Vom Wort zum Bild: Probleme der Literaturverfilmung am Beispiel von B. Schlinks "Der Vorleser" und S. Daldrys gleichnamiger Verfilmung


Facharbeit (Schule), 2010
24 Seiten, Note: 13 Punkte (entspricht 1)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Enttäuschung nach Betrachtung von verfilmten Bestsellern

2 Probleme der Literaturverfilmung am Beispiel von Bernhard Schlinks „Der Vorleser" und Stephen Daldrys gleichnamiger Verfilmung
2.1 Theoretische Grundlagen der Adaptionsproblematik
2.1.1 DerBegriff Adaption
2.1.2 Typologie der Adaptionsformen nach Helmut Kreuzer
2.1.3 André Bazin und sein „Plädoyer für die Adaption von Literatur"
2.2. Vergleich von Schlinks Roman „Der Vorleser" und Daldrys Hollywoodverfilmung
2.2.1 Inhalt der literarischen Vorlage
2.2.2 Interpretation des Romans
2.2.2.1 Das Motiv des Vorlesens
2.2.2.2 Michaels Träume und Begegnungen mit dem Haus in der Bahnhofsstraße
2.2.2.1 Homers Odyssee und Michaels vergleichbares Schicksal
2.2.3 Erzählperspektiven in Buch und Film
2.2.4 Ergänzung der Adaption um Rahmenhandlung
2.3 Unterschiede zwischen dem Roman und der filmischen Adaption
2.3.1 Kürzungen im Film
2.3.2 Änderungen in der Verfilmung
2.3.3 Hinzufügungen zum Filmwerk
2.4 Analyse der 31. Filmsequenz in „Der Vorleser"

3 Versuch einer abschließenden Beurteilung von Daldrys Adaption von „Der Vorleser"

4 Persönliche Erfahrungen mit „Der Vorleser" und seiner filmischen Umsetzung

Literaturverzeichnis

1 Enttäuschung nach Betrachtung von verfilmten Bestsellern

„Das Unbekannte ist eine Ausnahme, das Bekannte eine Enttäuschung"[1], so der französische Schriftsteller, Maler und Grafiker Francis Picabia. Und er behält - bezogen auf so manche Verfilmung eines Bestsellers - Recht.

Unter Literaturverfilmungen sind heute nur noch Filme gemeint, die einen besonders hohen literarischen Rang aufweisen. Dabei spielt es aber keine Rolle, ob Dramen, Kurzgeschichten, Erzählungen oder Romane wie z.B. „Der Vorleser" verfilmt werden.

Literaturverfilmungen, wie z.B. die von „Harry Potter" oder „Die Päpstin" locken jährlich Millionen von Menschen in Kinos, weil ihnen die Buchvorlage gefallen hat. Nachdem man den Film dann gesehen hat, stellt man oft ernüchternd fest, dass die filmische Umsetzung qualitativ nicht an das Buch herankommt.

Beim Lesen hat man sich Schauplätze anders vorgestellt, und auch die Personen passen ihrem Aussehen und Verhalten nach so gar nicht zu denen, die man sich in seiner Phantasie vorgestellt hat.

Das geschriebene Original wird immer wieder mit dem Film verglichen, obwohl es sich doch um zwei verschiedene Medien handelt, die zwar Gemeinsamkeiten, aber auch viele Eigenarten besitzen.

Nur die wenigsten Kinobesucher werden wissen, mit welchen Schwierigkeiten ein Regisseur zu kämpfen hat, der ein Buch adaptieren will. Als erstes hat er den Stoff der Buchvorlage so zu kürzen, dass er dieselbe Geschichte, die in einem Roman 200 Seiten beansprucht, in ungefähr zwei Stunden erzählen kann. Als nächstes muss er Handlungsorte sowie Schauspieler und Schauspielerinnen finden, die zu den optischen Vorstellungen passen, welche uns der Roman vermittelt.

