jefferson, stützt. Die so erlangten Erkenntnisse sollen abschließend zusammengeführt und zu einem umfassenden Fazit gebracht werden.
Der zur Analyse verwendete Text der Unabhängigkeitserklärung wurde Jayne (1998) entnommen.
Als besonders hilfreich bei der Erarbeitung haben sich sowohl die Arbeiten von Jayne, als auch Kelleter und May erwiesen. Trotz der bereits einige Jahre zurück liegenden Veröffentlichung, gelingt es besonderes Letzterem, grundlegende Zusammenhänge präzise und verständlich darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung
3. Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes
3.1 Untersuchung der Argumentationslinie: Die Struktur der Erklärung
3.2 Implikationen der Auseinandersetzung mit der englischen Herrschaft
3.3 Jefferson und Locke: Sichtbare Einflüsse der Aufklärung
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, die geistigen Einflüsse der Aufklärung auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Dokument die Auseinandersetzung zwischen aufklärerischen Idealen und vormodernen Herrschaftsstrukturen widerspiegelt.
- Analyse der inhaltlichen Struktur und Argumentationslinie der Unabhängigkeitserklärung.
- Untersuchung der Anklagen gegen die englische Herrschaftspraxis unter Einbeziehung von Menschenrechten wie Freiheit und Sicherheit.
- Erforschung der philosophiegeschichtlichen Verbindung zwischen Thomas Jefferson und John Locke.
- Darstellung der Unabhängigkeitserklärung als Dokument, das den Übergang zu einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft einleitet.
- Vergleich von Lockes Konzepten des Naturrechts und des Staatsvertrags mit den Forderungen der amerikanischen Kolonien.
Auszug aus dem Buch
3.1 Untersuchung der Argumentationslinie: Die Struktur der Erklärung
Strukturell lässt sich die Unabhängigkeitserklärung in drei inhaltliche Abschnitte einteilen. Sie beginnt mit einer Präambel, welche die Notwendigkeit des Dokumentes erklärt. Die Verfasser der Erklärung erachten die Erörterung der Umstände, welche sie zu der Trennung von der englischen Krone bewegt haben, demnach als Beweis eines „decent Respect to the Opinions of Mankind“ (Z. 5). Sie fahren fort, mit einer Aussprechung der unumstößlichen und von Gott gegebenen Rechte, über die jedes Individuum in einer Gesellschaft verfüge. Diese umfassen auch den Anspruch auf „Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness“ (Z. 9f.), dessen Gewährleistung der Regierung obliege. Gelingt es einer Regierung nicht, diese Rechte zu sichern oder beginnt sie, diese zu verletzten, so berechtige dies das Volk dazu
„to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying ist Foundation on such Principles and organizing its Powers in such Form, as to Them shall seem most likely to effect their Safety and Hapiness“ (Z. 13ff.).
Dadurch wird die Sicherheit und die Glückseligkeit des Volkes über die Machtansprüche der Regierung gestellt und dem Volk gleichzeitig die Verantwortung zugesprochen, sich von einer willkürlichen Herrschaft loszusagen und eine neue Regierung zu bilden (vgl. Z. 21-27). Mit dem Hinweis darauf, dass die Kolonien die Willkür der Krone lange genug erlitten haben, beanspruchen sie das Revolutionsrecht für sich.
Im darauf folgenden, zweiten Abschnitt der Erklärung, werden die Verfehlungen der englischen Regierung aufgelistet, welche die Lossagung der Kolonien von ihrer Herrschaft legitimieren. Es wird deutlich, dass die genannten Fakten (Z. 30) in ihrer Gesamtheit wiederholte Verstöße gegen die Rechte auf Leben, Freiheit, das Streben nach Glück, sowie die Sicherheit des Volkes darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den historischen Kontext der Unabhängigkeitserklärung dar und definiert das Ziel der Arbeit, die geistigen Einflüsse der Aufklärung auf das Dokument zu untersuchen.
2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung: Dieses Kapitel erläutert zentrale aufklärerische Begriffe wie Vernunft, Naturrecht, Liberalismus und das Streben nach Glück, die für das Verständnis der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung essenziell sind.
3. Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes: Das Hauptkapitel strukturiert die Unabhängigkeitserklärung inhaltlich, untersucht die Anklagen gegen die englische Krone und stellt die theoretischen Bezüge zu John Locke heraus.
4. Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen fassen die Ergebnisse zusammen und bestätigen, dass die Unabhängigkeitserklärung maßgeblich von aufklärerischen Rechtsvorstellungen geprägt ist und einen Bruch mit vormodernen Werten darstellt.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Unabhängigkeitserklärung, John Locke, Thomas Jefferson, Menschenrechte, Naturrecht, Liberalismus, Rationalität, Amerikanische Revolution, Politische Freiheit, Herrschaftspraxis, Gewaltenteilung, Volkssouveränität, Gesellschaftsvertrag, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und deren enger Verknüpfung mit den philosophischen Idealen der Aufklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur der Unabhängigkeitserklärung, die Kritik an absolutistischer Herrschaft sowie die Rezeption aufklärerischer Konzepte wie Naturrecht und persönliches Glück.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, inwieweit die Argumentation der Unabhängigkeitserklärung durch die Philosophie der Aufklärung, insbesondere durch John Locke, beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, kombiniert mit einer historischen Kontextualisierung und der theoretischen Einbettung in die Philosophie des 18. Jahrhunderts unter Verwendung einschlägiger Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird die Unabhängigkeitserklärung in ihre drei Abschnitte unterteilt, die Anklagen gegen die englische Krone detailliert analysiert und der direkte Einfluss von John Lockes "Second Treatise of Government" auf Thomas Jefferson herausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Aufklärung, Naturrecht, Freiheit, Sicherheit, Glückseligkeit, Volkssouveränität und die Kritik an willkürlicher Regierung geprägt.
Inwiefern spielt das Konzept des "Glücks" eine Rolle für die Rechtfertigung der Revolution?
Das Streben nach Glück ("Pursuit of Happiness") wird als unveräußerliches Recht definiert. Eine Regierung, die dieses Streben durch Willkür behindert, verliert ihre Legitimität, was den Kolonien das Recht gibt, sich von ihr zu lösen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Königs von England in der Erklärung?
Der König wird als Tyrann dargestellt, der durch Gesetzeswillkür, Behinderung der Justiz und Kriegshandlungen gegen die eigene Bevölkerung die fundamentalen Rechte der Kolonisten verletzt und somit als Feind einer freien, modernen Gesellschaft fungiert.
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- Janine Börstler (Author), 2011, Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung - Ein Dokument der Aufklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176050