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Theorien der Gerechtigkeit. John Rawls – Gerechtigkeit als Fairness

Title: Theorien der Gerechtigkeit. John Rawls – Gerechtigkeit als Fairness

Term Paper , 2023 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Was ist Gerechtigkeit und wie kann gerecht gehandelt und entschieden werden? Bei diesen Fragen handelt es sich um zentrale Fragen der Ethik. Philosophen verschiedener Zeiten haben sich mit genau diesen Fragen beschäftigt, woraus verschiedene Auffassungen und Theorien der Gerechtigkeit resultierten.

Diese Arbeit setzt sich mit einer von diesen Theorien der Gerechtigkeit, nämlich der Theorie of Justice von John Rawls, auseinander. Rawls Theorie of Justice erschien im Jahr 1971 und zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es sich um „die argumentativ dichteste und elaborierteste Theorie der Gerechtigkeit“ handelt, die in der praktischen Philosophie bis heute hervorgebracht wurde. Rawls beschäftigt sich in seiner Arbeit mit einem Gedankenexperiment, bei dem sich die Menschen innerhalb einer Gesellschaft durch eine fiktive Vertragssituation auf gemeinsame Gerechtigkeitsgrundsätze einigen, wodurch eine gerechte Gesellschaft erreicht wird.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, Rawls Theorie der Gerechtigkeit darzustellen, zu erklären, kritisch zu betrachten und auf eine konkrete Problematik der heutigen Zeit anzuwenden. In der folgenden Ausarbeitung soll zunächst ein Überblick über John Rawls Theorie der Gerechtigkeit geboten werden. Dabei werden Rawls Vorstellungen einer Gesellschaft und eines Gesellschaftsvertrags, die er in dem Kapitel Gerechtigkeit als Fairness vorbringt, dargelegt. Der besondere Fokus bei der Skizzierung von Rawls Theorie der Gerechtigkeit soll neben seiner Auffassung des Aufbaus einer Gesellschaft auf sein Gedankenexperiment des Urzustands und des Schleiers des Nichtwissens sowie seinen Gerechtigkeitsgrundsätzen gelegt werden. Zudem wird eine Abgrenzung seiner Theorie zum Utilitarismus vorgenommen. Zum Schluss soll Rawls Theorie auf das Beispiel der Weltarmut angewandt werden. Anhand dieser Anwendung soll gezeigt werden, wie die Menschen heutzutage Rawls Gerechtigkeitstheorie zufolge handeln würden. Zuletzt soll die Leitfrage dieser Hausarbeit beantwortet werden: Kann Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness als ein sinnvolles Modell für die heutige Gesellschaft angesehen werden?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rawls Gerechtigkeitstheorie: Gerechtigkeit als Fairness

2.1 Gegenstand und Vorgehen

2.2 Grundstruktur der Gesellschaft nach Rawls

2.3 Urzustand

2.4 Schleier des Nichtwissens

2.5 Rawls Gerechtigkeitsgrundsätze

3 Abgrenzung Rawls Theorie zum Utilitarismus

4 Anwendung

4.1 Überblick über den Sachverhalt

4.2 Konkreter Bezug auf Rawls Theorie

5 Kritische Diskussion

6 Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, John Rawls’ einflussreiche Konzeption der „Gerechtigkeit als Fairness“ aus seinem Werk A Theory of Justice fundiert darzustellen, theoriegeschichtlich einzuordnen und kritisch zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Leitfrage, inwiefern Rawls’ hypothetisches Vertragsmodell als normativer Orientierungsrahmen für reale gesellschaftliche Problemlagen – konkret veranschaulicht am Phänomen der weltweiten Armut – herangezogen werden kann.