Das weitaus größte Problem stellt aber die Frage dar, inwieweit sich ein Regisseur von der Romanvorlage entfernen darf. Darf Stephen Daldry, Regisseur von „Der Vorleser", entscheidende Textstellen einfach weglassen und kann er die Bedeutung und Wichtigkeit der einzelnen Protagonisten abändern? Ein anderes Problem für den Starregisseur Daldry dürfte der Zeitenwechsel in Bernhard Schlinks Erfolgsroman „Der Vorleser" gewesen sein. Als Leser des Romans ist es möglich, schnell ein paar Seiten zurück zu blättern um gewünschte Informationen noch einmal einzusehen, als Zuschauer des Films im Kino ist dies gänzlich unmöglich.

2 Probleme der Literaturverfilmung am Beispiel von Bernhard Schlinks „Der Vorleser" und Stephen Daldrys gleichnamiger Verfilmung

Die vorliegende Arbeit versucht zu zeigen, wie Stephen Daldry mit den Problemen der Literaturverfilmung bei der Verfilmung von Bernhard Schlinks „Der Vorleser" umgegangen ist.

Als erstes soll auf die Theorie von Literaturverfilmungen eingegangen werden, die aus der filmwissenschaftlichen Sekundärliteratur hervorgeht. Ausgehend vom 1995 erschienenen Buch, wobei der Inhalt und die verschiedenen Leitmotive genauer analysiert werden, wird dann Bezug genommen auf die Verfilmung aus dem Jahr 2008. Dabei stehen vor allem die Unterschiede zwischen Vorlage und Adaption im Vordergrund. Abschließend wird eine Filmsequenz analysiert und Daldrys Film einer Gesamtbeurteilung unterzogen.

2.1 Theoretische Grundlagen der Adaptionsproblematik

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Bedeutung und Wichtigkeit von Filmen stetig gewachsen. Immer mehr Menschen besuchten die Lichtspielhäuser in den Großstädten und Filme wurden zum Massenmedium. Zu ersten wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Medium Film kam es um 1910 herum. Mit der Zeit entwickelte sich daraus eine ernst zu nehmende Kunst- und Kulturwissenschaft, die sich mit Aspekten der Filmkunst befasst und versucht, filmwissenschaftliche Begrifflichkeiten zu erklären.

2.1.1 Der Begriff Adaption

Helmut Kreuzer, Professor für Germanistik und Literaturwissenschaft an der Gesamthochschule Siegen[2] verstand unter dem Begriff der Adaption (häufig auch Adaptation genannt) die „Verfilmung von fiktionalen Texten der Buchliteratur für Kino und Fernsehen"[3], wobei unter Verfilmung der Übergang vom einen Medium, also dem Text bzw. der literarischen Vorlage in das Medium Film gemeint ist.

Das Wort stammt vom lateinischen Verb „adaptare" ab, was soviel wie „anpassen" oder „passend herrichten" bedeutet. Jeder kennt einen Adapter und weiß, dass man mit diesem Stecker von Elektronikgeräten zum Beispiel an ausländische Steckdosen anpasst.

Somit steckt schon aus sprachgeschichtlicher Sicht ein Missverständnis in diesem Wort, denn man könnte denken, dass mit der Adaption eines Kunstwerkes (z.B. einem Roman) in eine andere Kunstform (z.B. Film) lediglich eine Anpassung stattfindet. Dies ist aber nicht der Fall, denn eine reine Anpassung würde das Original hochschätzen und die Adaption in ihrer Qualität schmälern.

2.1.2 Typologie der Adaptionsformen nach Helmut Kreuzer

Kreuzer beschreibt eine synchrone Typologie der Adaptionsformen, die im Folgenden nach steigender Werktreue geordnet werden.

Zunächst wäre die Adaption als Aneignung von literarischem Rohstoff zu nennen. Hierbei folgt die Verfilmung im Hinblick auf die Figurenkonstelllation und der Handlung dem Original kaum, größtenteils wird die literarische Vorlage völlig ignoriert und das Geschehen wird komplett anders dargestellt.

