Die Diskussion und Kritik um die bilanzielle Darstellung von Leasingverhältnissen (LV) nach dem gewählten „all-or-nothing approach“ (AoN) ist bereits sehr alt. Erste Anzeichen zum Änderungswillen des bereits modifizierten – aber nie vom AoN abweichenden – Standards zur Leasingbilanzierung IAS 17 , wurden durch Veröffentlichung eines ersten Konzepts durch den IASC im Jahre 2000 sichtbar. Auf Basis des Norwalk Agreements, in dem sich der IASB und der FASB auf eine Angleichung bestehender Unterschiede der Rechnungslegungssysteme einigten, wurde ein gemeinsames Leasingprojekt angestoßen, welches durch die Veröffentlichung eines ersten Diskussionspapieres auf eine Neufassung der heutigen Bilanzierungsweise und damit dem Verwurf des bisherigen AoN hindeutet. Mit der Publikation des Exposure Draft „Leases“ neigt sich der Due Process der Leasingbilanzierung seinem Ende entgegen.
Ziel dieser Arbeit ist es die aktuell gültige Bilanzierung von LV sowie die anhaltende Kritik daran kurz darzustellen (Kap. 3). Anschließend die aktuellen Entwicklungen um den diskutierten und favorisierten „right-of-use approach“ (RoU), sowie die sich hieran anschließende Kritik gegenüber zu stellen bzw. kritisch zu analysieren (Kap. 4). Um das Verständnis des komplexen Themas zu erleichtern wird außerdem eine Kurzeinführung in die Grundlagen der IFRS sowie den Leasingbegriff gegeben (Kap. 2). Dann erfolgt ein kurzer Ausblick (Kap. 5).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Relevante Grundlagen im Hinblick auf die Leasingbilanzierung
2.1 Zielsetzung und Struktur internationaler Rechnungslegung
2.2 Bedeutung und Begriff des Leasing
3 Aktuelle Leasingbilanzierung nach IFRS
3.1 Die Leasingbilanzierung nach IAS 17
3.1.1 Definition und Klassifizierung
3.1.2 Erst- und Folgebewertung beim Finanzierungs- und Operating Leasing
3.2 Grundlegende Kritik an der bisherigen Leasingbilanzierung
4 Aktueller Stand des Leasingprojekts des IASB/FASB
4.1 Geplante Leasingbilanzierung
4.1.1 Definition und Klassifizierung gemäß Right-of-Use-Approach
4.1.2 Erst- und Folgebewertung bei einfachen Leasingverhältnissen
4.1.3Besonderheiten bei komplexen Leasingverhältnissen
4.2 Kritische Analyse des Exposure Draft Leases
4.2.1 Vordergründige Zielerreichung durch das Right-of-Use Konzept
4.2.2 Inkonsistentes Konzept und Komplexität in der Ausgestaltung
4.2.3 Fazit: Abschließende Wertung der bisherigen Reform
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Bilanzierungspraxis von Leasingverhältnissen nach IAS 17 sowie die kritischen Aspekte der sogenannten „off-balance-sheet“-Bilanzierung. Ziel ist es, die geplanten Reformbestrebungen des IASB/FASB im Rahmen des „Right-of-Use“-Ansatzes (RoU) darzustellen, deren theoretische Konsistenz zu prüfen und die Auswirkungen auf die Abschlussadressaten sowie die Komplexität der neuen Bilanzierungsregeln kritisch zu hinterfragen.
- Aktueller Stand und Kritik der Leasingbilanzierung nach IAS 17
- Konzeptioneller Paradigmenwechsel zum Right-of-Use-Ansatz (RoU)
- Methodik der Erst- und Folgebewertung bei Leasingverhältnissen
- Analyse der Komplexität und der bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten
- Beurteilung der Entscheidungsnützlichkeit der geplanten Reform
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundlegende Kritik an der bisherigen Leasingbilanzierung
Der ursächliche Grund für anhaltende Kritik an der Leasingbilanzierung liegt in der konzeptionellen Gestaltung dieser gem. dem RaR (3.1.1). Hiermit wird ein faktisches Wahlrecht geschaffen, welches zu praktischen Anwendungsfragen und in Kombination mit der bestehenden Anreizstruktur eines Abschlusserstellers zu Anwendungsfehlern führt. Diese und die damit verbundene Grundsatzverletzung (2.1) sollen kurz dargelegt werden, so dass gezeigt werden kann, dass das übergeordnete Ziel – die Vermittlung wirtschaftlich entscheidungsrelevanter Informationen an die Bilanznutzer (2.1) – durch bisherigere Regelungen nur eingeschränkt erfüllt wird.