  • Rekonstruktion des vertragstheoretischen Gedankenexperiments aus Urzustand und Schleier des Nichtwissens
  • Analyse der beiden rawlsschen Gerechtigkeitsprinzipien (Gleichheits- und Differenzgrundsatz)
  • Systematische Abgrenzung der Theorie von utilitaristischen Kollektivnutzenmodellen
  • Erweiterung und exemplarische Anwendung des Modells auf globale Ungleichheit und Weltarmut
  • Kritische Diskussion bezüglich Realitätsnähe und praktischer Umsetzungsprobleme

Auszug aus dem Buch

2.4 Schleier des Nichtwissens

Rawls Schleier des Nichtwissens ist dabei als eine abstraktere Variante des Gesellschaftsvertrags zu betrachten, da sich freie und gleiche Menschen einer Gesellschaft unter dem Schleier des Nichtwissens auf die Gerechtigkeitsgrundsätze einigen müssen, die in der Gesellschaft von allen anerkannt werden sollen. Es handelt sich beim Schleier des Nichtwissens also um ein Gedankenexperiment, durch welches gezeigt werden soll, dass Gleichheit die Grundlage für die Gerechtigkeit bildet. Bei dieser theoretischen Überlegung stellen Gleichheit und Unparteilichkeit also die Ausgangspunkte moralischer Überlegungen dar.

Das Gedankenexperiment beschreibt einen Zustand, in dem „niemand seine Stellung in der Gesellschaft kennt, seine Klasse oder seinen Status, ebenso wenig sein Los bei der Verteilung natürlicher Gaben wie Intelligenz oder Körperkraft.“ (TG, 29) Das bedeutet, dass die Akteure beim Treffen einer Entscheidung nicht aufgrund ihres persönlichen Vorteils entscheiden können, da sie ihre eigene Stellung innerhalb der Gesellschaft sowie die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu der durch die Entscheidung begünstigten Gruppe gehören, nicht kennen. Durch den beim Schleier des Nichtwissens herrschenden Informationsentzug werden also egoistische Entscheidungen, die nur auf die Vergrößerung des eigenen Wohlbefindens abzielen, eliminiert und dadurch Unparteilichkeit geschaffen, da auch egoistische Subjekte aufgrund der fehlenden Informationen gezwungenermaßen unparteiisch und unabhängig von persönlichen Umständen entscheiden müssen. Die Unparteilichkeit ergibt sich folglich aus der Unkenntnis darüber, wer man selbst innerhalb einer Gesellschaft ist, und dem Egoismus, also dem Drang danach, bei der Entscheidung das beste Resultat für sich selbst zu erzielen.

Die Gleichheit bei Rawls Schleier des Nichtwissens wird dadurch geschaffen, dass die Interessen der Minderheiten in keinem Fall geringer gewichtet werden als die der Mehrheiten: Die Entscheidenden können nicht davon ausgehen, dass sie mit gleicher Wahrscheinlichkeit jede Person im resultierenden Zustand sein können, da die Verteilungen und Wahrscheinlichkeiten in dem Zustand des Schleiers des Nichtwissens für sie nicht ersichtlich sind. Dadurch sind sie gezwungen, die Entscheidung unter Unsicherheit darüber zu fällen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie durch die Entscheidung begünstigt werden. Aufgrund dieser Tatsache werden die Entscheidenden sich für diejenige Option entscheiden, bei der der schlechtmöglichste Ausgang im Vergleich zu den anderen Optionen immer noch der bestmögliche ist. Dieses Vorgehen wird durch die Maximin-Regel beschrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Führt in die ethische Fragestellung gerechten Handelns ein, skizziert Rawls’ Werk im Kontext der praktischen Philosophie und formuliert die zentrale Leitfrage bezüglich der Anwendbarkeit auf heutige Gesellschaften.

2 Rawls Gerechtigkeitstheorie: Gerechtigkeit als Fairness: Erläutert systematisch die Bausteine der Theorie, darunter die Grundstruktur der Gesellschaft, die Konzeption des Urzustands, den Schleier des Nichtwissens sowie die Formulierung von Gleichheits- und Differenzprinzip.

3 Abgrenzung Rawls Theorie zum Utilitarismus: Stellt den fundamentalen Gegensatz zwischen Rawls’ individuenbezogenem Unverletzlichkeitsanspruch und der utilitaristischen Maximierung des Gesamtwohls heraus.