Helmut Kreuzer fordert daher, die Verfilmung anfänglich erst ohne Betrachtung des Vorbilds zu untersuchen, um sich somit unabhängig ein Urteil über den Film bilden zu können. Zu dieser Art der Adaption gehören oft Abenteuerfilme, aber auch anspruchsvolle Werke wie Josef von Sternbergs „Der blaue Engel", nach dem Vorbild von Heinrich Manns „Professor Unrat"[4], zählen zur Adaption als Aneignung von literarischem Rohstoff.

Zum zweiten Adaptionstypen, den Kreuzer kennzeichnet, gehören meist Verfilmungen von Kinder- und Jugendbüchern. Man spricht hier von einer Adaption als Illustration. Die Zielsetzung ist hier, Literatur einfach zu bebildern. Somit ist dieser Adaptionstypus der Werktreue verpflichtet und ignoriert bzw. lässt die Eigengesetzlichkeit der Medien Film und Literatur außer Acht. Oft wirken gerade deshalb Literaturverfilmungen dieses Typs langweilig, weil filmspezifische Mittel zu selten oder gar nicht berücksichtigt werden.

Den dritten Typus, den Kreuzer definiert, nennt er Transformation. Hierbei soll bei der Verfilmung ein möglichst paralleles Werk entstehen.

Bei der Transformation soll nicht nur der Inhalt in den Film übertragen werden, vielmehr soll die Beziehung zwischen Form und Inhalt der Vorlage erkannt und in das neue Medium, also den Film übertragen werden. Diese Übertragung kann aber auch zu Schwierigkeiten führen, da das bewegte Bild ein ganz anderes Zeichensystem aufweist als ein geschriebener Text. Dabei fordert Helmut Kreuzer nicht, dass Gespräche aus der Vorlage wortgetreu in den Film übertragen werden. Seiner Meinung nach können die Dialoge sogar geändert werden, um auf diese Weise den Film näher an das literarische Vorbild zu bringen.

Kreuzer beschreibt den vierten Adaptionstypen als Dokumentation. Gemeint sind damit Aufnahmen von Theaterinszenierungen, die dann z.B. im Fernsehen ausgestrahlt werden. Diese Dokumentationen sind alleine der Werktreue verpflichtet. Oft inszenieren Theaterregisseure ihre Stücke neu, wenn sie gefilmt werden sollen, was Kreuzer „[...] Grenzüberschreitung [,..]"[5] nennt.

Natürlich ist die ge]naue Zuordnung einer Literaturverfilmung zu einem der oben genannten Adaptionstypen häufig Sache der Interpretation. Oft mischen sich die verschiedenen Formen oder ein bestimmter Adaptionstyp trifft nur auf einen kleinen Teil einer Verfilmung zu.

2.1.3 André Bazin und sein „Plädoyer für die Adaption von Literatur"

In seinem „Plädoyer für die Adaption von Literatur"[6] spricht sich André Bazin eindeutig für die Verwendung von Literatur als Vorlage für Filme aus.

Oftmals behaupten Literaturkritiker, dass eine Verfilmung dem Original Schaden zufügen könnte, da das Medium Film Gebilde nur oberflächlich - also von außen betrachtet-abbilden kann.

Bazin vertritt aber die Auffassung, dass der Film mit seinen eigenen Mitteln (wie z.B. der Montagetechnik und der Kameraführung) entscheidend auf das Objekt Einfluss nehmen kann um somit jede Doppeldeutigkeit abzuwenden. Auf diese Weise ist es dem Film, ganz im Gegensatz zu seinem technischen Vorläufer, der Photographie, möglich, den gefilmten Gegenständen und Personen Leben einzuhauchen.

Ebenfalls kann eine Literaturverfilmung laut Bazin einen Gewinn für das Original darstellen, wenn sich Rezipienten nach Betrachtung des Films entscheiden, sich mit der literarischen Vorlage für die Adaption auseinanderzusetzen. „Diese Überlegungen werden von allen Statistiken der Verlage bestätigt, aus denen sich eine Steigerung des Verkaufs literarischer Werke nach ihrer Adaption durch den Film ergibt"[7], so André Bazin zum Beweis seiner Behauptung.