Nach aktueller Ausgestaltung kommt es vor, dass wirtschaftlich ähnliche Vereinbarungen unterschiedlich (OL oder FL) bilanziert werden, was den PG der Vergleichbarkeit (F. 39) sowie den SG substance over form (F. 35) und damit den PG der Verlässlichkeit (F. 31f.) deutlich einschränkt. Den diversen Vertragsgestaltungen in der Praxis wird die Zweiteilung ohnehin nicht gerecht, worunter nach Ansicht des Autors die Verständlichkeit (PG) (F. 25) leidet. Auch die Erweiterung der Leasingdefinition (IFRIC 4) hilft hier nicht weiter, sondern führt vielmehr u.a. zur Einschränkung des PG Verständlichkeit.
Die mögliche Ungleichbehandlung identischer wirtschaftlicher Vorgänge, wird durch explizite Anreize des LN, die LV gezielt bilanzneutral (off-balance-sheet) zu gestalten, verstärkt, wodurch nach Ansicht des Autors vollständige (F.38), neutrale (F.36) und damit verlässliche (F.31) Informationsvermittlung unterbleibt. Die damit verbundene Verschiebung von Informationen in den Anhang widerspricht dem SG der Wesentlichkeit (F.29), so dass der PG der Relevanz (F.26) verletzt ist. Der Anreiz der off-balance-sheet Bilanzierung besteht darin, Kennzahlen wie den Verschuldungsgrad positiv zu beeinflussen, was im Lichte der Entwicklung der Eigenkapitalanforderungen (2.2) an Bedeutung gewinnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die historische Diskussion zur Leasingbilanzierung, begründet die Notwendigkeit der Reform durch das IASB/FASB und legt den Aufbau der Arbeit dar.
2 Relevante Grundlagen im Hinblick auf die Leasingbilanzierung: Dieses Kapitel führt in die Ziele internationaler Rechnungslegung nach IFRS ein und definiert die wirtschaftliche Bedeutung sowie den Begriff des Leasings als Finanzierungsalternative.
3 Aktuelle Leasingbilanzierung nach IFRS: Es wird die geltende Praxis nach IAS 17 analysiert, inklusive der Klassifizierung in Operating und Finance Lease sowie der spezifischen Bewertungsregeln, und grundlegende Kritik daran geübt.
4 Aktueller Stand des Leasingprojekts des IASB/FASB: Dieser Hauptteil beschreibt den geplanten Right-of-Use-Ansatz, die Bewertungsmethoden bei einfachen und komplexen Leasingverhältnissen und analysiert kritisch die Konzeption sowie die Komplexität der Reform.
5. Ausblick: Der Ausblick reflektiert den langjährigen Reformprozess und empfiehlt dem Standardsetter, bei der Entwicklung von Rechnungslegungsstandards künftig methodischer vom Allgemeinen zum Speziellen vorzugehen.
Schlüsselwörter
Leasingbilanzierung, IFRS, IAS 17, Right-of-Use-Ansatz, off-balance-sheet, Leasingnehmer, Leasinggeber, Finanzierungsleasing, Operating Leasing, Rechnungslegung, IASB, FASB, Bilanzneutralität, Bewertungsspielräume, Entscheidungsnützlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die internationale Leasingbilanzierung, insbesondere den Übergang von der aktuellen Regelung nach IAS 17 hin zum geplanten Right-of-Use-Ansatz des IASB und FASB.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Kritik an der Bilanzneutralität (off-balance-sheet), die methodischen Änderungen bei der Bewertung von Leasingverhältnissen und die Auswirkungen auf die Entscheidungsrelevanz von Finanzberichten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Untersuchung der theoretischen Konsistenz und der praktischen Umsetzbarkeit des neuen Right-of-Use-Ansatzes unter Berücksichtigung der damit verbundenen Komplexität.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung und kritische Analyse der bestehenden Standardentwürfe, wissenschaftlicher Literatur und diskursiver Argumentationsmuster der Standardsetter.
Was steht im Hauptteil der Arbeit besonders im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Darstellung des neuen RoU-Modells sowie auf eine tiefgehende kritische Analyse der Reform, einschließlich der potenziellen bilanzpolitischen Spielräume.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Schlüsselbegriffe sind Leasingbilanzierung, IFRS, Right-of-Use, Bilanzneutralität, Finanzierungsleasing und Entscheidungsnützlichkeit.
Welche Schwachstellen identifiziert der Autor am Right-of-Use-Konzept?
Der Autor kritisiert insbesondere die Entobjektivierung der Bilanz, die hohe Komplexität bei der Bewertung und die durch Ermessensspielräume neu geschaffenen bilanzpolitischen Gestaltungsfreiräume.
Wie bewertet der Autor die Wahlmöglichkeit des Leasinggebers zwischen POM und PDM?
Er bewertet diese Wahlmöglichkeit als kontraproduktiv, da sie den Zielen der Vereinfachung widerspricht und Anreize für bilanzpolitische Entscheidungen schafft, anstatt Konsistenz zu fördern.
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- Matthias Wos (Author), 2011, Umbruch der internationalen Leasingbilanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176062