4 Anwendung: Überträgt das theoretische Modell durch eine notwendige Modifikation auf die globale Ungleichheit und analysiert anhand der Maximin-Regel, wie politische Akteure im Sinne von Rawls gegen Weltarmut agieren müssten.

5 Kritische Diskussion: Reflektiert Einwände gegen die mangelnde Wirklichkeitstauglichkeit abstrakter Gedankenexperimente und würdigt zugleich die gelungene Instrumentalisierung menschlichen Eigeninteresses für faire Normen.

6 Schlussfolgerung: Beantwortet die Leitfrage positiv, indem Rawls’ Konzeption als unverzichtbarer normativer Maßstab und gedankliche Stütze für gerechte Entscheidungsfindung bewertet wird.

Schlüsselwörter

John Rawls, Gerechtigkeit als Fairness, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Differenzprinzip, Gleichheitsgrundsatz, Maximin-Regel, Utilitarismus, Verteilungsgerechtigkeit, Vertragstheorie, Weltarmut, Chancengleichheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Gerechtigkeitstheorie des Philosophen John Rawls aus dessen Hauptwerk A Theory of Justice und untersucht deren Kernelemente, Begründungsmuster sowie Relevanz für zeitgenössische Gerechtigkeitsdebatten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Abhandlung?

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören moderne Vertragstheorien, Bedingungen fairer Verteilungsverfahren, das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft sowie die ethische Auseinandersetzung mit globaler Armut.

Welches primäre Ziel und welche Forschungsfrage werden verfolgt?

Das primäre Ziel ist die Darstellung und kritische Überprüfung von Rawls’ Ansatz anhand der Leitfrage: Kann Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit als Fairness als ein sinnvolles Modell für die heutige Gesellschaft angesehen werden?

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutisch-analytische Textarbeit unter Einbezug von Primär- und Sekundärliteratur, verknüpft mit einer methodischen Modellübertragung auf einen realen globalen Sachverhalt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Komponenten des Urzustands, der Schleier des Nichtwissens und die Gerechtigkeitsprinzipien entfaltet, vom Utilitarismus abgegrenzt und auf die weltweite Vermögens- und Chancenungleichheit projiziert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?

Zentrale Begriffe sind unter anderem Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Gerechtigkeit als Fairness, Maximin-Regel, Differenzgrundsatz und Verteilungsgerechtigkeit.

Warum grenzt sich John Rawls explizit vom Utilitarismus ab?

Rawls kritisiert am Utilitarismus, dass dieser das Wohlergehen Einzelner zugunsten des Gesamtnutzens der Mehrheit opfern kann; demgegenüber postuliert Rawls eine unantastbare, auf Gerechtigkeit gegründete Unverletzlichkeit jeder einzelnen Person.

Welche Rolle spielt die Maximin-Regel im Urzustand?

Die Maximin-Regel veranlasst Individuen unter vollständiger Unsicherheit über ihre spätere gesellschaftliche Position dazu, diejenige Entscheidungsalternative zu wählen, deren schlechtester denkbarer Ausgang immer noch günstiger ist als bei allen anderen Optionen.

Wie wird Rawls’ Theorie auf das globale Phänomen der Weltarmut angewendet?

Da Rawls’ ursprüngliches Konzept auf geschlossene Gesellschaften bezogen war, wird es hier erweitert: Entscheidungsträger unter einem globalen Schleier des Nichtwissens würden sich für das Differenzprinzip entscheiden, um die gravierenden Nachteile der ärmsten Bevölkerungsgruppen weltweit abzumildern.

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Details

Title
Theorien der Gerechtigkeit. John Rawls – Gerechtigkeit als Fairness
College
University of Stuttgart  (Universität)
Course
Bachelorseminar
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2023
Pages
15
Catalog Number
V1761329
ISBN (PDF)
9783389204443
ISBN (Book)
9783389204450
Language
German
Tags
Rawls Schleier des Nichtwissens Gerechtigkeit Verteilungsgerechtigkeit
Product Safety
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Anonym (Author), 2023, Theorien der Gerechtigkeit. John Rawls – Gerechtigkeit als Fairness, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1761329
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