2.2 Vergleich von Schlinks Roman „Der Vorleser" und Daldrys Hollywoodverfilmung

„[...][Es] ist wichtig, über ein Buch zu sprechen und auch darüber zu schreiben. Das Wichtigste ist aber, den eigenen Zugang zum Text zu finden. Die Schüler müssen wissen, dass sie das dürfen."[8], so Bernhard Schlink auf die Frage, ob ein Buch nach dem Lesen rasch wieder im Bücherregal verschwinden soll. Um den Erfolgsroman „Der Vorleser" in dieser Facharbeit mit seiner filmischen Adaption von Stephen Daldry vergleichen zu können, ist es zuerst erforderlich, ihn auf Inhalt und Struktur zu untersuchen. Zugleich wird eine Interpretation vorgenommen, welche vor allem die Symbole in Schlinks Bestseller betrifft.

2.2.1 Inhalt der literarischen Vorlage

„Der Vorleser" handelt von der Beziehung des jungen Michael Berg zu der über 20 Jahre älteren Hanna Schmitz, die eines Tages spurlos verschwindet. Jahre später trifft Michael wieder auf Hanna, die sich nun als Angeklagte vor Gericht für ihre Verbrechen als KZ-Aufseherin zu verantworten hat.

Als Michael 15 ist, erkrankt er an Gelbsucht und übergibt sich infolge dessen auf offener Straße. Eine Frau hilft ihm und begleitet ihn nach Hause. Nach seiner Genesung besucht er Frau Schmitz, um sich bei ihr zu bedanken, sie bügelt gerade ihre Unterwäsche, was ihm peinlich ist, aber auch fasziniert. Sie möchte Michael ein Stück begleiten und zieht sich Strümpfe an, was Michael vom Nebenzimmer aus angeregt verfolgt. Anschließend rennt Michael weg, weil Frau Schmitz bemerkt hat, dass er sie beobachtet. Michael versucht die Frau zu vergessen, was ihm nicht gelingt und sexuelle Illusionen bestimmen zunehmend die Phantasie des pubertierenden Jungen. Er geht wiederum zu der Frau und holt für sie Kohlen aus dem Keller, wobei er sich so schmutzig macht, dass sie ihm ein Bad einlässt.

Frau Schmitz erkennt, was Michael will und die beiden schlafen miteinander. Durch seine neue Männlichkeit bestärkt geht Michael wieder zur Schule und besucht anschließend täglich seine Affäre, um nach dem Duschen mit ihr zu schlafen. Nach ein paarTagen sprechen die beiden über ihre Vornamen.

Nach und nach entwickelt sich aus den Besuchen Michaels bei Hanna ein festes Ritual, welches aus vorlesen, duschen und dem anschließenden Sex besteht.

In Gesprächen über Hannas Vergangenheit weicht sie oft aus und es kommt bald zum Streit zwischen ihr und Michael, weil er sie in den Osterferien frühmorgens bei der Arbeit besucht. Michael nimmt bei Konflikten ab sofort ständig die Schuld auf sich, Hanna vergibt ihm durch Sex.

Nach Ostern unternehmen die beiden einen viertägigen Fahrradausflug, welchen Michael im Alleingang organisiert hat. Hanna ist weder an der Route noch an sonstigen Entscheidungen interessiert und überlässt diese Michael. Da er Hanna während der Fahrt mit dem Frühstück überraschen will, verlässt er das Zimmer und hinterlässt einen Zettel. Als er zurück in die Pension kommt ist Hanna außer sich vor Wut, weil er sie zurückgelassen hat und sie schlägt ihn mit ihrem Gürtel.

Zwischen den beiden kommt es bald wieder zur Versöhnung, sie schlafen miteinander. Michael schafft schließlich das Schuljahr und wird in eine gemischte Klasse versetzt. Immer öfter trifft er sich mit seinen Freunden im Schwimmbad, wo sie auch seinen Geburtstag feiern. Später lässt Hanna an ihm ihre schlechte Laune aus, da sie nicht weiß, dass Michael Geburtstag hat. Eines Nachmittags trifft er Hanna auch im Schwimmbad, am nächsten Tag ist sie verschwunden. Die ihr angebotene Beförderung zur Fahrerin hat sie abgelehnt.

Nach Jahren sieht Michael Hanna wieder. Er hat sein Abitur gemacht und studiert nun Jura, dabei belegt er ein Seminar, das sich mit dem Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen beschäftigt, um dadurch die nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten. Auf der Anklagebank sitzt unter anderem Hanna. Ihr und den Mitangeklagten wird vorgeworfen, jeden Monat ca. 60 arbeitsunfähige Frauen ausgesucht und nach Auschwitz in den Tod geschickt zu haben. Außerdem sollen die Aufseherinnen hunderte Frauen auf einem Todesmarsch in einer Kirche verbrennen haben lassen, nur zwei jüdische Frauen, Tochter und Mutter, haben überlebt und sagen im Prozess als Zeugen aus.

Hanna gibt ihre Taten offen zu, obwohl die Beweislage für die Angeklagten günstig wäre. Fortan versuchen Hannas ehemalige Kolleginnen, ihr die Schuld zu geben, schließlich habe Hanna ein falsches Protokoll geschrieben. Diese streitet das so lange ab, bis ihr eine Schriftprobe angedroht wird.

Michael wird klar, dass Hanna Analphabetin ist, und dass sie nicht wegen ihm, sondern wegen der bevorstehenden Beförderung die Stadt verlassen hat, um einer Bloßstellung zu entgehen.

In einer zweiwöchigen Prozesspause, in der sich das Gericht in Israel befindet, besucht Michael zweimal ein Konzentrationslager, den Struthof. Michael sucht daraufhin den Richter des Prozesses auf, spricht mit ihm aber nicht über Hanna. Ende Juli werden die Urteile verkündet, Hanna wird zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Während Hanna ihre Haftstrafe absitzt, lebt Michael sein Leben in immer größer werdender Gefühllosigkeit. Er heiratet und bekommt mit seiner Frau Gertrud eine Tochter namens Julia.

Da Michael seine Ehefrau andauernd mit Hanna vergleicht, lassen sie sich scheiden, all die anderen Beziehungen in Michaels Leben scheitern aus demselben Grund. Michael arbeitet als Rechtshistoriker und beginnt nach der Scheidung, Hanna Kassetten zu schicken, auf denen er ihr vorliest, z.B. die „Odyssee" von Homer.

Nach mehreren Jahren antwortet ihm Hanna, sie schickt einen von Hand geschriebenen Gruß, allerdings antwortet Michael nicht darauf. Im Jahr vor Hannas Entlassung organisiert Michael eine Wohnung und einen Arbeitsplatz für sie, besucht Hanna aber nur einmal im Gefängnis, nämlich eine Woche vor ihrer Entlassung. Am Tag ihrer Entlassung erhängt sich Hanna.

Michael sieht sich daraufhin Hannas Zelle an und erfährt, dass sie sich mithilfe seiner Kassetten das Lesen und Schreiben beigebracht hat. Hannas Nachlass soll laut Testament Michael an die überlebende Tochter des Kirchenbrandes übergeben, insgesamt rund 7000 DM, welche Michael zu der Überlebenden nach New York bringt. Sie weigert sich allerdings das Geld anzunehmen, da sie meint, Hanna erhoffe sich dadurch die Befreiung von ihrer Schuld. Sie behält nur die Teedose, in der Michael ihr das Geld übergeben hat, das Geld selbst spendet er an eine Organisation, die sich für Alphabetisierung einsetzt. Michael besucht Hannas Grab nur ein einziges Mal und beschließt, sein Leben zu Papier zu bringen, um mit der offenen Frage nach Schuld und Verantwortung, die ihn sein Leben lang gequält hat, abzuschließen.

2.2.2 Interpretation des Romans

Bernhard Schlink verwendet in seinem Roman „Der Vorleser" bewusst eine Reihe von Motiven, die sich wie ein roter Faden durch die komplette Handlung ziehen.

So ist in „Der Vorleser" immer wieder die Rede von Homers „Odyssee" die er Hanna vorliest, und auch das Vorlesen selbst spielt eine wesentliche Rolle, was schon durch den Titel des Romans deutlich wird.

Diese und weitere Motive und Bilder, wie z.B. das Haus in der Bahnhofsstraße, dem Michael immer wieder begegnet, sollen im anschließenden Teil der Arbeit genauer erläutert werden.

2.2.2.1 Das Motiv des Vorlesens

„Und die Mädchen durften nicht sagen, was sie abends mit ihnen machte, [...]. Aber so war es gar nicht, und eines Tages hat doch eines geredet, und wir haben gewußt, daß die Mädchen ihr vorgelesen haben, Abend um Abend um Abend."[9]

[...]


[1] Internetseite: http://de.wikiquote.org/wiki/Enttäuschung, aufgerufen am 12.01.2010

[2] Lindner-Jarchow, Kordula: „Siegener Literaturwissenschaftler Professor Dr. Dr. h.c. Helmut Kreuzer ist tot", Internetseite: http://idw-online.de/pages/de/news84288 vom 04.08.2004, aufgerufen am 10.09.2009

[3] Internetseite: http://home.schule.at/teacher/deutsch/cont/literaturverfilmungen/film_literatur_adaption.doc, heruntergeladen am 01.09.2009

[4] Wunderlich, Dieter: „Der Blaue Engel", Internetseite: http://www.dieterwunderlich.de/Sternberg_blau_engel.htm, aufgerufen am 02.10.2009

[5] Internetseite: http://home.schule.at/teacher/deutsch/cont/literaturverfilmungen/film_literatur_adaption.doc, heruntergeladen am 01.09.2009

[6] Bazin, André: Plädoyer für die Adaption von Literatur, in: Gerhard Adam, Helmut Popp (Hrsg.): Literaturverfilmungen, München, 1984

[7] ebd.

[8] Hage, Volker, Koch, Julia: „Interview mit Bernhard Schlink, Lesen muss man trainieren", Internetseite: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,175811-2,00.html vom 08.01.2002, aufgerufen am 10.10.2009

[9] Schlink, Bernhard: Der Vorleser, o.O., 1995, S. 112

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Vom Wort zum Bild: Probleme der Literaturverfilmung am Beispiel von B. Schlinks "Der Vorleser" und S. Daldrys gleichnamiger Verfilmung
Note
13 Punkte (entspricht 1)
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V176136
ISBN (eBook)
9783640973668
ISBN (Buch)
9783640973323
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen der Literaturverfilmung. Im ersten Teil werden grundlegende Probleme der Adaption von Literatur erläutert, anschließend wird, ausgehend vom Roman "Der Vorleser" (welcher kurz analysiert wird), auf die Transformation des Buches eingegangen. Hierbei stehen Vergleiche der Romanvorlage mit der filmischen Adaption im Vordergrund. Ebenfalls wird eine Filmsequenz analysiert und abschließend versucht, die Verfilmung Daldrys zu beurteilen.
Schlagworte
Schlink, Bernhard, Probleme Literaturverfilmung, Adaption, Facharbeit, Buch und Film, Transformation, Stephen Daldry, Vom Wort zum Bild, Literaturverfilmung, Hanna Schmitz, Michael, Deutsch, Helmut Kreuzer, Interpretation, Inhaltsangabe Der Vorleser, Filmanalyse, Der Vorleser, Film, Verfilmung, Der Vorleser Film, Analyse Der Vorleser
Arbeit zitieren
Markus Schmid (Autor), 2010, Vom Wort zum Bild: Probleme der Literaturverfilmung am Beispiel von B. Schlinks "Der Vorleser" und S. Daldrys gleichnamiger Verfilmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176136

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